Hier soll Ingenuity seine Flüge absolvieren.

Update: NASA stellt Flugareal von Ingenuity vor

Die NASA hat wie angekündigt (siehe unten das Video) die Fläche vorgestellt, über der Ingenuity die ersten Flüge eines (autonomen) Hubschraubers auf dem Mars unternehmen wird. Die NASA-Wissenschaftler suchten für die Testflüge ein Areal aus, auf dem Ingenuity nach ihrer Meinung sicher starten und auch wieder landen kann. Hierzu muss der Landfläche eben und frei von großen Felsbrocken sein. Trotzdem muss die Oberfläche aber klare Erkennungsmerkmale aufweisen, damit Ingenuity sich mithilfe seiner KI-unterstützten Kamera orientieren kann.

Die NASA-Experten fanden so eine Fläche nur wenige Meter entfernt vom Landepunkt von Perseverance. Derzeit befindet sich der Mars-Rover auf seiner langsamen Fahrt zu dem geplanten Flugareal. Dort wird Perseverance Ingenuity absetzen und sich danach wieder über 100 Meter entfernen, damit sich beide Fahrzeuge bei den Testflügen nicht gefährden.

Dieser „Wartebereich“ von Perseverance wurde von der NASA auf den Namen Van Zyl Overlook getauft. Von dort aus soll Perseverance Ingenuitys Flüge filmen. Van Zyl war ein langjähriger Mitarbeiter beim NASA Jet Propulsion Laboratory in Südkalifornien. Er starb unerwartet im August 2020.

Van Zyl Overlook

Bis zum ersten Flug dauert es aber noch einige Tage. Ingenuity wird laut NASA nicht vor dem 8. April 2021 das erste Mal abheben. Das ist unter anderem vom Wetter abhängig. Bei seinem ersten Flug soll der autonome Mini-Hubschrauber nur rund drei Meter hoch steigen, 30 Sekunden auf der Stelle schweben, wenden und dann wieder landen. Das alles wird vollautonom erfolgen, die dafür erforderlichen Befehle schickt die NASA am Vortag den Ingenuity.

Insgesamt drei Kameras liefern Bilder des Flugs: Die beiden an Ingenuity angebrachten Kameras und die Kamera von Perseverance.

Fun Fact: Wie die NASA jetzt verriet, befindet sich ein kleines Stück der Flügelverkleidung von „Flyer 1“, dem Flugzeug, mit dem die Gebrüder Wright am 17. Dezember 1903 den ersten Motorflug der Menschheitsgeschichte unternahmen, befindet sich an Bord von Ingenuity. Es befindet sich unterhalb des Solarpanels von Ingenuity. Bereits mit Apollo 11 war ein Teil von Flyer 1 zum Mond geflogen.

Update Ende, Beginn der ursprünglichen Meldung vom 23.3.:

Der Mars-Hubschrauber Ingenuity (englisch für Einfallsreichtum, Genialität) steht kurz vor seinem ersten Flug. Alle Vorbereitungen der NASA laufen nach Plan und die US-Weltraumbehörde hat mittlerweile auch entschieden, wo der Mars-Rover Perseverance den Mars-Hubschrauber Ingenuity für den Start absetzen soll. Denn derzeit befindet sich Ingenuity noch unter dem Bauch von Perseverance. Perseverance fährt nun langsam mit Ingenuity zu dessen Startpunkt. Details dazu wird die NASA in einer Pressekonferenz heute Abend bekanntgeben, Sie können auf Youtube live dabei sein.

Bereits am zurückliegenden Wochenende hatte Perseverance einen Schutzschild („debris shield“) abgeworfen, der bisher Ingenuity verdeckt hat. Seitdem ist der Mini-Hubschrauber erstmals dem Licht und den Oberflächenverhältnissen auf dem Mars ausgesetzt, wie die NASA twittert.

Allerdings ist Ingenuity noch zusammengeklappt unter Perseverance verstaut und somit noch nicht flugfähig.

Sobald Perseverance den Startpunkt für den Hubschrauber erreicht hat, setzt er ihn dort auf den Marsboden ab. Dann entfernt sich Perseverance über 100 Meter, damit sich die beiden Geräte beim Start des Hubschraubers nicht zu nahe kommen. Ingenuity wird dann seine Rotorblätter lösen und diese erst mal probeweise rotieren lassen. Bis Ingenuity dann tatsächlich abhebt, wird mindestens die erste Aprilwoche angebrochen sein.

Das Hauptproblem für Ingenuity besteht darin, dass die Marsatmosphäre viel dünner – genauer gesagt: hundertmal dünner – ist als die Erdatmosphäre. Der Hubschrauber muss also viel schneller rotieren und viel mehr Kraft aufwenden, um abheben und in der Luft bleiben zu können. Zudem ist Ingenuity auf dem Mars extrem niedrigen Temperaturen ausgesetzt; deshalb besitzt der Hubschrauber kleine Heizvorrichtungen, die sein Einfrieren während der kalten Mars-Nächte verhindern sollen. Die NASA-Ingenieure können den Hubschrauber zudem nicht steuern, sondern dieser muss autonom im Rahmen des vorgegebenen Bereichs starten, fliegen und wieder landen.

Der Ingenuity Mars Helicopter wiegt 1,8 Kilogramm. Er bewegt sich mit zwei Rotoren mit insgesamt vier aus Karbonfaser gefertigten Rotorblättern fort, die mit rund 2400 Umdrehungen laufen. Zur Stromversorgung dienen Solarzellen und Akkus. Wissenschaftliche Messinstrumente sind dagegen keine in Ingenuity verbaut, weil der Flugroboter noch nicht messen soll, sondern nur der Erprobung eines flugfähigen Fahrzeugs dient. Denn mit Ingenuity will die NASA erste Erfahrungen mit autonom fliegenden Drohnen/Hubschraubern auf dem Mars sammeln. Einen konkreten Forschungsauftrag hat Ingenuity dagegen nicht.

Ingenuity besitzt zwei Kameras, eine Farbkamera mit 13 MP und eine Schwarz-Weiß-Kamera mit 0,5 MP. Während letztere zur Orientierung dient, funkt erstere Bilder zu Perseverance. Dieser werden dann mithilfe des Mars Reconnaissance Orbiter, der in einer Umlaufbahn um den Mars fliegt, zur Erde weitergeleitet.

Ingenuity: Helikopter schickt erstes Signal vom Mars zur Erde

NASA-Rover landet auf Mars mit Helikopter: 7 Minuten des Terrors