Mit World of Warcraft Dragonflight möchte Blizzard die Kerngeschichte seines Universums vertiefen und über eine Rückkehr zu Talent-Systemen vor allem die Core-Mechaniken optimieren, statt viele neuer Klassen einzuführen.

Das Zeitalter der Menschen endet. Das Zeitalter der Drachen beginnt, als die Titan Watcher die mächtigen Mechaniken der Titanen in Bewegung setzen und sich der Wachturm auf ihrer majestätischen Festung öffnet, während am Horizont eine grüne Wolke aufzieht. Der “War of the Ancients“, er hat begonnen auf der anderen Seite. Die Watcher sehen aus wie griechische Statuen, sie tragen Toga, die Rüstung der griechischen Phalanx und goldene Kopfreifen. Als der Krieg aufzieht, aktivieren die Watcher das Leuchtfeuer von Tyrhold, eine riesige Anlage, betrieben von Titanen-Technologie und einer Art Energie-Kern. Wolken ziehen auf, die ganzen Dracheninseln werden von einer mystischen Nacht umfallen und die wunderschönen, malerischen Eilande mit ihren Jahrtausende alten Bäumen und deren grüner Baumkronen erstarren zu Eisblöcken in den ersten Minuten von World of Warcraft: Dragonflight

10.000 Jahre vergehen, der Watcher ist leicht erodiert und von Pflanzen überwuchert. Plötzlich erwacht er zum Leben und blickt auf den Horizont hinaus. Er dreht sich um, sieht einen seiner Kollegen, doch dessen Gesicht ist zerfallen, die Zeit hat ihm das Leben geraubt. Der Watcher dreht sich um und sieht zum Leuchtfeuer von Tyrhold in der Ferne hinauf, und sein Gesicht verändert sich – er lacht. Während er das Ufer hinauf zu den Bergen geht, blühen Blumen und Lava beginnt sich in den Rissen im Boden zu bewegen. Ein Tor ins Innere des Leuchtturms öffnet sich für ihn. Während der Boden bebt und immer mehr Lava aus der Erde schießt, steigt der Wächter die scheinbar endlosen Treppen zur Plattform an der Spitze des Leuchtturms hinauf, wo er entdeckt, dass der führende Wächter, der das Bauwerk in der fernen Vergangenheit aktiviert hat, wie alle anderen zerfallen ist und nun tot auf seinem Thron sitzt.

Die Dracheninseln wirken schon sehr idyllisch und erinnern fast schon ein bisschen an ein Horizon: Zero Dawn. Natürlich wächst die Welt sehr in der Vertikalen, schließlich werden wir viel fliegen und in der Luft kämpfen.

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Der einsame Wächter versucht, das Zifferblatt zu drehen, um das Leuchtfeuer zu entzünden, aber es lässt sich nicht aktivieren und bleibt dunkel. Stattdessen klettert der Wächter mit letzter Kraft an der Seite des Turms hinauf, auch wenn sein Gewicht dafür sorgt, dass einige seiner Haltegriffe regelmäßig abbrechen und sein eigener steinerner Körper an einigen Stellen zu brechen beginnt. Oben angekommen, ergreift er die beiden Hälften der Kugel, die das Leuchtfeuer krönt, und beginnt mit großer Anstrengung, sie näher zusammenzubringen. Als sich die Kugelhälften einander annähern und Energie zwischen ihnen knistert, schießt eine Lichtsäule in den Sockel des Leuchtturms, wodurch die titanischen Mechanismen zu drehen beginnen. Der Körper des Beobachters bekommt immer mehr Risse und bricht unter der Kraftanstrengung zusammen, aber schließlich gelingt es ihm, die magische Kugel zu aktivieren. Sofort strömt Licht aus dem Leuchtfeuer in den Himmel, wo sich die Wolken schnell auflösen. 

Interessant sieht das Volk der Tuskarr aus – eine Seelöwen-Fraktion, die auch die Dracheninseln bewohnen und ein essentieller Teil der Story sein sollen.

