Windows 11: Die neuen Standard-Apps im Test

Microsoft will bei den integrierten Windows-Apps einige Neuerungen einführen. Bisher haben wir die abgerundeten Ecken und andere visuelle Elemente von Windows 11 gesehen, aber es gab auch andere, mehr funktionale Ergänzungen, die wir ausprobieren konnten.

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Paint wird vom klassischen Tool zur App aus dem Microsoft Store

Überraschend: Manche Apps wie „Fotos“, „Paint“ und „Alarm & Uhr“ sind mehr als nur optisch im Stil von Windows 11 aufgehübscht. Als Anwender stolpert man aber nicht über die Neuerungen – es wirkt so, als ob Microsoft die kleinen Verbesserungen verstecken wollte. Panos Panay, Chief Product Officer bei Microsoft, betonte in den Wochen vor dem Start von Windows 11, der Software-Konzern wolle bei den Bordwerkzeugen lange ignorierte Altlasten entfernen. Das altbekannte Paint zum Beispiel wurde durch eine gleichnamige App mit neuem Design ersetzt. Diese bietet nahezu identische Funktionen zur Bildbearbeitung wie das bisherige Paint-Tool. Microsoft kann Paint als App allerdings unabhängig vom Windows-Update und dem monatlichen Patchday jederzeit über die Microsoft- Store-App aktualisieren.

Mit Konsequenz verfolgt Microsoft das Ausmerzen von Altlasten aber nicht: Die App „Tipps“ versorgt Sie mit einer Kurzzusammenfassung der Neuerungen in Windows 11. Fraglich, ob Sie sich nach dem Durchklicken der Tippseiten leichter im System zurechtfinden. Hilfreich ist die App am ehesten noch in der Kategorie „Tastaturkurzbefehle“ als Ideengeber für Nutzer, die Windows 11 über Tastenkürzel flinker bedienen möchten. Microsoft hat es in sechs Jahren Windows 10 nicht geschafft, die Tipps-App zu einer ernst zu nehmenden Know-how-Quelle aufzubohren. Bleibt abzuwarten, ob sich daran durch kommende Updates etwas ändern wird.

Mit der „Fotos“-App mehr aus Aufnahmen machen

Die „Fotos“-App in Windows 11 enthält eine KI-basierte Suche und gruppiert Ihre Bilder mittels zuschaltbarer Gesichtserkennung auf Wunsch abhängig von den aufgenommenen Personen.

Auf dem Smartphone zählen Foto- und Galerie-Apps zu den meistverwendeten Apps überhaupt – unter Windows fristet die mitgelieferte App „Fotos“ dagegen ein Dasein als bloßer Bildbetrachter. Dabei hat der unscheinbare Foto-Manager mehr auf dem Kasten als nur Bilder anzuzeigen. Das Sichten, Sortieren, Verschönern und Präsentieren von Bilddateien geht damit leichter von der Hand als im Explorer.

Beim ersten Start erscheint eine kurze Einführung. Anschließend sehen Sie eine chronologische Übersicht Ihrer Fotos nach Datum gruppiert. Der Zeitstrahl rechts bringt Sie zum gewünschten Aufnahmezeitpunkt. Dazu bindet die App automatisch Ihren Bilder- und Videoordner in Windows 11 und die Bilder im Onedrive-Speicher ein. Haben Sie noch mehr Ordner mit Fotos und Videos auf dem PC, gehen Sie in der Leiste oben auf „Ordner“ und „Ordner hinzufügen“. Wählen Sie die Zusatzordner der Reihe nach aus und gehen Sie jeweils auf „Diesen Ordner zu ‚Bilder‘ hinzufügen“.

Ein Klick auf eines der Vorschaubilder zeigt das Motiv fensterfüllend. Am unteren Rand erscheint der in Windows 11 hinzugekommene Filmstreifen. Mit Mausklicks darauf oder durch Antippen mit dem Finger wechseln Sie zwischen den Bildern hin und her – noch schneller geht es mit den Pfeiltasten auf der Tastatur.

In der ebenfalls hinzugekommenen Multiansicht können Sie mehrere Fotos auf einmal betrachten und vergleichen: Klicken Sie im Filmstreifen auf das erste Foto und dann im Filmstreifen bei jedem Bild, das Sie in die Multiansicht einbinden möchten, auf das Kästchen rechts oben. Durch automatisches Zoomen und Anordnen nutzt Windows 11 die gesamte Fensterfläche aus. Möchten Sie Fotos in voller Pracht betrachten, klicken Sie ins Bild. Die App blendet den Filmstreifen dann zusammen mit der Werkzeugleiste am oberen Bildrand aus.

