Diablo 4 wird Blizzards Schicksalsspiel und das weiß das Studio: Dieses Action-RPG wirkt wie der wahrgewordene Fan-Traum eines jeden Diablo-Fans.

Holla, Diablo 4 hat richtig Druck. Die Jägerin springt von ihrem gepanzerten Ross, schleudert sich in die Luft, zieht ihren Bogen durch und lässt einen regelrechten Regen von Pfeilen auf die Dämonen von Lilith, der Tochter des Mephisto niederregnen. Auch wirbelt sie wie ein Sturm durch die feindlichen Reihen, zückt dabei den Dolch und reißt den Lebensbalken dieser roten Teufels-Soldaten mit dicken Hörnern am Kopf herunter, bevor diese sie überhaupt angreifen können. Gerät sie in Bedrängnis, packt sie ihre Ultimates aus – einen Meteor aus hunderten Pfeilen, der magisch aus der Decke schießt und die Armeen der Hölle vor uns aufspießt. Keine Sorge, die haben es verdient. So ein Befreiungsschlag ist besonders wichtig, wenn der Feind größere, schwer gepanzerte Gegner auffährt – wie ein drei Meter hohes Wesen mit stachligem Nacken, namens “Cutthroat, The Rekindled“ – auf deutsch würde er wohl “Der Kehlendurchschneider“ heißen. Ein fieser Bursche, der zeigt wie sich die Feindesschwärme in Diablo 4 aufbauen.

Es gibt leichte Infanterie, die mit Schwertern schnell zuhauen, in großer Zahl auftreten und versuchen, uns zu umstellen. Es gibt Armbrustschützen, die flammende Pfeile aus der dritten Reihe schießen. Es gibt Truppen mit Flammenschwertern, die nicht so schnell wie die leichte Infanterie zuschlagen, dafür härter. Gerne auch in der Variante mit Schild – schlagen wir zurück, blocken sie, während andere versuchen, uns in die Flanke zu fallen. Und ihr Anführer wirft Feuerbälle. Es ist also richtig was los hier und die Jägerin fühlt sich enorm variantenreich an. Nicht nur führt sie gleichzeitig eine Armbrust oder Bogen sowie zwei Dolche oder Schwerter. Wir können also sehr schnell zwischen Fern- und Nahkampf wechseln, was wirklich cool ist. Auch feuert die Jägerin ihren Bogen so absurd schnell ab wie Legolas in Der Herr der Ringe. Wir können also auch in die Ecke gedrängt, schnell einen Befreiungsschlag starten, der dank Magie aus dem Schattenreich sehr mächtig und cineastisch inszeniert ist – einmal aktiviert, postieren sich zwei Schatten-Jägerinnen an unserer Flanke und verdreifachen unsere Schussfrequenz, womit wir den Feind im Pfeilhagel nur so ersticken.

Wir lieben diesen düsteren, mythischen Look, der mit seiner schmutzigen Aura und den blutgetränkten Leveln stark an Diablo 2 erinnert.

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Insgesamt gibt es drei Magie-Richtungen: Elementar und Schatten-Magie sowie magische Gift-Pfeil-Schauer. Ein bisschen wie die Söldnerin in Diablo 2 nutzen wir Frost-Effekte vor allem zur Crowd Control, also, um Scharen von Feinden auf Abstand zu halten respektive in einen bestimmten Bereich reinzuzwingen. Gift-Attacken sind besonders heftig inszeniert, etwa wenn wir in der Demo der Blizzcon 2021 in einem anderen Level fiese Ziegenmenschen regelrecht mit der aggressiven Säure aufweichen. Die Jungs bleiben am Boden hängen und zerfallen langsam in sich. Um dem Ganzen eine starke strategische Komponente zu geben, hat Blizzard das sogenannte Imbue-System entwickelt. Das sind Waffen-Tränke, die einmal aktiviert jeden Angriff mit einem der drei Zauber verstärkt: „Das System ist brandneu. Es ist im Grunde ein Button, den ihr drückt und egal ob wir über Frost,-Schatten- oder Gift-Magie reden. Einmal aktiviert, nehmen alle Angriffe diese Eigenschaft an“, erklärt Game Director Luis Barriga.

