Der Ryzen 7 5700X hat ordentlich Konkurrenz.

Gute eineinhalb Jahre ist es her, seit AMD mit dem Ryzen 9 5950X, dem Ryzen 9 5900X (zum Testbericht) , dem Ryzen 7 5800X und dem Ryzen 5 5600X die ersten Zen-3-CPUs auf den Markt gebracht hat. Während wir über die Performance und Energieeffizienz der Prozessoren ausschließlich lobende Worte fanden, gab es doch eine Schwachstelle in AMDs Portfolio. So war der Preisunterschied gerade zwischen dem Hexa-Core und dem Octa-Core enorm und weder für den beliebten Ryzen 5 3600 noch für den Ryzen 7 3700X gab es aus preislicher Sicht einen direkten Nachfolger. Spätestens mit dem Release von Alder Lake, insbesondere dem Core i5-12600K (zum Testbericht) und dem Core i5-12400 (zum Testbericht) , wurde das für AMD zum Problem. So bot Konkurrent Intel eine vergleichbare und zum Teil sogar bessere Performance zum günstigeren Preis. Unter Zugzwang geraten brachte AMD Anfang April sieben neue CPUs wie den Ryzen 5 5600 (zum Testbericht) und den Ryzen 7 5700X auf den Markt, zwei grundsätzlich gute CPUs, welche bei einem früheren Release aber noch deutlich mehr Lorbeeren hätten einheimsen können.

Einordnung im Portfolio

Der Ryzen 7 5700X ist der offizielle Nachfolger des Ryzen 7 3700X (zum Testbericht)  und der kleinere Bruder des Ryzen 7 5800X. Von diesem unterscheidet er sich nur in kleinen Nuancen, der zugrunde liegende Aufbau ist identisch. Das bedeutet ein Compute-Die (CCD) mit einem Core-Complex (CCX), welcher acht Rechenkerne und 32 MB L3-Cache beherbergt. Größter Unterschied ist die Thermal Design Power (TDP) von 65 zu 105 Watt und das Power Point Tracing (PPT) von 76 zu 142 Watt. Der 5700X darf sich also bei Volllast nur etwas mehr als die Hälfte der Leistung des 5800X genehmigen. Daraus resultiert, dass der Basistakt des 5700X um 400 MHz und der Boost-Takt um 100 MHz niedriger ausfällt. Bei Anwendungen, welche die CPU zu 100 Prozent auslasten, dürfte daraus ein gewisser Performance-Unterschied resultieren, bei Spielen dürfte es aber wieder anders aussehen, da hier in den meisten Fällen nur eine Teillast anliegt und die Leistungsaufnahme nicht so hoch ausfällt. 

CPU-Benchmark 2022: AMD Ryzen oder Intel Core i Prozessor? Der Ranglisten-Vergleich

Vom Ryzen 7 5700G (zum Testbericht) unterscheidet sich der 5700X durch seinen technischen Aufbau. Während die Vermeer-CPU auf dem Chiplet-Ansatz mit einem CCD sowie einem separaten I/O-Die basiert, handelt es sich beim Cezanne-Prozessor um eine monolithische CPU oder besser gesagt APU, denn in dem Chip ist eine Grafikeinheit integriert. Das hat zur Folge, dass der L3-Cache des 5700G mit 16 MB nur halb so groß ausfällt, was große Auswirkungen auf die Gaming-Performance haben kann. 

Gaming-Benchmarks in 720p- und 1080p-Auflösung

Bei den Gaming-Benchmarks in 720p messen wir für den Ryzen 7 5700X im Schnitt knapp 4,5 GHz, wohingegen der Ryzen 7 5800X circa 4,7 GHz erreicht. Das entspricht einem Taktunterschied von knapp fünf Prozent, aber wie schlägt sich das auf die Performance nieder? Und wie schneidet der Ryzen 7 5700G im CPU-Limit im Vergleich dazu ab, welcher durchschnittlich etwa 4,6 GHz erreicht? 

Im Average über zwölf Spiele liegt der Ryzen 7 5700X in unseren Tests nur zwei Prozent hinter dem Ryzen 7 5800X zurück. Dieser Unterschied ist zwar messbar, in der Praxis aber nicht spürbar. Bedeutend größer fällt der Vorsprung auf den Ryzen 7 5700G mit 18 Prozent aus, was die Bedeutung des doppelt so großen L3-Caches verdeutlicht. Im Vergleich zum Core i5-12600K liegt der Ryzen 7 5700X in HD-Auflösung rund ein Prozent in Führung, was letztlich vernachlässigbar ist. Dennoch zeigt sich dadurch, dass der 12600K je nach Spiel mit den sechs P-Cores Probleme bekommen kann, da die E-Cores beim Gaming nicht wirklich weiterhelfen. 

Der Core i7-12700K mit acht Performance-Cores liegt im Schnitt fünf Prozent vor dem Ryzen 7 5700X. Der Rückstand auf den Spitzenreiter beträgt indes gute elf Prozent. Den Hexa-Core Ryzen 5 5600X kann der 5700X um gute drei Prozent schlagen, hier zeigt sich, dass der Sweet-Spot beim Gaming mittlerweile bei acht Rechenkernen liegt, auch wenn der Abstand natürlich nicht riesig ist. Besonders positiv ist der Generationensprung von Zen 2 auf Zen 3 hervorzuheben, so beträgt der Performance-Zuwachs vom 3700X auf den 5700X satte 30 Prozent.