Fotos intensivieren, neue Bilder importieren, Gesichter erkennen

Die verbesserte Fotos-App in Windows 11 unterstützt Sie beim Sichten, Suchen und Sortieren Ihrer Bilddateien: Die App erzeugt Alben, erkennt Personen und verschönert Fotos mit Bearbeitungsfunktionen samt Filtern.

In der Werkzeugleiste mit Funktionen zum Drehen, Zuschneiden, Löschen, Bearbeiten und Anzeigen von Metadaten findet sich nur eine Mini-Neuerung: Das „Zeichnen“ auf dem Bild mit der Maus oder einem Eingabestift hat einen eigenen Button erhalten. Auch im Dreipunkte-Menü gibt es abgesehen vom Befehl „Drucken“ und dem Abruf von Erweiterungen aus dem Microsoft-Store keine Überraschungen.

Bei Bildern, die nur ein wenig mehr Kontrast und Leuchtkraft benötigen, leistet die automatische Bildkorrektur gute Dienste. Dazu gehen Sie auf den Button „Bild bearbeiten –› Anpassungen“ und nutzen Sie die Schieber rechts in der Seitenleiste.

Beim Importieren von Fotos und Video ist wiederum alles beim Alten geblieben. Zum Einlesen von Aufnahmen klicken Sie rechts oben auf „Importieren“.

Die automatische Gesichtserkennung sucht nach Köpfen und gruppiert die Bilder entsprechend. Dazu schalten Sie die Funktion nach dem Start der Fotos-App mit Klicks auf die drei Punkte und den Schalter im Abschnitt „Personen“ ein. Klicken Sie dann in der Menüleiste auf „Kontakte“. Nach Abschluss der Analyse erscheinen erkannte Gesichter anstelle der Platzhalter. Die Zahl unter den Bildern gibt an, auf wie vielen Fotos die betreffende Person identifiziert wurde. Klicken Sie auf das jeweilige Gesicht, um die Fotos anzusehen.

Den „Video-Editor“ zum Erzeugen von Spaßfilmchen hat Microsoft wie bereits in Windows 10 als eigene App im Startmenü verankert. Doch auch in Windows 11 starten Sie über den Menüpunkt lediglich den Videomodus der App „Fotos“.

Bessere App für Screenshots

Bei der Veröffentlichung von Windows 10 war das „Snipping Tool“ das offizielle Bordwerkzeug zum Schießen von Bildschirmfotos. Mit dem Herbst-2018-Update schob Microsoft die Schnappschuss-App „Ausschneiden und Skizzieren“ nach. Sie sollte das Snipping-Tool langfristig zum Aufnehmen, Bearbeiten und Kommentieren von Bildschirmfotos ablösen. Mit Windows 11 revidiert Microsoft diese Entscheidung und verpasst dem Snipping-Tool ein kleines Funktions-Update.

Sie starten das Tool nun über die Tastenkombination Win-Shift-S. Bislang war dieser Hotkey der App „Ausschneiden und Skizzieren“ vorbehalten, die nicht mehr in Windows 11 enthalten ist. Über die Icons speichern Sie einen rechteckigen Desktopausschnitt oder einen individuellen Ausschnitt (Freiformbereich) – oder fotografieren den kompletten Bildschirm ab.

Windows 11 legt das Bild nach dem Aufnehmen in die Zwischenablage und zeigt eine Benachrichtigung an. Ein Klick darauf öffnet die Aufnahme im Editor des Snipping-Tools. Hier können Sie den Schnappschuss zuschneiden, mit Hervorhebungen versehen, speichern und freigeben.

Mail, Kalender und Karten mit kleinen optischen Anpassungen

Die App „Mail“ hat Microsoft mit abgerundeten Ecken ausgestattet und an das Design von Windows 11 angepasst. Über Buttons links unten lassen sich die Apps „Kalender“, der Aufgabenplaner „Microsoft To Do“ und das Adressbuch aufrufen. Auch hier beschränkt sich Microsoft auf Designadaptionen. Den Kalender und To Do können Sie auf dem Desktop von Windows 11 immerhin auch als Widget nutzen. Die ursprünglich als Mail-Nachfolger für die neue Windows-Ausgabe angekündigte Outlook-App hat Microsoft nicht fertig bekommen oder verworfen.

