Der AMD Ryzen 5 5600 erweist sich im Test als würdiger Gegenspieler zum Intel Core i5-12400F.

Während die ersten Ryzen-5000-Prozessoren uns  im Test (zum Artikel)  auf ganzer Linie überzeugen konnten, gab es eine Schwachstelle im Line-Up von AMD: Der Ryzen 5 5600X war mit einer UVP von 299 Euro die günstigste Zen-3-CPU. Einen offiziellen Nachfolger für den so beliebten Ryzen 5 3600 oder die beiden Quad-Cores Ryzen 3 3300X und Ryzen 3 3100 gab es nicht. Spätestens seit dem Release des  Intel Core i5-12400 (zum Testbericht)  und des  Core i3-12100F (zum Testbericht)  entwickelte sich das für AMD zum Problem: Hatte man im Einsteigersegment keinen passenden Gegenspieler parat und musste dieses Feld kampflos dem Konkurrenten überlassen. Mit dem AMD Ryzen 5 5600 gibt es jetzt seit dem 4. April 2022 nicht nur einen würdigen Nachfolger für den Ryzen 5 3600, sondern zum vergleichbaren Preis auch einen direkten Konkurrenten zum Intel Core i5-12400F

Gaming-Benchmarks in 720p- und 1080p-Auflösung

Für den Ryzen 5 5600 gilt das gleiche wie damals schon für den Ryzen 5 3600 im Vergleich zum Ryzen 5 3600X. Die Non-X-Variante setzt auf den gleichen Chip wie das X-Modell und unterscheidet sich von diesem nur durch niedrigere Taktraten. Konkret fallen sowohl der Basis- als auch der Boost-Takt des Ryzen 5 5600 um jeweils 200 MHz niedriger aus als beim Ryzen 5 5600X, wobei in der Praxis nur zweiterer von Relevanz ist. Konkret sprechen wir hier von einem Taktunterschied von guten vier Prozent. Ein großer Performance-Unterschied zwischen den beiden Vermeer-Prozessoren ist dementsprechend nicht zu erwarten, so lag auch der Abstand zwischen dem Ryzen 5 3600 und dem Ryzen 5 3600X bei unseren Gaming-Tests bei unter zwei Prozent. 

CPU-Benchmark 2022: AMD Ryzen oder Intel Core i Prozessor? Der Ranglisten-Vergleich

Genau das zeigt sich dann auch bei unseren Messungen in 720p-Auflösungen, bei denen wir das GPU-Limit so weit wie möglich umgehen. Im Schnitt über zwölf getestete Spiele liegt der Ryzen 5 5600 bei den Average FPS gute zwei Prozent und beim P1 low Wert drei Prozent hinter dem X-Modell zurück. Dieser Unterschied ist zwar messbar, in der Theorie jedoch nicht spürbar. Im Vergleich zum Intel Core i5-12400 gibt es ein Unentschieden, wobei die Intel CPU beim 99th Percentile marginal vorne liegt. Der Rückstand auf die derzeit schnellste Gaming-CPU, den Core i9-12900KS (zum Testbericht) , liegt indes bei 19 Prozent. Wie groß der Sprung von der Vorgängergeneration ausfällt, zeigt der Vergleich mit dem Ryzen 7 3700X. Dieses Duell entscheidet der AMD Ryzen 5 5600 mit einem Vorsprung von 23 Prozent für sich.

Wirklich große Unterschiede zwischen dem 12400 und dem 5600 gibt es nur bei wenigen Spielen, in den meisten Titeln trennen die beiden Konkurrenten nur zwei bis drei Bilder pro Sekunde.  Zwei Spiele in denen der i5 etwas weiter die Nase vorne hat, sind Cyberpunk 2077 und Red Dead Redemption 2. Dafür kann der Ryzen 5 in F1 2020 und in The Division 2 einen bisschen größeren Vorsprung für sich verbuchen. In Full-HD kommen wir selbst mit einer übertakteten RX 6900 XT in manchen Spielen dem GPU-Limit recht nahe, weshalb die Abstände zwischen den CPUs noch kleiner werden. Darüber wie unsere Messergebnisse zustande kommen, berichten wir in einem separaten Artikel .

In 1080p Auflösung schrumpft der Vorsprung des Ryzen 5 5600X auf den Ryzen 5 5600 auf nur noch ein Prozent. In der Grafik mag der i5-12400 zwar vor den beiden Ryzen Prozessoren liegen, bei durchschnittlichen FPS über zwölf Spiele von 198 für die Intel CPU, 198 für den 5600X und 196 für den 5600 lässt sich jedoch von einem Gleichstand im Rahmen der Messtoleranzen sprechen. Der Rückstand des Ryzen 5 5600 auf den Spitzenreiter schrumpft in Full-HD auf elf Prozent. Im gleichen Zug kommt auch der Ryzen 7 3700X näher heran, wobei der Ryzen 5 5600 immer noch knappe 13 Prozent vor der Zen-2-CPU liegt.

