Lewis Hamilton: Sechsfacher Weltmeister, Formel-1-Gott, und er liebt Gran Turismo.

„Das ist schon krass: Mit Freunden habe ich den ganzen Winter über Gran Turismo Sport gespielt. Ich war schon immer Gamer, das ist für mich entspannend, aber ich lerne damit auch die Kurse. Klar, haben wir bei Mercedes AMG Petronas, meinem Formel-1-Team, hauseigene Simulatoren, die uns hochpräzise Telemetrie-Daten liefern. Aber das fühlt sich natürlich irgendwie schon nach Job an, die Grafik ist nicht so episch, Gran Turismo ist da schon etwas ganz anderes. In meinem Haus haben wir im Wohnzimmer zwei komplette Setups aufgebaut, so kann man gegeneinander fahren und dabei quatschen, was sehr cool ist. Ich fahre super oft gegen meinen Bruder.“

Wer mal gegen Lewis Hamilton virtuell fahren möchte, der kann das tun – man muss ihn nur finden! Wie der sympathische Weltmeister verrät, war er an Weihnachten oft online, nur unter anderem Namen. „Ich bin generell recht aktiv in der Gran-Turismo-Community, aber keiner weiß, dass ich es bin. Das ist entspannter, so kann man einfach Spaß mit den Leuten haben. Manche Menschen, die dich vielleicht aus der Formel 1 kennen, behandeln Dich schon etwas anders, wenn sie wissen, wer Du bist. Obwohl ich ja auch nur ein Gamer bin, der im Berufsleben schnelle Autos fährt (er lacht). 

Wie bereitet sich ein Weltmeister auf die neue Saison vor? 

Lewis Hamilton ist regelmäßig in Gran Turismo Sport unterwegs - nur unter anderem Namen.

© Sony Playstation

Am 15. März startete die Saison in Melbourne, wie bereitet sich ein Formel-1-Champ darauf vor? „Stretching ist unglaublich wichtig, gerade wenn Du älter wirst. Ich mache viele Übungen, bei denen ich die Spannung halte und gleichzeitig die Herzfrequenz unten halte – das ist wichtig, um den Körper auf die G-Kräfte vorzubereiten.“ Zudem läuft er sehr weite Strecken mit möglichst niedriger Herzfrequenz bei 130 bis 140. Ansonsten sei es für die Formel 1 am wichtigsten, den Nacken voll durchtrainiert zu lassen. „Das ist, würde ich sagen, der Hauptgrund, warum wir niemanden ohne F1-Lizenz in so ein Auto lassen. Die G-Kräfte sind so extrem, ein untrainierter Pilot wäre nicht in der Lage, den Kopf gerade zu halten.“

„Ich habe Spaß an dem Training, versuche, mich nicht zu sehr zu stressen – vor der Saison mache ich um die sechs Stunden Sport pro Tag, was schon viel ist. Aber da sind auch vierstündige Radtouren dabei, mit tollem Blick auf die Alpen. Überraschend: Lewis Hamilton muss nicht auf sein Lieblingsessen verzichten, sei aber auch in der glücklichen Lage, dass er sich darum nicht allzu viele Gedanken machen müsse. „Ich habe ein großartiges Team, welches sich darum kümmert, dass ich immer die richtigen Nährstoffe zu mir nehme. Gott sei Dank ist mein Körper ein guter Verbrenner, ich habe einen rasend schnellen Stoffwechsel, sagen meine Ärzte. Daher kann ich eigentlich alles essen, was ich mag – viel Porridge, viel brauner Reis, veganisches Chili, Quinoa Bowls, viel Gemüse.“ 

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Wie fühlt sich sein F1-Auto an, und wie würde Hamilton seine Strategie beschreiben

Lewis Hamilton über seine Schalt- und Bremsstrategie.

© Mercedes-AMG Petronas

„Wie fliegen. Ich wünschte, wir könnten einfach sagen: Hey, fahrt mal eine Runde. Viele Leute glauben, es wäre wie ein Supercar. Wie ein AMG oder einen AMG Project One zu fahren, welches ja Formel-1-Technologie im Motorbereich verbaut hat. Aber es ist nicht vergleichbar, weil wir bei der Formel 1 einen V6-Turbomotor (Spezifikationen verraten die Teams ungerne, von 1000 PS darf man ausgehen) mit extrem niedrigem Gewicht – du gehst von auf 0 auf 200 in 3,17 Sekunden. Wir schalten sehr viel mehr als im normalen Auto und sehr viel schneller – vom achten in den zweiten Gang in 1,5 Sekunden. Persönliche experimentiere ich viel mit der Bremsbalance, sicherlich mehr als andere Kollegen. Dafür nutze ich in der Regel die ersten Runden, damit das Auto sich perfekt anfühlt.

Ich träume heute noch von Singapur, das war eine wundervolle Runde. Ich war gut drauf, das Auto war gut drauf. Einfach schön.“

Die Durchschnittsgeschwindigkeit von Hamilton liegt bei 230 km/h, sein Top-Speed auf etlichen Strecken bei 360 km/h – da können ein paar Grad Temperaturunterschied einen großen Unterschied für den Grip der Reifen machen, worauf ich mich einstellen muss. Generell ist es immer ein Abwägen, gerade, was die Bremsstrategie angeht: Manchmal musst Du den perfekten Eingangspunkt in die Kurve riskieren, um mit Vollspeed rauszugehen. Du musst auf die Temperatur der Reifen achten, das wird alles im Display des Lenkrads angezeigt. Am Ende musst Du eins werden mit dem Auto und auf es hören – wir bewegen unser Arbeitsgerät auf extrem hoher Performance, aber Du kannst den Motor nicht unendlich pushen. Dieser Sport besteht darin, sich permanent auf das Auto einzustellen – mal pushen wir über zehn Runden zu Beginn, „sparen“ dann, an Kraftstoff, an der Belastung der Reifen. 

Klar, Sonys Gran Turismo fungiert als Hauptsponsor für Hamilton, seine Liebe zur Serie wirkt jedoch echt.

© Mercedes-AMG Petronas

„Es ist wichtig, dass Du die Strecke mit geschlossenen Augen nachfahren kannst. Der Verlauf, die Bremspunkte, das muss alles im Muskelgedächtnis verankert sein. Dafür nutzen wir Simulatoren, die schon noch etwas aufwändiger gestaltet sind als eine Playstation 4 (er grinst), aber auch Gran Turismo finde ich gerade dafür super. Dieses Lernen des Kurses ist die wichtigste Vorbereitung überhaupt, weil die Sicht im Auto begrenzt ist. Wir sitzen enorm tief, in liegender Position und das Auto ist sehr lang – du steuerst also sehr viel mehr nach Gefühl, als auf Sicht. Ich träume noch heute von dieser einen Runde in Singapur, wo alles perfekt lief: Ich war gut drauf, das Auto fühlte sich wohl in der Kurve, das war einfach schön.“