Ein BMW M340i xDrive Touring lieferte die Basis für unseren Test von BMW Operating System 7 (BMW OS 7). Hier dessen Cockpit.

Wir haben das erweiterte BMW Operating System 7 in einem BMW M340i xDrive Touring getestet, wie es BMW seit Juli 2020 in allen Neu-Fahrzeugen ausliefert. Vor Juli 2020 bereits ausgelieferte kompatibel BMWs bekamen das Update mit den neuen Funktionen für BMW OS 7 seit dem 19. Oktober 2020 via Over-the-Air-Update nachgereicht. BMW OS 7 ist nämlich seit dem Jahr 2018 nach und nach für alle Modelle verfügbar.

Das Cockpit des BMW M340i xDrive Touring.

© BMW

Bei diesem Test konzentrieren wir uns auf die Neuerungen, die das Juli/Oktober-2020-Update brachte. Für einen generellen Überblick über BMW Connected Drive und dessen Funktionsumfang empfehlen wir diese Artikel:

BMW Intelligent Personal Assistant: Neuer BMW-Sprachassistent im Test

BMW Connected Drive+ im Test: Kamera-Überwachung und cleveres Navi

BMW Connected Drive Test: Wireless Carplay, Ferngesteuertes Parken, Gestiksteuerung

BMW Connected Drive mit Online-Entertainment, Touchpad & Android-Support getestet


Verbesserter Sprachassistent: Wer spricht da?

Den BMW Intelligent Personal Assistant hat BMW im Rahmen seines 2020er-Updates ebenfalls weiterentwickelt. So soll er nun zwischen Sprachbefehlen des Fahrers und des Beifahrers unterscheiden können. Im Test klappt das aber etwas unzuverlässig. Unsere Sprachbefehle, also die des Fahrers, ordnet der Personal Assistant zwar immer richtig zu. Vermutlich weil „Fahrer“ als Quelle für Sprachbefehle voreingestellt ist. Wenn wir also sagen „Fenster öffnen“, dann fährt die Fensterscheibe der Fahrertür nach unten. Sagen wir „Sitzheizung an“ springt sofort die Sitzheizung des Fahrersitzes an. So weit, so gut.

Die Auswahl auf dem Control-Display.

Wenn unsere Beifahrerin „Fenster auf“ sagt, dann öffnet sich manchmal tatsächlich das Fenster der Beifahrerseite. Manchmal aber auch unser Fahrerfenster. Genauso ist es mit dem Einschalten der Sitzheizung per Sprachbefehl: Manchmal wird uns warm, manchmal der Beifahrerin. Obwohl die Anweisungen immer von ihr kommen. Der BMW Intelligent Personal Assistant kann also nicht immer zuverlässig zuordnen, ob ein Sprachbefehl von der Fahrerseite oder der Beifahrerseite stammt. Auch wenn die sprechenden Personen immer die gleichen sind.

Testbasis: BMW M340i xDrive Touring mit einem 275 kW (374 PS) starken M TwinPower Turbo Reihen-6-Zylinder Motoren

© BMW

Meist versteht uns der Sprachassistent aber gut und er antwortet beziehungsweise reagiert schnell. Doch ab und zu versteht er uns auch mal falsch, zum Beispiel bei Navigationszielen. Fehlerfrei funktioniert die Sprachsteuerung mit dem BMW Intelligent Personal Assistant also nicht. Diese Kritik gilt aber auch für Google Assistant, Amazon Alexa, Apple Siri und den Mbux von Mercedes-Benz: Keine Sprachsteuerung erkennt derzeit den Sprecher immer fehlerfrei.


BMW Maps: Überarbeitete Navigation mit verbesserter Parkplatzsuche und Ladestationensuche

BMW Maps soll dank der Kraft der Clouddienste jetzt schneller die Routen berechnen, flotter navigieren und POIs mit mehr Informationen anzeigen (Ratings, Geschäftsöffnungszeiten und Bilder). Zudem soll die Zieleingabe intuitiver sein.

