Wir kennen Josh Hartnett aus Pearl Harbor und Black Hawk Down, jetzt spielt er mit Leila Farzad (I Hate Suzie, Richard II) in einer Psycho-Thriller-Serie, in der er mit einer KI versucht, die Grenzen des Wall-Street-Kapitalismus zu überspringen.

The Fear Index ( hier auf Sky im Streaming-Angebot ) hat richtig Wucht. Es ist eine Achterbahnfahrt des Storytellings, die uns immer mal wieder an einer Station rauswirft, mit der wir gar nicht gerechnet haben: Psycho-Thriller, Horror-Vibes, Agenten-Story im Stil von Kiefer Sutherlands 24, weil Josh Hartnett als Alex Hoffmann eine KI entwickelt hat, „von der er glaubt, dass sie Großereignisse vorhersagen und so seinen Kunden Milliarden-Gewinne einbringen kann. Dafür sucht er Investoren“, erzählt uns Josh Hartnett im Interview.

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Aber diese KI entwickelt eine Art Eigenleben, wobei auch das nicht gleich klar ist. The Fear Index ist eine Serie mit vielen, vielen Komponenten, Ebenen, Ideen. Hartnett wurde berühmt durch Hollywood-Blockbuster wie Pearl Harbor, heute hat er mehr Lust auf anspruchsvolle, auf schwierige Stoffe: „Ich fand die Prämisse enorm spannend: Meine Figur Alex leidet an Asperger, doch erst ein Schlag auf den Hinterkopf, löst die stärkste Form dieser Krankheit in ihm aus. Er halluziniert, weiß manchmal nicht, wo er gerade ist, ob Dinge wirklich passieren oder er sich diese einbildet. Er ist hochintelligent und sehr smart, und es ist in manchen Szenen so, als würde sein Gehirn seinen Körper übernehmen, ohne dass er das steuern kann.“ Damit spielt The Fear Index auf virtuose Art – zu viele Serien sind vorhersehbar, die neue Blockbuster-Show von Sky zeigt uns ein anderes Gesicht. 

Etwa indem Alex Figuren sieht, bei der wir als Zuschauer nicht wissen – ist das jetzt echt? Oder nicht? Weil die Kamera das nicht direkt ersichtlich macht. Josh Hartnett spielt seinen Charakter absolut brillant, wie Leonardo Di Caprio in seinen besten Rollen: Aviator, The Great Gatsby, wo er auch so langsam in den Wahnsinn abdriftet und das einen als Zuschauer oft in der Schwerelosigkeit zurücklässt. „Es war eine große Herausforderung für mich als Schauspieler, weil wir die Show nicht in der Reihenfolge gedreht haben, die der Zuschauer sieht und seine psychologische Verfassung wandelt sich mehr und mehr in Paranoia.“ Es ist faszinierend, wie das Leben und die Karriere manchmal spielen: Wir alle kennen Josh Hartnett aus Black Hawk Down, er galt als die Nachwuchshoffnung der Filmindustrie, wurde mit den ikonischsten Rollen nur so beworfen: Superman, Batman. Er hätte Christopher Nolans Batman Begins drehen können, aber er wählte nicht das Geld – 100 Millionen-US-Dollar soll man ihm geboten haben für die Trilogie. Sondern die Kunst, den Indie-Film. „Viele glauben ja, dass ich mich so bewusst vom Film verabschiedet habe, habe ich aber gar nicht – ich habe viel gedreht, nur eben nicht das, wofür jeden Abend im TV Trailer laufen. Kleinere Projekte mit viel Herz und Ideen, weniger Studio-Movies.“ 

Josh Hartnett und Leila Farzad spielen ein Power-Couple, das scheinbar das perfekte Leben aufgebaut hat, aber er leidet am Asperger-Syndrom, welches durch einen Schlag auf den Kopf in extremer Form auftritt als je zuvor.

© Sky

Nicht nur eine Adrenalin-geladene Serie

The Fear Index ist zwar auch eine Adrenalin-geladene Show, aber weniger mit Hollywood-Bombast, eher auf die smarte Art. Ein bisschen wie Kiefer Sutherlands brillantes "Designated Survivor", was auch viel mehr von der Aufgabe und häufig Überforderung von ihm als US-Präsident lebt und nur hier und da Action-Plots einstreut.

