Halo Infinite führt einen Pelican-Piloten der UNSC als Sidekick für den MasterChief ein, der jetzt in einer offenen, riesigen Welt auf einem Halo-Ring kämpft.

Gleißendes Sonnenlicht im Cockpit, Explosionen zerreißen die Stille, der Pilot wirkt nervös in den ersten Gameplay-Szenen von Halo Infinite. Er fliegt auf den Zeta Halo zu, Geschütztürme der Banished eröffnen das Feuer, treffen den Pelican-Transporter, das Schiff droht abzuschmieren. Der Pilot kämpft mit dem Steuer, drückt die Nase nach unten, legt eine Bruchlandung hin, schlägt sich den Kopf an. Eine stählerne Hand weckt ihn auf, es ist die des Master Chief: „ Du, du verdammter… Ich kann das nicht mehr...

Atme“, sagt der Chief. „Atme.

Du wirst mir nicht sagen, was ich zu tun habe. Nicht du. Ohne mich wärst du gar nicht hier. Hätte ich dich nicht gefunden, wärst du immer noch alleine, im Weltraum. Erinnerst du dich? Ich dachte, ich fliege nach Hause…

Es wird kein zu Hause mehr geben, wenn wir die Banished nicht stoppen “, antwortet der Chief in seiner gelassenen, stoischen Art.

Besonders gefällt uns die schauspielerische Qualität und die Art, wie 343 Industries hier fast schon ein Buddy-Movie aufzieht. Der Pilot, dessen Namen wir noch nicht kennen, der aber mit leicht spanischem Akzent redet, recht aufgebracht und energisch ist, trifft hier auf den stoischen Master Chief Petty Officer John -117. Ein genetisch manipulierter Super-Soldat. Schon mit acht Jahren wurde er auf Reach gedrillt, so wie es damals die Spartaner mit ihren Soldaten machten. Den Chief kann wenig erschüttern, nach 30 Dienstjahren und über 200 Schlachten für die UNSC. Halo Infinite verspricht wieder eine etwas persönlichere Geschichte zu erzählen: Der Pilot findet den Chief vor seinem Cockpit, im Weltall schwebend. Er holt ihn rein, schließt ihn an seine Energieversorgung an, rebootet seinen Anzug, sein Mjolinir Powered Assault Armor System. Er rettet ihm das Leben und hat nur eine Bitte: Er will nach Hause, zu seiner Frau und kleinen Tochter, die wir in einem kurzen Hologram-Clip kennenlernen. Denn der Krieg scheint vorbei, die UNSC-Flotte wurde vernichtet, der letzte Halo-Ring vom Feind genommen. 

Master Chief goes Open World: Halo Infinite erzählt eine in sich geschlossene Geschichte, will aber deutlich mehr Locations anbieten, als wir das bisher gewohnt sind.

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Das macht uns Hoffnung, dass Microsoft für die Xbox Series X wieder etwas mehr Ambitionen hat. Für die Xbox One kamen erschreckend wenige narrativ hochwertige Spiele und generell hat Microsoft in den letzten Jahren relativ selten wirklich große Triple-A-Releases gefeiert. Man hat diese Generation eher Sony überlassen, die mit ihren Blockbustern wie God of War, Spider-Man oder The Last of Us Part 2 vor allem große Geschichten erzählen, während Xbox seine Ambitionen für Exklusiv-Spiele mit jedem Jahr mehr zurückfuhr. Gleichzeitig aber auch die Branche revolutionierte, denn ein besseres Angebot als Xbox Game Pass hat es noch nie gegeben. Für den Preis einer guten Pizza (10 Euro pro Monat) gibt’s hier Zugriff auf 200 Spiele, darunter das geniale Sci-Fi-Epos The Outer Worlds, Gears 5, das neue Forza Motorsport 8, das gerade enthüllte Fable und eben auch Halo: Infinite. Xbox-Gamer spielen also sehr günstig und wer sich eine Xbox Series X kauft, bekommt sowieso einen Gratismonat Game Pass, ergo Halo Infinite quasi kostenlos obendrauf.