Die neuen Kombos: Mit Pfeilen fraggen, schnell wie Legolas

Die Jägerin ist nicht nur enorm stark, weil sie wie hier einen ganzen Hagel aus Pfeilen auf die Armeen der Finsternis herabregnen lässt. Sondern lässt sich auch sehr variantenreich spielen, dank Frost, Schatten oder Gift-Magie.

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Mit normalen Attacken bauen wir bis zu drei Punkte auf, die wir dann mit anderen Fähigkeiten für noch heftigeren Schaden entladen. Das funktioniert auch nicht nur auf Distanz mit Pfeil- und Bogen respektive Armbrust, die etwas langsamer schießt, dafür aber Gegner an der Wand aufspießt. Sondern auch im Nahkampf – diese Kombo-Punkte können wirklich als zweite Ressource dienen, um noch etwas mehr Druck in den Kampf zu bringen. Jeder Held hat in Diablo 4 mindestens eine Primär- und eine Sekundärresource. Sehr cool: In der Open-World wird es KI-Jägerinnen geben, mit denen wir gemeinsam Missionen erledigen können. Schließen wir diese Questreihen ab, wird eine weitere Spezialisierung freigeschaltet, die wir dann spielen und leveln können. So funktioniert also die Verbindung zwischen Kampagne und Open-World. Der Rogue, oder die Jägerin im deutschen genannt, kann drei Spezialisierungen freischalten: Combo Points (Kombo-Punkte), Exploit Weakness (gezieltes Ausnutzen von Schwächen des Gegners) und Shadow Realm, das Reich des Schattens. “Combo Points machen aus dem Kampf fast ein Rhythmus-Spiel", erklärt der Game Director.

Wollen wir etwa “Cutthroat“ hier erledigen, bietet es sich an, ihn kurzzeitig ins Schattenreich zu zerren, wo wir ihn angreifen können, ohne dass seine Bodyguards mit ihren Flammenschwertern eingreifen können.

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„Mit Shadow Realm bauen wir auf einem Ultimate auf, mit dem wir das Schlachtfeld aufteilen können. Man kann das offensiv oder defensiv einsetzen.“ Das Bild wird hierbei mit einem Grauschleier überzogen, wir ziehen so ausgewählte Gegner in das Reich des Schattens, wo ihnen ihre Kollegen aus der echten Welt nicht zu Hilfe eilen können – praktisch, um starke Bodyguards eines Bosses auszuschalten oder Schamanen, die Kämpfer wiederbeleben können. Auch wie die “Exploit Weakness“ funktioniert, erklärt Blizzards Chefdesigner: „Wenn Feinde für ihre größeren Angriffe auftauchen, wird im Grunde ein Indikator eingeblendet, der klar macht – du kannst jetzt massiv mehr Schaden machen – es ist also ein Reaktionstest.“ Das klingt großartig, Diablo 4 braucht mehr Skill-basiertes Kämpfen. Also wirklich Duelle und Schlachten, die Fähigkeiten belohnen.

Jeder Held wird sich komplett anders spielen: Andere Fähigkeiten. Andere Waffen. Andere Attribute

Diablo 4 ist wuchtig inszeniert wie Diablo 3, hat aber die Tiefe in seinen Mechaniken wie in Diablo 2, was uns richtig gut gefällt.