Die Smartphone-Ablage lädt das iPhone oder das Android-Smartphone nach dem Qi-Standard per Induktion kabellos auf.

Im Test zeigt sich, dass BMW Maps in der Tat Routen sehr schnell ermittelt. Die Sonderzielsuche, zum Beispiel nach Parkplätzen, liefert rasch passende Ergebnisse. Besonders die Parkplatzsuche am Zielort einer Navigation ist sehr praktisch: Sie sehen auf der Karte auf dem 10,25 Zoll großen Control-Display alle Parkhäuser, Tiefgaragen und öffentlichen Parkplätz rund um das Ziel und können sich direkt dorthin lotsen lassen. Dabei zeigt Ihnen BMW Maps immer die Entfernung von der Parkmöglichkeit zum Zielpunkt Ihrer Reise an.

Diese Parkmöglichkeiten stehen in der Nähe unseres Ausflugsziels zur Verfügung.

Connected Parking soll Parkplätze zudem in Abhängigkeit von der Größe des Fahrzeugs anzeigen - gerade bei einem viel Raum beanspruchenden SUV ein wichtiger Aspekt - und versucht dabei mithilfe von Flottendaten zu ermitteln, ob diese tatsächlich frei sind. Im Test klappt das und wir sehen immer, ob am Zielort genügend große Parkplätze vorhanden sind.

Hier zeigt BMW Maps die Belegung der von uns ausgewählten Tiefgarage an.

Nicht überprüfen können wir die Ladesäulensuche für Elektro-Autos – ein M340i tankt keinen Strom. BMW Maps findet aber grundsätzlich auch Ladestationen für E-Autos und Hybride.

Die Funktion "eDrive Zones" wiederum soll via Geofencing Umweltzonen erkennen und dann beim Einfahren mit einem Plugin-Hybriden das Fahrzeug automatisch in einen rein elektrischen Fahrmodus schalten. Das soll derzeit für über 90 europäischen Städte verfügbar sein.

Das reaktionsschnelle 10,25 Zoll große Control-Display in der Mitte des Armaturenbretts lässt sich gut ablesen und mit den Fingern sicher bedienen. Hier ist gerade Android Auto mit der Google-Maps--Navigation geöffnet.

Wie gehabt sehen Sie die eigentliche Karte auf dem Control-Display. Zusätzlich zeigt aber auch das 12,3 Zoll große Instrumentendisplay Abbiegepfeile an und das aufpreispflichtige, aber unbedingt zu empfehlende Head-Up-Display (1150 Euro), sofern vorhanden, blendet ebenfalls Abbiegepfeile ein.


Kabelloses Android Auto: Von Anfang an gelungen

Ein Highlight unseres Testwagens ist Android Auto. Denn wie schon 2016 bei Carplay implementiert BMW Android Auto von Anfang an nur kabellos. Somit hat es zwar lang gedauert, bis der bayerische Autohersteller endlich auch Googles Smartphone-Schnittstelle im Auto unterstützt. Doch dafür ist die Umsetzung vom ersten Tag an gelungen: Sie legen Ihren Androiden einfach in die Smartphone-Ablage, wo er auch gleich induktiv aufgeladen wird – und fertig. Android Auto können Sie dann sofort benutzen, ohne mühsames Kabeleinstecken.

Google Maps dient natürlich zur Navigation. Hier mit der coolen Satellitenansicht.

Voraussetzung ist natürlich, dass Sie Ihr Android-Smartphone bei Connected Drive anmelden und Android Auto einmal aktivieren. Das klappt mit einem Samsung Galaxy S21 Ultra durchgehend kabellos, nicht einmal für die erstmalige Koppelung (Einrichtung) zwischen Galaxy S21 und BMW M340i ist ein USB-Kabel erforderlich. Wichtig: Sie benötigen zur Einrichtung eine Internetverbindung für den Google Assistant.

Diese Apps stehen unter Android Auto zur Verfügung.

