Mesh: Beste Signalqualität durch gemeinsames WLAN aus Router & Repeatern

Thomas Rau |
Bei AVM steht Mesh hoch im Kurs: Die Technik ist zentraler Bestandteil der Fritz-OS-Updates für Fritzbox-Modelle. Außerdem gibt es von vielen Herstellern spezielle WLAN-Systeme für Mesh-Vernetzung. In diesem Beitrag erfahren Sie, was der große Vorteil der Mesh-Technik ist, wie sie genau funktioniert und welche Hardware Sie dafür brauchen.
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Was bedeutet eigentlich Mesh?

AVM

AVM, Hersteller der beliebten Fritz!-Boxen, versteht unter Mesh, dass Router und Repeater ein gemeinsames WLAN bilden, das alle Clients mit hohen Datenraten anbindet: Das Funknetz ist dann mit so vielen Maschen (Mesh) aufgebaut, dass ihm keine Gegenstelle entgeht. 

Auch die WLAN-Systeme anderer Hersteller sollen dafür sorgen, dass alle Geräte im Funknetz schnell und stabil mit dem WLAN verbunden sind. Denn WLAN-Abdeckung und Reichweite sind im Heimnetz inzwischen viel wichtiger als Höchstgeschwindigkeit für einzelne Geräte. Die Systeme bestehen aus einer Basisstation, die per Kabel am Internet-Router angeschlossen ist sowie mehreren Satelliten, die untereinander und mit der Basisstation per WLAN verbunden sind und so ein lückenloses Funknetz aufbauen.

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An dem kleinen blauen Dreieck unter der Fritzbox und dem AVM-Repeater erkennen Sie, dass die neue Mesh-Funktion bei diesen Geräten aktiv ist.

Mesh soll vor allem für mobile Geräte wie Notebook, Smartphone und Tablet Vorteile bringen: Denn alle WLAN-Zugriffspunkte in einem Mesh-System haben dieselbe Netzwerkkennung (SSID) und ein gemeinsames WLAN-Passwort. Damit können die Mobilgeräte sich selbstständig mit dem Zugriffspunkt verbinden, der an ihrer aktuellen Position die beste Signalqualität bietet.

Inzwischen gibt es zahlreiche Mesh-Systeme in verschiedenen Preis- und Leistungsklassen: Welches Sie benötigen und wie viele WLAN-Zugriffspunkte Ihr Mesh umfassen sollte, hängt davon ab, welchen Bereich Sie per WLAN abdecken wollen. Üblicherweise werden die Systeme als 2er- oder 3er-Set angeboten, einige lassen sich auf insgesamt fünf oder mehr Zugriffspunkte erweitern. Die Hersteller versprechen mit einem 2er-Set eine Abdeckung von 170 qm bis 250 qm, ein 3er-Set soll für bis zu 375 qm reichen. Die tatsächliche Abdeckung hängt aber vor allem von Ihren örtlichen Gegebenheiten ab - unserer Erfahrung nach sollten Sie für eine Fläche über 150 qm auf jeden Fall ein 3er-Set in Betracht ziehen.

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Das Netgear Orbi RBK50 bietet schnelles Mesh-WLAN mit Tri-Band-Funk:

© Netgear

Schnelle Mesh-Systeme mit Tri-Band-Funk

Am leistungsfähigsten sind Mesh-Systeme mit Tri-Band: Sie besitzen drei Funkmodule, zwei für die Frequenz 5 GHz und eines für 2,4 GHz. Dabei sorgt ein Modul in einem Funkbereich über 5 GHZ (meist in den höheren Kanälen) ausschließlich für die Verbindung der Mesh-Satelliten untereinander beziehungsweise zur Basisstation (Back-Haul). Die beiden anderen Funkeinheiten binden über die restlichen Funkkanäle im 5-GHz-Bereich sowie per 2,4 GHz die WLAN-Geräte im Heimnetz ein. Die höchsten Datenraten erreichen Systeme wie das Netgear OrbiRBK50 (2er-Set) beziehungsweise RBK53 (3er-Set) oder das Zyxel Multy X WSQ50 : Sie verbinden Satellit und Basisstation über vier parallele Datenströme mit bis zu 1733 MBit/s. Für die Heimnetz-Geräte bieten die Zugriffspunkte mit zwei parallelen Datenströmen maximal 867 MBit/s (5 GHz) beziehungsweise 400 Mbit/s (2,4 GHz).