Halo Infinite gibt’s kostenlos im Rahmen des Xbox Game Pass 

Für seine Grafik erlebt Halo Infinite gerade einen Shitstorm. Wir meinen: Subsurface Scattering und Physical Based Rendering könnten besser eingesetzt werden, aber in 4K sieht das für eine noch unfertige Version okay, nur eben nicht großartig aus.

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Und damit zurück in die Demo: Der Chief öffnet die Schleusen, springt aus dem Raumschiff und zückt seine legendäre MA5B, die Standard-Waffe der UNSC für Spartans und alles fühlt sich gleich so richtig schön nach Halo an: Das Waffengefühl, die Sounds, die Covenants in ihren knallbunten Rüstungen in Orange und Lila, die aus dem Busch geschossen kommen und ihre Schutzschilde hochhalten. Halo ist ja schon eine besondere Serie ob ihres enorm bunten Designs, was völlig konträr zum Trend von Foto-Realismus und gedämpften Farben läuft, wir wir es etwa in Assassin’s Creed Valhalla, Watch Dogs Legion oder auch Call of Duty: Modern Warfare erleben. Doch irgendetwas ist hier passiert: Dieser Ort wirkt wie ein Schrottplatz, ein Friedhof für Fahrzeuge und Raumschiffe. Ein riesiger Zug scheint entgleist und ragt in die Höhe, ein UNSC Pelican, ein Dropship des United Nations Space Command liegt auf dem Rücken hier, halb zerstört, halb intakt. Hier hat offensichtlich der Krieg getobt.

Für die Blockartigen Felsen, die an Minecraft erinnern, könnte es einen Story-Grund geben. Infinite spielt auf einem Halo-Ring, der noch nicht fertig war - eventuell sind das Überbleibsel von Forerunner-Architektur.

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Die Installationen, auch Halo-Ringe genannt, sind im Grunde Waffenstationen, auf denen Leben möglich ist. Sie wurden erbaut von den Blutsvättern, als Absicherung für das Überleben der menschlichen Spezies im Weltraum. Die Blutsvätter haben denselben Ursprung wie der Mensch – beide wurden nach der Halo-Legende von den Forerunnern erschaffen und sie experimentierten an Menschen, um diese überlebensfähig zu machen außerhalb der Erde. Jetzt greifen die Banished den Zeta-Halo an und vernichten die letzte große UNSC-Flotte. Wir erinnern uns an die Zeilen in der ersten Sekunde der Demo: “Vor 163 Tagen haben wir verloren“. Halo: Infinite ist ein direktes Sequel zu Halo 5: Guardians, wer diesen Teil durchgespielt hat, der kann sich vorstellen, was passieren wird. Für alle anderen, lassen wir dieses Geheimnis noch etwas länger ungelüftet. In der Demo zieht ein Phantom-Kampfschiff über unsere Köpfe, scheint den Chief aber nicht zu bemerken. Und sogar ein Warthog steht hier geparkt, so als hätte er auf die Rückkehr der Halo-Legende gewartet.

Das Gefühl aus Halo: Combat Evolved für die Xbox Series X

Dem Chief steht jetzt ein Drop-Shield zur Verfügung, welches Energie-Geschosse abhält und ihn durch seine Krümmung auch an den Flanken schützt.

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Auffällig ist, wie stark sich das alles nach Halo: Combat Evolved anfühlt. Halo Infinite wird zwar von 343 Industries entwickelt, aber sie wollen diese ikonischen Bungie-Welten wieder auferstehen lassen und orientieren sich am Design und Stil dieser Klassiker. Die Farben sind wärmer, die Ringwelt wirkt mystisch, sie sagt förmlich „Erkunde mich.“ Auch das Fahrgefühl des Warthog ist eher old-school: Trotz Panzerung und hohem Gewicht, driften Sie damit wie einem Rallye-Auto in Dirt 5, Kurven lassen sich sehr eng nehmen, Gegner mit dem aufgepflanschtem M41 LAAG Maschinengewehr auf Distanz halten oder gleich aus den Latschen schießen. Weil diese Installation für Menschen geplant war, fühlt sie sich recht stark nach unserer Erde an: Es gibt Pflanzen, Gras, Matsch, kleine Flüsse und Bäche, Gebirge und Felsformationen. Wir öffnen die Tacmap, die digitale Taktikkarte und sehen drei AA-Cannon-Batterien, Luftabwehrgeschütze, die unsere Flucht per Pelican verhindern würden, der ohnehin bereits schwer beschädigt ist. Es gibt diese Batterien im Norden, im Westen und Süden. Wo wir zuerst angreifen wollen, bleibt uns überlassen. Hacken wir die Konsolen im jeweiligen Kommandozentrum, können wir das Geschütz Offline nehmen. 

