Wir zeigen Ihnen, wie viel Datenvolumen Netflix und Co. benötigen und welche interessanten Optionen es für Vielsurfer gibt.

Die Pandemie fordert ein Umdenken, was Arbeit, Schule und Unterhaltung angeht. Alles findet nun überwiegend zu Hause statt und setzt ein leistungsstarkes WLAN voraus, damit sämtliche Dienste die benötigte Bandbreite erhalten. Besonders Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime Video, jedoch auch Videokonferenzen mit einer Vielzahl von Teilnehmern und aktiver Kamera sind eine Herausforderung. Damit Sie die notwendige Transparenz erhalten, haben wir für Sie in diesem Artikel die benötigten Bandbreiten für die wichtigsten Streamingdienste und die am häufigsten genutzten Video-Konferenzsysteme zusammengestellt. Insbesondere wenn sich alle Geräte ein einziges WLAN teilen, kann es dabei schnell zu Engpässen kommen.

1. Audio- und Videostreaming

Die generellen Anforderungen an den Internetanschluss nehmen kontinuierlich zu. Dies liegt vor allem an der immer größeren Zahl von Streaminggeräten zu Hause. Der klassische Fernsehempfang, der früher mittels Satellit oder Kabel funktionierte, wird heute zu großen Teilen durch Streamingdienste, jedoch auch durch TV-Dienste wie Waipu.tv oder Zattoo ersetzt. Ähnlich sieht es bei Musik, Radio und Podcasts aus. Diese werden zwar immer noch intensiv konsumiert, kommen aber zumeist nicht mehr von CD oder aus dem Radioempfänger, sondern werden übers Internet gestreamt. Damit kommt in einem Mehr-Personen-Haushalt recht zügig ein nicht unerheblicher Bandbreitenbedarf zusammen. Wohl dem, der in einem gut ausgebauten Gebiet wohnt und nur die nächsthöhere Bandbreite bestellen muss.

Unterschiedliche Qualitätsstufen für Audiostreaming

Podcasts brauchen in der Regel eine geringere Bandbreite als die Übertragung von Musik. Spotify etwa überträgt Podcasts abhängig vom verwendeten Client mit maximal 128 KBit/s.

Abhängig von der verfügbaren Bandbreite stehen Ihnen für die angebotenen Audio- und Videoformate unterschiedliche Qualitätsstufen zur Verfügung. Audiostreaming bringt hierbei die wenigsten Internetanschlüsse an ihre Grenzen: Spotify bietet Ihnen zum Beispiel vier unterschiedliche Qualitätsstufen an – von niedrig bis hin zu sehr hoch. Die zugehörige Bandbreite geht dabei von 24 KBit/s bis zu 320 KBit/s. Podcasts haben generell eine geringere Bandbreite, diese liegt in der Regel bei maximal 128 KBit/s. Amazon hat zwei neue Musik-HD-Formate auf den Markt gebracht. Das Ultra-HD-Format benötigt bis zu 3730 KBit/s an Bandbreite. Im direkten Vergleich kommt eine normale Audio-CD auf lediglich 1411 KBit/s – also nicht mal die Hälfte.

Noch mehr Bandbreite erfordert der Streamingdienst Tidal in seiner höchsten Qualitätsstufe „Tidal Master“. Sie müssen dafür mit 2304 bis 9216 KBit/s rechnen – abhängig von den jeweiligen Musikstücken. Ob ein normales Gehör den Unterschied noch erkennen kann, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem von Ihrer Stereoanlage, den verwendeten Kopfhörern wie auch den Umgebungsgeräuschen.

Amazon bietet seit Neuestem Musik im HD-Format an. Diese verlangt für die Übertragung eine Bandbreite von bis zu 3730 KBit/s.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie mit Ihren Hi-Fi-Geräten überhaupt einen Unterschied wahrnehmen, testen Sie dies am besten einen Monat lang. Danach können Sie für sich entscheiden, ob sich der Aufpreis für Sie lohnt. Dies sind bei Tidal 10 Euro Aufpreis zwischen der Premium- und der Hi-Fi-Variante, bei Amazon Music beträgt der Aufpreis lediglich 5 Euro.