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Was an Diablo 4 beeindruckt, ist die Entscheidung von Blizzard, jede Klasse wirklich einzigartig zu machen: Als Druide etwa sind wir nicht einfach nur ein Barbar, kein Axt schwingender Conan, der das Blut seiner Gegner über das Sixpack laufen lässt und rechts Schwert, links Axt schwingen lassen kann. Der Druide spielt sich mehr wie ein Magier, wir müssen aufpassen, nicht von Guhlen und anderen Ausgeburten der Hölle umzingelt zu werden. Das fühlt sich gut an, weil fordernd: Sechs Fähigkeiten haben wir, sechs Fähigkeiten brauchen wir bereits in diesem ersten Level. Wir entsenden unsere Wölfe, um besonders starke Gegner länger auf Distanz zu halten und auf dem Weg zu uns, bereits Energie zu rauben. Wir werfen Steine auf Bogenschützen, um sie nach hinten zu werfen. Wir nutzen das Chaos, um transformiert in einen Bären in ihre Reihen zu crashen. Das ist taktischer als früher, weil wir den Einsatz unserer Spezialeinheiten stark timen müssen. Was zudem spannend am Druiden ist: Wir können selbst nach vorne schnellen, uns blitzschnell in einen Werwolf verwandeln, mit unseren Klauen eher gezielt auf einen Feind einhacken oder um uns schlagen, für maximalen Umgebungsschaden. Und uns im Bruchteil einer Sekunde zurückverwandeln in einen Menschen, unsere Zauber wirken, Wirbelstürme und Blitze entfachen, die den Feind durchzucken, wie ein Skelett aufleuchten lassen, ehe sie zu knöcherner Asche zerfallen.

Weil Diablo 4 auf einer riesigen Open-World basiert, werden Mounts eingeführt – unser Pferd können wir schwer panzern, aber auch mit Waffen ausrüsten, die wir aus seiner Satteltasche nehmen.

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Mehr Freiheit, mehr Tiefgang, mehr ausgefallene Mechaniken – ja, letztlich mehr Diablo 2 ist Blizzards Devise. Jede Klasse hat komplett unterschiedliche Fähigkeiten unterschiedliche Waffen-Typen, andere Magie. Die Zauberin, im Original Sorceress genannt, arbeitet mit einem System, bei dem wir einige nicht verwendete aktive Fertigkeiten in einen passiven Slot einsetzen können, wodurch ihre anderen Skills Fähigkeiten neue Effekte erhalten. Dadurch kann sie jeden ihrer Skills entweder in einen aktiven oder einen passiven Fähigkeit-Slot einsetzen. So beschwört sie Meteore entweder selbst aktiv am Zielort oder lässt sie passiv automatisch um sich herum herabregnen. Auch wenn wir über Attribute reden, hat Blizzard für jeden Held ein eigenes System entwickelt. Bei der Zauberin etwa schraubt Intelligenz den Schaden nach oben und das Attribut Geschicklichkeit die Mana-Regeneration. Die Jägerin dagegen verbessert mit Geschicklichkeit ihren Schaden und mit Intelligenz ihre kritischen Treffer.

Blizzard scheint aus dem Debakel mit Warcraft 3: Reforged gelernt zu haben, spricht viel mit seiner Community, geht gezielt auf deren Wünsche ein. Spannend wird zu sehen sein, ob das Open-World-Konzept zu Diablo passt.

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Fazit

Diablo 4 wird ein Schicksalsspiel für Blizzard. Sie müssen abliefern, ihre Fans zurückgewinnen und das weiß Blizzard. Das spürt man förmlich. Dieses Studio weiß, dass sie mit Warcraft 3: Reforged viel falsch gemacht und viele ihrer loyalsten Fans vor den Kopf gestoßen haben. Wohl auch deshalb fühlt sich Diablo 4 wie liebevollster Fan-Service an. Diablo 4 hat viel mehr Tiefe als der dritte Teil, viel mehr strategische Aspekte, ohne seine Wucht zu verlieren. Es hat die Eleganz und Wucht von Diablo 3 und den Style kombiniert mit dem Horror-Vibe von Diablo 2. Die Krypter von Diablo 4 fühlen sich hasserfüllter an als die von Diablo 3. Sie sind schmutziger und staubiger, mit blutigen Haufen, die in Zeitlupe wie platzende Blasen explodieren. Ein Blitz schimmert über nassen Stein, und manchmal beginnt es, draußen zu regnen, alles mit einem feuchten Glanz zu überziehen und dynamisch schlammige Pfützen zu erzeugen. Diablo 4 fühlt sich auf eine gute Weise Retro an: Open-World, moderne Hightech-Engine, exzellente, super flüssige Animationen, aber dieser alte, schmutzige Look von Diablo 2 – dem wohl besten Action-Rollenspiel aller Zeiten.

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