Die neuen Grafikkarten von AMD und NVidia sind kaum erhältlich - das steckt dahinter.

Sowohl die neue Geforce-RTX-3000-, als auch die Radeon-RX-6000-Serie wurden sehnlichst von PC-Enthusiasten und Gamer auf der ganzen Welt erwartet. Die neuen Modelle wurden von Nvidia und AMD mit viel Pauken und Trompeten angekündigt. Doch zum Marktstart waren jeweils beide Serien innerhalb von nur wenigen Stunden vergriffen und zurück blieben wütende, bastelwillige Computer-Bastler. War nun die Nachfrage einfach unerwartet zu hoch, oder haben AMD und Nvidia einfach nicht genug Grafikprozessoren (GPUs) ausgeliefert?

GPU-Knappheit zieht sich wohl noch bis ins erste Quartal von 2021

Laut mehreren Quellen zieht sich die GPU-Knappheit wohl noch mindestens bis ins erste Quartal von 2021. Es folgt eine kurze Zusammenfassung: Ende September 2020 brachte Nvidia die RTX 3070, 3080 und 3090 auf den Markt, und das auch noch zu relativ zurückhaltenden Preisen. Ein Segen für die PC-Community, doch die aktuelle Verfügbarkeit geht gegen Null.

Natürlich weiß nur Nvidia, wie viele RTX 3000 tatsächlich ausgeliefert wurden. Der Hersteller selbst meint nur, dass zum Marktstart in etwa so viele Grafikkarten vorhanden waren, wie damals bei Turing (RTX 2000) im Jahr 2018. Doch die Nachfrage nach der 3000er-Generation ist deutlich höher: Der Verkaufsstart der RTX 3070 wurde um zwei Wochen verschoben, um ein gewisses Polster aufbauen zu können. Und tatsächlich bestätigen einige Händler, dass sie mehr Karten in den Lagern hatten als beim Launch der RTX 3080 und 3090. Trotzdem waren auch die 3070er innerhalb von Minuten (!) ausverkauft.

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Nachfrage ist einfach zu hoch

Nicht gerade besser erging es AMD Mitte November 2020, die mit der Radeon-RX-6000-Modellreihe nicht nur ebenbürtige, sondern auch preislich noch attraktivere Grafikkarten auf den Markt brachten. Auch hier waren die Händler nach kürzester Zeit ausverkauft. AMD und Nvidia sind sich zumindest in diesem Punkt einig: Die Nachfrage ist einfach zu hoch.

Die Ampere-GPU von Nvidia im Detail.

© Nvidia

Hinzu kommt die Corona-Pandemie, die Chip-Fertiger und Zulieferer in Asien sowie die Lieferbranche weltweit massiv einschränkt. Mitunter ist unter anderem auch Corona für die hohe Nachfrage verantwortlich, da die Menschen viel mehr Zeit Zuhause verbringen und sich nach Abwechslung in Form von elektronischer Unterhaltung sehnen.

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Viele Faktoren sorgen für Knappheit

Doch auch die Fertigung der Grafikprozessoren selbst geht teilweise nur müßig vonstatten. Beispielweise macht sich AMD selbst das Leben schwer, da sie die GPUs (Codename Big Navi) im selben 7-Nanometer-Prozess herstellen lassen wie die hauseigenen Ryzen, Epyc und weiteren Chipsätze. Hinzu kommen die Chips für die neuen Spielekonsolen Xbox Series X und S sowie Playstation 5. Bei Nvidia kommt noch dazu, dass sie den Grafikspeicher vom Typ GDDR6X exklusiv bei Micron fertigen lassen – weitere Kapazitäten bei anderen Produzenten einzukaufen ist daher nicht möglich. Laut Nvidias CEO Jensen Huang ist aber auch die Fertigung der Chips an sich ziemlich aufwendig. Für die aktuellen, überaus komplexen Geforce-GPUs (Codename Ampere) dauert es einige Wochen, bis sie bereit zum Einbau in den Grafikkarten sind.

Die Fortschritte beim Fertigungsprozess von AMD-GPUs.

© AMD

Scalper: Mit Bots und Scripts massenhaft Grafikkarten kaufen

Sogenannte „Scalper“ sorgen für zusätzlichen Trubel. Hierbei handelt es sich um einzelne Menschen oder auch Händler, die mit Hilfe von automatisierten Programmen in Form von Bots oder Scripts am Tag des Marktstarts nur ein Ziel hatten, nämlich so viele Grafikkarten wie möglich zu kaufen. Danach stellen die Scalper die Grafikkarten auf Plattformen wie Ebay oder auch in Online-Shops zu horrenden Preisen ein. Schließlich gibt es keine Alternativen für den Endkunden mehr und wer wirklich eine neue Grafikkarte haben möchte, muss dann tief in die Tasche greifen. Viele Händler setzen zwar mittlerweile auf Gegenmaßnahmen, die jedoch nicht immer zu 100 Prozent greifen, wie man beim AMD-Markstart feststellen konnte.

Die Lage am Grafikkarten-Markt bleibt also weiterhin angespannt. Eben mal schnell neue Fabriken aus dem Boden zu stampfen ist selbst für die fleißigen Asiaten kein Kinderspiel, und in Zeiten von COVID-19 ist sowieso alles deutlich komplizierter. Deshalb müssen sich Käufer einfach noch einige Monate gedulden, bis sich der Markt wieder eingependelt hat. Und Finger weg von Scalper-Angeboten!