Fake News: Facebook findet keine Wahrheitsprüfer

Denise Bergert |
Die deutsche Medienlandschaft hat kein Interesse, Facebook beim Richtigstellen von Fake News zu helfen.

Seit einigen Wochen können Facebook-Nutzer Beiträge im sozialen Netzwerks als Fake News markieren . Deutschland ist nach den USA das zweite Land, in dem diese Funktion eingeführt wurde. Die gemeldeten Beiträge wandern anschließend zu Fakten-Checkern aus Redaktionen und Recherchebüros, wo sie auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft und gegebenenfalls richtiggestellt werden. So lautet zumindest die Theorie.

Um das Projekt realisieren zu können, ist Facebook auf die Kooperation von Redakteuren und Experten angewiesen. Gerade an diesen mangelt es dem Social Network jedoch. Aktuellen Mutmaßungen zufolge, ist das kleine stiftungsfinanzierte Recherchebüro Correctiv der einzige Partner, den Facebook bislang gewinnen konnte. Noch Mitte Januar kündigte Facebook an, dass man sich um die Kooperation weiterer deutscher Medien bemühen wolle. Laut dem Spiegel scheint der Konzern hier jedoch bereits seit Wochen Absagen zu ernten. Noch nicht einmal die Testphase für das Fake-News-Projekt konnte bislang gestartet werden. Obwohl Correctiv eigenen Aussagen zufolge die Arbeit mit seinen rund 20 Redakteuren aufnehmen könnte, benötigt Facebook für den Fake News Check mindestens zwei unabhängige Prüfer.

Wie der Spiegel erfahren haben will, habe sich aus der deutschen Medienlandschaft Focus Online als möglicher Partner gemeldet. Doch Focus Online machte selbst schon Schlagzeilen durch seine Arbeitsmethoden. Bild hat Focus Online beispielsweise verklagt, weil Focus Online systematisch Inhalte gestohlen hätte.

Auch Zeit Online prüft eigenen Angaben zufolge derzeit eine Zusammenarbeit. Hundertprozentige Zusagen scheint das soziale Netzwerk jedoch bislang nicht zu haben.

Absagen erntete Facebook bislang von einigen großen Medienhäusern. So lehnten unter anderem ARD und ZDF sowie Bild und Welt eine Kooperation ab. Man wolle nicht als Korrektureinheit im Auftrag von Facebook arbeiten, sondern eigene Faktenprüfungseinheiten aufbauen, heißt es bei der ARD . Die Nachrichtenagentur dpa, Spiegel und Spiegel Online sowie n-tv.de haben derzeit ebenfalls kein Interesse.