Auch im Anwendungsbereich mit dem Core i5-12400 gleich auf

Die Anwendungstests waren seit der Einführung der ersten Ryzen-Prozessoren die Paradedisziplin von AMD. Auch wenn Intel mit Alder Lake einen gewaltigen Sprung vollzogen hat, muss sich der Core i5-12400 in unseren Tests noch knapp dem Ryzen 5 5600X geschlagen geben. Das Duell mit dem AMD Ryzen 5 5600 wiederum geht im Schnitt über zehn Multicore-Anwendungen Unentschieden aus, trennt die beiden Prozessoren nicht einmal ein Prozent. Wobei es hier je nach Anwendungen durchaus zu Abständen von zehn Prozent und mehr kommen kann. So liegt der i5 zum Beispiel in Cinebench zehn Prozent vor dem Ryzen 5, wohingegen der 5600 bei der Datenkomprimierung in 7-Zip mit einem Abstand von 22 Prozent die Nase vorne hat. 

In Puncto Single-Core-Performance steht der Alder-Lake-Prozessor etwas besser da mit einem durchschnittlichen Vorsprung von sechs Prozent. Im direkten Vergleich mit dem 5600X schneidet das non-X-Modell im Multi-Core um knappe drei Prozent und im Single-Core um nicht ganz fünf Prozent schlechter ab. Durchaus beachtlich ist, dass der Ryzen 5 5600 im Multi-Core nur fünf Prozent hinter dem Ryzen 7 3700X zurückliegt, obwohl diesem zwei zusätzliche Rechenkerne zur Verfügung stehen. Bei den Single-Core-Tests liegt der Zen-3-Prozessor schließlich 17 Prozent vor der Zen-2-CPU.

Beim Gaming sehr effizient

An der TDP (Thermal Design Power) respektive am PPT (Package Power Tracing) des Ryzen 5 5600 hat sich im Vergleich zum Ryzen 5 5600X nichts geändert, es bleibt bei 65 und 76 Watt. Aufgrund der niedrigeren Taktraten dürfte die Leistungsaufnahme dennoch etwas niedriger ausfallen und das zeigt sich auch bei unseren Messungen - zumindest beim Gaming. Beim Zocken in 1080p benötigt der Ryzen 5 5600 im Schnitt über zwölf Spiele 51 Watt, die höchsten Werte konnten wir in Battlefield V und Cyberpunk 2077 mit jeweils 56 Watt messen. Damit zeigt sich der Hexa-Core genauso genügsam wie der Ryzen 7 3700X und benötigt etwas weniger Leistung als der Ryzen 5 5600X oder der Core i5-12400.

Leistungsaufnahme der Prozessoren im Durchschnitt aus 12 Spielen.

In Puncto Effizienz schneidet der Ryzen 5 5600 dementsprechend etwas besser ab als die anderen Hexa-Cores im Test und findet sich ganz vorne im Testfeld wieder, wobei er sich nur den i3 Quad-Cores geschlagen geben muss.

Effizienz der Prozessoren im Durchschnitt aus 12 Spielen.

Bei den Anwendungstests zeigt sich dann, dass der Taktratenunterschied zwischen dem Ryzen 5 5600 und dem Ryzen 5 5600X deutlich geringer ausfällt als von AMD angegeben. Gemäß Spezifikation soll das X-Modell mit 200 MHz mehr takten. Bei den Single-Core-Tests können wir diesen Unterschied mit 4450 MHz zu 4650 MHz bestätigen, bei den Multi-Core-Tests trennen die beiden CPUs gemäß unseren Messwerten jedoch nur 75 MHz. Das liegt in erster Linie am Power Point Tracing von 76 Watt, weshalb die Leistungsaufnahme des Ryzen 5 5600, des Ryzen 5 5600X und des Core i5-12400 bei den Anwendungstests auch auf einem vergleichbaren Niveau liegt. In Puncto Temperaturen schneidet die Zen-3-CPU eine gute Ecke schlechter ab als die Alder-Lake-CPU. Dieses Bild ist jedoch nicht neu und dem Chiplet-Ansatz der Ryzen-5000-Modelle geschuldet, wodurch die Hitze sich nur auf eine sehr kleine Fläche verteilt. 

Tabelle zur Seite scrollen für mehr Informationen.

Leistungsaufnahme Avg.

Leistungsaufnahme Max.

Temperatur Max.

Takt Avg.

Takt Max.