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Der Wächter wird von der Schockwelle nach hinten geschleudert und stürzt hilflos seinem Tod entgegen. Während er auf das aktivierte Leuchtfeuer blickt, schließt der Wächter die Augen und akzeptiert sein Schicksal, doch in diesem Moment, stürzt Alexstrasza selbst aus dem Himmel, fängt ihn mit ihren Klauen auf und rettet ihm das Leben. Während sie sich dreht und durch den Himmel schwebt, erscheinen unzählige weitere Drachen am Himmel und schwärmen über Valdrakon, der Stadt, die das Leuchtfeuer umgibt. In den Wasserstraßen der Stadt bricht das Wasser hervor. „Die Welt heilt... aber ihr Schicksal ist noch ungewiss. Gemeinsam werden wir wieder die Beschützer Azeroths sein. Hier wird das neue Zeitalter der Drachen beginnen“, sagt sie. Wow, es ist ein untypischer Blizzard-Cinematic, denn es gibt keinen Kampf, aber er blutet nur so Atmosphäre und zeigt, wie wichtig es Blizzard ist, nach Azeroth zurückzukehren - in ihre Kernwelt, ihre Kern-Geschichte, statt wie in Shadowlands komplett neue Universen aufzureißen.

Das Zeitalter der Drachen. Und der Drachenreiter der Dracthyr 

Als Draycthr können wir uns jederzeit in einen Drachen verwandeln. WoW bleibt aber Wow, der eher realistische Look des CGI-Trailers überträgt sich also nicht auf die Grafik von World of Warcraft: Dragonflight.

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Und so beginnt das Zeitalter der Drachen, wir verwandeln uns in diese Herren der Lüfte und spielen die Fraktion der Dracthyr , die vier Drachen nutzt, um die vier Gebiete der Drachen Eilande zu beschützen. Wir reiten also nicht nur auf Drachen wie einst Emilia Clarke als Daenerys Targaryen, sondern können uns auch in diese verwandeln. Wie die lykanthropischen Worgen aus World of Warcraft Cataclysm können wir in beiden Formen auftreten, aber im Kampf wird die drakonische Gestalt des Dracthyrs immer zu sehen sein. Wir entscheiden uns für Allianz oder Horde und bekommen unsere individuelle Startzone zugewiesen. Etwas überrascht sind wir von der Entscheidung Blizzards, mit ihren nächsten Mega-Add-On nur eine weitere Klasse einzuführen, den Evoker – der Beschwörer – klar ist aber auch, dass WoW in seiner Komplexität ob seiner enorm vielen Klassen in der Komplexität seiner Balance immer weiter wächst. Blizzard muss schließlich mit World of Warcraft: Dragonflight gerade auch seine PvP-Spieler glücklich stellen nach zwei eher PvE-getriebenen Expansions. 

Die Zentauren hier wirken vom Design her sehr viel klassischer als die Venthry, die gerade visuell und vom Design World of Warcraft in eine andere Richtung geführt haben. Aber klassisch muss nicht schlechter sein.

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Als Evoker verfügt ein Dracthyr über die kombinierten Kräfte aller fünf Drachenschwärme und nutzt Fähigkeiten, die nur ein als Drache geborener Spieler nutzen darf. Diese verteilen sich auf zwei Klassenspezialisierungen, die Fernkampf-DPS-Spezialisierung „Devastation“, also Zerstörung. Und die auf Heilung ausgerichtete Spezialisierung „Preservation“, die Bewahrung. Devastation Evoker, die Beschwörer der Zerstörung, arbeiten eher mit den vernichtenden Kräften des roten und blauen Drachenschwarms, mit Feuer-, Arkan- und Frostzaubern, die aus der Ferne Schaden verursachen. Diese Spezies lehnt sich auch an den schwarzen Drachenschwarm an. Im Rahmen der Weltpremiere zeigt uns Blizzard einen mächtigen Angriff, bei dem der Drache eine gerade Linie fliegt und Flammen auf den Boden schleudert, ähnlich wie Bosse wie Onyxia oder Todesschwinge das Land unter sich verwüsten würden. Eine Attacke, die uns stark an die Vernichtung einer kompletten Lannister-Armee unter Führung von Jaime Lannister durch Drogon erinnerte, dem ältesten Sohn von Daenerys Targaryen in Game of Thrones. 