Die gibt es auch in The Fear Index, aber sie sind nicht der Grund, die Serie zu schauen – es ist mehr die Dynamik zwischen den Figuren, das Auf und Ab, die Zwänge der Investorenwelt. Vielleicht ein wenig Billions, aber während Damian Lewis in der Rolle seines Lebens als Bobby Axelrod das Geld und vor allem die Macht liebt, liegt Alex Hoffmann gefühlt viel weniger daran als den Partnern in seiner Firma. „Alex ist ein introvertierter Mensch, in einer extrovertierten Welt, der eine Rolle spielt“, erklärt Josh Hartnett seine Figur. „Er spielt diesen Hedgefund-Milliardär, wie sich die Welt draußen das vorstellt: Riesiges Haus, teure Autos, Rolls Royce als Dienstwagen. Aber das ist eigentlich nicht er.“ Oder wie es Co-Star Leila Farzad, die seine Frau Gabby spielt, so schön zusammenfasst: „Eine perfekte Fassade ist oft nur eine versteinerte Wand, hinter der sich eine gebrochene Persönlichkeit verbirgt.“ 

Die Show dreht sich im Grunde auch darum, wie schwer sich die Umwelt von Alex damit tut, dass sein brillanter Kopf plötzlich nicht mehr funktionieren soll.

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Im Grunde ist das die Idee der Show: Für die Welt da draußen ist Alex eine Geldmaschine, die einfach nur funktionieren muss und als sie nicht mehr funktioniert ob seiner Krankheit, versteht das vor allem jene Figur nicht, von der er dachte, er sei sein bester Freund und Partner in der Company – brillant gespielt von Arsher Ali, der die Elite repräsentiert. Aber letztlich auch für viele Menschen steht, die sich schwer damit tun, wenn jemand aus ihrem Umfeld plötzlich krank wird und nicht mehr so „funktioniert“, wie man das erwartet.

The Fear Index ist genau deshalb so gelungen, weil all diese Komponenten auf eine Art vermischt, die wir so noch nie gesehen haben: dieses Asperger-Syndrom, die Halluzinationen, dieses Zweifeln am eigenen Verstand, mit einem Hightech-Thriller rund um eine KI, die scheinbar Flugzeuge abstürzen lässt, um seine Kunden reich zu machen und plötzlich weiß der Zuschauer gar nicht, wer hier eigentlich Opfer und wer Täter ist. 

Josh Hartnett erzählt über seine Hollywood-Pause

Josh Hartnett über seine Hollywood-Pause: „Ich liebe den Film, aber nicht so sehr die Industrie drumherum. Und dann kamen Kids und die Farm.“ 

Was für ein spannendes Gespräch. Es ist selten, dass sich Schauspieler gegen den Reichtum und Glamour Hollywoods entscheiden und eher ihrem Herzen folgen. Hartnett hätte der nächste Tom Cruise werden können, er wollte das aber gar nicht.

"Ready for Takeoff" hieß es auf der Titelseite des People Magazine vor der Veröffentlichung von Pearl Harbor. "Der Typ wird monatelang schöne Frauen in seinem Vorgarten zelten lassen", sagte sein Co-Star Ben Affleck. Hartnett zögerte, in einem Blockbuster mitzuspielen, weil er befürchtete, dass namhafte Regisseure ihn nicht ernst nehmen würden, aber sein Vater überzeugte ihn. Ruhm ist vorübergehend, sagte er seinem Sohn, aber Reue ist dauerhaft. Josh Hartnett beschreibt die Zeit von Pearl Harbor und Black Hawk Down als überwältigend. Als wunderschön, aber auch beängstigend. Er hat viele Leute kennengelernt, die nur Geld mit ihm verdienen wollten und sich nicht für ihn als Menschen und Schauspieler interessierten. Er gewährt einen spannenden Blick hinter die Kulissen Hollywoods, denn alle wollten ihn ihm den nächsten Tom Cruise haben – den Action-Helden, der eigentlich alles spielen kann. Aber er wollte das nicht, er wollte hauptsächlich Rollen, die ihn als Schauspieler fordern. Er mochte es nicht ein Mega-Star zu sein, auf den Covern der großen Magazine, Fans die ihm hinterherrennen. Was für die meisten Schauspieler nach dem Himmel auf Erden klingen dürfte, quasi der Moment, wo man es geschafft hat, führte zum Bruch mit Hollywood, auch weil Paparazzis damals so aggressiv waren und kein Problem hatten, in die Privatsphäre von Stars einzubrechen, für das Foto, was sie reich machen würde.“ Vor der Instagram-Ära konnte ein Foto eines Hollywood-Stars etwa bei einem Date schnell mal 100.000 US-Dollar wert sein, denn es verkaufte Hefte. Damals war Scarlett Johansson seine Freundin, die Marvel später zur reichsten Frau der Traumfabrik gemacht hat. 