AMD Ryzen 5 5600

78 W

78 W

66°C

4428 MHz

4450 MHz

AMD Ryzen 5 5600X

76 W

76 W

67°C

4495 MHz

4525 MHz

AMD Ryzen 7 5700G

81 W

82 W

69°C

4439 MHz

4480 MHz

AMD Ryzen 7 5800X

120 W

131 W

83°C

4549 MHZ

4575 MHz

AMD Ryzen 9 5900X

142 W

142 W

74°C

4416 MHz

4450 MHZ

AMD Ryzen 9 5950X

128 W

134 W

71°C

4145 MHz

4400 MHz

Intel Core i3-12100F

53 W

54 W

50°C

4100 MHz

4100 MHz

Intel Core i5-12400

75 W

75 W

53°C

4000 MHz

4000 MHz

Intel Core i5-12600K

119 W

124 W

60°C

4140 MHz

4500 MHz

Intel Core i7-12700K

153 W

175 W

68°C

4333 MHz

4700 MHz

Intel Core i9-12900K

217 W

233 W

80°C

4296 MHz

4900 MHz

Intel Core i9-12900KS

261 W

289 W

102°C

5103 MHz

5200 MHz

Preisliche Einordnung und Fazit

AMD gibt die UVP des Ryzen 5 5600 mit 199 US-Dollar an, das sind ganze 100 US-Dollar weniger als der Startpreis des Ryzen 5 5600X betragen hat. Der Preisunterschied klingt in Anbetracht des Performance-Unterschieds erst einmal aberwitzig, Grund dafür dürfte vor allem sein, dass der Ryzen 5 5600X zum Release quasi konkurrenzlos war, wohingegen der Ryzen 5 5600 mit dem Core i5-12400 einen direkten Gegenspieler hat, welcher für 192 US-Dollar an den Start gegangen ist. Außerdem darf bei dem Vergleich nicht vergessen werden, dass der Preis des Ryzen 5 5600X mittlerweile weit unter die UVP gefallen ist, so ist die CPU im Preisvergleich ab 225 Euro gelistet. für den Ryzen 5 5600 sind dagegen mindestens 203 Euro fällig. Noch etwas günstiger sind der Core i5-12400 ab 198 Euro und die F-Variante ab 179 Euro erhältlich. 

Grafikkarten-Vergleich 2022: GeForce RTX und Radeon RX GPUs im Test - mit Rangliste

Für eine Preisersparnis von rund 10 Prozent erhalten Sie mit dem Ryzen 5 5600 eine CPU die nur marginal langsamer ist als der Ryzen 5 5600X. Bei den Gaming-Tests messen wir einen Unterschied von ein bis drei Prozent, im Anwendungsbereich beträgt der Abstand drei bis fünf Prozent. Zudem ist das non-X-Modell gerade beim Gaming etwas effizienter, weshalb die günstigere CPU aus unserer Sicht die klar bessere Wahl darstellt. An dieser Stelle darf auch nicht vergessen werden, dass sich der Ryzen 5 5600 problemlos manuell übertakteten lässt und sich damit dasselbe Performance-Niveau wie bei einem Ryzen 5 5600X erreichen lässt.

DDR4 vs DDR5 RAM im Test mit Intel Core i9-12900K

Etwas schwieriger fällt die Wahl zwischen dem Ryzen 5 5600 und dem Core i5-12400(F). Je nach Anwendung mag es zwar einen kleinen Performance-Unterschied zwischen den beiden Konkurrenten geben, im Schnitt über alle von uns getesteten Spiele und Anwendungen müssen wir jedoch von einem Unentschieden sprechen. Aus preislicher Sicht ist vor allem der Core i5-12400F ohne integrierte Grafikeinheit besser aufgestellt als der Ryzen 5 5600, wobei an dieser Stelle die Mainboard-Preise nicht vergessen werden dürfen. So sind für ein AM4-Mainboard mit B550-Chipsatz und vier RAM-Slots mindestens 76 Euro fällig, eine B660-Hauptplatine für den Sockel 1700 mit vier Arbeitsspeichersteckplätzen kostet dagegen mindestens 103 Euro . Verrechnen wir die Anschaffungskosten für Mainboard und CPU sind ein AMD- respektive ein Intel-System exakt gleich teuer. Somit können Sie hier je nach persönlichen Vorlieben bedenkenlos zu beiden CPUs greifen.

AMD stellt 7 neue CPUs für Sockel AM4 vor + AGESA-Update bringt Zen 3 auf alte Boards

Gerade als Upgrade für ein älteres AMD-System ist der Ryzen 5 5600 eine sehr interessante Wahl, da er sich durch ein BIOS-Update auch problemlos auf einer älteren B350- oder B450-Hauptplatine einsetzen lässt. Zwar bieten ältere Mainboards noch kein PCIe 4.0, das ist in den meisten Fällen aber vollkommen verkraftbar.