Danach können wir Android Auto auf dem 10,25 Zoll große Control- Touch-Display bequem benutzen. Wobei neben dem Touchscreen natürlich vor allem die Sprachsteuerung via Google Assistant zur Bedienung verwendet wird. Typische Verwendungszwecke von Android Auto sind:

  • Navigation mit Google Maps. Lesen Sie hierzu auch: Google Maps im Test - Gratis-Navigation mit exakten Verkehrslage-Informationen

  • Musik von Spotify, Google Play Music etc. und Hörbücher zum Beispiel von Audible abspielen

  • Nachrichten via Whatsapp oder über einen anderen Messenger verschicken.

  • Eintreffende Whatsapp-Nachrichten zeigt Android Auto auf dem Control-Display an

  • Anrufe tätigen

  • Wetterbericht, Nachrichtenticker, Google Kalender etc.

Android Auto im Test: Funktionen, Apps, Auto-Hersteller

Eine Whatsapp trifft ein und wird am oberen Bildschirmrand eingeblendet.

Das Samsung Galaxy S21 Ultra passt übrigens gerade noch so in die Smartphone-Ablage des BMW.

Diverse Bildschirmhintergründe stehen für Android Auto zur Auswahl. Demnächst werden es noch mehr werden.

Noch größer darf ein Smartphone aber nicht sein, wenn man es im BMW kabellos aufladen will.


Carplay: Jetzt auch im Head-Up-Display

BMW hat die von Anfang an sehr gelungene Integration von Carplay Wireless an einer Stelle vorteilhaft ausgebaut: Navigationsanweisungen/Abbiegepfeile der Apple-Karten-App unter Carplay zeigt nun auch das Head-Up-Display (das sich perfekt ablesen lässt, auch bei direkter Sonneneinstrahlung) auf der Windschutzscheibe und auf dem Info-Display vor dem Fahrer an. Top!

Frische Optik und git bedienbar: Carplay auf dem über 10 Zoll großen Control-Display.

Von dieser wirklich nützlichen Neuerungen abgesehen bleibt die CarPlay-Benutzung im BMW unverändert. Sie können das iPhone also in der Jackentasche lassen und trotzdem Carplay nutzen, weil BMW Carplay nur kabellos integriert hat. BMW war damit 2016 einsamer Vorreiter. Selbst der zwei Jahre später erscheinende Porsche Taycan konnte da nicht mithalten und bot Carplay nur via Kabel an: Porsche Taycan - Carplay nur per Kabel und nicht wireless.

Mit Siri eine Whatsapp aufsprechen und verschicken.

Zusammen mit dem großen, übersichtlichen und schnell auf Fingereingaben reagierenden Touchscreen und der Siri-Sprachsteuerung gibt es an Carplay im BMW nichts zu kritisieren.

Apple Music unter Carplay auf dem Control-Display.

Etwas verwirrend war dagegen das Hin und Her bei BMWs Bezahlmodell für Carplay. Dessen Entwicklung stellen wir in diesen Meldungen vor:

Carplay im BMW: Per Connected-Paket oder gegen Einmalzahlung

BMW: Neues Preismodell für Apple Carplay

BMW kassiert für Carplay jährlich – Gratisjahr nur in den USA

Apple Carplay im Test: Funktionen, Apps, Anbieter, Wireless Carplay

Carplay in Aktion: Ganz links die Icons für die geöffneten Apps. In der Mitte Apple Karten. Rechts Steuerelemente für Apple Karten, Siri, Medien und ein Kalendereintrag.

Radiosender zur Auswahl in Carplay

Apple Carkey: iPhone wird zum BMW-Autoschlüssel

BMW rühmt sich dafür als erster Automobilhersteller Apple Carkey in seinen Fahrzeugen eingeführt zu haben. BMWs Umsetzung von Apple Carkey heißt „BMW Digital Key“.