Ganz anders als in den klassischen Halos ist aber die Bewegungsfreiheit: Wir können reinschleichen, auf einen Hügel, per Scharfschützengewehr die Covenant einzeln aufs Korn nehmen. Mit dem Warthog durchs Tor preschen, rausspringen, den Rambo-Chief raushängen lassen. Oder über einen Hügel springen, im Flug noch zwei Aliens mitnehmen und die Unngoy-Truppen überraschen. Das Gameplay ist klassisch Halo, das Fußvolk dient nur als Fußabtreter für den MasterChief und geht nach ein paar Treffern zu Boden. Respektive explodiert in einer bunten Wolke, schließlich atmen die Unngoy Methan, haben also immer einen orangen Tank auf dem Rücken. Die Brutes sind eine etwas größere Herausforderung – schwer gepanzert, mit einem dicken Titan-Helm – schießen wir den runter, können wir ihnen eher Energie abziehen. Sie nutzen Jetpacks, katapultieren sich in die Höhe, und wir müssen ihnen schrittweise die Rüstung abschießen. 

Wir hoffen stark, dass 343 Industries auf eine formelhafte Open-World verzichtet. Gerade in Far Cry wurde das Abklappern und Einnehmen von Stützpunkten irgendwann recht eintönig.

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Das geht aus nächster Nähe oder gewisser Entfernung – dank Drop-Shield baut der Chief einen Energie-Schutzschild auf, welcher ihn einige Sekunden vor Beschuss bewahrt. Die Banished können Nachschub mit Drop-Bots direkt aus Raumschiffen abwerfen, was wohlig an Titanfall erinnert. Sobald die Brutes den Boden küssen, können wir uns ihre Ravager-Gun schnappen, die rotglühende Energieprojektile verschießt. Unser Feind ist einmal mehr die Allianz der Covenants, wohl zur Hilfe gerufen von Cortana, die eine liebevolle Beziehung zum Chief hegte und ihn als seine persönliche KI stets beschützte. Nach einem Crash in Halo 4 Fehler im System aufwies, sich abwandte, in Halo 5 Guardians ihre eigene Armee aufbaute. Vielleicht weil sie glaubt, ein besseres System erschaffen zu können als die Forerunner, welches letztlich zu viel Leid und unendlichen Kriegen führte.

Ein Energie-Lasso im Style von Doom Eternal für die Open-World 

Die Brutes werden jetzt mit Dropships direkt aus dem Orbit abgeworfen und kämpfen in schwererer Rüstung, die wir zunächst runterschießen müssen.

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Auf der spielerischen Ebene zeigen sich die ersten Neuerungen: So können wir etwa die Pulse Carbine eines Elite aufnehmen, die bereits zwei Upgrades erhalten hat für erhöhten Plasma-Schaden sowie einen Burst-Feuermodus. Neu ist ebenfalls die VK 78 Commando, ein Sturmgewehr mit Visier, sprich, das Smartscope aus Halo 5 erlebt sein Comeback in Halo: Infinite.
Die Munition wird übrigens jeweils direkt an der Waffe angezeigt, aber ist auch noch mal im HUD sichtbar, wird interessant zu sehen sein, ob sich dieses für mehr Immersion ausschalten lässt. Der Grappling Hook soll für mehr Vertikalität sorgen, mehr Geschwindigkeit und taktische Optionen: Wir können uns etwa an einem Wachturm hochziehen, den Scharfschützen kaltstellen, seine Waffe mopsen und aus erhöhter Position schießen. Oder mit dem Greifhaken Gegner ranziehen, um sie aus der Nähe zu beharken, fast schon wie in Doom Eternal. Halo: Infinite ist definitiv schneller als alle Halos vorher, nicht nur weil der Chief sprintet – die Geschwindigkeit, mit der er sich durch die Gegend katapultiert, Headshots zieht, seine Feinde flankiert inszenieren ihn als den Gott-Soldaten, als der er geschaffen wurde.

