AMD Ryzen 5 2400G im Test: Zen-CPU mit Radeon-Grafikkern Vega

Friedrich Stiemer |
Der AMD Ryzen 5 2400G ist einer der ersten APUs, der Ryzen-CPU-Kerne mit Radeon-Vega-Grafik kombiniert. Die Leistung ist sowohl in Sachen Multicore-, als auch Gaming respektabel. Zusammen mit dem günstigen Preis von knapp 150 Euro hat der Chip eine Menge Kaufanreize zu bieten.
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Bei der neuen APU handelt es sich im Prinzip um eine Zen-CPU mit Radeon-Vega-Grafikkernen.

AMD

Der AMD Ryzen 5 2400G ist eine sogenannte APU (Accelerated Processing Unit) aus der neuen Generation mit dem Codenamen „Raven Ridge“. Stark vereinfacht gesagt packt AMD hierfür Ryzen-Prozessorkerne auf Basis der erfolgreichen Zen-Architektur und Radeon-Vega-Grafikkerne auf eine gemeinsame Chipfläche. Diese Kombination soll für eine so gute Multicore- und Gaming-Leistung sorgen, dass Sie sich den Kauf einer zusätzlichen Einsteiger-Grafikkarte sparen können.

Hinweis: Im ersten Teil dieses Artikels gehen wir zuerst auf die Raven-Ridge-Architektur ein, weiter unten finden Sie dann die Leistungstests des AMD Ryzen 5 2400G.

TEST-FAZIT: AMD Ryzen 5 2400G

AMD hat nicht zu viel versprochen: Die neue APU Ryzen 5 2400G der Raven-Ridge-Generation vereint die Vorteile der Zen-Mikroarchitektur mit der Leistungsfähigkeit der Radeon-Vega-Grafikkerne. Wer beim Zocken auf maximale Details verzichten kann oder sowieso nur weniger aufwendige Spiele wie DOTA 2 zockt, der kann getrost auf eine extra Grafikkarte verzichten und bares Geld sparen. Besonders zum aktuellen Zeitpunkt, in der die Grafikkartenpreise astronomische Höhen erreichen, ist so eine leistungsfähige APU fast schon Balsam für preisbewusste Gamer.

Intel hat aktuell nichts Vergleichbares zu bieten, auch wenn der Konkurrent bald nachlegen wird. Und wer dennoch zu einer Coffee-Lake-CPU greifen will, muss auch noch eine ziemliche Stange Geld für die Z370-Mainboards ausgeben, da die günstigen Versionen noch auf sich warten lassen.

Voraussetzung ist allerdings ein flotter Arbeitsspeicher mit einer ausreichend großen Kapazität, denn schließlich zwackt sich die iGPU 512 MB bis zwei Gigabyte davon ab. RAM ist aktuell aber nicht gerade billig, weshalb hier nicht zu vorschnell gehandelt werden sollte. Und wenn die knapp 150 Euro immer noch zu teuer sind, dann werfen Sie doch mal einen Blick auf den rund 90 Euro teuren AMD Ryzen 3 2200G (-> zum Test).

Pro:

+ tolle Spiele-Leistung für eine iGPU

+ günstige Preise

+ gute Multicore-Leistung

+ ziemlich energieeffizient

Contra:

- Leistung oft abhängig vom verbauten Arbeitsspeicher

Raven-Ridge-APUs sollen gewisse Ryzen-CPUs ersetzen

Im Preisbereich bis 200 Euro sind potentielle Käufer besonders kritisch und meist auf der Suche nach dem bestmöglichen Preis-Leistungs-Verhältnis. Deshalb plant AMD, die Prozessoren Ryzen 5 1400 (Straßenpreis: 142 Euro) und Ryzen 3 1200 (Straßenpreis: 92 Euro) durch den AMD Ryzen 5 2400G und den parallel veröffentlichten, aber mit unter 100 Euro deutlich günstigeren AMD Ryzen 3 2200G zu ersetzen. AMD erklärt die Neubesetzung mit einem direkten Vergleich zwischen den Chips und mit Hilfe einer Gegenüberstellung in einer Tabelle.