Karten-App, Filme & TV, Groove-Musik und der alte Media Player

Mit der „Karten“-App verfügt Windows 11 über eine digitale Straßenkarte inklusive weltweitem Reiseführer und Navigationssystem. Was die Handhabung der App, die Ortssuche und die Routenplanung betrifft, entspricht sie der App aus dem Vorgänger-Windows. Im Wesentlichen alles wie gehabt lautet auch die Devise in den beiden Aufnahme-Apps „Kamera“ und „Sprachrekorder“ sowie der gut gemachten Merkhilfe-App „Kurznotizen“. Die Handy-Konnektor-App „Ihr Smartphone“ beschränkt sich auch in Windows 11 auf Remote-Funktionen für Smartphones auf Android-Basis – Mobilgeräte mit Apples iOS-Betriebssystem ignoriert Microsoft.

Mit der Musikmanager-App „Groove-Music“ verwalten Sie Ihre Musikbibliothek und in „Filme & TV“ stöbern Sie der kostenpflichtigen Online-Videothek des Microsoft-Konzerns. Auch eigene Videodateien lassen sich damit abspielen, ebenso wie im in die Jahre gekommenen „Windows Media Player“. Der freie VLC Player  macht es um einiges besser.

Die vorinstallierte Kommunikations-App „Microsoft Teams“ ersetzt Skype. „Paint 3D“, „3D Builder“, „3D Viewer“, „Print 3D“ und das „Mixed Reality Portal“: Die Apps rund ums dreidimensionale Gestalten entfallen in Windows 11, Sie können sie jedoch aus dem Microsoft Store nachinstallieren.

Microsoft hat in Windows 11 an der Uhr gedreht

Bye Bye Ablenkungen, hallo Konzentration: „Fokussitzungen“ heißt der neue Windows-11-Konzentrationsmodus mit Anbindung an die „To Do“-Aufgabenliste von Microsoft und den Musikstreamingdienst Spotify.

Die Wecker-App in Windows 11 erreichen Sie im Startmenü unter der Bezeichnung „Alarm & Uhr“ oder „Uhr“. Wer einen Timer stellen oder seinen Rechner als Eieruhr verwenden möchte, aktiviert den nicht gerade selbsterklärend benannten Menüpunkt „Zeitgeber“. Darin werden Ihnen neben eigenen Countdowns vier voreingestellte Timer für eine, drei, fünf und zehn Minuten angeboten. Weitere Funktionen sind „Alarm“ für einen Weckruf, „Stoppuhr“ und die Weltzeitanzeige mit „Weltuhr“. Ein paar zusätzliche Signaltöne und Wecken mit Musik hätten der App gut gestanden. 

Der Fokusmodus für ungestörtes Arbeiten ohne Ablenkungen ist eine Neuerung in Windows 11. Die Konzentrationsfunktion soll Ihnen dabei helfen, sich am Rechner auf Wichtiges zu konzentrieren und in der gleichen Zeit mehr zu erledigen. Die Idee dahinter ist, Ablenkungen am Bildschirm für die von Ihnen gewählte Dauer zu blockiert. Sie können sich dann diszipliniert um die Aufgaben kümmern, die Sie schaffen möchten. Wunschzeit in Minuten eingeben, Aufgabe aus der To-Do-App auswählen, konzentrationsfördernde Hintergrundmusik einstellen und los geht’s.

Im Zeitalter von ortsunabhängigem Teamwork, hybridem Arbeiten und digitalen Workplaces ist ein fest im Betriebssystem verankerter Konzentrationsmodus an sich eine gute Sache – für den Fokusmodus in Windows 11 gilt das allerdings nicht. Das Problem: Microsoft hat an Funktionen gespart, die Sie vor Ablenkungen schützen und Ihre Produktivität fördern.

Haben Sie eine Fokussitzung aktiviert (mehr dazu lesen Sie im Kasten unten), passiert – bis auf eine automatische Erinnerung, Pausen zu machen – überhaupt nichts.

