Huawei Mate 10 Pro im Test: Starke Akkulaufzeit

Dennis Steimels, Panagiotis Kolokythas |
Huawei hat mit dem Mate 10 Pro sein neues Premium-Smartphone vorgestellt. Wir haben das erste Smartphone mit echter künstlicher Intelligenz im Test.

Das neue Huawei Mate 10 Pro kommt mit allem, was andere Handys auch bieten - plus künstliche Intelligenz - also kurz und knapp zusammengefasst.

TEST-FAZIT: Huawei Mate 10 Pro

Mit dem Mate 10 Pro bringt Huawei ein sehr schickes und wertiges Samrtphone auf den Markt, das dank seines schmalen Displays und den dünnen Bildschirmrändern auch gut in der Hand liegt. Hardware-seitig steckt im neuen Mate beste Technik - plus künstliche Intelligenz dank spezieller NPU. Allerdings stellen wir im Test noch keinen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber der Konkurrenz fest. Eventuell profitiert die Performance erst so richtig, wenn noch mehr Apps entsprechend optimiert sind. Aber auch so bringt die CPU Höchstleistung und der Akku ermöglicht eine der längsten Laufzeiten aktueller Top-Modelle - mit Abstand! Mit der Bildqualität der Leica-Kamera bei unterschiedlichen Szenarien sind wird insgesamt sehr zufrieden. Nur die Schärfe ist nicht so hoch wie beim Galaxy Note 8. Spannend ist auch die Möglichkeit, dass Mate 10 Pro über USB Type-C an einen Monitor/Fernseher hängen zu können. Damit hat man quasi immer einen Mini-PC in der Hosentasche. Das ist zwar keine Neuheit, allerdings benötigt man hier nur ein Kabel und kein Zwischengerät.

Pro

+ Schickes Glas-Design

+ Hohe Performance

+ Sehr lange Akkulaufzeit

Contra

- Von der KI merkt man nicht viel

- Bildschärfe nicht so hoch wie etwa beim Note 8

Huawei Mate10 Pro: Kirin 970 mit NPU für KI

Speziell für die Berechnung von KI-Aufgaben besitzt der selbst entwickelte Chip Kirin 970 zusätzlich eine NPU - einen neuralen Prozessor - der Aufgaben wie Bild- oder Spracherkennung 25 Mal schneller und 50 Mal effizienter abarbeiten soll als klassische Prozessoren. Dadurch können beispielsweise 2000 Bilder pro Minute erkannt werden, wodurch auch die Erkennung von Videos (mit 30 Bildern pro Sekunde) möglich wird. Das Galaxy S8 und iPhone 7 Plus bringen es da nur auf 95 bzw. 487 Bilder/Minute, so Huawei. Zum Energiesparen und zur Performancesteigerung trägt bei, dass eine verhaltensgesteuerte AI-Technologie dafür sorgt, dass Aufgaben der verwendeten Apps automatisch an die CPU, GPU oder NPU verteilt werden.

Die NPU kommt zum Beispiel in der Kamera-App zum Einsatz, um Motive wie Essen, Pflanzen oder Personen zu erkennen und dadurch automatisch die idealen Einstellungen zu finden. Beim Telefonieren soll die KI Umgebungsgeräusche minimieren und Stimmen der Gesprächspartner lauter machen. Und Apps von Drittanbietern sollen im Laufe des Jahres automatisch für die NPU-Nutzung angepasst werden.

Bereits optimiert ist die vorinstallierte App Microsoft Translator. Allerdings stellen wir während unseres Tests keinen Unterschied zur Standard-Version aus dem Play Store fest, die es für jedes andere Android-Gerät auch gibt. Gegenüber der App auf dem Galaxy Note 8 etwa gibt es keinen Unterschied bei Geschwindigkeit und Genauigkeit. Vom Einsatz der künstlichen Intelligenz merken wir hier also nicht viel.

