Das neue Macbook Pro

Viel Kritik, ja sogar Spott und Häme musste Apple für seine Tastatur mit Butterfly-Mechanik einstecken, die der Mac-Hersteller erstmals mit dem 12-Zoll-Macbook im Jahre 2015 einführte und dann auf alle anderen Modelle übertrug, auch auf das Macbook Pro. Die Tastatur war laut, fühlte sich wegen des sehr kurzen Tastenhubs von lediglich 0,5 Millimeter nicht gut an und einzelne Tasten fielen häufig aus. So häufig, dass Apple die Gewährleistung für die Tastatur bei Neugeräten auf vier Jahre verlängerte.

Fazit und Kritik

Da hat Apple fleißig zugehört und umgesetzt. Die Kritik am Vorgängermodell, vor allem an der lauten und unzuverlässigen Tastatur führte zu einem neuen, deutlich besseren Keyboard. Auch die Wärmeabführung, die bei den Vorgängermodellen zu Problemen unter Dauerlast führte, ist nun deutlich besser geworden. Das größere Retina-Display ist soweit über jeden Zweifel erhaben. Eine nette Zugabe ist das tolle Soundsystem und das Mikrofon-Array über die sich besonders Musik- und Podcast-Produzenten freuen können. Kritik muss sich Apple einmal mehr über die Preispolitik bei Speicher-Upgrades (RAM und SSD) gefallen lassen, die nach wie vor weit weg von marktüblichen Preisen sind, zumal man sie – nach wie vor – nur beim Kauf des Neugeräts bestellen kann.

Die neue (alte?) Tastatur

Damit soll nun Schluss sein. Zwar basiert die neue Tastatur im 16-Zoll-Modell nach wie vor auf der Butterfly-Mechanik, doch Apple hat sie entscheidend verändert. Der Tastenhub ist nun länger (1 mm) und der Anschlag wird dadurch hörbar leiser, was wir im Praxistest eindeutig bestätigen können. Im direkten Vergleich zu der Ur-Tastatur mit Scheren-Mechanik, die Apple anno 2012 mit dem ersten Retina-Macbook-Pro einführte, ist sie kaum lauter und sie fühlt sich genauso gut an.

Hurra, die ESC-Taste ist zurück! Dafür musste die Touch-Bar ein wenig schrumpfen.

© Apple

Zweiter Punkt: Die Escape-Taste! Mit der Einführung der Touch-Bar hat Apple diese Taste kurzerhand abgeschafft. Sie war zwar nach wie vor über die Touch-Leiste erreichbar, aber eben nicht immer. Je nach Software, musste man sich erst durch ein bis zwei Menü-Hierarchien hangeln, bis die Taste auftauchte. Das war für viele Anwender ein unhaltbarer Zustand, auch Apple hat das eingesehen und ESC nun zurückgebracht. Am alten Ort ganz oben links ist sie platziert, direkt links neben der Touch-Bar, die dadurch allerdings schrumpft. Laut Apple ist das aber kein Problem, die Inhalte, die in der Touch-Bar dargestellt werden, bleiben voll sichtbar, laut Apple rücken sie nur ein wenig zusammen.

Auch das können wir im Test bestätigen, zumindest Apple-Programme, wie Garageband, Final Cut Pro oder die Musik-App nutzen die Touch-Bar wie gewohnt, sichtbare Unterschiede fallen uns nicht auf.

Das alte Cursortasten-Layout der 2015er Modelle (unten) ist zurück. Das Layout des Vormodells (oben) hatte nicht viele Freunde gefunden.

Dritter Punkt: Die Cursortasten bekommen wieder das alte umgekehrte T-Layout. Auch hier gab es bei den Vormodellen Gemecker der Anwender, die Tasten wären nicht mehr blind erfühlbar, weil Größe und Position anders sei. Nun ist das „normale“ Layout zurück, bei dem die Tasten für links, runter und rechts in einer Linie angeordnet sind und lediglich die Taste für hoch darüber liegt.