14nm+ FinFET sorgt für höhere Taktraten

Im Vergleich mit den Ryzen-CPUs fällt direkt auf, dass der 2400G deutlich höhere Taktraten ab Werk mitbringt. AMD hat sich nicht ohne Grund für die höheren Taktfrequenzen entschieden, da selbst aktuelle Spiele primär noch von einem höheren Takt profitieren als von mehr Kernen. Der Trend geht mittelfristig allerdings zu einer höheren Multicore-Effizienz über. Möglich ist der Taktanstieg durch den Einsatz des optimierten „14nm+ FinFET“-Prozesses bei der Chip-Fertigung. Gegenüber der 14-Nanometer-FinFET-Technik ohne Plus, die noch bei den Ryzen-Prozessoren Verwendung findet, sind damit kleinere Die-Maße und geringere Betriebsspannungen möglich. Das erlaubt es AMD, noch stärker an der Taktschraube zu drehen.

CPU-Test: Die besten Desktop-Prozessoren im großen Vergleich

Unter der Haube: Nur ein CPU-Complex bei Raven Ridge

Beim internen Aufbau eines Ryzen-Prozessors setzt AMD auf sogenannte Core-Complexes, abgekürzt CCX: Ein Komplex besitzt vier Rechenkerne, denen jeweils eigene Cache-Ebenen (L1 und L2) sowie ein gemeinsam nutzbarer Level-3-Cache zur Verfügung stehen. Beim Ryzen 5 1400 gibt es zwei CCX, die AMD über die Datenschnittstelle „Infinity Fabric“ miteinander verbindet. Jeweils zwei Kerne in den CCX sind allerdings deaktiviert, womit in der Praxis also insgesamt vier Kerne aktiv sind. Jeder CCX verfügt allerdings über eigene Ressourcen, was positiven Einfluss auf die Performance hat.

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Die Verbesserungen der Ryzen-2000-Serie im Vergleich zur 1000er-Reihe.

© AMD

Bei Raven Ridge verwirft AMD diesen Zusammenschluss aber und integriert nur einen CCX, dafür sind aber alle Kerne, also vier Stück, aktiv. Nun lässt sich argumentieren, dass die reduzierten Caches einen Leistungsverlust mit sich bringen könnten, denn schließlich greifen bei dieser Konfiguration vier Kerne auf die Zwischenspeicher zu während bei zwei verbauten CCX zwei Kerne über jeweils eigene Ressourcen verfügen können.

Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass auch eine gewisse Zeit für die Kommunikation zwischen den beiden CCX einkalkuliert werden muss. In internen Tests stellte AMD fest, dass viele Spiele vom zusätzlichen Cache-Speicher einer 2-CCX-Konfiguration profitieren, und andere wiederum von den gesunkenen Latenzen eines Prozessors mit nur einem CCX. Schlussendlich hat sich der Hersteller dann für letztere Option entschieden, um die Chips möglichst klein zu halten, damit sie sich nicht nur in Desktops, sondern auch in mobilen Geräten wie Notebooks problemlos einbauen lassen. Doch auch die gestiegenen Taktraten machen die geringeren Cache-Größen wieder wett.

Gesunkene Anzahl an PCIe-Lanes beim AMD Ryzen 5 2400G

Die Anzahl der PCI-Express-Lanes beim AMD Ryzen 5 2400G ist im Vergleich mit den Ryzen-Modellen gesunken, und zwar von 16 auf 8. Im ersten Moment mag das schon nach einer deutlichen Reduzierung klingen. Doch wer etwas länger darüber nachdenkt, der wird feststellen, dass wohl kaum jemand ein NVMe-RAID aus M.2-SSDs und mehrere Grafikkarten mit einer knapp 150 Euro teuren CPU kombiniert. AMD selbst stellt klar, dass die Fertigung dadurch günstiger wird, was in diesem Preissegment wirklich wichtiger ist.

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Die beiden APUs werden mit dem Low-Profile-Kühler AMD Wraith Stealth ausgeliefert.

© AMD

Besserer Boost-Takt und Support von schnellem RAM

Mit an Bord beim AMD Ryzen 5 2400G ist Precision Boost 2, die verbesserte, vollautomatische Übertaktungstechnik. Sie erlaubt das Boosten von mehr Kernen, und das öfters und großzügiger verteilt auf mehr Workloads. Vor allem in Spielen soll sich die optimierte Boost-Technik spürbar bemerkbar machen. Zusätzlich handelt es sich bei der Ryzen-2000G-Serie um die Prozessoren, die ab Werk die höchsten RAM-Taktraten unterstützen - nämlich DDR4-2933.

