Die drei Grafikkarten RTX 3090, RTX 3080 und RTX 3070 sollen einen großen Leistungssprung zu einem fairen Preis ermöglichen.

Nvidia hat in dem 45-minütigen Special-Event am Dienstagabend endlich seine Supernova gezündet - wir haben live davon berichtet. CEO Jensen Huang hat es dabei spannend gemacht und zunächst die neuen Technologien Nvidia Reflex, Nvidia Broadcast und Nvidia Omniverse gezeigt, bevor er endlich die neuen GPUs RTX 3080, RTX 3070 und RTX 3090 vorstellte. Kurz zusammengefasst sollen die Grafikkarten einen deutlichen Leistungssprung von bis zu 100 Prozent mit sich bringen. Der Preis bleibt dabei auf einem vergleichbaren Niveau mit der Vorgängergeneration. Einziger Wermutstropfen ist die recht hohe Leistungsaufnahme und die fehlende Zwischenoption zwischen der RTX 3080 und der RTX 3090.

RTX 3080 als Flaggschiff - RTX 3090 die "BFGPU"

Eine kleine Überraschung gab es, als Jensen Huang zunächst die RTX 3080 hervorholte und vom Flaggschiff der Ampere-Generation sprach. Nvidia ordnet die RTX 3090, welche der CEO später vorstellte, nämlich als sogenannte "BFGPU" - Big Ferocious GPU - ein und damit als Nachfolger der Titan RTX, die nicht als reine Gamer- sondern als Prosumer-GPU zählt. Das vorerst kleinste Modell soll die RTX 3070 sein, wobei die Wortwahl "we want to introduce the three first RTX 3000 GPUs" darauf rückschließen lässt, dass in Kürze noch mehr Ampere-Grafikkarten zu erwarten sind.

Die RTX 3090 kommt mit einem sehr wuchtigem Triple-Slot-Kühler, der bei einer TGP von 350 Watt auch absolut notwendig ist.

© Nvidia

Die RTX 3090 setzt dabei auf ein außergewöhnliches Triple-Slot-Design mit zwei Axial-Lüftern, wovon einer über das PCB (Printed Circuit Board) hinausragt und dadurch die Abwärme direkt ins Gehäuse abführen kann. Nvidia spricht davon, dass die RTX 3090 bis zu 30 Grad Celsius kühler arbeiten soll als die Titan RTX und gleichzeitig um bis zu Faktor 10 leiser bleiben soll. Der Kühlkörper sieht auf jeden Fall sehr viel versprechend aus und wir sind schon ganz gespannt auf die Tests - vor allem auch, ob die Abwärme der GPU die Prozessortemperatur negativ beeinflussen könnte.

Mit 24 GB GDDR6X Videospeicher richtet sich die Karte wie auch ihr Vorgänger an Prosumer, die nicht zur zocken, sondern auch AI programmieren oder 3D Modelle rendern wollen. Die RTX 3090 soll bis zu 50 Prozent mehr Leistung im Vergleich zur Titan RTX liefern und damit sogar 8K-Gaming mit 60 Bildern pro Sekunde ermöglichen. Es sieht so aus, als ob wir unseren Benchmarkparcours um neue 4320p Tests erweitern müssen. Nvidia will sich wohl so langsam von Dual-GPU-System verabschieden, die RTX 3090 ist nämlich die einzige Ampere-GPU, welche noch SLI unterstützt. Die Grafikkarte kostet zum Marktstart in Deutschland 1499 Euro und ist ab dem 24. September erhältlich. 

Auch die RTX 3080 kommt im schicken neuen Design mit thermischer Durchflusslösung, belegt aber nur zwei Slots.

© Nvidia

Die RTX 3080 ist der offizielle Nachfolger der RTX 2080 und soll die Rechenleistung bis zu verdoppeln - das ist ein gewaltiger Leistungssprung. Vor allem weil der Preis der Grafikkarte zum Release bei "nur" 699 Euro liegt - die RTX 2080 kostete damals 849 Euro.

Den Grafikchip, in welchem 28 Milliarden Transistoren sitzen, lässt Nvidia in einem speziellen 8N-Verfahren fertigen. Die RTX 2080 als Vergleich verfügt nur über 13,6 Milliarden Transistoren - also mehr als eine Verdopplung. Der GPU stehen 10 GB brandneuer GDDR6X Videospeicher mit 19 Gbps zur Seite. Die Speichergeschwindigkeit verdoppelt sich laut dem Stream von Nvidia im Vergleich zu GDDR6-VRAM, der noch auf den Turing-GPUs zum Einsatz kam. Dadurch soll die RTX 3080 in der Lage sein beim 4K-Gaming flüssige 60 FPS zu liefern, wobei Nvidia weder konkrete Spiele noch die Grafikeinstellungen nennt. Das Design des Kühlkörpers ist der RTX 3090 sehr ähnlich, allerdings handelt es sich nur um eine Dual-Slot-Kühllösung. Die RTX 3080 soll bereits ab dem 17. September in Deutschland erhältlich sein.