Ein großes Display

Es soll immer noch Anwender geben, die dem 17-Zoll-Macbook-Pro nachtrauern, dass Apple 2012 eingestellt hat. Nun, jetzt gibt es immerhin 16 Zoll (statt 15,4 Zoll beim direkten Vorgänger). Das sind in der Realität 0,6 Zoll ( also etwa 1,5 cm) mehr. Dennoch ist das Gehäuse kaum größer geworden. Es ist in der Tat etwas größer und die Abmessungen landen damit wieder fast beim allerersten Retina-Macbook-Pro aus dem Jahre 2012. Die Ränder um das Display hat Apple geschrumpft, im direkten Vergleich sieht man das am deutlichsten. Besonders rechts und links ist der Rand schmaler geworden. Dennoch: Man hat das Gefühl, da ginge noch mehr. Das iPhone-Display geht immerhin fast bis ganz an den Rand des Gehäuses. Ist es wirklich so schwer, Ähnliches beim Macbook Pro zu erreichen? Aber wir wollen nicht meckern, denn immerhin gibt es nicht nur mehr Bildschirmfläche, sondern auch mehr Pixel. Statt 2880 mal 1800 stellt das 16-Zoll-Display nun 3072 mal 1920 Pixel dar. Die Helligkeit gibt Apple mit 500 cd/qm an, der Zielfarbraum soll die P3-Norm erfüllen. Beide Angaben sind keine Veränderungen gegenüber dem direkten Vormodell.

Im Vergleich des Farbraums mit dem iPad 7 (farbiger Körper) erkennt man: Das Macbook Pro (transparenter Körper) stellt dank P3-Farbraum deutlich mehr Farben dar. Vor allem Grüntöne dürften realistischer erscheinen.

Dennoch messen wir nach und stimmen zu: Die Helligkeit bestimmen wir mit gut 480 cd/qm bei einem Kontrastverhältnis von knapp 1500:1. Auch der Farbraum kommt gut hin, im direkten Vergleich zum iPad 7, das wir erst kürzlich im Labor hatten, sieht man einen deutlichen Unterschied, das Macbook stellt mehr Farben dar. Damit eignet sich das Display problemlos für professionelle Anwendungen im Bereich Foto, Video und Druckvorstufe. Etwas anderes haben wir auch nicht erwartet.

HiFi-Sound eingebaut

Was nicht direkt zu erwarten war: Apple hat das interne Soundsystem stark verbessert. Insgesamt sechs Lautsprecher kommen zum Einsatz. Besonderes Augenmerk verdienen dabei die Tieftöner, die Apple nicht nur selbst entwickelt hat, sie wurden auch gleich zum Patent angemeldet. Das Besondere: Ein Kräfteausgleich soll für deutlich mehr Tiefgang im Bassbereich sorgen, ohne dabei zu viele Vibrationen auf das Gehäuse zu übertragen, was besonders unterwegs unangenehm sein kann, wenn man das Macbook auf dem Schoß hält. Dazu montiert Apple zwei Bass-Chassis Rücken an Rücken. Ein interessanter Ansatz, und wir testen das mit besonders basshaltiger Musik. Im Vergleich zu älteren Macbook-Pro-Modellen fällt schon bei den ersten Takten der deutlich voluminösere Sound auf. Die Schwärze der Bässe ist tiefer, die Mitten direkter und die Höhen samtiger. Am eindrucksvollsten ist jedoch der räumliche Effekt, wenn man direkt von dem Gerät sitzt. Man hat fast den Eindruck einen Kopfhörer zu benutzen. Der Stereosound wird direkt in die Ohren projiziert. Apple erreicht das durch Reflexion der mittleren und hohen Frequenzen am Glasdisplay. Das haben wir so noch bei keinem Macbook erlebt und es ist ein toller Fortschritt.

Auch die eingebauten Mikrofone hat Apple verbessert. Es gibt nun deren drei und sie formen eine Art Richtstrahl, der auf den Benutzer zeigt. Umgebungsgeräusche sollen dadurch weitgehend ausgeblendet werden. Musiker, die mal schnell eine Song-Idee mit der Gitarre festhalten wollen, wird es freuen. Aber besonders Podcaster dürften von den Mikrofonen profitieren. Unter Umständen können sie ganz auf zusätzliche externe Mikrofone verzichten und Sprachbeiträge direkt mit der im Macbook enthalten Hardware aufnehmen.

