Tausende Amazon-Mitarbeiter hören Alexa-Mitschnitte ab

Hans-Christian Dirscherl |
Tausende Amazon-Mitarbeiter hören sich zu Analysezwecken die Sprachaufzeichnungen von Alexa an. Der Alexa-Nutzer erfährt davon nichts.

Tausende Amazon-Mitarbeiter hören sich zu Analysezwecken die Sprachaufzeichnungen von Alexa an, wie Bloomberg berichtet. Die lauschenden Mitarbeiter gehören zu einem weltweiten Amazon-Team. Die Teammitglieder sitzen in Boston, Costa Rica, Indien und Rumänien. Die Mitarbeiter müssen eine Verpflichtung unterschreiben, dass sie nicht öffentlich über ihre Arbeit sprechen.

Bloomberg bezieht sich bei seinem Bericht auf die Aussagen von sieben ehemaligen Mitarbeitern dieses Teams. Dieses weltweite Team besteht demnach sowohl aus Mitarbeitern von externen Unternehmern wie auch aus direkt bei Amazon angestellten Personen.

Bis zu 1000 Alexa-Aufzeichnungen pro 9-Stunden-Arbeitstag kann ein einzelner dieser Amazon-Mitarbeiter abhören. Die Alexa-Nutzer wissen nichts davon und erfahren auch nicht, wenn genau ihre Aufzeichnung abgehört wird.

Die Mitarbeiter sollen die Alexa-Mitschnitte aufschreiben und kommentieren. Das Ergebnis dieser Arbeit fließt dann auf die Alexa-Server zurück und soll helfen, die Qualität von Alexas Antworten zu verbessern. Amazon will mit der Arbeit dieses mehrere tausend Personen zählenden Teams die Verständnislücken von Alexa nach und nach schließen. Alexa soll so immer besser die Fragen der Nutzer verstehen und zielgerichteter antworten können. Alexa lernt also keineswegs nur dank KI von selbst dazu, sondern braucht und bekommt ständig auch Input von menschlicher Intelligenz.

Der Ablauf soll folgendermaßen sein: Aus den Alexa-Sprachaufzeichnungen wird maschinell nach dem Zufallsprinzip eine kurze Sprachaufzeichnung des Nutzers ausgewählt. Diese Audio-Datei wird an einen Amazon-Mitarbeiter geschickt. Der Mitarbeiter schreibt dann die Kommandos auf, die der Alexa-Nutzer gesagt hat und vergleicht seine Aufzeichnung mit dem maschinell von Alexa erstellten Transkript. Oder er kommentiert die Interaktion zwischen Alexa und dem Nutzer unter dem Gesichtspunkt: Lieferte Alexa eine befriedigende Antwort?

Alexa soll grundsätzlich erst nach dem vereinbarten Startwort – im Standardfall ist das "Alexa" – mit der Aufzeichnung beginnen. Doch die Teammitarbeiter bekamen lauf dem Bloombergbericht häufig auch Audio-Schnipsel, die anscheinend ohne dieses Startwort begannen. Bis zu 100 ungewünschte Aufzeichnungen soll ein Mitarbeiter pro Tag zu hören bekommen!

Wenn ein lauschender Amazon-Mitarbeiter einen Audioclip anhört, der seiner Meinung nach privater Natur ist oder Bankdaten enthält und von niemanden sonst angehört werden sollte, dann soll der Mitarbeiter diesen Audioclip entsprechend markieren und zum nächsten Clip weitergehen. Wenn ein Mitarbeiter Hilfe bei der Transkription benötigt, dann kann er Kollegen in einem Chatroom um Rat fragen.

Es kommt offensichtlich durchaus vor, dass die Audio-Aufzeichnungen sehr unangenehme, beunruhigende oder vielleicht sogar strafrechtlich relevante Inhalte beinhalten. Laut zweier rumänischer Mitarbeiter mischt sich Amazon da aber nicht ein.

Amazon bestätigt grundsätzlich die Mitschriften

Amazon betonte gegenüber Bloomberg, dass man die Privatsphäre der Alexa-Nutzer ernst nähme. Amazon würde nur extrem wenige Beispiele von Alexa-Sprachaufzeichnungen kommentieren lassen, um die Qualität von Alexa zu verbessern. Die Mitarbeiter aus dem Team würden laut Amazon die Urheber der Sprachaufzeichnungen nicht identifizieren können. Auf einem Screenshot, der Bloomberg vorliegt, soll man aber sehen können, dass bei einer Audio-Aufzeichnung eine Account-Nummer sowie der Vorname des Alexa-Nutzers und die Seriennummer des Alexa-Gerätes stehen.

In seinen Nutzungsbedingungen sagt Amazon nicht explizit, dass Menschen bei Alexa zuhören können. Amazon schreibt lediglich, dass es die Alexa-Aufzeichnungen zum Training und zur Verbesserung von Alexa benutzen würde. Damit könnte Amazon aber auch rein automatisierte, KI-basierte Verfahren beziehungsweise Maschinenlernen meinen. Tatsächlich helfen hier aber auch Menschen mit.

Laut Bloomberg helfen auch bei Apples Siri und beim Google Assistant Menschen bei der Verbesserung der Sprachassistenten.

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