Arlo Pro 3

Arlo hat die Überwachungskamera Arlo Pro in der dritten Generation vorgelegt. Gegenüber den ersten beiden Generationen, die wir auch schon im Test hatten , erkennen wir einige sinnvolle Fortschritte.

Ein – wenn auch kleines – Manko bleibt: Die Arlo Pro 3, die wir im Doppelpack testen, benötigt weiterhin eine Basistation. Das ist zwar auch sinnvoll hinsichtlich einer höheren Reichweite, stört aber vor allem, weil wir damit einen weiteren Port am Router belegt haben. Den größten Konstruktionsfehler hat Arlo indes behoben: Die Sirene (optional zuschaltbar) tönt jetzt direkt an der Kamera und nicht mehr an der Basisstation. Das hat eine etwas abschreckendere Wirkung, wenn Unbefugte Eindringlinge schon am Gartenschuppen oder der Eingangstür von einem 110-dB-Geheule begrüßt werden, das bisher nur die Hausbewohner warnte und aus dem Schlaf riss. Ein weiterer Vorteil einer Basisstation: Wir können die Aufnahmen der Sicherheitskameras lokal speichern, auf einen per USB angeschlossenen Stick beispielsweise. Mit der Arlo Pro 3 müssen wir das gewissermaßen auch, denn auf einen Slot für eine Speicherkarte verzichtet die Kamera nun.

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Sinnvollere Neuerung: Helles LED-Licht

Das macht sie auch robuster gegen Regen und Staub, die Kamera und ihre Elektronik sitzen in einem wasserdichten Gehäuse, selbst für ein Ladegerät ist kein Slot mehr vorhanden – stattdessen eine magnetische Kopplung.

Beim Einrichten erleben wir einen weiteren Nachteil der Lösung mit Basisstation. Denn findet die Arlo-App diese zwar in unserem Netz, auch wenn sie über einen Hub mit dem Router verbunden ist, die beiden Kameras können wir so aber nicht in unser System einbinden. Das gelingt erst, nachdem wir die Basis direkt mit der Fritzbox verbinden. Interessanterweise läuft das System danach klaglos wieder über den Hub, nur beim Einrichten hatte es den Ärger gegeben.

Eine weitere Neuerung der Arlo Pro 3 schätzen wir jetzt im Winter ganz besonders: Die Kamera ist nun mit einem weißen und recht hellen LED-Licht ausgestattet. Bei unserem Test im Flur und im Wohnzimmer nervt das grelle Licht zwar irgendwann, aber hinten im Garten über der Schuppentür angebracht, leistet die Lösung große Dienste. Wollen wir im Dunklen die Fahrräder aus der Hütte holen, brauchen wir keine Taschenlampe mehr für das Zahlenschloss, die Kamera leuchtet uns. Klar, man könnte auch einen einfachen Bewegungsmelder mit Licht dort montieren, so haben wir aber gleich ein bisschen Sicherheit mit im Paket – und würden es sehen, machte sich ein Unbefugter am Schloss zu schaffen. Mit Unterstützung des Lichts sind aber auch nachts Farbaufnahmen möglich.

Wer macht sich da am Schloss zu schaffen? Die Person ist der Redaktion bekannt

© Macwelt

Höhere Auflösung für automatischen Zoom

Die Kamera am Schuppen dient uns auch zum Test weiterer neuer Funktionen. Arlo hat mit der Pro 3 die Auflösung erneut erhöht, nun auf 2K. Schon beim Vorgängermodell mit 1080p ergab der digitale Zoom in das Bild Sinn, Details waren schon ganz gut zu erkennen. Nun aber ist die Auflösung noch besser und das Zoomen hat der Anbieter automatisiert. Laufen Mensch oder Tier durch das Bild, zieht die Kamera digital entsprechend auf – und verfolgt das bewegte Objekt.

In unserem Aufbau mit der Optik in etwas mehr als zwei Metern Höhe und auf den Boden gerichtet funktioniert das so leidlich, die Katze ist dann meist schon wieder aus dem Bild gehuscht, wenn die Elektronik sie fokussiert. Und beim Werkeln an der Schuppentür setzen wir doch lieber einen Hut auf, den breiten Scheitel müssen wir nicht in Nahaufnahme sehen. Den Bildausschnitt zu verändern trauen wir uns nicht – die Weitwinkeloptik würde auch in den Wohnbereich der Nachbarn schauen, das machen wir nicht.

Aber vielleicht wäre die Kamera ja etwas für den Vordereingang, wenn wir sie auch wieder so weit nach unten richten, dass nur der eigene Vorgarten noch im Bild ist und nicht der öffentliche Weg. Dann könnte ja auch der Paketalarm sinnvoll sein, ebenso neu in der Arlo Pro 3.

Zustellversuch erfolgreich, aber kein besonderer Alarm.

