AMD verspricht mit den Zen-3-Prozessoren nicht weniger, als die besten CPUs für jeden Anwender anzubieten.

AMDs CEO Lisa Su hat heute in einem aufgezeichneten Video  mit dem Ryzen 9 5950X, dem Ryzen 9 5900X, dem Ryzen 7 5800X und dem Ryzen 5 5600X die ersten Ryzen-5000-Prozessoren offiziell vorgestellt. Die CPUs basieren auf der brandneuen Zen-3-Architektur, welche einige Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger zu bieten hat. Dazu zählen das optimierte 7-nm-Verfahren, eine laut eigener Aussage um 19 Prozent gesteigerte IPC und und eine Veränderung beim Aufbau eines CPU-Core-Complex, welcher jetzt bis zu acht Kerne beherbergen kann.

AMD selbst verspricht die beste Performance für jeden Anwender bei höchstmöglicher Energieeffizienz anzubieten: Das neue Flaggschiff soll nicht nur die höchste Single-Core Leistung für Gamer bieten, sondern auch die beste Multithreaded-Performance im Consumer-Bereich - und das bei gesteigerter Energieeffizienz. Wir haben alle wichtigen Informationen zu den technischen Daten, der Leistung, den Preisen und dem Release der Ryzen 5000 Prozessoren für Sie zusammengefasst.

Nach der 3 kommt die 5

Die Gerüchte haben sich bewahrheitet, AMD nennt seine neue Prozessor-Serie offiziell Ryzen 5000 und nicht Ryzen 4000. Aus unserer Sicht war das ein durchaus sinnvoller Schritt, da die bisherige Nomenklatur für Verwirrung sorgen konnte. So basieren nämlich sowohl die Desktop Prozessoren Ryzen und Threadripper 3000 als auch die Mobil-CPUs und die APUs Ryzen 4000 auf der Zen-2-Architektur. Dadurch dass AMD im Desktop-Bereich die 4000er-Serie jetzt überspringt, ist endlich ein einheitliches Namensschema über alle Anwendungsbereiche gegeben.

Viele architektonische Änderungen unter der Haube

Bereits im Vorfeld war durch den Satz "[...] AMD is taking its PC gaming and content creation leadership to new heights." klar, dass AMD vor allem an der Gaming-Leistung der Zen-3-Prozessoren arbeiten will - der einzige Bereich in dem Konkurrent Intel noch die Nase vorne hat, wie unser CPU-Vergleich zeigt. Da auch aktuelle Spiele nach wie vor von einer hohen Taktrate mehr profitieren als von vielen Rechenkernen, gibt es mit Ryzen 5000 keine Erhöhung bei der Core-Anzahl. Stattdessen sollen die neuen Prozessoren - je nach Modell - um 100 bis 200 MHz höher takten. Das Top-Modell, der Ryzen 9 5950X soll dadurch in der Lage sein, bis zu 4,9 GHz erreichen. Die von vielen erhoffte 5-GHz-Grenze kann das neue Flaggschiff also leider nicht durchbrechen.

Der Perforamce-Gewinn kommt laut AMD vor allem durch folgende Aspekte zu Stande: kürze Latenzzeiten Dank acht Kernen pro Core-Complex, kürzere Latenzen durch 32 MB Shared L3-Cache und um 19 Prozent verbesserte Instructions-per-Cycle.

© AMD

Neben der Takterhöhung sorgt eine IPC-Steigerung von 19 Prozent für eine erhöhte Performance. Auch wenn AMD nur angibt, dass die Prozessoren nach wie vor in 7nm gefertigt werden, gehen wir davon aus, dass es sich um ein optimiertes Fertigungsverfahren handelt, um die höheren Taktraten, die gesteigerte IPC und die verbesserte Energieeffizienz zu erreichen. 

Der wichtigste Schritt dürfte jedoch die Überarbeitung der CPU-Core-Complexe (CCX) gewesen sein. So setzte sich der Ryzen 9 3950X noch aus zwei CPU-Dies (CCDs) mit jeweils zwei CCX zusammen, die jeweils vier Rechenkerne und 16 MB L3-Cache beherbergten. Für die Kommunikation zwischen den CCX ist die sogenannte Infinity Fabric (IF) zuständig, die jedoch bei der inter-CCX-Kommunikation für gewisse Latenzen sorgt.

Ein CPU-Die setzt sich bei Zen3 nicht länger aus zwei Core-Complexen zusammen, sondern aus einem einzelnen mit bis zu acht Kernen und 32 MB shared L3-Cache.

© AMD

Auch bei der Zen-3-Architektur setzt AMD nach wie vor auf das Chiplet-Design, hat jedoch die Kernanzahl pro CCX von vier auf acht und den L3-Cache von 16 MB auf 32 MB erhöht. Davon dürfte vor allem der Octa-Core Ryzen 7 5800X profitieren, da sich die Latenzen deutlich verringern, weil die Infinity Fabric nicht mehr nötig ist. Bereits bei unserem Test des Ryzen 3 3100 und des Ryzen 3 3300X hat sich gezeigt, welchen Unterschied es machen kann, wenn bei einem Ryzen-Prozessor die IF wegfällt. Außerdem können jetzt alle acht Rechenkerne auf einen geteilten 32 MB großen L3-Cache zurückgreifen, was die Signallaufzeiten verringert. In der folgenden Tabelle haben wir alle wichtigen technischen Daten von Ryzen 3000 und Ryzen 5000 für Sie zusammengefasst:

Tabelle zur Seite scrollen für mehr Informationen.