Weitere Einsparungen: Herkömmliche Wärmeleitpaste

Um die Prozessoren so günstig wie möglich anzubieten, hat AMD sogar die Verpackungen der CPUs überarbeitet. Dennoch gibt es standardmäßig immer einen Boxed-Kühler zur APU dazu, in dem Falle den Wraith Stealth, der beispielweise ohne RGB-Beleuchtung auskommen muss – das ist verschmerzbar. Interessant ist aber folgendes Detail: Zwischen CPU-Die und Heatspreader fügen die Hersteller wärmeleitendes Material ein, um eine reibungslose und flächendeckende Hitzeableitung zu gewährleisten. Bei Ryzen-Prozessoren handelt es sich dabei um besseres, dafür aber auch teureres, flüssiges Metall - bei Raven Ridge kommt „nur“ gewöhnliche Wärmeleitpaste zum Einsatz, die übrigens auch Intel für seine Skylake-X-Prozessoren verwendet. Die schlechtere Wärmeleitfähigkeit von Paste im Vergleich zu Flüssigmetall macht sich allerdings erst bei sehr hohen Übertaktungsfrequenzen negativ bemerkbar.

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AMD hat das Übertaktungs-Tool Ryzen Master auf die neuen APUs optimiert.

© AMD

Apropos Übertakten: Auch der Ryzen 5 2400G besitzt einen entsperrten Multiplikator. Zusätzlich gibt es auch ein offizielles Gratis-Tool zum Download: Mit AMD Ryzen Master lassen sich dann auch die Taktraten der APU für mehr Leistung in die Höhe schrauben.

Wenn Sie mehr zur Zen-Mikroarchitektur erfahren möchten, dann empfehlen wir Ihnen unseren Test des AMD Ryzen 7 1800X und die beiden Technik-Ratgeber „Alle Infos zu AMD Ryzen: Start, Preise, CPU-Modelle, Mainboards, Technik“ sowie „AMD Ryzen Mainboard-Check: Preise, Chipsätze, wichtige Infos“. Mehr Informationen zu AMD Radeon Vega erhalten Sie im Test der AMD Radeon RX Vega 64.

Topologie der Raven-Ridge-APUs

Bei Raven Ridge selbst kommt der Infinity Fabric nicht nur für die Verbindung zwischen den CCX zum Einsatz, sondern auch für die Zusammenkopplung der Vega-Grafikeinheit, Ein- und Ausgabe-Controller, Display- und Multimedia-Engine sowie der DDR4-Controller - insgesamt also sechs Einheiten, die im Infinity Fabric ihr Zuhause finden und davon verwaltet werden. Das Besondere an dieser Form des Interconnects ist die Struktur: Er kann beliebig ausgebaut werden und ermöglicht somit eine gute Skalierbarkeit von Prozessoren und Grafikchips.

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Die Topologie einer Raven-Ridge-APU - zentrales Bestandteil ist der Interconnect "Infinity Fabric".

© AMD

Radeon Vega soll für spieletaugliche 3D-Leistung sorgen

Nun zur integrierten Grafik (iGPU) der neuen APUs, siehe Tabelle weiter oben: Der AMD Ryzen 5 2400G ist mit elf Vega-Grafikkernen ausgestattet, die sich nicht von den Versionen aus den Desktop-Grafikkarten wie der AMD Radeon RX Vega 64 unterscheiden - zum Vergleich: Das aktuelle AMD-Flaggschiff für Grafikkarten besitzt 64 dieser Grafikkerne (offiziell eigentlich NCUs, also Next Generation Compute Units). Mit einem GPU-Takt von bis zu 1250 MHz lässt sich definitiv etwas anfangen – vor allem, wenn wir die Daten mit den iGPUs von Intel vergleichen, wie beispielsweise dem UHD Graphics 630: Der taktet mit maximal 1150 MHz, hat aber keine waschechten Gaming-Grafikkerne zur Verfügung.

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Der Aufbau der Vega-11-Grafik des AMD Ryzen 5 2400G.

© AMD

Wie für eine iGPU üblich, zwackt sich auch die Vega-Einheit den für den Betrieb nötigen Grafikspeicher vom Arbeitsspeicher des Systems ab. Standardmäßig werden hierfür 512 MB reserviert, im Bios lassen sich aber bis zu zwei Gigabyte als Grafikspeicher einstellen. Vor allem Letzteres soll für einen spürbaren Leistungsanstieg sorgen. Wir haben unsere Tests auch mit 2 GB durchgeführt.