So viel aber nur zur Theorie, wenn wir weitestgehend im CPU-Limit testen. Bereits bei den Benchmarks in 1080p kann je nach Spiele unsere Radeon RX 6900 XT (zum Testbericht) limitieren, wodurch das Testfeld im Durchschnitt deutlich näher zusammenrutscht und die Anzahl der Rechenkerne keine so große Rolle mehr spielt. Im Durchschnitt über zwölf Spiele liegt der 5700X nicht einmal mehr ein ganzes Prozent hinter dem 5800X zurück und der 12600K liegt plötzlich zwei Prozent in Führung. Aber auch dieser Unterschied wird in der Praxis wieder niemandem auffallen. Selbst ein Core i9-12900KS ist in 1080p nur knappe neun Prozent schneller als der 5700X, dessen Vorsprung auf den 3700X indes von 30 Prozent in 720p auf die Hälfte geschrumpft ist. 

Bei Volllast vom Power-Limit ausgebremst

Der größte Unterschied zwischen dem 5700X und dem 5800X offenbart sich schließlich bei den Anwendungstests, welche die CPUs zu 100 Prozent auslasten. Während das Power-Limit beim 5700X nur 76 Watt beträgt, darf sich der 5800X bis zu 142 Watt genehmigen, womit er deutlich höhere Taktraten und damit einhergehend mehr Performance erzielt. 

Im Schnitt über zehn getestete Anwendungen beträgt der Vorsprung des 5800X im Durchschnitt gut sieben Prozent, wobei hier auch Anwendungen wie Photoshop oder Premiere Pro mit einberechnet sind, welche nur eine Teillast auf der CPU erzeugen. In Anwendungen wie Blender oder HandBrake beträgt der Vorsprung dann zehn bis 15 Prozent, was sich direkt in eine entsprechende Zeitersparnis ummünzen lässt. Damit liegt der 5700X bei den Anwendungstests auch nur noch äußerst knapp vor dem 5700G, welchen er bei den Gaming-Tests noch deutlich in die Schranken verweisen konnte. Der Core i5-12600K ist im Schnitt indes knapp sieben Prozent schneller, wobei sich dieser ähnlich wie der 5800X deutlich mehr Leistung genehmigen darf. 

Deutlich die Nase vorne hat Intel schließlich bei den Single-Core-Tests. So liegt der Core i5-12600K im Schnitt gute elf Prozent vor dem 5700X und auch der Core i5-12400 hat trotz 250 MHz niedrigerer Boost-Taktraten noch knapp die Nase vorne. Im eigenen Portfolio liegt der 5700X mit dem 5600X gleich auf, was wenig verwundert, da beide einen Boost-Takt von 4,65 GHz erreichen. Der 5800X mit 200 MHz höheren Taktraten ist in dieser Disziplin um gute drei Prozent schneller, was ebenfalls im Rahmen der Erwartungen liegt.

Leistungsaufnahme und Effizienz

Beim Thema Leistungsaufnahme zeigt sich, dass der 5700X deutlich durstiger ist als sein Vorgänger, der Ryzen 7 3700X. Begnügte sich die Zen 2 CPU beim Gaming in 1080p im Schnitt noch mit 50 Watt, so sind beim 5700X 69 Watt fällig. Das sind nur drei Watt weniger als beim Ryzen 7 5800X, hier spielt das deutlich niedrigere Power-Limit also noch keine Rolle und auch die 200 MHz niedrigeren Taktraten machen sich nur unwesentlich bemerkbar. Der Core i5-12600K ist beim Gaming indes etwas effizienter und begnügt sich mit 64 Watt.

Leistungsaufnahme der Prozessoren im Durchschnitt aus 12 Spielen.

Für die Effizient bedeutet das, dass sich der 5700X im Mittelfeld einordnet. Zwar arbeitet er marginal sparsamer als der große Bruder, aber das Level des direkten Konkurrenten, in Form des 12600K kommt er nicht ganz heran. Vielmehr spielt er in einer Liga mit dem teureren Core i7-12700K.

Effizienz der Prozessoren im Durchschnitt aus 12 Spielen.

Bei den Anwendungstests kommt schließlich das Power-Limit zu tragen. Bei 78 Watt war bei unseren Benchmarks bei Volllast Schluss, mehr Leistung nimmt der 5700X nicht auf, sofern keine Anpassungen im BIOS vorgenommen werden. Beim Ryzen 7 5800X konnten wir im Vergleich dazu im Schnitt 131 Watt messen. Der Unterschied von 53 Watt resultiert in einem Taktratenunterschied von guten 360 MHz oder auch zehn Prozent. Eben diese Taktratendifferenz spiegelt sich bei den Performance-Messungen wieder. Hier zeigt der Ryzen 7 5700X dann seine Stärken, denn bei nur 60 Prozent der Leistungsaufnahme ist er im Durchschnitt sieben Prozent langsamer. Das gleiche Bild zeigt sich auch beim Vergleich mit dem 12600K. Dieser mag zwar im Schnitt etwas schneller sein, benötigt dafür aber auch 41 Watt mehr. 