Sinnvoll wäre etwa, den Anwender vor nicht dringlichen Benachrichtigungen sowie aufpoppenden Mitteilungen zu schützen und die akustische Signalisierung von Mails vorübergehend stumm zu schalten. Darüber hinaus könnte Windows 11 den Status des Anwenders in Kommunikationsprogrammen wie Teams auf „nicht stören“ oder „abwesend“ ändern und Chatfenster im Hintergrund belassen. In Anwendungen wie Word könnte ein nüchterner Produktivitätsmodus helfen, das Schreiben von Texten während einer Fokussitzung effizienter zu gestalten. Bleibt abzuwarten, in welchem Umfang Microsoft der Fokusfunktion überhaupt Updates zukommen lässt. In ihrer derzeitigen Form bietet die Neuerung in Windows 11 wenig Nutzwert.

Windows 11: Die neue Fotos-App

Neue Xbox-App

Microsoft scheint auch der überarbeiteten Xbox-App bei einigen Installationen einen Ehrenplatz einzuräumen. Die Xbox-App ist teils soziales Netzwerk, teils Spielesammlung und verbindet Sie mit Ihren Freunden, damit Sie sehen können, was sie spielen, sich für Multiplayer-Abenteuer zusammentun und so weiter.

Windows 11: In der Xbox-App können via Cloud Gaming auch Xbox-Spiele gestartet werden. Xbox Gamepass Ultimate vorausgesetzt

Der Clou ist das Xbox-Cloud-Gaming, das endlich auch in der Xbox-App für Windows verfügbar ist. Wenn Sie einen Game-Controller (Bluetooth oder kabelgebunden) und eine Internetverbindung mit 10 Mbit/s haben, können Sie mit Cloud Gaming Spiele in 1080p-Qualität von Microsofts Cloud-Servern direkt auf Ihren PC streamen, vorausgesetzt, Sie zahlen für ein Game Pass Ultimate-Abonnement. Es ist ein überraschend guter Ersatz, solange Xbox Series X Konsolen oder GPUs knapp sind, obwohl es niemals eine Konsole oder einen Gaming-PC ersetzen wird.

Die anderen Apps

Bei anderen integrierten Apps wie OneDrive oder To-Do gibt es keine Änderungen, einige von ihnen fristen weiterhin ein Schattendasein. Die Office-Anwendungen wie Word und Excel berücksichtigen Ihre Theme-Entscheidung für Windows und präsentieren sich dann entsprechend im dunklen Modus, wenn Sie diesen für das Betriebssystem ausgewählt haben.

Praktisch: Die Sprach-Diktierfunktion

Windows 11 bietet auch eine etwas verbesserte Art der Interaktion mit Apps: die Sprach-Diktierfunktion, die es in Windows schon seit Jahren gibt, die aber nun stetig verbessert wurde.

Windows 11: WIndows-Taste + H startet die Diktierfunktion, die eine neue Optik erhalten hat

Durch Tippen auf Win+H wird das Diktiermikrofon geöffnet, das in Windows 11 eine zusätzliche Option zum Einfügen von KI-gesteuerter Interpunktion enthält. Keine Diktier-App ist perfekt, aber die Transkriptionsgenauigkeit von Windows ist schon ziemlich gut. Sie wird auch immer besser, je mehr sie genutzt wird.

Lob für die Your-Phone-App

Schließlich verdient Microsoft ein kurzes Lob für die Your Phone-App. Wenn Ihnen nicht gefällt, was Microsoft mit seiner Teams-Chat-App auf dem Windows 11-Desktop macht, sollten Sie wissen, dass Sie Ihr Android-Telefon mit Ihrem PC verbinden und über Your Phone mit ihm interagieren können, um Anrufe zu tätigen und SMS zu senden. Der einzige merkwürdige Aspekt in dieser Beziehung ist, dass Samsung-Telefone (wie auch das Surface Duo) von einer verbesserten Your Phone-Funktion profitieren. Mit Your Phone können Sie aus der Ferne mit dem Desktop Ihres Telefons interagieren und sogar mehrere Android-Apps vom Telefon an die Taskleiste und das Startmenü Ihres Windows 11-PCs anheften! Das ist sehr, sehr cool... und eine nette Überbrückung, bis Sie Android-Apps innerhalb von Windows 11 ausführen können, eine viel gepriesene Funktion, die nicht rechtzeitig zum Start fertig wurde.

Zu unserem Haupt-Test: Windows 11 im Mega-Test - ein unnötiger Windows-10-Nachfolger?

Inhaltsverzeichnis - alle Windows-11-Funktionen im Test