Für App-Entwickler bietet Huawei ein offenes Ökosystem für die Anpassung der Apps ein. Aktuell sind diese Anpassungen noch notwendig. Später im Laufe des Jahres werden aufgrund geplanter Änderungen aber die Apps automatisch für die NPU-Nutzung angepasst. Microsoft ist Partner des Open-AI-Systems und steuert seine Apps mit KI bei wie der oben genannte Übersetzer.

image description

Die Leica-Doppelkamera sitzt auf dem Signature Stripe der Rückseite.

© Huawei

Dual-Kamera von Leica

Die NPU kommt auch beim Fotografieren zum Einsatz. Per maschinellem Lernen wurden 100 Millionen Bilder analysiert und die Erkenntnisse darauf in das Mate 10 Pro gepackt. Beim Fotografieren erkennt die Kamera dadurch auf Wunsch das Szenario und optimiert dementsprechend die Kameraeinstellungen. Zum Start des Geräts werden 13 Szenarien erkannt: Text, Essen, Bühne, blauer Himmel, Schnee, Strand, Hund, Katze, Nacht, Sonnenuntergang, Pflanze, Portrait und Blumen. Will der Nutzer beispielsweise Blumen fotografieren, dann erkennt dies die künstliche Intelligenz, passt die Einstellungen an und sorgt dafür, dass die Blumen besonders gut auf dem Foto zur Geltung kommen. Wir stellen fest, dass die Kamera vor allem die Sättigung hochschraubt - aber noch im gesundem Maße - wodurch die Fotos sehr freundlich aussehen.

Die Dual-Kamera stammt wieder aus der Zusammenarbeit mit Leica. So gibt es wie zuvor einen Farb- und einen Schwarz-Weiß- Sensor mit 12 und 20 Megapixeln. In unserem ersten Test sehen die Testfotos sehr gut aus mit hohem Kontrast und natürlichen Farben. Im direkten Vergleichen stellen wir aber fest, dass die Leica-Kamera des Mate 10 Pro entfernte Details wie Bäume mit Ästen und Blättern nicht so detailreich erfasst wie die Kamera des Galaxy Note 8. So ist auch die Schärfe geringer als beim Samsung-Konkurrenten. Grundsätzlich erzielen wir aber unter vielen Bedingungen ein gutes Ergebnis.

Design und Display: Screen im Vollformat

Das Huawei Mate 10 Pro verfügt über ein 6-Zoll-Display im 18:9-Format, dank dessen das Smartphone recht kompakt ist. Der OLED-Bildschirm löst mit 2.160 x 1.080 Pixeln auf, und es wird HDR10 unterstützt. Damit bietet das Display zwar eine geringere Punktedichte als die Vergleichsmodelle, die Auflösung ist für das menschliche Auge aber hoch genug, um Inhalte absolut scharf zu sehen. Die Screen-to-Body-Ration fällt beim Mate 10 Pro mit 81,61 Prozent minimal größer aus als beim iPhone X von Apple mit 81,36 Prozent.

Die Rückseite des Geräts besteht aus Glas. Der sogenannte Signature Stripe über der Doppel-Kamera soll als Hingucker dienen und dem Gerät einen optisch peppigeren Look spendieren. Das Gehäuse ist gemäß IP67 staubgeschützt und wasserdicht.

image description

Großes 6-Zoll-Display im 18:9-Format mit schmalen Rändern.

© Huawei

Mobilität: Sehr lange Akkulaufzeit

Wie im Vorgängermodell steckt auch im Mate 10 Pro ein 4.000 mAh starker Akku. Über die Huawei-Safe-Supercharge-Technologie kann der Akku in 30 Minuten auf knapp 60 Prozent geladen werden. Außerdem handelt es sich um die erste Schnellladetechnik, die Ende zu Ende vom TÜV Rheinland auf Sicherheit zertifiziert wurde, daher auch der Begriff „Safe“ im Namen.