Tabelle zur Seite scrollen für mehr Informationen.

Leistungsaufnahme Avg.

Leistungsaufnahme Max.

Temperatur Max.

Takt Avg.

Takt Max.

AMD Ryzen 5 5600

78 W

78 W

66°C

4428 MHz

4450 MHz

AMD Ryzen 5 5600X

76 W

76 W

67°C

4495 MHz

4525 MHz

AMD Ryzen 7 5700G

81 W

82 W

69°C

4439 MHz

4480 MHz

AMD Ryzen 7 5700X

78 W

78 W

64°C

4183 MHz

4250 MHz

AMD Ryzen 7 5800X

120 W

131 W

83°C

4549 MHZ

4575 MHz

AMD Ryzen 9 5900X

142 W

142 W

74°C

4416 MHz

4450 MHZ

AMD Ryzen 9 5950X

128 W

134 W

71°C

4145 MHz

4400 MHz

Intel Core i3-12100F

53 W

54 W

50°C

4100 MHz

4100 MHz

Intel Core i5-12400

75 W

75 W

53°C

4000 MHz

4000 MHz

Intel Core i5-12600K

119 W

124 W

60°C

4140 MHz

4500 MHz

Intel Core i7-12700K

153 W

175 W

68°C

4333 MHz

4700 MHz

Intel Core i9-12900K

217 W

233 W

80°C

4296 MHz

4900 MHz

Intel Core i9-12900KS

261 W

289 W

102°C

5103 MHz

5200 MHz

Preisliche Einordnung und Fazit

AMD gibt die offizielle UVP des Ryzen 7 5700X mit 299 US-Dollar an, was exakt dem offiziellen Preis für den Core i5-12600K entspricht. Dieser Preis lässt sich unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer nahezu 1:1 in Euro umrechnen. Ein Blick in den Preisvergleich zeigt, dass für den Ryzen 7 5700G derzeit 275 Euro fällig sind, für den 5700X 288 Euro und für den 5800X 299 Euro. Der Preis für den 12600KF liegt wiederum bei 278 Euro und für den 12600K bei 288 Euro. Der Griff zum 5700G lohnt sich nur dann, wenn Sie eine leistungsfähige integrierte Grafikeinheit benötigen. In puncto Performance und Effizienz im Anwendungsbereich schenkt er sich mit dem 5700X nichts, dafür fällt die Gaming-Performance wegen des halbierten L3-Caches aber deutlich niedriger aus. 

Der 5700X wiederum ist nur eine im Power-Limit beschränkte Variante des 5800X, was in niedrigeren Taktraten resultiert. Beim Gaming lassen sich Performance-Unterschiede zwar messen, sind in der Praxis aber nicht spürbar. Im Anwendungsbereich kann der Leistungsunterschied durchaus mal 15 Prozent betragen, wobei dann die Effizienz des 5800X darunter leidet. Schlussendlich lässt sich der 5700X aber auch problemlos auf das Performance-Level des 5800X bringen, indem im BIOS kurzerhand die Power-Limits entfernt respektive angehoben werden. Durch manuelles Tuning lässt sich sogar noch mehr herausholen und Käufer können sich immerhin 10 Euro einsparen.

Der 12600K wiederum ist dem 5700X in jedem Bereich leicht überlegen und kostet exakt gleich viel. Die F-Version ohne integrierte Grafikeinheit ist sogar 10 Euro günstiger. Damit hat der Ryzen 7 5700X einen schweren Stand, kann aber durch die günstigeren Mainboard-Preise für den AM4-Sockel profitieren. Eine B550-Hauptplatine mit vier RAM-Steckplätzen ist ab 83 Euro erhältlich, wer auf PCIe 4.0 verzichtet, kann auch auf ein älteres B450-Mainboard und mittlerweile – dank BIOS-Updates – sogar auf B350 und X370 Bretter setzen. Und das ist die größte Stärke des 5700X, denn wer Besitzer eines Ryzen Systems der ersten Stunde ist, erhält mit dem Zen 3 Octa-Core ein wirklich potentes Upgrade. 

Bei einer Neuanschaffung wirkt eine Intel Plattform etwas attraktiver, zumal der Sockel 1700 auch mit den kommenden Core-i-Prozessoren der 13. Generation kompatibel sein soll. AM4 wiederum hat das Ende seiner Lebenszeit erreicht, so steht mit Ryzen 7000 und AM5 bereits der Nachfolger in den Startlöchern. Das verdeutlicht, dass der 5700X einfach viel zu spät auf den Markt gekommen. Mit einer Veröffentlichung zum Release von Zen 3 hätte sich die CPU mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Topseller entwickelt. Selbst mit einem Release kurz vor Alder Lake, hätte die CPU noch viel Anklang finden können, aber jetzt gibt es durch Intel starke Konkurrenz und der Nachfolger ist schon für den Herbst angekündigt.