Videostreaming über den TV von SD-Qualität bis zu 4K-Auflösung

Die Qualität und vor allem die Auflösung der Fernsehgeräte hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Aktuelle Geräte unterstützen zumeist das UHD-Format, auch als Ultra-HD oder 4K bekannt. Die Auflösung beträgt hier 3840 x 2160 Pixel und ist somit um das Vierfache höher als bei Full-HD mit 1920 x 1080 Pixel. Dies macht sich auch bei der benötigten Bandbreite für die Streamingdienste bemerkbar.

Viele Streaminganbieter bieten Ihnen in ihren Abomodellen zwei oder drei Qualitätsformate an. Das Basic-Modell von Netflix liefert beispielsweise Filme und Serien im SD-Format aus, im Standard-Tarif Full-HD und im teuersten Tarif Ultra-HD oder 4K. Aufgrund der Anzahl der Bildpunkte, die übertragen werden, erhöht sich natürlich auch die benötigte Bandbreite. Netflix gibt als Richtwerte in seinem Hilfe-Center  für das SD-Format eine erforderliche Download-Geschwindigkeit von 3 MBit/s an, für HD-Qualität 5 MBit/s und für UHD 25 MBit/s. Da ist es nur wenig verwunderlich, dass Netflix wie auch eine Reihe anderer Streamingdienste zu Beginn der Pandemie die Möglichkeit des 4K-Streamings deaktiviert hatten.

Bei Netflix stehen Ihnen drei Qualitätsstufen für die Filme und Serien zur Verfügung. Diese benötigen eine Bandbreite zwischen 3 und 25 MBit/s und setzen ein entsprechendes Abomodell voraus.

In der Tabelle sehen Sie, welche Bandbreiten die Anbieter für die einzelnen Formate in der Regel brauchen. Auffällig ist der niedrigere Wert bei Amazon Prime Video im Vergleich zu den Konkurrenten: Der Dienst erfordert beim Streaming von 4K-Inhalten nur 15 MBit/s. Alle anderen geben für die Übertragung von Inhalten der besten Qualitätsstufe eine Bandbreite von mindestens 25 MBit/s an. Damit benötigen Sie zu Hause mindestens einen VDSL-Anschluss mit 50 MBit/s, mit einem normalen ADSL-Anschluss können Sie nur die Full-HD-Qualität betrachten.

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Übersicht: Datenverbrauch beim Audiostreaming

Streamingqualität

Amazon Music

Apple Music

Deezer

Spotify

Tidal

Youtube Music

Niedrig

48 KBit/s

64 KBit/s

64 KBit/s

24 KBit/s

nicht verfügbar

48 KBit/s

Normal

128 KBit/s

128 KBit/s

128 KBit/s

96 KBit/s

128 KBit/s

128 KBit/s

Hoch

320 KBit/s

256 KBit/s

320 KBit/s

160 KBit/s

nicht verfügbar

256 KBit/s

Sehr hoch

nicht verfügbar

nicht verfügbar

nicht verfügbar

320 KBit/s

320 KBit/s

nicht verfügbar

HD

850 KBit/s

nicht verfügbar

nicht verfügbar

nicht verfügbar

1411 KBit/s

nicht verfügbar

Ultra HD

3730 KBit/s

nicht verfügbar

nicht verfügbar

nicht verfügbar

2304-9216 KBit/s

nicht verfügbar

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Übersicht: Datenverbrauch beim Videostreaming