AMD Ryzen 9 5950X

AMD Ryzen 9 3950X

AMD Ryzen 9 5900X

AMD Ryzen 9 3900XT

Intel Core i9-10900K

AMD Ryzen 7 5800X

AMD Ryzen 7 3800XT

Intel Core i7-10700K

AMD Ryzen 5 5600X

AMD Ryzen 5 3600XT

Intel Core i5-10600K

Sockel

AM4

AM4

AM4

AM4

1200

AM4

AM4

1200

AM4

AM4

1200

Architektur

Zen 3

Zen 2

Zen 3

Zen 2

Comet Lake-S

Zen 3

Zen 2

Comet Lake-S

Zen 3

Zen 2

Comet Lake-S

Kerne / Threads

16 / 32

16 / 32

12 / 24

12 / 24

10 / 20

8 / 16

8 / 16

8 / 16

6 / 12

6 / 12

6 / 12

Basis-/ Turbotakt

n.a. / 4,9 GHz

3.5 / 4,7 GHz

3,7 / 4,8 GHz

3,8 / 4,7 GHz

3,7 / 5,3 GHz

3,8 / 4,7 GHz

3,9 / 4,7 GHz

3,8 / 5,1 GHz

3,7 / 4,6 GHz

3,8 / 4,5 GHz

4,1 / 4,8 GHz

L3-Cache

64 MB

64 MB

64 MB

64 MB

20 MB

32 MB

32 MB

16 MB

32 MB

32 MB

12 MB

L2-Cache

8 MB

8 MB

6 MB

6 MB

2,5 MB

4 MB

4 MB

2 MB

3 MB

3 MB

1,5 MB

TDP

105 W

105 W

105 W

105 W

125 W

105 W

105 W

125 W

65 W

95 W

125 W

Speichercontroller

n.a.

DDR4-3200

n.a.

DDR4-3200

DDR4-2933

n.a.

DDR4-3200

DDR4-2933

n.a.

DDR4-3200

DDR4-2666

Speicher max.

n.a.

128 GB

n.a.

128 GB

128 GB

n.a.

128 GB

128 GB

n.a.

128 GB

128 GB

Fertigung

7nm

7nm

7nm

7nm

14nm++

7nm

7nm

14nm++

7nm

7nm

14nm+++

PCIe-Lanes

n.a.

24 x PCIe 4.0

n.a.

24 x PCIe 4.0

16 x PCIe 3.0

n.a.

24x PCIe 4.0

16 x PCIe 3.0

n.a.

24x PCIe 4.0

16 x PCIe 3.0

UVP zu Release

799$

829 €

549$

529 €

549 €

449$

419 €

419 €

299$

259 €

299 €

Die TDP der neuen Prozessoren verändert sich im Vergleich zum Vorgänger nicht. So gibt AMD nach wie vor für die Top-Modelle eine thermische Verlustleistung von 105 Watt an, wohingegen der Hexa-Core bei 65 Watt liegt. Laut dem Hersteller soll sich die Energieeffizienz dabei um 24 Prozent verbessert haben. Bei einem direkten Vergleich zwischen dem Ryzen 9 5900X und dem Intel Core i9-10900K spricht AMD bezüglich der Energieeffizienz von einem 2,8fachen Vorteil.  

Die Energieeffizienz soll sich vom Ryzen 9 3900XT auf den Ryzen 9 5900X um 24 Prozent erhöhen.

© AMD

Hinsichtlich der Konnektivität hat AMD leider keine Informationen geliefert. So ist nicht bekannt, ob die neuen Prozessoren einen schnelleren USB- beziehungsweise Thunderbolt-Standard unterstützen, welche Taktraten der Hersteller für den DDR4-RAM angibt und wie viele PCIe-4.0-Lanes zur Verfügung stehen. Da jedoch kein neuer Chipsatz zusammen mit den Prozessoren angekündigt worden ist, gehen wir davon aus, dass alles beim Alten bleibt. Einen kurzen Ausblick gab AMD dann noch auf Zen 4, welcher sich aktuell "In Design" befindet und auf ein 5nm-Fertigungsverfahren setzen soll.

Kein neuer Chipsatz - Es bleibt bei B550 und X570

AMD führt mit der Veröffentlichung von Zen 3 wohl keinen neuen Chipsatz ein, zumindest gab es dazu keine Informationen während der Präsentation. Sie können also Ihr Mainboard mit B550 respektive X570-Chipsatz getrost weiter verwenden, welche die neuen Prozessoren voll unterstützen. Nachdem der Hersteller ursprüngliche ältere Mainboards ganz ausschließen wollte, ist AMD zurückgerudert und will zumindest zum Teil B450 und X470-Platinen unterstützen. Die Sache hat jedoch ein paar Haken: So ist die Unterstützung nur optional, das heißt der Mainboard-Hersteller kann ein BIOS-Update anbieten, muss es aber nicht. Des weiteren schränkt das BIOS-Update den Support von älteren Prozessoren ein und lässt sich nicht mehr rückgängig machen. 

