Europa wird von Tsunamis zerstört, es beginnt ein Kampf um die letzten Ressourcen des Planeten. Und um die Datenhoheit. DICE hatte viele Ideen für eine epische Kampagne, warum packt man die dann nur in einen beliebigen Koop-Modus?

„Geschätzter Wiedereintritt der Kapsel in 20 Sekunden. Sichtkontakt bestätigen“, befiehlt der Commander via Funk. Dann...ein leises Pfeifen, das lauter und lauter wird und schließlich zu einem Heulen und Kreischen anschwillt. Dann BOOM! Eine Kapsel schlägt mit einem ohrenbetäubenden Knall auf dem Boden ein. „Blue Hawk ist gelandet, ich wiederhole, Blue Hawk ist gelandet“, melden die Special Forces ans Kommandozentrum. Im Jahr 2042 hat ein als "Der Blackout" bekannter weltweiter Zwischenfall mehr als 70 Prozent der erdnahen Satelliten gestört, die daraufhin in die Atmosphäre stürzten. Jegliche Kommunikation, Navigation und Überwachung wurde lahmgelegt und brachte die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen den USA und Russland an den Rand eines Krieges. In der Folgezeit setzten beide Länder mit Kapseln bestückte Satelliten ein, um mit strahlungs-resistenten Datenlaufwerken in aller Welt geheimdienstlich relevante Daten zu sammeln.

In Hazard Zone kämpfen acht Vierer-Squads von Specialists um abgestürzte Kapseln, in denen sich Daten befinden. Es ist quasi der Modus, um die Spezialitäten der Special Forces zu erlernen.

© DICE

Diese Kapseln und die darin enthaltenen Datenlaufwerke werden über dem amerikanischen bzw. russischem Territorium kontrolliert zum Absturz gebracht und von Besatzungstruppen vor Ort gesichert. Hazard Zone ist der Versuch von DICE, eine komplexe Geschichte zu erzählen, die wir uns eigentlich in einer spannend inszenierten Kampagne im Stil von Battlefield 3 gewünscht hätten. Denn ja, die Geschichte von Battlefield 2042 klingt durchaus ambitioniert: 2033 verwüstet ein Hurrikane der Kategorie 6 weite Teile Europas und bringt das Schiffsnetz zum erliegen. Zahlreiche Staaten werden zerstört, die Flüchtlinge werden als Non-Patriates, als Staatenlose, bezeichnet. Die Non-Pats ziehen auf Schiffen über die Erde, 1,2 Milliarden von ihnen. Viele dienen anderen Staaten, Splittergruppen hingegen radikalisieren sich zu militärischen Einheiten, die versuchen, Land für ihre Gesellschaft zu erobern.

2034 kommt es zur großen weltweiten Depression, Lebensmittel- und Treibstoffknappheit führen zu sozialen Spannungen, die Regierungen von privaten Militärdienstleistern niederschlagen lassen. Mehr und mehr gewinnen Konzerne die Oberhand, die etwa Wellenbrecher erfinden, um Küstenstädte vor immer häufigeren Tsunamis zu schützen. Wäre schön, wenn DICE mit diesem Element auf seinen Karten stärker spielen würde, etwa in einem überfluteten London. Parallel werden in Ägypten von Konzernen wie Synseco Agritech neue Bewässerungssysteme für die Wüste erforscht und frische Nahrung mit genmanipulierten Pflanzen gewonnen. Die Nahrung wird allerdings nicht fair verteilt, sondern an die reichen Staaten verkauft und von 4-Sec, einer Privatarmee des Konzerns hinter einer mächtigen Mauer, genannt “The Wall“, bewacht.

