Polizei: So erkennen Sie betrügerische Fakeshops

Das Landeskriminalamt Niedersachsen warnte bereits vor einiger Zeit vor Fakeshops, mit denen Betrüger Schnäppchenjäger Geld abnehmen wollen. Die Fakeshops ködern die Interessenten mit auffällig günstigen Angeboten. Eine Bestellung ist meist nur gegen Vorauskasse möglich, die versprochene Ware wird jedoch nicht geliefert. Das Geld ist in den meisten Fällen weg und mit den erbeuteten Kundendaten können die Cybergangster weitere Betrügereien wie Identitätsdiebstahl treiben.

Im zurückliegenden Jahr 2020 registriert die Polizei deutlich mehr Betrügereien mit gefälschten Online-Shops als im Vorjahr: „Die Taten von Januar bis Oktober 2020 übersteigen die registrierten Gesamtzahlen des Jahres 2016 sogar um ein Sechsfaches. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gab es vor allem in den Monaten Mai und Juni beim Betrug mit Fakeshops einen drastischen Anstieg.“ “

Auf diese Produkte fallen Online-Käufer besonders häufig herein

Die Nintendo Switch war in der ersten Jahreshälfte 2020 das beliebteste Produkt, mit der Cybergangster erfolgreich Opfer anlockten. In den Sommermonaten boomten die Pools für den heimischen Garten, in den Monaten September und Oktober lockten Fahrräder und Kaffeevollautomaten. Hinzu kamen Fakeshops, d ie gezielt die Angst der Menschen vor dem Corona-Virus ausnutzten und Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel oder andere medizinische Produkte anboten.

Das erschwert die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden

Die Strafverfolgung ist schwierig, weil sich die Server der Fakeseiten oft im Ausland befinden. Die einzelnen Fakeshops sind nur relativ kurze Zeit online. Die Geldströme fließen häufig nicht direkt auf Täterkonten, vielmehr bedienen sich die Betrüger sogenannten Finanzagenten, die die Gelder zum Teil über diverse Zahlungsdienstleister nahezu anonym weitertransferieren und somit Geldwäsche betreiben, wie die Polizei die Vorgehensweise erklärt.

Das LKA rät: So enttarnen Sie Fakeshops

Achten Sie auf die Sprache. Immer noch haben zahlreiche Fakeshops ein Problem mit der deutschen Sprache. Gerade auf Unterseiten im Shop wird die Qualität der Sprache vernachlässigt, wie z. B. die AGB, die in schlechtem Deutsch oder in einer anderen Sprache verfasst sind.

Prüfen Sie das Impressum. Nutzen Sie Suchmaschinen wie Google, um mehr über den Firmennamen, die Personen, Adresse oder Telefonnummer in Erfahrung zu bringen. Zudem finden Sie vielleicht auch Warnmeldungen anderer Käufer, offizieller Stellen wie Polizei oder Verbraucherzentralen und Gütesiegelbetreiber. Auch Kartendienste (inklusive Street View) können eine erste Einschätzung ermöglichen. Wurde ein echter Online-Shop von den Tätern kopiert und unter ähnlicher Webadresse ins Netz gestellt, kann es sein, dass man durch die Suche auch die echte Webseite des Anbieters entdeckt, auf denen bereits vor diesen Fakeshops gewarnt wird. Vereinzelt informieren auch Hersteller selbst über seriöse Anbieter oder gefälschte Seiten, wie die Polizei erklärt.

Prüfen Sie Handelsregisternummer und Umsatzsteuer-ID: Auf www.handelsregister.de kann man kostenfrei zumindest die Existenz einer angegebenen Nummer prüfen. Ist die Nummer nicht vergeben, so ist dies ein Indiz für eine mögliche Fälschung. Gleiches gilt für die Umsatzsteuer-ID, die zumindest auf https://ust-id-pruefen.de/ auf Ihre Gültigkeit geprüft werden kann. Vorsicht: Positive Ergebnisse bedeuten nicht, dass der Shop auch echt ist. Betrüger missbrauchen mitunter solche Angaben von echten Seiten.

Rufen Sie einfach mal an. Ist auf der Webseite eine Rufnummer vergeben, fragen Sie telefonisch nach. Viele Fakeshops erfinden Telefonnummern, die ins Leere führen oder gar nicht geschaltet sind. Vielleicht finden Sie in Online-Telefonbüchern oder mittels Suchmaschine weitere Rufnummern für eine Kontaktaufnahme.

Lassen Sie sich nicht vom „s“ in https blenden. Das „s“ steht lediglich für eine verschlüsselte Verbindung. Die von Ihnen eingegebenen Kundendaten werden sicher übertragen. Vor vielen Jahren waren die entsprechenden Zertifikate nur mit viel Aufwand und Prüfung zu bekommen. Mittlerweile werden diese auch kostenfrei und ohne Prüfung angeboten.

Vorsicht bei Vorkasse. Suggeriert der Shop mit zahlreichen Logos verschiedene Zahlungsarten und bleibt am Ende des Bestellvorgangs aber nur die Option Vorkasse –  womöglich auf ein Bankkonto im Ausland – übrig, dann sollten Sie das Geld an einen unbekannten Verkäufer nicht überweisen.

Passt die Webadresse zum verkauften Produkt? Immer wieder reaktivieren Täter alte, bereits von anderen Inhabern gekündigte Domainnamen, um in Suchmaschinen besser gefunden zu werden. Verkauft z. B. die Webseite eines Restaurants Elektronik-Artikel, ist Wachsamkeit geboten! Vorsicht: Die Domainendung .de ist kein Zeichen dafür, dass eine Webseite tatsächlich auch aus Deutschland kommt. Die Endung .de kann überall auf der Welt erworben werden.

Machen Sie die Gegenkontrolle bei Gütesiegeln. Betrüger nutzen gern erfundene Gütesiegel und Kundenbewertungen. Immer wieder werden auch echte Logos widerrechtlich auf den Webseiten dargestellt. Ist ein Logo vorhanden, so sollte man es anklicken, um zur echten Seite des Anbieters weitergeleitet zu werden und das aktuelle Zertifikat gegenprüfen zu können. Ein weiteres Indiz für einen Fakeshop sind gefälschte Kundenbewertungen und –meinungen.

Die obigen Tipps gelten auch für Shops auf Handelsplattformen wie Amazon. Wird vom dortigen Verkäufer eine Bezahlung außerhalb der Amazon-Plattform gefordert, sollten Sie die Finger davon lassen. Denn der Kauf ist dann nicht abgesichert, und Betrüger gelangen über Vorkasse so an Ihr Geld und Ihre persönlichen Daten.

Ausführliche Tipps zu Fakeshops finden Sie hier im Ratgeber Internetkriminalität des LKA Niedersachsen.