Günstigen Gaming-PC zusammenstellen: Die besten Hardware-Konfigurationen

Um zu verhindern, dass Sie das BIOS-Update installieren können, ohne eine Ryzen-5000-CPU zu besitzen, will AMD bereits vor dem Download überprüfen, ob Sie einen Zen-3-Prozessor erworben haben. Allerdings ist auch noch nicht klar, wann die Board-Partner ein entsprechendes Update zur Verfügung stellen, unter Umständen müssen Sie also länger warten, bis Sie eine Ryzen-4000-CPU auf Ihrem B450 oder X470-Mainboard installieren können. 

Performance-Einordnung - König in allen Disziplinen?

AMD spricht beim Ryzen 9 5900X von einem Rechenmonster, das nicht nur die Multithreading-Performance des Vorgängers sondern vor allem die Spielleistung deutlich überbieten soll. Während der Präsentation war ein Vergleich zwischen dem Ryzen 9 3900XT und dem Ryzen 9 5900X in zehn Spielen bei 1080p zu sehen, welchen die neue CPU mit einem Vorsprung von 24 Prozent für sich entscheiden konnte. Um die Performance zu untermauern gibt es noch einen direkten Vergleich zwischen dem Ryzen 9 5900X und dem Intel Core i9-10900K wiederum in zehn Spielen zu sehen. Hier liegt der 12-Kerner im Schnitt um knapp sieben Prozent vorne. Diese Leistungswerte sind wie immer mit Vorsicht zu genießen, da Hersteller gerne nur Werte zeigen, in denen sie gut dastehen. 

Laut AMD soll der Ryzen 9 5900X in der Lage sein Intel Core i9-10900K beim 1080p-Gaming schlagen zu können.

© AMD

Neben den Spieltests zeigt AMD noch den Score aus Cinebench R20 im Single-Core. Hier erzielt der Ryzen 9 5900X als erster Prozessor mit 631 Punkten einen Wert über 600. Diesen Wert übertrifft dann aber noch einmal der Ryzen 9 5950X, welcher die Spitze des Eisbergs darstellt und auf 640 Punkte kommen soll. Hier gibt AMD nur noch vier Performance-Werte zum 1080p-Gaming an, die alle leicht über den Werten des Ryzen 9 5900X liegen, womit sich der Abstand zum 10900K noch einmal etwas vergrößern soll.

Preise und Verfügbarkeit

AMD hat heute mit dem Ryzen 9 5950X, dem Ryzen 9 5900X, dem Ryzen 7 5800X und dem Ryzen 5 5600X vier neue Modelle angekündigt, wobei wir stark davon ausgehen, dass in naher Zukunft noch weitere CPUs nachfolgen werden. Das Top-Modell soll dabei für einen Preis von 799 US-Dollar an den Start gehen. Der 12-Kerner soll zum Markstart 549 US-Dollar kosten, der Ryzen 7 5800X 449 US-Dollar und das kleinste Modell der Ryzen 5 5600X 299 US-Dollar. Alle Preise liegen damit um 50 US-Dollar höher als bei ihren direkten Vorgängern. Erfahrungsgemäß liegen die Preise in Euro je nach Modell um 20 bis 30 Euro höher, wir rechnen in Deutschland dementsprechend mit folgenden Preisen: Ryzen 9 5950X 829 Euro, Ryzen 9 5900X 579 Euro, Ryzen 7 5800X 469 Euro und Ryzen 5 5600X 329 Euro. Alle vier Modelle sollen ab dem 5. November erhältlich sein.

Kurzer Ausblick auf Radeon RX 6000

Laut den Performance-Werten von AMD könnte Big Navi in die Leistungsregionen der RTX 3080 vodringen.

© AMD

Als krönenden Abschluss gab AMD noch einen kurzen Ausblick auf Radeon RX 6000 alias Big Navi, welche der Hersteller am 28. Oktober vorstellen will. So soll eine nicht näher spezifizierte GPU in Zusammenarbeit mit einem Ryzen 5900X  in Borderlands 3 auf "Badass"-Quality beim integrierten Benchmark in 4K 61 FPS erreichen. Im gleichen Test-Szenario konnten wir mit einem auf 5 GHz übertaktetem Intel Core i9-9900K und einer RTX 3080 64 FPS und mit einer RTX 3090 71 FPS erzielen. In Call of Duty wiederum gibt AMD 88 FPS, was genau zwischen unseren Messungen der RTX 3080 (83 FPS) und der RTX 3090 (94 FPS liegt). An die Leistung der RTX 3090 dürfte Big Navi also nicht ganz heran reichen, eine RTX 3080 dürfte aber je nach Spielen durchaus zu schlagen sein.

AMD Ryzen: Alle CPUs von 2020, 2019, 2018 & 2017 samt Testberichten