64 GB RAM und 8 TB SSD möglich

Die maximale RAM-Speicherausstattung hat Apple auf 64 GB erhöht (vorher 32 GB) und bis zu satten 8 TB an SSD-Speicher sind möglich. Allerdings – wie das bei Apple leider fast immer der Fall ist – erkauft man sich diese beeindruckenden Zahlen zum einen durch gesalzene Preise (der Maximalausbau mit 64GB/8TB kostet satte 3600 Euro mehr als das 8-Kern-Grundmodell mit 16GB/ 1TB). Außerdem: Wie schon beim Vormodell lässt sich weder der RAM-Speicher noch die SSD nachträglich aufrüsten. Die Chips beider Speicherarten sind fest auf der Hauptplatine verlötet. Man muss sich also vor dem Kauf auf den Speicherausbau festlegen. An diesem Gebaren Apples wird sich in Zukunft sicher nichts ändern. Uns Anwendern bleibt leider nichts anderes übrig, als sich damit abzufinden.

Blackmagics Disk Speed bescheinigt dem internen Macbook-SSD-Speicher rasante 2,7 GB/s beim Schreiben und sogar 2,8 GB/s beim Lesen. Die Datenrate bricht selbst bei größeren Testdateien nicht ein!

Allerdings setzt Apple qualitativ hochwertige Flash-Chips ein, die dank direkter PCIe-Anbindung auch richtig schnell arbeiten. Unser Test mit der praxisnahen Benchmark-Software Blackmagic Disk Speed ergibt sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen Werte von über 2,7 respektive 2,8 GB/s. Das sind exzellente Ergebnisse.

Anschlüsse

Bei externen Anschlüssen ändert sich nichts. Man bekommt viermal USB 3.1 Typ C, wobei jeder Anschluss auch als Ladeport für den Akku fungieren kann. An der rechten Seite gibt es noch die übliche 3,5-mm-Klinkenbuchse für analoge Kopfhörer. Gerade die ist für Musikproduktionen unabdingbar, denn drahtlose Kopfhörer (via Bluetooth angebunden) bringen immer eine gewisse Latenzzeit mit, die für Live-Einspielungen fatale Folgen hat.

CPU-Leistung & Kühlung

Unser Testgerät ist mit einem Intel Core i9-9880H ausgestattet. Der Chip stammt aus der neunten Generation der Core-Baureihe, ist aber nicht wirklich neu, denn die Octacore-Version des Vormodells kam ebenfalls schon mit diesem Chip. Dank Hyperthreading greifen Anwendungen und System auf insgesamt 16 Kerne zu (8 davon virtuell). Die machen sich natürlich vor allem bei Programmen bemerkbar, die auf Parallelisierung ausgelegt sind. Weil das aktuelle macOS Catalina keine 32-Bit-Anwendungen mehr erlaubt und nur noch Apps aus dem Mac App Store respektive von zertifizierten Entwicklern zulässt, müssen wir unsere Standard-Benchmarks etwas verändern. Maxons Cinebench R15 startet nicht mehr, wir setzen ab jetzt die Version R20 ein. Leider ist damit ein direkter Vergleich mit Mac-Modellen von 2018 und 2019 nicht mehr möglich. Immerhin funktioniert Geekbench 4 noch. Der Octacore-Intel schlägt sich wacker und lässt den Hexacore-iMac (2019) erwartungsgemäß hinter sich. Das gilt auch für Praxistests mit Final Cut Pro, iMovie und Garageband.

Auch der AMD-Grafikchip Radeon Pro 5500M mit 4 GB GDDR6-Video-RAM (wahlweise bekommt man 8 GB – plus 120 Euro) ist ein Arbeitstier. Unser Metal-Benchmark mit dem Tool Gaston von Richard Kurz ermittelt 1118 GFlops, ein Rekordwert!

Das neue Kühlsystem (oben) besteht aus verbesserten Lüftern mit mehr Lüfterblättern und größeren Lufteinlässen. Auf dem Bild erkennt man zudem die neuen Bass-Lautsprecher, die für einen deutlich voluminöseren Klang sorgen.

© iFixit.com

Im Praxistest fällt uns das neue Kühlsystem positiv auf. Erst bei extremer CPU- und gleichzeitiger GPU-Last (beispielsweise bei aufwändigen 3D-Spielen oder beim Rendern in Final Cut Pro X) fahren die Lüfter hörbar hoch. In Cinebench R20 bleiben sie beim einmaligen Durchlauf des Multi-CPU-Tests weitgehend unhörbar, während unser Referenz-Macbook sogar schon beim Single-CPU-Test die Lüfter laut hörbar hochfährt.