Günstiger sind Tri-Band-Systeme mit einer internen Verbindungsrate von bis zu 867 Mbit/s, die ebenfalls 867 und 400 Mbit/s für WLAN-Gegenstellen verfügbar machen. Dazu gehören zum Beispiel Netgear Orbi RBK43 (3er-Set) und das System RBK23 (3er-Set) und RBK20 (2er-Set), die statt vier Gigabit-Anschlüsse nur zwei Gigabit-Buchsen besitzen. Das System Deco M9 Plus von TP-Link bietet die gleiche WLAN-Geschwindigkeit, unterstützt aber außerdem den Zigbee-Standard für die Heimvernetzung. Die Orbi-Geräte von Netgear lassen sich nach einem Firmware-Update jetzt übrigens auch untereinander vernetzen – zuvor musste jeder Satellit eine Verbindung zur Basisstation haben.

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Google WiFi ist ein günstiges Dual-Band-Mesh-System.

© Google

Günstiges und flottes Mesh: Dual-Band-Systeme

Günstiger sind Dual-Band-Systeme: Sie verzichten auf eine dedizierte Verbindung der Mesh-Knoten untereinander und nutzen dafür wahlweise die 5- oder 2,4-GHz-Frequenz. Diese Verbindung müssen sie sich dann mit den über die jeweilige Frequenz angebundenen WLAN-Clients teilen, was die mögliche Datenrate verringert. So arbeiten zum Beispiel Google Wifi , TP-Link Deco M5 , Engenius EMR3000 , D-Link Covr C1202 und Covr C1203 sowie das Linksys Velop Dual-Band-System .

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Devolo Magic 2 WiFi: Hybrid-Mesh mit WLAN und Powerline

© Devolo

Einige Mesh-Systeme nutzen deshalb die Stromleitung per Powerline als exklusive Back-Haul-Verbindung zwischen den Mesh-Knoten: Die Powerline-Adapter haben Dual-Band-WLAN, das sie dann ausschließlich für die WLAN-Geräte im Heimnetz nutzen können.

So arbeitet zum Beispiel Devolo Magic 2 Wifi , das ein Powerline-Tempo von 2,4 Gbit/s verspricht sowie 867 Mbit/s (5 GHz) und 300 Mbit/s (2,4 GHz) für WLAN-Clients. Das Devolo Magic Wifi 1 bietet die gleiche WLAN-Geschwindigkeit, die Datenrate der Powerline-Verbindung liegt dagegen bei 1,2 GBit/s. Huawei bietet ein ähnliches System mit 1 Gbit/s über Powerline als WiFi Q2 an. Allerdings setzen diese Mesh-Systeme den Powerline-Standard G.hn ein und sind daher nicht kompatibel zu Powerline-Adaptern, die mit Homeplug AV arbeiten wie etwa die dLAN-Produkte von Devolo.

Das TP-Link Deco P7 nutzt dagegen Homeplug AV mit bis zu 600 Mbit/s für die Verbindung der Mesh-Knoten sowie Dual-Band-WLAN mit 867 und 400 Mbit/s für das WLAN. Das D-Link Covr P2502 verspricht bei gleichem WLAN-Tempo eine Powerline-Datenrate von 1,3 Gbit/s mit dem HomeplugAV-Standard.

Mesh von AVM und der Telekom

Obwohl AVM das Thema Mesh stark betont, gibt es noch kein WLAN-Mesh-System des deutschen Herstellers. Lediglich das als Fritz Mesh Set bezeichnete Bundle aus einer Fritzbox 7590 und dem WLAN-Repeater Fritz Repeater 1750E ist erhältlich. Vor Weihnachten soll aber noch der Fritz Repeater 3000 erhältlich sein: Er arbeitet als Tri-Band-Gerät mit einem exklusiven Übertragungskanal für die Verbindung zur Fritzbox und den Repeatern untereinander, der bis zu 1733 MBit/s (vier MIMO-Streams) erreicht. WLAN-Clients werden per 2x2-Streams mit bis zu 867 Mbit/s über 5 GHz und 300 Mbit/s über 2,4 GHz angebunden. Auch die Telekom hat seit kurzem einen Mesh-Repeater im Angebot: Der Speed Wifi Home soll bis zu 1733 Mbit/s übertragen.

Tipp: Die Fritzbox kann mehr als nur einen Internetzugang bereitstellen. Die Kombigeräte bieten unter anderem einen eigenen NAS-Speicher und erlauben den Zugriff übers Internet auf das eigene Netzwerk. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Fritzbox ausreizen.