Blizzard führt nur eine neue Klasse ein, die allerdings sehr viel mehr Talente erhalten in den unterschiedlichen Magieschulen der Drachen, die etwa die Zeit zurückdrehen können.

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Die Preservation Evoker, die Beschwörer der Bewahrung, nutzen die Magie der grünen und bronzenen Drachen, um durch Naturzauber und Zeitmanipulation eher als Heiler zu fungieren. Die bronzenen Drachen sind dafür bekannt, dass sie die Zeitlinie der Welt bewachen, und wie es sich für einen bronzenen Flug gehört, werden die Evoker den Sand der Zeit zu ihrem Vorteil nutzen, um ihre Gruppe vor Schaden zu bewahren. Wir werden etwa Zauber nutzen, die die Zeit um ein paar Sekunden zurückspult. Im Gegensatz zu allen anderen Klassen vor ihm kann der Evoker zudem eine neue Mechanik namens “Empower“ nutzen, die Ermächtigung. Mit ihr können wir die Eigenschaften ausgewählter Zauber ändern, indem wir die Tastenkombination eines Zaubers so lange gedrückt halten, bis der gewünschte Effekt eintritt. Manchmal bedeutet das, dass ein Zauber länger aufgeladen werden muss, um eine intensivere und schädlichere Explosion auszulösen, einen größeren Wirkungsbereich zu erhalten oder mehr Ziele zu treffen, je länger eine Fertigkeit "empowered" ist. 

Erstes Fazit: Die Drachenkultur fasziniert uns, aber es wirkt alles bisher sehr klassisch 

Blizzard spricht viel von „Back to the Roots“, man möchte WoW wieder etwas mehr im Kern-Universum verankern, statt wie mit Shadowlands neue Universen anzudocken. Finden wir spannend, das Drachen-Fliegen ist cool, Dragonflight wirkt dadurch aber auch sehr klassisch.

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Sich als Drache in die Lüfte zu schwingen, sieht schon sehr cool aus, auch wenn hier natürlich die altbackene WoW-Engine etwas die Freude verdirbt. Es ist schade, dass Blizzard auch nach Jahrzehnten immer noch nicht dort angekommen ist, wo wir Drachen erleben können, die so gut aussehen wie in ihren CGI-Trailern. Denn technisch machbar wäre das schon lange, leider hat Blizzard aber eine sehr konservative Fangemeinde, die einem Engine- und Stil-Wechsel kritisch gegenübersteht. 

Spielerisch klingen aber gerade die Zeitmanipulationszauber sehr interessant und es bleibt zu hoffen, dass wir vor allem auch epische Luftkämpfe unter Drachen erleben werden. Wäre schade, würde Blizzard hier wieder nur Standard abliefern. Gerade für Raids könnten sich spannende Taktiken etablieren, wenn sich alle in der Luft befinden und auch der PvP-Part dürfte nach tendenziell eher PvE-lastigen Expansions gerne wieder wachsen. 

Es wird letztlich sehr darauf ankommen, wie konsequent die Kalifornier die Idee des Drachen-Zeitalters durchsetzt. Shadowlands hatte hier gefühlt deutlich mehr Neuerungen und visuelle Anreize in seinem Level-Design, aber wir haben natürlich auch bisher nur wenig gesehen und müssen einfach mal die ersten Hands-On-Termine abwarten. 

Siehe auch:

Microsoft kauft Activision-Blizzard: Der Deal im Check

Diablo Immortal: Blizzard überrascht mit PC-Release