Beim Test in Final Cut pro X springen die Lüfter hingegen etwas früher an, wenngleich Drehzahl und Lautstärke moderat bleiben. Dennoch stellen wir fest, dass die Render-Zeiten immer etwas länger dauern, wenn wir den Test mehrmals direkt nacheinander durchführen. Das deutet daraufhin, dass die CPU den Takt herunterfährt, weil sie zu heiß wird. Wir checken das nach mit dem Tool „Power Gadget“ von Intel, das den Takt und den Stromverbrauch der CPU ständig überwacht. Und tatsächlich, bereits nach wenigen Sekunden Volllast mit über 4 GHz Takt muss die CPU drosseln. Das ist nicht unüblich, der Turbo-Mode der Intel-CPU ist schließlich genau dafür gedacht. Im direkten Vergleich zum Vorgänger passiert die Drosselung allerdings später und nicht ganz so extrem.

Bei extremer Belastung der CPU fährt der Intel-Prozessor den Turbo-Takt zurück, bleibt jedoch dank neuer Kühlung länger auf hohem Niveau als beim Vorgänger.

Die acht CPU-Kerne wirken sich besonders deutlich in der Verarbeitung von Audio-Signalen aus. Unser Praxistest in Garageband besteht aus Software-Instrumenten, die parallel in Audiospuren berechnet werden. Gute Macs erreichen hier schon mal über 110 Spuren (wie beispielsweise der aktuelle 6-Kern-iMac). Das 16-Zoll-Macbook Pro setzt hier jedoch noch deutlich einen drauf: Erst bei 197 parallelen Instrumenten geht der CPU die Puste aus. Das ist ein irrer Wert, den professionelle Musikproduzenten zu schätzen wissen, denn damit lassen sich auch unterwegs anspruchsvolle Produktionen bearbeiten und finalisieren.

Sicherheit & Grafikchip – T2 Chip und HEVC

Sicherheit ist ein großes Thema in diesen Zeiten: Schon seit einiger Zeit setzt Apple bei den mobilen Macs, dem iMac Pro sowie beim Mac Mini den Sicherheitschip T2 ein, der den Boot-Vorgang überwacht und die Verschlüsselung der Festplatte übernimmt. Außerdem beschleunigt der Chip den Video-Encoder HEVC drastisch.

Der T2 sitzt auch im neuen 16-Zoll Macbook Pro und wir messen nach: Apples professionelles Video-Encoder-Tool „Compressor“ benötigt für unseren Textclip 14 Sekunden. Das ist ein Rekordwert. Das 2018er Macbook Air, das ebenfalls mit dem T2-Chip ausgestattet ist, braucht dazu 25 Sekunden. Zum Vergleich: Ohne T2-Chip dauern die Berechnungen über acht Minuten!

Akkulaufzeit

Apple verspricht elf Stunden Laufzeit bei normalen Tätigkeiten. Dazu kommt eine größere Batterie zum Einsatz, die nun 100 Wattsunden liefert, 16 mehr als beim Vorgänger. In unserem Surf-Akkutest (Surfen im WLAN bei 50 Prozent Display-Helligkeit) hält das Macbook sogar über 14 Stunden durch. Ein beeindruckender Wert. Die Laufzeit geht jedoch zurück, wenn man das Display heller stellt. Bei voller Helligkeit und Abspielen von MP4-Videos (der „Übersee-Flugtest“ am Tag) erreicht das Macbook nur noch gut fünf Stunden. Unser Tipp: Drehen Sie die Monitorhelligkeit nur soweit auf, wie Sie sie unbedingt benötigen.

Fazit und Kritik

Da hat Apple fleißig zugehört und umgesetzt. Die Kritik am Vorgängermodell, vor allem an der lauten und unzuverlässigen Tastatur führte zu einem neuen, deutlich besseren Keyboard. Auch die Wärmeabführung, die bei den Vorgängermodellen zu Problemen unter Dauerlast führte, ist nun deutlich besser geworden. Das größere Retina-Display ist soweit über jeden Zweifel erhaben. Eine nette Zugabe ist das tolle Soundsystem und das Mikrofon-Array über die sich besonders Musik- und Podcast-Produzenten freuen können. Kritik muss sich Apple einmal mehr über die Preispolitik bei Speicher-Upgrades (RAM und SSD) gefallen lassen, die nach wie vor weit weg von marktüblichen Preisen sind, zumal man sie – nach wie vor – nur beim Kauf des Neugeräts bestellen kann.