Bayerische Polizei schnappt Porno-Mail-Erpresser

Hans-Christian Dirscherl |
Ein 17-Jähriger verschickte von seinem Elternhaus Erpressermails, in denen er mit der Veröffentlichung von Pornoaufnahmen drohte und Bitcoins forderte. Doch die Polizei schnappte den jugendlichen Erpresser. Die Details.

Die Polizei konnte endlich einen Versender von Erpressermails enttarnen, der von seinen Opfern Bitcoins forderte, damit er keine angeblich vorhandenen Videos veröffentliche, die die Erpressten bei sexuellen Aktivitäten zeigen. Das berichten die Zentralstelle Cybercrime Bayern und das Bayerische Landeskriminalamt.   

Darum geht es: Im Jahr 2018 kursierten zahlreiche Erpressermails, die dem Empfänger vorspiegelten, dass sein Computer mit einer Schadsoftware infiziert sei, die unbemerkt Videoaufnahmen über die Webcam anfertigt. Die Täter behaupteten, so Filmaufnahmen des Computernutzers beim Besuch von pornographischen Webseiten beziehungsweise bei sexuellen Handlungen erstellt zu haben. Diese würden sie in den sozialen Medien und im Familien- und Freundeskreis verbreiten, sollte dieser kein „Schweigegeld“ an den Täter bezahlen. Die Geldzahlung wurde meistens in Bitcoins gefordert.

Wichtig: Diese Drohungen entbehren jeglicher Grundlage und sind reine Einschüchterungsversuche: Weder sind die PCs infiziert noch existieren solche peinlichen Videos. Unsere Empfehlung: Antworten Sie keinesfalls auf diese Mails, sondern löschen Sie diesen Unsinn einfach.

Die Polizei geht davon aus, dass unabhängig voneinander unterschiedliche Täter solche Erpressermails verschickt haben. Allein in Bayern wurden knapp 3.200 derartige Fälle angezeigt. Die Ermittlungen für alle bayerischen Fälle führte die bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg eingerichtete Zentralstelle Cybercrime Bayern zusammen mit dem Bayerischen Landeskriminalamt. Außerdem waren regionale Polizeidienststellen eingebunden.

Polizei schnappt einen Täter: Die Bayerische Polizei konnte einen 17-jährigen Deutschen aus Bremen als Tatverdächtigen ermitteln. Im November 2018 durchsuchten eine Staatsanwältin der Zentralstelle Cybercrime Bayern und Beamte des Bayerischen Landeskriminalamtes mit Unterstützung des Landeskriminalamtes Bremen das Zimmer des Jugendlichen in seinem Elternhaus in Bremen. Dabei stellten die Beamten zahlreiches EDV-Equipment sicher. Dessen Auswertung dauert noch an.

Derzeit wirft die Bayerische Polizei dem Jugendlichen knapp 150 dieser versuchten Erpressungshandlungen vor. Bei der Durchsuchung hat sich zudem der Verdacht zahlreicher betrügerischer Anmietungen von Internetservern ergeben, die neben weiteren Straftaten auch zum Versand der erpresserischen Mails missbraucht wurden. Hier entstand bei 148 Serveranmietungen mindestens ein Schaden von 70.000 Euro, da regelmäßig falsche oder fremde Zahlungsinformationen hinterlegt waren.

Der 17-Jährige äußerte sich bei seiner Vernehmung nicht zum Tatvorwurf. Er sitzt nicht hinter Gittern, sondern wohnt nach wie vor bei seinen Eltern. Aus ermittlungstaktischen Gründen machte die Bayerische Polizei diesen Ermittlungserfolg erst jetzt öffentlich.

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