„Ich habe mich damals für das Leben entschieden – manche verstehen das, andere nicht, aber das ist okay, weil ich und wir glücklich sind.“ Er zog weg aus Los Angeles, nach Surrey, England und baute dort eine Farm mit seiner Frau. 2016 bekamen sie ihr erstes Kind, und er wollte sie damit nicht alleine lassen. „Jeder der Kids hat, kann glaube ich nachvollziehen, dass du diese besondere Zeit nicht verpassen möchtest. Ich habe viele Hollywood-Moms & Dads getroffen, die die ersten Schritte ihres Kindes auf Handy-Video gesehen haben, während sie irgendwo auf der Welt drehten oder ein Filmfest besuchen. Jeder muss machen, was ihn glücklich macht – bei mir sind es die Kids. Ich möchte nicht monatelang weg von der Familie sein.“ 

Einer der Gründe, warum er nur noch selten Hollywood-Blockbuster dreht, die häufig an Sets über den ganzen Erdball verteilt sind. Wobei wir ihn gerade in dem Action-Blockbuster Cash Truck mit Jason Statham erlebt haben, der enorm intensiv ist, brillant inszeniert von Guy Ritchie. Hartnett und Statham sind wohl Buddies geworden, diesen Monat spielt er wieder mit ihm in einem Kinofilm in der James-Bond-Parodie Operation Fortune. Hugh Grant spielt dabei quasi Blofeld, auch das dürfte ein großer Spaß werden. 

Josh Harnett und Leila Farzad: „Es ist ein Psycho-Thriller, aber eigentlich geht’s auch darum, ob man für seinen Partner nur in guten Zeiten da ist oder auch in schlechten.“ 

Alex versucht seine Krankheit mit allen möglichen Tricks zu verschleiern, weil er seine Beziehung nicht gefährden möchte. Tut das aber, weil seiner Frau Ehrlichkeit wichtiger wäre…

The Fear Index sollte man gesehen haben

Ohne zu viel verraten zu wollen, aber The Fear Index ist fast schon so eine Art Studie unserer modernen Highspeed-Gesellschaft. Weil Alex und Gabby Hoffmann dieses Power-Paar sind, was in einer Villa für 40 Millionen Euro lebt, er ihr ein Kunstwerk für eine Million einfach mal so statt Rosen mitbringt und trotzdem wirkt sie nicht glücklich, weil er ihr die Wahrheit über seine Krankheit verheimlicht hat: „Ich glaube auf einem tieferen Level ist es eine Story über Partnerschaft, Zusammenhalt, Vertrauen“, findet Leila Farzad, die ja gerne solche Serien spielt – auch „I Hate Suzie“ von HBO handelt von einer Personenkonstellation, wo vieles nicht so ist, wie es scheint. „Ich fand das Buch unglaublich gut, Richard Harris ist ein Genie.

Die Charaktere sind sehr komplex, enorm vielschichtig. Es hat diese Psycho-Crime-Thriller-Komponente, es hat Action und Adrenalin, aber es wirkt auch so sehr aus dem Leben gegriffen, weil wir oft Menschen treffen in unserem Leben, bei denen wir denken „Oh wow, bei denen ist alles perfekt, so wären wir auch gerne. Alex und Gabby sind für die Welt das perfekte Glamour-Paar – smart, reich, glücklich verliebt, aber er will sie nicht mit seiner Krankheit belasten, was ihre Beziehung auf eine schwere Probe stellt…“ 

The Fear Index läuft jetzt auf Sky. 

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