Eine Aufnahme von Kodiak, aufgenommen von der Mastcam-Z.

Wissenschaftler haben auf den Fotos, die der Mars-Rover Perseverance - zu dem die NASA derzeit keinen Funkbefehle schickt - gemacht hat, spannende Hinweise zur Entwicklung des Jezero-Kraters gefunden. Demnach hat der Krater eine bewegte Geschichte hinter sich.

Der Krater, indem der sechsrädrige Mars-Rover Perseverance sowie dessen ihn begleitender autonomer Mini-Hubschrauber Ingenuity unterwegs sind, ist heute staubtrocken. Der Rover machte Fotos von Steilhängen im Krater, die sich im Delta eines ehemaligen Flusses befinden. Diese steilen Hänge bestehen aus angesammelten Ablagerungen dieses Flusses, der vor langer Zeit den Kratersee gespeist hat.

Einer der fotografierten Steilhänge im Deltagebiet.

© NASA/JPL-Caltech/ASU/MSSS

Erst ein gemütlicher Fluss, doch dann kamen die Sturzfluten

Auf den Fotos von diesen Steilhängen mit den Sedimenten erkennen die Wissenschaftler, dass das fächerförmige Flussdelta des Jezero-Kraters vor Milliarden von Jahren - damals war die Marsatmosphäre dick genug, um Wasser über seine Oberfläche fließen zu lassen - von späten Überschwemmungen heimgesucht wurde. Diese Wassermassen trugen Felsen und Geröll aus dem Hochland weit außerhalb des Kraters in das Delta. Die Forscher erkennen auf den Fotos deutlich unterschiedliche Schichten an den Steilhängen mit bis zu 1,5 Meter großen Felsbrocken, die dort eigentlich nichts zu suchen haben.

Detailaufnahme.

© NASA/JPL-Caltech/LANL/CNES/CNRS/ASU/MSSS

Offensichtlich hatten zu einem späteren Zeitpunkt schnell fließende Sturzfluten den sonst langsam und määnderartig fließenden Wasserweg verändert. Diese Sturzfluten hätten Felsbrocken teilweise über Dutzende von Kilometern transportiert. Zwischen 6 und 30 km/h waren diese Sturzfluten schnell.

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Besonders spannend scheint ein einzeln stehender Felsen zu sein, den die Forscher auf den Namen „Kodiak“ tauften. Kodiak befand sich ehemals am südlichen Rand des Deltas und zeigt unterschiedliche Ablagerungsschichten, die Rückschlüsse auf unterschiedliche Wasserstände im See ermöglichen.

Diese Karte zeigt Kodiak, die Steilhänge und den Rover.

© NASA/JPL-Caltech/University of Arizona/USGS

Stark schwankender Wasserstand

Der heute verschwundenen Kratersee hatte vermutlich einen so hohen Pegel, dass er einst sogar den östlichen Kraterrand überragte und dort Wasser über den Kraterrand abfloss. Das erkennen die Forscher an den Überresten eines „Abflusskanals“. Die Größe des Sees schwankte im Laufe seiner Geschichte erheblich und der Wasserpegel stieg und fiel, bevor das Gewässer schließlich ganz verschwand. Die Gründe für das Schwanken des Wasserstands sind unbekannt, die Schwankungen traten aber in einer späteren Phase des Sees auf, als er mindestens 100 Meter unter seinem höchsten Wasserstand war.

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Aus den Aufnahmen hoffen die Wissenschaftler zudem erkennen zu können, wo der Rover am erfolgreichsten nach Gesteins- und Sedimentproben suchen könnte, die vielleicht auch organische Verbindungen oder andere Hinweise auf einst existierendes Leben enthalten könnten. Im Idealfall enthalten diese Proben Hinweise auf altes mikrobielles Leben. Diese Proben sollen dann auf der Erde untersucht werden. Mehr dazu lesen Sie in der Meldung Hammerplan: So will die NASA Bodenproben vom Mars zur Erde bringen .

Die Wissenschaftler wollen die nächste große Erkundungskampagne des Covers, die im Jahr 2022 startet, hier im Delta starten. Denn wenn die Forscher das Delta von Jezer verstehen, verstehen sie die gesamte Hydrologie in diesem Gebiet und gewinnen so möglicherweise wertvolle Erkenntnisse darüber, warum der gesamte Mars ausgetrocknet ist.

Eine ausführlichere Interpretation der Aufnahmen von Perseverance, als sie die NASA in ihrer Zusammenfassung gibt, können Sie hier bei Science nachlesen.

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