Der Schleim tropft, das Alien starrt: Dead-Space-Erfinder Glen Schofield will mit The Callisto Protocol das gruseligste Singleplayer-Erlebnis für Next-Gen abliefern. Ja richtig gehört, Dead Space 4 - es lebt.

Wasser tropft, etwas stapft auf den Boden, das Geräusch bahnt sich seinen Weg durch das Hochsicherheitsgefängnis Black Iron Prison auf dem Jupiter-Mond Callisto in der Weltpremiere von The Callisto Protocol. Wir schreiben das Jahr 2320, müde blickt der Gefangene 3472 in die Nacht. An seinem Nacken trägt er ein LED-Band mit seiner Zellen-Nr. Er schaut unruhig, ob des Geräusches, was sich da anbahnt. Das Licht flackert, die Stahltür ächzt – er schaut nach draußen, dort patrouilliert gerade ein Security-Roboter, doch irgendetwas scheint ihn zu hacken. Seine Schaltkreise drehen durch, er spricht wirr, dreht sich. „Hast du das gesehen?“ fragt er seinen Zellengenossen, den er im Bett zu sehen glaubt. Der antwortet nicht, denn er ist…mutiert. Seine Eingeweide hängen heraus, sein Kopf besteht nur noch aus einer riesigen Eiterbeule. „Bitte bleiben Sie ruhig, es gibt nichts zu befürchten“, sagt eine KI-Stimme, während sich das Wesen auf ihn stürzt. 

Das Biest zeigt seine Reißzähne und geifert, es sind Szenen, wie wir sie aus Ridley Scotts Meisterwerk Alien kennen. Erst schaut es sein Opfer geifernd an, dann schießen seine Tentakel in die Augen des Gefangenen und irgendjemand schaut zu. Über viele große Displays. Der Gefängnis-Direktor? Jedenfalls befindet sich diese Person im Kontrollzentrum des Black Iron Prison, einem der vermeintlich sichersten Gefängnisse dieser Galaxie. Die Person scheint wenig beunruhigt, schaltet die Monitore aus. „Hier Black Iron Prison, Landeerlaubnis bestätigt Transporter Charon“, sagt eine KI, als ein Frachter heranschwebt. Die Rolle der Spezialeinheit, die sich im Anflug befindet ist unklar - wenn wir Schofield richtig deuten, werden wir in die dürftige Sträflingskleidung eines Gefangen schlüpfen, keinen schwer gepanzerten Supersoldaten spielen. 

Wir spielen einen Gefangenen, der die Vorkommnisse in einem Hochsicherheitsgefängnis aufklären muss. Ein Gefängnis auf einem Planeten, der auch einen unterirdischen Ozean beherbergt.

© Striking Distance Studios

"Ich freue mich riesig darauf, das gruseligste Horror-Action-Singleplayer-Game für Next-Gen zu entwickeln. Ich liebe einfach Horror, ich liebe Sci-Fi – die Kombination ist pure Magie. Nachdem was ich so höre, gilt Dead Space immer noch als eines der beängstigendsten Spiele seiner Generation. Scheint, als gäbe es da draußen noch eine recht große Fanbase für diese Art von Spielen, und wir wollen genau dieses Gefühl auf Next-Gen in einer Grafik abliefern, die Sie komplett umhauen wird. Um ehrlich zu sein, überlegen wir stellenweise sogar, den Detailgrad etwas runterzudrehen, weil es einfach zu gruselig, zu heftig wird.“
- Glen Schofield, CEO Striking Distance und Erfinder der Dead-Space-Reihe 

Glen Schofield über das Dead Space für Next-Gen

Es ist einfach irre, was wir heute machen können. Was Raytracing kann, was diese unglaubliche Power von modernen PCs, der Xbox Series X und PS5 so anbieten. Wie gut das aussieht, wie scharf, wie wir noch mehr Atmosphäre durch Licht und Schatten schaffen können. Aber auch, wie sich das Ganze auf der Sound-Ebene weiterentwickelt: Wenn du dich bewegst und dabei mit dem Arm über die Jacke streichst, dann hörst du das – wenn es komplett leise ist, wir können hier viel mit 3D-Audio machen, was großartig ist für diesen zusätzlichen Horror-Schock-Effekt, ohne hier zu viel verraten zu wollen. Wir können jetzt Wind durch die Haare unserer Figuren zischen lassen und es fühlt sich so an, als würde er links und rechts an Ihren Ohren vorbeipfeifen. Sie können das förmlich spüren.“ 

Damit hier wirklich Dead-Space-Atmosphäre herrscht, wenn auch als Teil einer neuen Marke, hat Schofield 30 Mann aus seinem alten Team zusammengetrommelt: Dazu gehören die Dead-Space-Veteranen Steve Papoutsis (als Executive Producer), Scott Whitney (Designer) und Christopher Stone (Animation Director). Das Spiel soll visuell „atemberaubend werden“ und den Dead-Space-Stil in die nächste Generation transportieren.