Streamingqualität

Amazon Prime Video

Apple TV+

DAZN

Disney+

Joyn

MagentaTV

Netflix

Sky

TV Now

Waipu.tv

Zattoo

SD

1 MBit/s

nicht verfügbar

2 MBit/s

nicht verfügbar

3 MBit/s

3 MBit/s

3 MBit/s

2 MBit/s

1,5 MBit/s

6 MBit/s

3 MBit/s

Full HD

5 MBit/s

8 MBit/s

8 MBit/s

5 MBit/s

7 MBit/s

8 MBit/s

5 MBit/s

8 MBit/s

6 MBit/s

16 MBit/s

8 MBit/s

UHD / 4K

15 MBit/s

25 MBit/s

nicht verfügbar

25 MBit/s

nicht verfügbar

28 MBit/s

25 MBit/s

25 MBit/s

nicht verfügbar

nicht verfügbar

nicht verfügbar

2. Homeoffice und Homeschooling

Das Internet in Deutschland ist seit Beginn der Pandemie im Jahr 2020 immer wieder an seine Belastungsgrenzen gestoßen. Auf dem zentralen Internetknoten in Frankfurt hat der Traffic um mehr als 20 Prozent zugenommen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sich nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze in die eigenen vier Wände verlagert. Schüler werden ebenfalls phasenweise über unterschiedliche Plattformen von den Lehrern mittels Videokonferenz unterrichtet. Durch diese veränderte Arbeitsweise ist die Belastung des Internets deutlich gestiegen, was vor allem auch an den zentralen Internetknoten in Deutschland sichtbar wird. Anfang 2020 lag der durchschnittliche Datenverkehr bei rund 5,6 TBit/s, ein Jahr später liegt der Wert bei rund 7,2 TBit/s. Dies sind über 20 Prozent mehr im Durchschnitt.

Ein Großteil des Zuwachses ist auf die Video- und Audiokonferenzen zurückzuführen, die inzwischen zum Alltag vieler Arbeitnehmer, aber auch Schüler gehören. Der Datenbedarf eines Telefonats über Whatsapp verwendet ziemlich wenig Bandbreite – Sie kommen mit rund 40 KBit/s aus, bei Skype und Teams sind dies rund 30 KBit/s.

Videotelefonate in normaler und in HD-Qualität

Sprachanrufe über Whatsapp benötigen rund 40 KBit/s, Videoanrufe erfordern hingegen eine Bandbreite von rund 0,7 MBit/s.

Spürbar mehr Bandbreite benötigen Sie, wenn Sie ein Videotelefonat machen. Hier gibt es zwei Faktoren, welche den Ressourcenbedarf beeinflussen: die Qualität der Bildübertragung sowie die Anzahl der Teilnehmer. Whatsapp agiert an dieser Stelle noch an der unteren Skala der Anforderungen: Für einen Videoanruf benötigen Sie lediglich rund 0,7 MBit/s, und es steht Ihnen auch nur eine Qualitätsstufe zur Verfügung. Die meisten anderen Dienste bieten eine normale Videoqualität und eine oder zwei HD-Varianten an. Diese unterscheiden sich dann in der Bildgröße und Auflösung. Bei Zoom haben Sie beispielsweise die Auswahl zwischen einem 720p-HD-Video und einem 1080p-HD-Video. Für das 720p-HDVideo benötigen Sie eine Bandbreite für Upload und Download von 1,2 MBit/s, bei 1080p sind dies rund 1,8 MBit/s in beide Richtungen. Welche Optionen für ein Telefonat zur Verfügung stehen, richtet sich in der Regel nach der verwendeten Hardware und der verfügbaren Bandbreite.

Noch mehr Bandbreite setzt Google Meet für einen Videoanruf in HD-Qualität voraus. Hier wird für die ausgebenden Signale stets eine Bandbreite von 3,2 MBit/s fällig, die eingehende Bandbreite richtet sich nach der Anzahl der Teilnehmer. Sie beginnt bei 2,6 MBit/s, wenn lediglich Sie und Ihr Gegenüber im Gespräch sind. Bei zehn Teilnehmern wächst der Bandbreitenbedarf auf rund 4 MBit/s.

Im Gegensatz dazu brauchen Sie bei Zoom für eine Videokonferenz in bestmöglicher HD-Qualität mit mehreren Teilnehmern rund 3 MBit/s, bei Teams etwa 1,5 MBit/s. Eine komplette Übersicht für die Dienste Google Meet, Zoom, Skype und Microsoft Teams finden Sie auf der linken Seite.

Bei Zoom dürfen Sie entscheiden, ob Sie Ihr Video in normaler Qualität oder im HD-Format übertragen. Den Parameter setzen Sie in den Videoeinstellungen.

Oftmals ist es während eines Meetings ebenfalls hilfreich, den Bildschirm zu teilen, oder der Referent zeigt eine Präsentation. Die Übertragung des Bildschirminhaltes verbraucht rund 100 KBit/s an zusätzlicher Bandbreite. Wenn Sie zuvor bereits die Kameras ausgeschaltet haben, kommen Sie bei Teams mit rund 130 KBit/s aus, bei einer Videokonferenz in HD-Qualität sind das dann zwischen 1,3 und 1,6 MBit/s, abhängig von der Auflösung. Falls Sie also erkennen, dass die Präsentation ins Stocken gerät, das Videobild stehen bleibt oder die Sprache nicht mehr synchron übertragen wird, hilft es in aller Regel, die Kamera zu deaktivieren und den Anruf im Audiomodus weiterzuführen.