Im Test Dauer-Surfen schafft das Mate 10 Pro eine Laufzeit von 13:08 Stunden und liegt damit weit vor den restlichen Top-Handys. Bereits beim Mate 9 waren wir von der Akkulaufzeit begeistert. Zum Vergleich: Das Galaxy Note 8 kam im Test auf 9:15 Stunden. Mindestens bis zum Nachmittag des nächsten Tages hält das Handy bei normalem Gebrauch locker durch.

Ausstattung und Software: Android 8 ab Werk

Im Mate 10 Pro sind 6 Gigabyte RAM verbaut und es gibt einen 128 Gigabyte internen Speicher, wovon aber bereits knapp 17 GB durch die Firmware und vorinstallierten Apps belegt sind. Der Speicher ist nicht via Micro-SD-Karte erweiterbar.

Das Mate 10 Pro ist das erste Smartphone mit LTE-Cat-18-Unterstützung. Dadurch können Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1,2 Gigabit pro Sekunde übertragen werden. Oder anders ausgedrückt: Eine Folge einer TV-Serie landet binnen zwei Sekunden in hoher Qualität auf dem Gerät. Die hohe Geschwindigkeit wird mit 4x4-MIMO-Antennen, 256-QA-Modulation und 5CA (fünffache Carrier Aggregation) erzielt.

Klingt super, allerdings: Hierzulande unterstützt noch kein Mobilfunkanbieter LTE Cat 18. Andere Hersteller, wie Samsung, haben ebenfalls LTE-Cat-18-Smartphones angekündigt.

Bei der Dual-SIM-Unterstützung gibt es auch eine Besonderheit: Es dürfen parallel zwei LTE-SIMs in das Gerät gesteckt werden.

Das Huawei Mate 10 Pro kommt mit Android 8.0 Oreo und EMUI 8.0. Bei seiner eigenen Oberfläche EMUI überspringt Huawei die Versionsnummern 6 und 7, um diese mit der Android-Version anzugleichen.

Mate 10 Pro wird zum PC - auch ohne Dex

Über USB Type-C und einen HDMI-Adapter können Sie das Mate 10 Pro direkt an einen HDMI-fähigen Fernseher anschließen. Dort erwartet Sie dann eine per Maus und Tastatur steuerbare Desktop-Oberfläche, bei der alle Apps in einem großen Format angezeigt werden. Das ist ideal, wenn man beispielsweise an einem Text-Dokument über die Google-Docs-App arbeiten möchte, eine Präsentation halten oder einfach ein Youtube-Video auf einem größeren Bildschirm betrachten möchte. Praktisch: Benachrichtigungen wie eingehende SMS-Nachrichten werden auf Wunsch nur auf dem Smartphone-Display und nicht am angeschlossenen Fernseher/Monitor angezeigt.

image description

Huawei Mate 10 Pro per USB Type-C am PC anschließbar

Anders als beim Galaxy S8/S8+ oder dem Galaxy Note 8 wird also kein Zwischengerät (Samsung Dex) für das Übertragen des Bildes an den Fernseher benötigt, sondern es muss nur ein HDMI-Kabel verwendet werden. Außerdem bleiben in der Zeit der Übertragung beide Displays aktiv.

Preis und Verfügbarkeit

Das Huawei Mate 10 Pro wird für 799 Euro ab November in Deutschland erhältlich sein . Und zwar in den Farben Midnight Blue, Titanium Grey und Mocha Brown (exklusiv bei Vodafone). Außerhalb Deutschlands wird es das Mate 10 Pro auch noch in der Farbvariante Pink Gold geben.

Vorbesteller erhalten das Mate 10 Pro mit einem Moleskine-mart-Writing-Set inklusive Tasche im Wert von 229 Euro gratis dazu. Mehr Infos zur Aktion und den Teilnahmebedingungen finden Sie auf dieser Seite.

Außerdem wird es ab Dezember auch das Huawei Mate 10 Porsche Design in Deutschland geben. Der Preis für das Gerät mit 6 GB RAM und 256 GB internem Speicher im Porsche-Look: 1.395 Euro.

Mate 10 Pro: Alle Specs im Überblick