Auch bei der RTX 3070 ragt der Kühlkörper über das PCB hinaus, in der Mitte der Grafikkarte sticht der neue 12-Pin-Connector ins Auge.

© Nvidia

Die RTX 3070 ist das vorerst kleinste Modell und soll dennoch in der Lage sein, das ehemalige Top-Modell die RTX 2080 Ti, zu übertrumpfen. Das ist eine echte Ansage, die GPU kostet nämlich zum Marktstart nur 499 Euro, wohingegen man für die RTX 2080 Ti seit dem Release nahezu immer über 1000 Euro zahlen musste.

Sie bekommen also - laut Nvidia - mehr Rechenleistung zum halben Preis. Der direkte Vorgänger, die RTX 2070, soll um 60 Prozent geschlagen werden. Einziger Wermutstropfen ist der Videospeicher, der nur 8 GB groß ausfällt, das kann gerade beim 4K-Gaming schnell eng werden. Nvidia selbst sagt auch, dass die RTX 3070 genau den Sweetspot zwischen 1440p- und 2160p-Gaming darstellt.

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Auf der offiziellen Seite von Nvidia sind die RTX 3090, die RTX 3080 und die RTX 3070 mittlerweile gelistet, wir haben alle technischen Daten für Sie noch einmal zusammen gefasst:

Tabelle zur Seite scrollen für mehr Informationen.

RTX 3090

RTX 3080

RTX 3070

RTX 2080 Ti

RTX 2080

RTX 2070

Nvidia Cuda Cores

10496

8704

5888

4352

2944

2304

Boost-Takt (GHz)

1,7

1,71

1,73

1,635

1,8

1,71

Basistakt

1,4

1,44

1,5

1,35

1,515

1,41

Speicherkonfiguration

24 GB GDDR6X

10 GB GDDR6X

8 GB GDDR6

11 GB GDDR6

8 GB GDDR6

8 GB GDDR6

Speicherinterface

384-bit

320-bit

256-bit

352-bit

256-bit

256-bit

RT-Cores

2. Generation

2. Generation

2. Generation

1. Generation

1. Generation

1. Generation

Tensor-Cores

3. Generation

3. Generation

3. Generation

1. Generation

1. Generation

1. Generation

PCIe Generation

PCIe 4.0

PCIe 4.0

PCIe 4.0

PCIe 3.0

PCIe 3.0

PCIe 3.0

Länge

313 mm

285 mm

242 mm

267 mm

267 mm

229 mm

Breite

138 mm

112 mm

112 mm

116 mm

116 mm

113 mm

Höhe

3-Slot

2-Slot

2-Slot

2-Slot

2-Slot

2-Slot

TGP

350 W

320 W

220 W

260 W

225 W

185 W

Preis laut Nvidia

1.249 €

699 €

499 €

1.399 €

849 €

499 €

Verfügbarkeit

24. Sep

17. Sep

Oktober

Neues Kühl-Design und der 12-Pin-Stromstecker

Die Gerüchte haben sich bewahrheitet: die neuen RTX 3000 GPUs kommen mit einem speziell entwickeltem 12-Pin-Connector. Dieser bietet mehr Platz für die Komponenten auf dem PCB und die Kühllösung. Nvidia legt allen Grafikkarten einen entsprechenden 2x 8-Pin auf 1x 12-Pin Adapter bei. Nvidia selbst bezeichnet seine außergewöhnliche Kühllösung als zweiachsige, thermische Durchflusslösung. Hierbei ist die Platine selbst relativ kurz gehalten und mit einem V-Ausschnitt versehen. In diesem sitzt ein Lüfter auf der Rückseite der Grafikkarte welcher die warme Luft von der Vapor-Chamber und den Kühllamellen absaugt. Dadurch soll sich die Kühlleistung laut Nvidia im Vergleich zum Vorgänger bis zu verdoppeln, das ist bei einer TGP von 350 Watt bei der RTX 3090 aber auch wirklich nötig. 

Das neue Kühl-Design könnte für höhere CPU-Temperaturen sorgen, da die Abwärme der Grafikkarte direkt auf den Kühlkörper der CPU abgeführt wird.

© Nvidia

Neu ist auch der verbaute HDMI 2.1 Ausgang, welcher dank einer erhöhten Bandbreite eine Inhaltwiedergabe in 8K mit HDR ermöglicht und somit für eine enorme Auflösung für Gamer sorgt. Die GPUs setzen außerdem auf PCIe 4.0, was die Bandbreite im Vergleich zum Vorgänger ebenfalls verdoppelt. Die neue AV1-Decodierung, welche erstmals von den RTX 3000 GPUs unterstützt wird, ermöglicht außerdem das Streaming von 8K-HDR-Videos mit bis zu 50 Prozent reduzierter Bandbreite.