Überschwemmte Metropolen im Stil von The Last of Us 2 hätten für ein super spannendes Szenario in einer Kampagne sorgen können. Wir werden wohl nie erfahren, warum DICE diese gekillt hat…

© DICE

2035 erklärt Deutschland den Staatsbankrott, die Europäische Union bricht in sich zusammen und Russland sowie die USA kämpfen um die Vorherrschaft in Europa. Um einen Weltkrieg zu vermeiden, setzen sie dabei europäische Spezialeinheiten ein: Das erklärt jetzt endlich auch dieses merkwürdige Spezialisten-System. In Battlefield 2042 kämpfen eben keine US-Marines mehr, sondern Special Forces europäischer Länder auf Seiten der USA. Darunter auch die deutsche Sanitäterin Maria Falk. Die Chirurgin sucht in der Geschichte nach ihrem Sohn David, der sich den Non-Pats angeschlossen haben könnte, als Deutschland überflutete wurde. Sie gehört jetzt zu jenen Spezialkommandos, deren Job es ist, diese Data-Drives zu evakuieren, denn Daten sind die wichtigste Währung in der Welt von Battlefield 2042.

Lesetipp: Battlefield 2042 im Preview - Vier Tage in der Beta

Die Rückkehr von Irish aus Battlefield 4 und ein Versicherungs-System wie in Escape from Tarkov

Die Kampagne von BF3 war vielleicht eine der besten Singleplayer-Erlebnisse im Militär-Shooter-Segment der letzten Dekade und auch BF4 hatte seine starken Momente. Der Kurzfilm Exodus zeigt jetzt, wie DICE mit einem starken Singleplayer-Modus wieder hätte

© DICE

Bevor die Operation beginnt, wählen wir unsere Operator aus, ganz ähnlich wie in Rainbow Six Siege. Bevorzugen Sie Mackays Enterhaken, um hoch gelegene und unerreichbare Aussichtspunkte zu erreichen, oder ist Boris' Sentry Gun das perfekte Gadget, um Datenlaufwerke und den Extraktionspunkt zu sichern? Maria Falk hingegen kann als Chirurgin verwundete Teammitglieder auf 100 Prozent Energie zurückbringen oder mit ihrer Syrette-Pistole, einer Art Adrenalin-Dart einige Prozente heilen. Sogar Micheal K. Williams' Irish kehrt zurück (und ist spielbar), in Erinnerung an den verstorbenen Schauspieler. Wer sich seinen Story-Trailer anschaut, dem wird klar, dass DICE ursprünglich mal große Pläne für eine Singleplayer-Kampagne hatte, diese dann aber gekillt wurden. Niemand investiert so viel Arbeit in seine Welt, nur um Multiplayer-Karten ein bisschen Kontext zu geben. Interessant: Im Mission Briefing können wir uns auch einen taktischen Überblick über das Missionsgebiet verschaffen und scouten, welcher Kartenabschnitt eine höhere Wahrscheinlichkeit für Datenlaufwerke hat. Welche weniger.

Während des Matches stürzen weitere Kapseln vom Himmel, die sehr gut sichtbar sind. Wir können uns jetzt draufstünden oder mit Plan und Taktik vorgehen.

© DICE

Wir können ergo direkt in einem Gebiet landen, welches schnell zur heißen Feuerzone wird oder strategisch gesehen nebenan und dann eher schleichend zum Ziel vorarbeiten. Entsprechend wählen wir auch unsere Spezialisten. Scharfschützen wären für die zweite Taktik wichtig, Assault-Brecher an der Front für Erstere. Mit Schwarzmarkt-Credits, SMCs genannt, kaufen wir zudem besondere Waffen, Rauchgranaten, C4-Pakete oder etwa den Robot Dog, der uns vollautomatisch verteidigt, quasi ein Selbstschuss-MG auf vier mechanischen Pfoten. In der Beta war der auf den Conquest-Karten besonders tödlich gegen Fallschirmspringer. Als Startwaffe steht uns jeweils nur ein Sturmgewehr zur Verfügung, Credits sammeln ist ähnlich wie in Destiny also Pflicht. Positive Überraschung: Laut Design Director Daniel Berlin werden diese SMCs nicht via Kreditkarte kaufbar sein, müssen also erspielt werden.

Laut DICE soll es weniger ums Killen und möglichst hohe Abschussquoten gehen, viel mehr ums Teamplay, Strategie und das Absichern der Absturzstellen.

