Facebook führt eine interne "schwarze Liste".

Um sich gegen Vorwürfe zu schützen, das soziale Netzwerk helfe Terroristen bei der Verbreitung ihrer Propaganda im Internet, hat Facebook eine interne schwarze Liste eingeführt. Auf dieser finden sich „gefährliche Personen und Organisationen“ , deren Beiträge zensiert und gelöscht werden können. Diese bislang geheime Liste wurde nun von der Enthüllungsplattform The Intercept veröffentlicht. Ziel des Leaks ist es laut der Plattform zu zeigen, wie unverhältnismäßig die Liste angeblich gefährlicher Organisationen bei Facebook zusammengesetzt ist. Laut The Intercept habe sich die DIO-Richtlinie bei Facebook mittlerweile zu einem „unverantwortlichen System entwickelt, das bestimmte Gemeinschaften unverhältnismäßig stark bestraft“ .

Die schwarze Liste besteht aus über 4.000 Personen und Gruppen, darunter Politiker, Wohltätigkeitsorganisationen, Krankenhäuser, Schriftsteller, Bands und längst verstorbene historische Persönlichkeiten. Mehrere Bürgerrechtsorganisationen hätten Facebook bereits gebeten, die Liste zu veröffentlichen, damit Nutzer wissen, wann sie Gefahr laufen, dass ein Beitrag oder ihr Konto gelöscht wird, weil sie eine Person oder Organisation von der Liste gelobt haben.

„Facebook bringt die Nutzer in eine fast unmögliche Lage, indem es ihnen sagt, dass sie nicht über gefährliche Gruppen und Einzelpersonen posten dürfen, sich dann aber weigert, öffentlich zu benennen, wen es für gefährlich hält“ , sagte Faiza Patel, Co-Direktorin des Brennan Center for Justice's liberty and national security program, die sowohl die geleakte Liste als auch das zugehörige Anleitungsdokument für Facebook-Moderatoren geprüft hat.

Die Liste besteht laut The Intercept fast zur Hälfte aus Personen und Organisationen, die Facebook für ausländische Terroristen hält. Auffällig sei laut Experten auch, dass die Strafen für Kommentare von überwiegend weißen regierungsfeindlichen Milizen weitaus lockerer ausfallen als für angebliche Terroristen aus dem Nahen Osten und Südostasien. Das Material zeige, dass Facebook „für einige Gemeinschaften eine eiserne Faust und für andere eine eher gemäßigte Hand bietet“ , sagte Ángel Díaz, ein Dozent an der UCLA School of Law, der über die Auswirkungen der Moderationspolitik von Facebook auf marginalisierte Gemeinschaften forscht.

In einer Stellungnahme gegenüber The Intercept erklärt Facebook, dass das soziale Netzwerk weder Terroristen, noch Hassgruppen oder kriminelle Organisationen auf seiner Plattform dulde. Aus diesem Grund entferne Facebook alle Inhalte, welche diese Gruppen „preisen, repräsentieren oder unterstützen“ .