343 gibt Entwarnung: Trotz Open-World wird die Geschichte größtenteils über hochwertige Cutscenes erzählt. Wird spannend sein, wie der noch namenlose Pilot Cortana als Buddy ersetzt.

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Es ist ein wundervolles Schauspiel, welches Veteranen der Serie eine Träne in die Augen treiben dürfte, denn damals, 2001, in der Uhrzeit der Xbox, träumten wir davon, den Halo-Ring zu bereisen. Damals hatten weder PCs noch Konsole die Prozessor-Power, um eine derart große Welt zu rendern, heute geht das alles ziemlich problemlos und wirkt herrlich immersiv: Es gibt Vögel, die in Baumkronen sitzen und wegfliegen, wenn Schüsse die Stille durchschlagen. Und kleine Tiere am Boden, die sich verstecken, wenn der Warthog die Räder durchdrehen lässt. Die Sonne steigt auf und senkt sich, je nach Tageszeit, wie in No Man’s Sky.

Jeder erinnert sich daran, als er Halo: Combat Evolved zum ersten Mal spielte. Als er zum ersten Mal auf dem mysteriösen Halo-Ring aus der Hummel-Rettungskapsel landete und wie er sich fühlte, als er sich in dieser Welt umsah. Und das ist für uns das Gefühl, die Emotion, die die Spieler wieder erleben sollen. Es soll sich wie nach Hause kommen anfühlen, aber doch frisch, neu, inspiriert.“
- Chris Lee, Studiochef 343 Industries 

Riskante Entscheidung: Halo Infinite soll als Plattform für die nächsten zehn Jahre Halo dienen, alle neuen Titel werden also hier angedockt. Positiv daran: Wie 343 verspricht, wird es deutlich mehr Halo geben: Die Xbox-One-Ära hatte nämlich mit Halo 5 Gu

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Fazit: 

Halo Infinite fühlt sich großartig an: Halo war schon immer ein enorm guter Shooter und dieses Gefühl verbreitet sich auch in der ersten Demo. Das ist griffig, aber deutlich schneller und flexibler als die letzten Halo-Teile. Ein Halo Ring als Open-World, davon hätten wir damals zu Beginn der Reihe nur geträumt. 343 muss nur höllisch aufpassen nicht den Ubisoft-Fehler zu begehen und eine formelhafte Welt zu bauen: Nichts wäre schlimmer, als wenn wir Außenposten nach Außenposten räumen und von unnützen Nebenaufgaben von der eigentlichen Geschichte abgelenkt würden. 

Denn Geschichten erzählen, das kann Halo wie kaum eine andere Xbox-Technisch darf sich der Titel gerne noch weiter entwickeln: Das Fundament ist da, mit Tag/Nacht-Wechsel und Sonnenuntergängen, die die Welt orange färben. Mit einer Tierwelt, Flora und Fauna, sowie Bergmassiven, die zum Erkunden einladen. Aber die grafische Umsetzung kann deutlich besser werden, die Texturen wirkten etwas flach, mitunter wurden altbekannte Technologien wie Physical Based Rendering nicht so gekonnt angewendet, wie es in der Branche mittlerweile Standard ist. 

Hier wird 343 jetzt ranklotzen müssen, aber wir sind guter Dinge, dass man abliefert – das Studio hatte eine gefühlte Ewigkeit Zeit, sich auf Halo Infinite vorzubereiten, sie können gar nicht anders als ein gerade technisch exzellentes Halo zu bringen, denn man hat den Plan Infinite als Plattform zu benutzen, auf dem alle neuen Halo-Teile innerhalb der nächsten zehn Jahre angedockt werden – in den nächsten Jahren gibt’s also deutlich mehr Halo. Halo Infinite soll generell über Updates stark erweitert werden, etwa auch mit Raytracing auf PC und Xbox Series X kurz nach Launch.

Halo Infinite erscheint zum Launch der Xbox Series X Ende 2020

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