© DICE

Käuflich sind nur kosmetische Elemente, was lobenswert ist. Zusätzlich gibt es 15 taktische Upgrades, darunter ein zusätzliches Wurfobjekt, Insider-Informationen, die Landeposititionen abgestürzter Kapseln 30 Sekunden vor unserer Ankunft anzeigen oder etwas, was Escape-from-Tarkov-Veteranen nur allzu gut kennen: eine Ausrüstungsversicherung, die im Falle unseres Todes 25 Prozent der Kosten allen Equipments nebst Upgrades “versichert“. Den Intel-Scanner sollte mindestens einer aus dem Team mitnehmen, sonst wird es schwierig, die Wracks der Kapseln ausfindig zu machen. Und ja, natürlich gibt es auch die klassischen Upgrades: mehr Munition, schnellere Nachladezeit, schnellerer Wiedereinstieg. Laut Design Director sollen Hazard-Zone-Matches aber generell recht kurz und knackig sein – fünf bis maximal 20 Minuten. Alle Fortschritte hier werden übrigens auf unseren Gesamtspielstand übertragen, Hazard Zone ist also eine Möglichkeit, relativ flott zu leveln.

Battle-Royale-Elemente für einen Koop-Shooter mit 4-Spieler-Squads

Wie der Screenshot zeigt, können wir als Squad auch auf Stealth setzen, etwa diesen unwegsamen Bergpass nutzen, um uns an eine Absturzstelle heranzuschleichen.

© DICE

In Hazard Zone warten genauso wie im Conquest-Modus von Battlefield 2042 jede Menge KI-Special-Forces, die uns das Leben schwer machen und die Abbruchstelle genauso sichern wollen wie wir selbst. Laut Design Director Daniel Berlin soll die KI durchaus ein ernstes Hindernis darstellen, wird also sehr viel stärker als in Conquest, wo sie eher als Kanonenfutter dienen. Wir nutzen hier besagten Intel-Scanner, um die Kapseln zu finden. Ganz ähnlich wie in Call of Duty: Warzone können gefallene Teammitglieder wieder ins Spiel „reingekauft“ werden, was aber natürlich genug Credits voraussetzt. Auf der Karte gibt es zahlreiche, auf unserem HUD markierte Munitionsstationen, wo wir aufmunitionieren können. Und eben diese Uplinks in Form von Laptops, mit denen wir drei Uplinks freischalten können:

  1. Unterstützungs-Uplink: Fordert einen Ranger für unseren Trupp an – einen Robo-Hund, der automatisch schießt und Ziele bewacht

  2. Fahrzeug-Uplink: Droppt einen LATV4 Recon SUV für unser Squad

  3. Wiedereinstiegspunkt: Bringt einen unserer gefallenen Kameraden zurück ins Spiel

Fahrzeuge stehen also nicht auf der Karte herum, sondern müssen erst freigeschaltet werden. Hazard Zone wird ergo ein eher Infanterie-orientierter Spielmodus, denn auch der LATV4 Recon SUV ist zwar schnell, aber eher schwach gepanzert und hat nur ein aufgepflanschtes MG auf dem Dach, also nichts, was massiv Feuerkraft aufs Schlachtfeld führt. Spannend: Während des Matches stürzen weitere Satellitenkapseln ab, die wir ebenfalls farmen können. Diese Kapseln enthalten mehr oder höherwertigere Datenlaufwerke, wir müssen allerdings situativ handeln und können wenig taktisch planen. Zudem werden direkt nach Absturz natürlich alle zu der gut sichtbaren Position auf der Karte manövrieren, andere Squads, aber auch Special Forces der KI. Parallel zieht ein Sturm auf, der wie in Battle-Royale üblich den Kartenbereich immer mehr verengt. Es ist also schon ein bisschen Battle-Royale, nur eben im viel kleineren Maßstab. Maximal gibt’s acht Squads, ergo 32 Spieler, nicht 100 wie in Call of Duty Warzone, PUBG oder Fortnite.

Drei Extraktionsfenster bis zum finalen Showdown

Die KI soll sehr viel besser sein in Hazard Zone und laut DICE ein echtes Hindernis darstellen. Im Conquest-Modus ist ihr Job nur das Kanonenfutter für hohe Abschussserien zu liefern.