Sie können also mit einem geeigneten iPhone oder einer Apple Watch einen kompatiblen BMW aufsperren und starten und natürlich auch wieder absperren. Wir stellen diese Technik in einem separaten Testbericht ausführlich vor: Apple Carkey im Test - BMW mit iPhone öffnen und losfahren ("BMW Digital Key").

Android-Smartphones können dagegen bei einem BMW noch nicht als Autoschlüssel verwendet werden.


BMW Drive Recorder: Dashcam an Bord

Ein BMW besitzt, sofern Sie das entsprechende Ausstattungspaket mitbestellt haben, zahlreiche Kameras. Diese erfassen die gesamte 360-Grad-Umgebung des BMWs. Diese Kameras werden in erster Linie für diverse Sicherheits- und Fahrerassistenzsysteme verwendet, doch Sie können damit auch eine Dashcam betreiben. BMW nennt diese Dashcam-Funktion "BMW Drive Recorder" (Preis: 200 Euro). Sie finden diese Funktion unter „Installierte Apps“ im Control-Display.

Eines der aufgenommenen Videos auf dem Control-Display abspielen.

Sie müssen den "BMW Drive Recorder" im Control-Display des Fahrzeugs vor der ersten Benutzung einmal aktivieren. Dabei legen Sie auch gleich fest, wie viele Sekunden vor und nach einem „Unfallereignis“ (das das Aufzeichnen mit der Kamera auslöst) die Kamera aufzeichnen soll. Zudem entscheiden Sie, ob der BMW Drive Recorder automatisch oder nur auf Ihren ausdrücklichen Befehl hin – also manuell – aufzeichnen soll.

Sie finden den Drive Recorder unter "Installierte Apps".

Sie können die Aufzeichnung über das Control-Display jederzeit von Hand starten. Zudem listet das entsprechende Menü im Control-Display alle erfassten Videos auf.

Der Drive Recorder findet sich unter "Installierte Apps.

Im Test funktioniert das Aufzeichnen von Hand einwandfrei. Auf den Test des automatischen Aufzeichnens nach einem Unfall verzichten wir…

Zahlreiche Kameras am BMW liefern die Bilder für den Drive Recorder.

Remote Software Upgrade: Funktionen via OTA-Update nachkaufen


BMW will auch nach dem Verkauf des Wagens noch verdienen. Hierzu bietet BMW im Connected-Drive-Store diverse Abomodelle an, mit denen sich zum Beispiel die Sitzheizung nachträglich kostenpflichtig via Over-the-Air (OTA) freischalten lässt. Ebenfalls derart nachträglich buchen lassen sich

  • Fernlichtassistent

  • Fahrerassistenzsystem Active Cruise Control (ACC) mit Stop & Go-Funktion

  • BMW Drive Recorder

  • BMW Iconic Sounds Sport

  • Adaptives M Fahrwerk.

Kunden können die genannten Funktionen einen Monat gratis ausprobieren und danach entscheiden, ob sie dann für ein oder drei Jahre Nutzung zahlen wollen.

Der Gedanke dahinter: Bereits bei der Fertigung eines Autos wird mehr Hardware in dem Fahrzeug verbaut, als der Kunde eigentlich bestellt hat. Diese Hardware kann man sich dann nachträglich gegen Bezahlung freischalten lassen. Tesla bietet das schon länger für seinen Autopiloten an. Allerdings kostet dessen nachträgliche Freischaltung richtig viel Geld, nämlich mehrere Tausend Euro.

Ein komplett neuer Gedanke ist diese nachträgliche Freischaltung von verborgenen Funktionen allerdings nicht. Bereits vor Jahrzehnten verbauten zum Beispiel einige Hersteller ein Außenthermometer in ihre Fahrzeuge. Dessen gemessene Temperatur zeigte das Cockpit aber nur an, wenn man für diese Funktion beim Kauf auch bezahlt hatte. Die Temperaturanzeige konnte man später aber durchaus noch freischalten lassen, mitunter genügte dafür ein guter Draht zum Kundendienstmitarbeiter der Stammwerkstatt.

Alle Auto-Tests der PC-WELT auf einen Blick