Windows kann wirklich nerven, auch in der neuesten Version.

Zugegeben: Microsoft hat Windows in den letzten Jahren immer besser gemacht und sich von viel Ballast früherer Versionen getrennt. Blue-Screen-Abstürze sind bei Windows 11 so selten wie Schneeregen im September – also quasi nicht existent. Dafür hapert es an manch anderen Stellen. Dubiose Fehlermeldungen, für die es kaum brauchbare Workarounds gibt und deren Lösung aus zig Kommandozeilenbefehlen oder manuellen Registry-Patches bestehen. Gut, das kommt nicht oft vor, nervt aber trotzdem. Viel ärgerlicher sind indes die Ärgernisse, die uns seit zig Windows-Generationen begleiten.

1. Der Windows-Explorer ist antiquiert

Der Explorer (links) kann weniger als ein Dateimanager (rechts).

Mein erstes Windows-Erlebnis hatte ich 1992. Und schon damals – vor 30 Jahren! – nervte mich der Datei-Explorer von Windows. Als ehemaliger DOS-Nutzer war ich den legendären Norton-Commander (NC) mit seiner Zwei-Fenster-Ansicht für das Kopieren, Verschieben, Löschen und Umbenennen von Dateien und Verzeichnisasen gewohnt. Und dann eben dieser Explorer mit seiner Mausbedienung statt einfacher Hotkeys. Zwar hat Microsoft am Design und den Funktionen vom Explorer gefeilt, die grundlegende Bedienung ist aber immer noch so umständlich wie vor drei Jahrzehnten. Ich konnte mich nie daran gewöhnen und bin froh, dass es mit dem SpeedCommander einen würdigen NC-Nachfolger gibt.

2. Immer noch alte Systemsteuerung

Die Systemsteuerung überlebt Version zu Version.

Mit Windows 10 hat Microsoft die „Einstellungen“-App eingeführt – als zentrale Anlaufstelle und als Nachfolger der reichlich angestaubten Systemsteuerung. Mit der allerneuesten Windows-Version 22H2 (Build 22621) haben die Microsoft-Entwickler das System weiter optimiert, von der Systemsteuerung konnten Sie sich aber immer noch nicht lösen. Interessant: Nach der Eingabe von „control“ in die Taskleisten-Suche ist der erste Treffer die „Einstellungen“-App und der zweite Treffer die „Systemsteuerung“. Was mich wirklich stört: Oft klickt man sich durch die „Einstellungen“-App und landet dann unvermittelt in Dialogen, die es schon gefühlt von 30 Jahren gegeben hat. Hier wäre insgesamt mehr Konsistenz wünschenswert. Die „Energieoptionen“, das „Netzwerk- und Freigabecenter“ und die „Windows Defender Firewall“ sind wichtig genug, um bald vollständig und im neuen Design in die „Einstellungen“-App integriert zu werden.

3. Schwache Standardprogramme

Wondows entwickelt eine Eigendynamik bei Dateizuordnungen.

Mal ehrlich, wie viele Windows-eigene Programme nutzen Sie? Editor, Taschenrechner und vielleicht noch Edge als Browser. Aber sonst noch? Auf den PCs der meisten Anwender sind alternative Musik- und Videoplayer, Bildbetrachter, Packer, Mailprogramme und Browser installiert. Warum es speziell für solche trivialen Aufgaben wie das Packen und Entpacken von Dateiarchiven noch immer keine passable Windows-eigene Anwendung gibt, bleibt ein Rätsel. Besonders ärgerlich: Nach dem In-Place-Upgrade auf Windows 22H2 (Build 22621) wurden alle Programmzuordnungen auf die Standardwerte zurückgesetzt. In der „Einstellungen“-App lässt das unter „Apps > Standard-App“ zwar wieder ändern, ärgerlich ist das automatische Zurücksetzen aber schon.

4. Starres Kontextmenü

Das Kontextmenü von Windows lässt sich nicht bearbeiten.

Mit Windows 11 hat Microsoft das Kontextmenü für Dateien und Verzeichnisse geändert. Wichtige Befehle stehen auf der erste Seite, weniger wichtige Einträge hat Microsoft auf die zweite Seite verschoben. Das hat oft einen zweiten Klick zur Folge („Weitere Optionen anzeigen“ oder Tastenkombination Umschalt+F10. Ab Windows 11 22H2 reicht übrigens die gedrückte Umschalttaste aus, um ohne Umweg das alte Kontextmenü aufzurufen. Die Einträge im Kontextmenü lassen sich mit Windows-Bordmitteln immer noch nicht verwalten. Wünschenswert wäre: Reihenfolge der Einträge ändern oder nicht benötigte Einträge löschen. Das und noch etwas mehr macht das Tool Windows 11 Custom Context Menu möglich.

5. Begrenzte Widget-Auswahl

Widgets sind praktisch. Aber leider nicht unter Windows.

Widgets sind eine klasse Sache – zumindest auf dem iPhone mit iOS 16 oder einem Android-Smartphone. Die praktischen Helfer blenden etwa aktuelle Nachrichten und Wetterdaten ein, zeigen Aktienkurse, günstige Tankstellen und Posts von Facebook sowie Kalendereinträge. Und Windows? Infos zum aktuellen Wetter stehen direkt links in der Taskleiste. Ein Klick darauf und Sie sehen zusätzlich zu den ausführlichen Wetterinfos noch Schlagzeilen verschiedener Nachrichtenseiten. Nach einem Klick auf das Plus-Symbol rechts oben können Sie zumindest einige Widgets hinzufügen – Outlook-Kalender, Verkehrsinfos, Fotos, Watchlist und To-do. Das ist ein schwaches Angebot und daran wird sich wahrscheinlich auch nicht viel ändern.

Es gibt ganz sicher noch viele weitere Nervpunkte an Windows 11. Schreiben Sie uns gerne über die Feedback-Funktion und teilen Sie uns Ihre ganz persönlichen Fehler mit.