© DICE

Das erste Extraktionsfenster öffnet sich kurz nach unserer Ankunft in einer zufälligen Extraktionszone und es bleibt nur wenig Zeit, um den MV38 Condor zu betreten, wo wir unsere Datenlaufwerke sichern können. Die Extraktionszone wird mit grünem Rauch markiert, bevor der Osprey landet, was natürlich alle KI-Besatzungstruppen sowie feindliche Squads dazu animiert, einmal „Hallo!“ zu sagen. Die wollen entsprechend mit Blei versorgt werden. Interessant wird, wie DICE hier die Balance hinbekommt oder ob Counter-Sniper entscheidend werden, denn so ein Extraktionsbereich ist ja immer ein gefundenes Fressen für Scharfschützen. Der Helikopter landet übrigens auch nur kurz, ein Timer zählt runter – sind dann nicht alle an Bord, muss der- oder diejenige zum nächsten aufbrechen. Startet der MV38 Condor, setzt der Sturm mit voller Wucht ein, begrenzt die Sicht und zwingt die acht Squads enger zusammen, so wie wir das aus Battle-Royale kennen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit will DICE hier das Operator-System des extrem erfolgreichen Rainbow Six Siege adaptieren und wird uns beliebte Singleplayer-Charaktere wie Irish als Specialists anbieten.

© DICE

Während der letzten Bergungsphase wurden die ursprünglichen Datenlaufwerke bereits von anderen Non-Pat-Special-Forces geborgen, die wir nun mit unseren Intel-Scannern orten müssen. Das dürfte eine heiße Phase werden, denn der Feind kann uns natürlich auch orten – also sowohl KI, als auch die anderen Squads. Generell müssen wir hier entscheiden, ob wir auf Angriff schalten und den anderen Teams ihre Laufwerke abknöpfen oder lieber das, was wir haben, sicher nach Hause bringen wollen. Wenn sich der Sturm seinem Höhepunkt nähert, öffnet sich das letzte Extraktionsfenster. Diese letzte Extraktionszone zwingt jetzt alle Squads, um die letzte Fluchtmöglichkeit zu kämpfen. Zurückbleibende Teams verlieren die Runde und alle gesammelten Datenlaufwerke an den Sturm, was recht heftig ist und an das Bestrafungssystem von Escape from Tarkov erinnert.

Erstes Fazit: Ein Modus für Taktiker, aber was ist mit Singleplayer-Fans?

Battlefield 2042 wird ein Fest für Multiplayer-Fans, aber was ist mit uns Singleplayer-Enthusiasten? Der Kurzfilm Exodus macht Lust auf mehr, aber liefert DICE auch mehr? Das bleibt fraglich.

© DICE

Hazard Zone erinnert an ein Best-of der besten Shooter dieser Zeit: The Division 2, Call of Duty Warzone und Escape from Tarkov. Insofern durchaus spannend gerade für taktisch ambitionierte Spieler, die nicht einfach nur ballern wollen, sondern in der Tiefe planen – welche Spezialisten nimmt das Squad mit, in welche Uplinks wird investiert, geht man eher auf Sicherheit oder volles Risiko, schließlich gibt es drei Extraktionsfenster plus finalen Showdown. Wehmütig schauen wir jedoch auf die Story: Für solche beliebigen Modi, die am Ende nur ein Bruchteil aller Battlefield-Spieler nutzen werden, wurde eine epische Singleplayer-Kampagne gekillt, was schade ist. Denn die Story mit Irish als Protagonist rund um Tsunamis, unter Wasser stehende Städte und genmanipulierte Pflanzen in Ägypten hätte enorm viel Potential. Und DICE hat mit BF4 und vor allem BF3 bereits bewiesen, was für fantastische Kampagnen sie abliefern können, nicht nur spielerisch, sondern vor allem technisch. Bleibt zu hoffen, dass man sich die Story für eine Mini-Kampagne nach Launch aufhebt, wäre schade drum.