Weißt du, [ich] habe einen bestimmten Stil, und ich komme nicht von meinem Stil weg. Mein Style ist gewachsen und vielleicht ein bisschen gereift, aber es ist mein Stil. Ich bin mir sicher, dass das Spiel einige bekannte Vibes enthalten wird. Es fällt mir schwer, zurückzutreten und zu sagen: "Oh, ich muss das anders machen als in Dead Space. Natürlich habe ich jetzt zehn Jahre mehr Erfahrung, und doch komme ich immer wieder zu vielen Ideen zurück, die das erste Dead Space so gut machten, so gruselig – auch wenn man sich ja nicht selbst loben sollte“ (er lacht). 

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Okay, jetzt wird’s richtig verrückt: Dead Space 4 spielt im PUBG-Universum 

Keine Sorge: Das Dead-Space-Team bleibt seinen Wurzeln treu. The Callisto Protocol spielt zwar im PUBG-Universum, wird aber ein reines Singleplayer-Erlebnis, also kein Battle-Royale mit schaurig, schönen Kreaturen.

© Striking Distance Studios

Glen Schofields Studio arbeitet unter Publisher KRAFTON, denen unter anderem auch Bluehole gehört, das PUBG-Team. Und ja, in der Tat spielt The Callisto Protocol im erweiterten PUBG-Universum, aber keine Sorge – es wird in erster Linie ein Singleplayer-Horror-Adventure, keine Battle-Royale-Bude, die so gar nicht ins Genre passen würde. Auch Koop schließt Glen in einem Call aus, an dem PC WELT-Autor Benjamin Kratsch teilnahm. Der neue Horror-Ableger spielt auf dem größten Mond des Jupiter, Callisto, und in einem Weltraumgefängnis, in dem etwas schrecklich schief gelaufen ist. Die Spieler werden die Rolle eines Insassen im Black Iron Prison übernehmen, der im Laufe des Spiels all die Rätsel um das Gefängnis und die Besitzer dahinter, die United Jupiter Company, lüften soll. Scheint als hätten diese ein Interesse an den Geschehnissen, wenn wir jene Person richtig deuten, der mit zufriedenem Gesicht das Kontrollzentrum verließ.

Glen Schofield ist besonders beeindruckt von Raytracing, der Art wie moderne PCs und Next-Gen-Konsolen sein Spiel mit Licht und Schatten spielen lassen, aber auch wie er uns mit 3D Audio das Fürchten lehren möchte.

© Striking Distance Studios

Versicherungsbetrug oder etwas Größeres? Glen Schofield verrät, dass Callisto die realen Eigenschaften des Mondes nutzen wird. Es sei ein weit, weit entfernter Ort, den wir Menschen aber eines Tages kolonisieren könnten – wir würden dort alles finden, was wir brauchen. Besonders spannend dürfte der geistige Nachfolger von Dead Space auch deshalb werden, weil dieser Mond einen unterirdischen Ozean hat. Was hier wohl für Gefahren lauern werden? Was für Giganten der Tiefe? Wir alle erinnern uns ja noch an die Weltraum-Wale, die Sean Murray mal in einem Interview für No Man’s Sky erwähnt und dann auch wirklich per Update eingebaut hat. „Mit The Callisto Protocol wollen wir eines der gruseligsten Spiele aller Zeiten entwickeln, das ist das erkläre Missionsziel. Wir verbinden Horror, Action und eine fesselnde Story. Wir wollen das Horror-Genre in der interaktiven Unterhaltung neu definieren und die Messlatte ein bisschen höher legen.“ 

Was geht hier vor sich: Das Gefängnis wird zwar angegriffen, aber es scheint als habe jemand all die Security-Roboter lahm gelegt…

© Striking Distance Studios

Erstes Fazit: Es wird Zeit für Dead Space 4 

Man könnte es fast schon als erstes Weihnachtsgeschenk bezeichnen: Der große Glen Schofield kehrt mit einem guten Drittel seines Originalteams zurück, um Dead Space wieder auferstehen zu lassen. Nur eben unter anderem Namen, die Markenrechte hält ja EA. Das die mal wieder ein Dead Space in Auftrag geben, scheint unwahrscheinlich sieben Jahre nach dem dritten Teil. Umso überraschter sind all die Ankündigungen: Kein Koop! Das sind gute Nachrichten, denn Dead Space 3 wandelte sich durch diesen Koop-Ansatz zu einem signifikant Action-reicheren Spiel, was so ein bisschen die Wurzeln verloren hat. Stattdessen voller Fokus auf Singleplayer-Horror. „Ich überlege mir, was mir selbst Angst macht als Horror-Fan“, erzählte Schofield in unserem ersten Telefonat zu The Callisto Protocol. „Viel wurde schon gemacht, es gibt unglaublich viele gute Horror-Filme, aber gar nicht so wahnsinnig viele wirklich gute Horror-Spiele.“ Er erwähnt Resident Evil und Shinji Mikamis Evil Within, aber auch das sich schon länger keiner mehr der Melange aus Horror und Sci-Fi angenommen hat. Zuletzt das großartige Alien: Isolation von Creative Assembly, aber auch das sei ja schon wieder sechs Jahre her…

The Callisto Protocol erscheint 2022 für PC, Xbox Series X und Playstation 5.