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Übersicht: Datenverbrauch bei Telefon- und Videokonferenzen

Google Meet

Skype

Teams

Whatsapp

Zoom

Audiokonferenz

keine Angabe

30 KBit/s

30 KBit/s

40 KBit/s

keine Angabe

1:1-Videokonferenz hohe Qualität

nicht vorhanden

300 KBit/s

500 KBit/s

0,7 MBit/s

600 KBit/s

1:1-Videokonferenz 720p

1,0 MBit/s

400 KBit/s

1,2 MBit/s

keine Angabe

1,2 MBit/s

1:1-Videokonferenz 1080p

3,2 MBit/s

1,2 MBit/s

1,5 MBit/s

keine Angabe

1,8 MBit/s

Gruppen-Videokonferenz hohe Qualität (Upload / Download)

nicht verfügbar

nicht verfügbar

0,5 MBit/s / 0,5 MBit/s

0,7 MBit/s / 0,7 MBit/s

800 KBit/s / 1,0 MBit/s

Gruppen-Videokonferenz 720p (Upload / Download)

1,0 MBit/s / 2,0 MBit/s

512 KBit/s / 8 MBit/s (ab 7 Personen)

1,0 MBit/s / 1,0 MBit/s

keine Angabe

1,5 MBit/s / 1,5 MBit/s

Gruppen-Videokonferenz 1080p (Upload / Download)

3,2 MBit/s / 4,0 MBit/s

keine Angabe

2 MBit/s / 2 MBit/s

keine Angabe

2,5 MBit/s / 3,0 MBit/s

3. Unterschiede zwischen verschiedenen Endgeräten

Bei den Streamingdiensten wie auch bei den Videokonferenz-Plattformen stehen Ihnen unterschiedliche Formate zur Verfügung. Damit reagieren die Anbieter auf mehrere Rahmenfaktoren: Neben den Lizenzkosten sind dies besonders die verfügbare Bandbreite eines Anschlusses und die Geräte im Haushalt.

Die Ausstattung der Geräte ist auch ausschlaggebend

Sie können auf einem Tablet wie zum Beispiel dem iPad Air 2 aus dem Jahr 2014 mit einer Auflösung von 2048 x 1536 Bildpunkten keine Ultra-HD-Inhalte wiedergeben. Dies ist mit der Hardware nicht möglich. Die integrierte 720p-Kamera Ihres Notebooks erlaubt Ihnen zwar eine Übertragung in HD-Qualität, allerdings lediglich mit einer Auflösung von 1280 x 720 Pixeln.

Wichtig für die Datenübertragung in Ihrem Netzwerk ist auch das WLAN, und zwar sowohl die WLAN-Karte in Ihrem Endgerät als auch das WLAN Ihres Routers. Am Ende gibt stets die langsamste Komponente den Ausschlag. Ein Notebook mit einer älteren WLAN-Karte wird also auch durch einen modernen Router nicht schneller, das Gleiche gilt für ein modernes Notebook an einem älteren Router.

Aus diesem Grund hilft bei der Suche nach dem Flaschenhals im Netzwerk immer der Blick auf alle Komponenten. Für die optimale Geschwindigkeit im Netzwerk sollten Sie versuchen, so viele Geräte wie möglich über Kabel mit dem Router zu verbinden. Den restlichen Komponenten wie dem Tablet oder Smartphone steht dann die größtmögliche Bandbreite zur Verfügung.

Fazit: Die Summe der Geräte ist entscheidend für die Qualität

Bei einem Mehr-Personen-Haushalt und zahlreichen Endgeräten kann es schnell zu einem Bandbreitenbedarf von 100 MBit/s und mehr kommen. Besonders in Zeiten, in denen viele Familienmitglieder zu Hause sind, Videokonferenzen abhalten und sich die Zeit mit Netflix & Co. vertreiben, ist der Bandbreitenbedarf massiv gestiegen. Viele Router erlauben es Ihnen, bestimmte Dienste für bestimmte Geräte zu priorisieren. Bei den Fritzbox-Modellen finden Sie die Einstellung unter „Internet / Filter / Priorisierung“. Damit können Sie zumindest tagsüber zuverlässig Ihre Videokonferenzen durchführen, ohne dass Ihnen durch Netflix und Prime Video die Bandbreite entzogen wird.

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