AMD Ryzen 5 2400G mit Support für 4K und HDR

Unser Mainboard, mit dem wir den Ryzen 5 2400G testen, stellt einmal Displayport und einen HDMI-Anschluss bereit. Die Radeon-Vega-Grafik gewährt übrigens eine breit gefächerte Unterstützung verschiedener Display-Techniken: Die Unterstützung des Kopierschutzes HDCP in den Versionen 1.4 und 2.2 sowie das flüssige Abspielen von 4K-Inhalten in HDR (High Dynamic Range) mit 60 Hertz. Auch PlayReady 3, der DRM von Microsoft, soll ab dem zweiten Quartal 2018 mit Hilfe eines Treiber-Updates unterstützt werden.

Raven Ridge kann fast alles, was Summit Ridge (Ryzen) auch kann

Die APUs der Raven-Ridge-Serie unterstützen noch viele weitere Techniken. Da wäre natürlich die Bildsynchronisation Freesync, die Stromsparmaßnahme Radeon Chill, die in Echtzeit die Taktraten der iGPU kontrolliert - wenn nichts auf dem Bildschirm passiert, dann ist sie dank dieses Features auch kaum aktiv. Radeon Relive lässt sich ebenfalls nutzen, um ähnlich wie bei Nvidia Shadowplay sein Gameplay aufzeichnen zu können.

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Die Ryzen-APUs unterstützen quasi alle Radeon- und Ryzen-Techniken.

© AMD

Mit dieser Hardware testen wir die neue APU

Für unsere Tests hat uns AMD mit einem Mini-ITX-Mainboard von MSI ausgestattet, dem B350I Pro AC. Hinzu kommen 16 GB DDR4-3200 der FlareX-Serie von G.Skill. Als Kühler verwenden wir den mitgelieferten Boxed-Kühler Wraith Stealth. Beim Netzteil handelt es sich um das Antec TP-750C mit 750 Watt Leistung und einer 80-Plus-Gold-Zertifizierung. Mehr Informationen zum Testablauf selbst entnehmen Sie bitte unserem Artikel „Wie PC-WELT Desktop-Prozessoren testet“.

AMD Ryzen 5 2400G in Spielen, gepaart mit einer Gaming-Grafikkarte

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Die Spieleleistung in Full-HD mit einer extra Grafikkarte im Vergleich.

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Die Spieleleistung in Ultra-HD mit einer GTX 1080 im Vergleich.

Damit wir eine faire Vergleichbarkeit zu den anderen von uns getesteten Prozessoren herstellen, haben wir die APU mit einer Nvidia Geforce GTX 1080 Founders Edition gepaart. Deutlich sichtbar wird, dass der Ryzen 5 2400G eine messbar bessere Spiele-Leistung an den Tag legt als der Vorgänger Ryzen 5 1400 - der höhere Takt ist also nachweislich spürbar. Naturgemäß steigt der Stromverbrauch, auch wenn er sich immer noch in vertretbaren Grenzen hält.

Die Leistung der Radeon-Vega-iGPU – inklusive Stromverbrauch

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Der Stromverbrauch der CPU-Testplattform im Vergleich - auch ohne diskrete GPU.

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Die Spieleleistung der iGPU im Überblick.

Wir haben die APU natürlich auch ohne Grafikkarte getestet, damit wir die rohe 3D-Leistung der integrierten Vega-Grafiklösung messen können. Das Ergebnis: Gaming in Full-HD klappt zwar, aber dafür müssen Sie viele Spiele auf mittlere Grafikdetails herunterregeln. Nur bei weniger aufwendigen Spielen wie beispielsweise dem beliebten MOBA DOTA 2 ist das Zocken in maximalen Details auch in 1080p flüssig möglich – und das bei sehr geringerem Stromverbrauch.

Neue APU-Generation in Computing- und Synthetik-Tests

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Multimedia- und Synthetik-Tests im Vergleich.

Auch in den Multimedia- und Synthetik-Testläufen sprechen die Ergebnisse für sich: Die Reduzierung auf lediglich einen CCX hat nicht wirklich geschadet, der erhöhte Takt sorgt im Vergleich zu den Ryzen-5-Vorgängern ohne Grafikkern sogar für durchweg bessere Ergebnisse in allen Tests.

Noch günstiger: zum Test des AMD Ryzen 3 2200G