Verfügbarkeit 

Die RTX 3080 soll als erstes Modell am 17. September auf den Markt kommen, die RTX 3090 folgt dann eine Woche später am 24. September nach und für die RTX 3070 steht bisher nur der Oktober im Raum. Preislich fallen die Founder Editions mit 499 Euro, 699 Euro und 1499 Euro wirklich interessant aus. Von den Board-Partner sollen wie gewohnt entsprechende Custom-Modelle mit werkseitiger Übertaktung erhältlich sein, hierzu gibt es aber leider noch keinen Starttermin und auch keine Preise.

Für einen begrenzten Zeitraum erhalten Käufer einer RTX-3000-Grafikkarte beziehungsweise eines Fertig-PCs mit RTX-3000-GPU einen digitalen Key für Watch Dogs: Legion und eine einjährige Mitgliedschaft bei GeForce Now kostenlos dazu.

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Neue Software-Funktionen

Nvidia Reflex ist in der Lage die Systemlatenz auszulesen und zu optimieren. Der Low-Latency Mode soll laut Nvidia die Latenz in beliebten E-Sport-Titeln um bis zu 50 Prozent reduzieren. Der Latency Analyzer erkennt die Eingaben der Maus und misst dann die Zeit, die von der Mauseingabe bis zur Bildausgabe auf dem Monitor vergeht. Nvidia kündigt hierzu auch extra neue 360 Hz Monitore an, in welchen diese Funktion integriert ist, weshalb sie sich besonders gut für E-Sport eignen sollen. 

Nvidia Broadcast richtet sich vor allem an Streamer, die sich kein professionelles Setup leisten können. Die Software kann dank der Tensor-Cores Störgeräusche entfernen oder den Hintergrund analysieren und verschwimmen lassen, sodass ein ähnlicher Effekt wie bei einem Green-Screen entsteht. Die Software ist laut Nvidia auf allen RTX GPUs lauffähig.

Mit Nvidia Omniverse Machinima können Sie Ihr Gesicht per Webcam aufzeichnen und in eine 3D-Figur für einen Film umwandeln lassen.

© Nvidia

Omniverse Machinima setzt die Tensor-Cores ein, um per Webcam Ihre Mimiken, Gesten und die Stimme aufzuzeichnen und per KI in einen lebensnahe Animation zu transferieren. Zu dem Charakter lassen sich dann einfach Partikel und Flüssigkeiten hinzufügen, welche sich physikalisch exakt verhalten sollen. Das dürfte besonders die Charakterentwicklung bei der Programmierung eines neuen PC-Spiels oder Films deutlich erleichtern.

Fazit und unsere Einordnung

Nahezu alle vorab geleakten Informationen haben sich bewahrheitet. Positiv überrascht hat uns vor allem der Preis der drei neuen Ampere-Grafikkarten. Eine RTX 3090 für 1499 Euro ist natürlich alles andere als als günstig zu bezeichnen, aber als offizieller Nachfolger der Titan RTX , welche 2749 Euro zum Marktstart gekostet hat, ist das doch eine gewaltige Preisersparnis.

Besonders die RTX 3070 ist mit 499 Euro wirklich günstig, wenn Sie denn wirklich, wie Nvidia es angegeben hat, eine RTX 2080 Ti schlagen kann, die aktuell über 1000 Euro kostet. 

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Die Kühllösung ist richtig innovativ und wir sind gespannt darauf, wie sich die Founders Edition in unseren Tests schlägt. Sollte der Kühlkörper wirklich so gut sein, wie Nvidia es angibt, dürften es die Board-Partner schwer haben, sich deutlich von der Founders Edition distanzieren zu können. Besonders gespannt sind wir auch auf die Raytracing- und DLSS-Performance, die sich durch die RT-Cores der zweiten Generation und den Tensor-Cores der dritten Generation deutlich erhöht haben soll. 

Dennoch haben wir ein paar Punkte zu kritisieren: Nvidia selbst betitelt die RTX 3080 als neues Flaggschiff. Dafür halten wir die 10 GB Videospeicher allerdings als zu knapp bemessen. Außerdem ist auch der Preissprung zwischen der RTX 3080 für 699 Euro und der RTX 3090 für 1499 Euro viel zu groß. Hier wäre eine Zwischenoption á la RTX 3080 mit 20 GB, einer RTX 3080 Ti oder einer RTX 3080 Super wünschenswert. Zudem liest sich eine TGP von 350 Watt zunächst einmal enorm hoch, wenn wir jedoch die RTX 3070 näher betrachten, die die Leistung einer RTX 2080 Ti abliefern soll, dann stehen hier 260 Watt TDP (RTX 2080 Ti Founders Edition) gegen 220 Watt (RTX 3070 Founders Edition) - das spricht für eine 15 Prozent bessere Energieeffizienz. Wie viel Leistung die GPUs dann tatsächlich benötigen, muss unser Test erst noch zeigen.