417 km/h: Youtube-Video zeigt Raserei auf deutscher Autobahn - Polizei ermittelt

Der tschechische Multimillionär Radim Passer ist laut eigenen Angaben mit einem Bugatti Chiron auf der deutschen Autobahn A2 zwischen Berlin und Hannover bis zu 417 km/h (GPS-gemessen, 414 km/h laut Tachometer) schnell gefahren. Auf diesem dreispurigen Autobahn-Abschnitt, der über einige Kilometer schnurgerade verläuft, gibt es zwar keine Geschwindigkeitsbeschränkung. Trotzdem ermittelt jetzt die Polizei „wegen eines illegalen Straßenrennens“, wie Spiegel Online berichtet .

Radim Passer nahm seine Hochgeschwindigkeitsfahrt laut eigenen Angaben mit einer GoPro-Actioncam auf, die er in seinem Chiron installiert hatte. Diese Aufnahme stellte er auf seinem Youtube-Kanal online. Die Aufnahme entstand seinen Angaben zufolge bereits im Juli 2021 und - wie man auf dem Video erkennt - in der Morgendämmerung (eines Sonntags). Mit einem Porsche 911 Turbo, einem Lamborghini Aventador und einem Bentley Flying Spur unternahm er laut seinen eigenen Worten ebenfalls rasante Fahrten - die Kritiker vermutlich als Raserei bezeichnen würden. Passer hatte während seiner Fahrt im Chiron einen Beifahrer im Supersportwagen.

600 Meter, bis der Wagen steht

Man sieht auf dem Video deutlich, wie Passer mit dem Bugatti mehrere andere Autos überholt, die korrekt auf den rechten Fahrspuren unterwegs sind. Zwar betont Passer in der Beschreibung zu seinem YouTube-Video, wie wichtig ihm Sicherheit sei. Doch selbst wenn auf besagtem Autobahn-Abschnitt kein Tempolimit existiert, darf bezweifelt werden, dass die anderen Verkehrsteilnehmer damit rechnen, dass sie von einem Fahrzeug überholt werden, dass über 400 km/h schnell ist. Wenn nur einer dieser anderen Verkehrsteilnehmer aus welchen Gründen auch immer mal nach ganz links wechselt - vielleicht aufgrund eines Fahrfehlers infolge eines „Sekundenschlafs“ - dann kann Passer nicht mehr rechtzeitig reagieren und einen Unfall vermeiden. Daran ändern auch die Hochgeschwindigkeits-tauglichen Bremsen des Bugatti nichts.  

Die Süddeutsche Zeitung zitiert einen Unfallforscher mit diesen Worten: „Auf öffentlichen Strecken, wo es andere Verkehrsteilnehmer gebe, seien derartige Geschwindigkeiten (...) nicht zu beherrschen“ und "das Schlimmste ist, dass Leute glauben, sie könnten es.“ Sowie "sie vergessen die Reaktionszeit, die mindestens eine Sekunde beträgt“. Laut der SZ brauche der Bugatti Chiron bei einer Vollbremsung bei Tempo 400 über 600 Meter, bis er endlich zum Stehen komme (Reaktionszeit zirka 120 Meter plus 500 Meter Bremsweg). Über 600 Meter!

Sinnigerweise betont Passer in seiner Beschreibung, dass er gläubig sei und an Jesus glaube. Angesichts Passers Fahrweise ist zu hoffen, dass der Schutzengel schnell genug ist, um mit dem Bugatti Chiron mithalten zu können…

Sogar der FDP ist das zu schnell

Laut Spiegel Online kritisierte sogar das FDP-geführte Verkehrsministerium die Hochgeschwindigkeitsfahrt. Der aktuelle Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) ist bekanntlich gegen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen.

Das Video wurde bis Redaktionsschluss über 6,6 Millionen Mal aufgerufen. Es bekam aber nur auf etwas über 70.000 Likes. Vermutlich haben viele Betrachter das Video mit „Mag ich nicht“/Dislike bewertet - diese Zahl sieht man seit der letzten Änderung bei Youtube aber nicht mehr.

Der Bugatti Chiron ist ein Supersportwagen mit einem rund 1500 PS starken Motor. Bugatti gehört seit längerer Zeit zum Volkswagenkonzern.