Den probieren wir aber dann im Garten aus, mit einem echten Paket und einer falschen Uniformjacke. Na ja, einer roten Jacke eben. Was uns der Hersteller aber verspricht, können wir nicht bestätigen, wir bekommen keinen Hinweis auf ein eingegangenes Paket. Auch nicht, als wir zu Testzwecken das Sichtfeld kurz erweitern und uns mit dem Paket unterm Arm dem Schuppen nähern. In der Anleitung steht aber, die Kamera solle man für diesen Zweck in zehn Fuß Höhe montieren, wir sind hier allenfalls bei acht. Uns hilft die Paketerkennung ohnehin nicht wirklich weiter, die Zusteller dürften ihre Lieferung nicht einfach vor der Tür ablegen und hoffen, dass Unbefugte etwas mitgehen lassen. Die Paketerkennung ist aber noch im Beta-Stadium, auf seiner Website spricht Arlo davon , sie sei erst "demnächst verfügbar" – lässt sich aber schon in der App aktivieren, für nur eine Kamera im System. Ebenso soll eine Fahrzeugerkennung kommen. Was schon jetzt gut funktioniert: Die App teilt uns per Push-meldung – auch auf dei Apple Watch – mit, ob die Kamera eine Person oder ein Tier detektiert hat.

Das Tier ist nicht immer brav auf dem Sofa, sondern stromert auch mal vor der Kamera rum.

Strom von der Sonne – wenn sie scheint

An die Außenkamera hängen wir eine weitere Neuerung, diese ist optional: Ein Solarpanel ( 40 Euro bei Amazon ). Gerade im Winter nur von bedingtem Nutzen, mangels einer Nachführung bekommt das Panel an der Hütte, die noch dazu weitgehend  im Schatten eines 60 Jahre alten Eschenahorns steht, nicht genug Licht, um die Kamera auf voller Ladung zu halten. Wir können allenfalls feststellen, dass der Akkustand nicht so schnell absinkt – die häufigen Einsätze zollen ihren Tribut. Im Sommer versuchen wir es wieder, im Testzeitraum hatten wir die meiste Zeit mit Hochnebel und eben einer sehr flachen Sonneneinstrahlung zu tun.

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Zum Aufladen muss die Kamera dann nach geschätzten vier bis sechs Wochen wieder für eine gute Stunde ins Haus zum Ladegerät, immerhin ist sie von ihrer magnetischen Halterung recht schnell herunter gerupft. Das ist wiederum kein Fehler in der Konstruktion, aber ein Kompromiss: Was für uns sehr bequem ist, geht zu Lasten der Sicherheit, denn Eindringliche bekommen die Kamera ebenso schnell abmontiert und damit deaktiviert.

Dem begegnet Arlo mit zwei Maßnahmen: Eben der Speicherung via Basisstation auf USB-Speicher und in der Cloud (die ersten drei Monate gratis) und einer mitgelieferten Schraubhalterung. Von der bekommt man die Kamera auch ohne Werkzeug ab, es ist aber ein klein wenig mühseliger, was einen Sicherheitsgewinn bedeutet – die Kamera zeichnet ja weiter auf.

Die smarten Funktionen wie Paket-, Fahrzeug- oder Tiererkennung sowie eine Möglichkeit, für das Kamerabild Aktivitätszonen zu bestimmen, lässt sich nur mit Abo nutzen – die ersten drei Monate sind noch kostenlos. Pro Kamera verlangt Arlo dafür 2,79 Euro im Monat, das Smart-Premier-Abo für alle Kameras (bis zu 10) kostet 8,99 Euro im Monat, hier bleiben dann auch 30 lang 2K-Aufzeichungen auf den Servern des Anbieters gespeichert. Wer bis zu 20 Kameras aufgebaut hat, zahlt für das Abo 13,99 Euro im Monat.

Zentrale Steuerung

Was wir als gewissen Nachteil der Architektur mit Basisstation ansehen: Die Kameras können wir nur im Paket steuern. Also Zeitpläne erstellen oder mit Geofencing arbeiten und die Kameras nur aktivieren, wenn wir das Haus verlassen. Klasse wäre auch, wir könnten die Kamera am Schuppen mit dem Sonnenuntergang einschalten und spätestens zu Sonnenaufgang wieder aus, das geht aber nicht. Wenigstens lässt sich an der Kamera selbst die Akustik steuern: Wenn in der Nacht legitime Haustiere vor dem Schuppen herumstromern, muss nicht der Alarm angehen, in anderen Fällen, an anderen Kameras schon. Mit Mikrofon und Lautsprecher kamen wir auch nicht wirklich zurecht, längere Latenzen machen den Einsatz als Gegensprechanlage schwierig, da aber beide Kameras Ton ausgeben und empfangen (obwohl die im Wohnzimmer das nicht sollte!), lassen Rückkopplungen den Test recht schnell enden.

Fazit

An der Hardware und der Funktionalität seiner Arlo Pro 3 hat der Hersteller deutliche Fortschritte erzielt, die smarten Funktionen versprechen indes erst einmal mehr, als sie halten können – das wird sich aber noch ändern. Der Preis für das von uns getestet Zweierset inklusive Basisstation von rund 600 Euro (derzeit bei Amazon etwas günstiger) ist recht sportlich, aber gerechtfertigt. Für die smarten Funktionen und den Webspeicher muss man aber extra zahlen – das handhaben andere Anbieter ähnlich.

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