Alex “CouRage“ Dunlop wollte unbedingt ein Date mit Sängerin Ariana Grande. Und er hat sich dafür mächtig ins Zeug gelegt.

Es gibt diese Geschichten, die kann nur das Gaming schreiben. Am 07. Juli 2019 lädt YouTuber CouRage ein Video namens „ Ariana Grande and I made a music video... “ hoch. Nur wusste Ariana nichts davon, die als Popstar gerade zehn Millionen Alben genau jenen Songs verkauft hatte. Das Content-Creation-Team hinter NadeShots eSports-Company 100 Thieves hatte den Song produziert und Ariana reingeschnitten. Könnte in rechtlichen Problemen enden, aber Ariana ist eben eine ziemlich coole Lady: Als das Video viral geht, sieht sie es, liked und retweetet es auf Twitter. Daraufhin folgt sie CouRage, schreibt ihm eine private Nachricht, die beiden lernen sich kennen, treffen sich mal auf einer Party und spielen Fortnite zusammen. 

Wurde aus dem Flirt also echte Liebe? Wissen wir nicht, die beiden leben in Los Angeles und sind offiziell gute Freunde. Ariana ist auch seit Anfang 2020 mit Dalton Gomez liiert – der Luxus-Immobilienmarkler hat ihr wohl nicht nur eine Villa verkauft, sondern auch sein Herz geschenkt. Aber keine Sorge um Youtube-Star CouRage – auch er ist mittlerweile glücklich vergeben. Er ist mit Maddie McCarthy zusammen, die ihm lustigerweise sein Haus als Real-Estate-Agent verkauft hat. Wer hätte gedacht, dass Immobilien besser funktionieren als Tinder. Dennoch eine herrliche Geschichte, die zeigt, was so alles geht, wenn man wirklich will. Und auch ein herrlicher Opener für seiner Biografie – einem Durchschnitts-Typen, der vom College mehr durch Zufall zum Host von Call of Duty: Advanced Warfare wurde und im Fortnite-Zeitalter dann zum Streaming-Star avancierte. Fortnite wurde ihm aber irgendwann zu langweilig, kann man verstehen. Mittlerweile rockt er lieber Call of Duty: Warzone, schließlich war CoD seine erste Liebe…

Zeigt sich sichtlich angetan von Jacks Musikvideo für sie: Ariana Grande auf Twitter. 297.000 Fans sehen das wohl genauso, was zu 10,2 Mio. Views führt. Irre!

© PC-WELT

Am 16. Januar 2015 lädt Jack “Courage“ Dunlop sein erstes Video hoch. Er spielt Call of Duty und ist ziemlich gut. Er hat Personality, ist einer dieser YouTuber, in denen man sich selbst wieder erkennt. Er spielt alles, was er mag: Halo, Starcraft 2 und er entwickelt eine smarte Social-Media-Strategie. 

Ich bin so ein Typ: Wenn ich etwas will, dann arbeite ich so lange, bis ich es erreicht habe. Ich habe wirklich jeden auf Twitter angeschrieben, der in der Starcraft-Szene war damals. Permanent auf ihre Postings geantwortet, permanent Privat-Nachrichten geschickt – irgendwann schreibt dann mal einer zurück.“ 

Harte Arbeit zahlt sich aus: Jack schreibt alle Journalisten und Moderatoren der eSports-Szene an. Irgendwann werden die dann auf ihn aufmerksam und bieten ein Praktikum bei MLG an.

© 100 Thieves

Daraus entwickelt sich seine erste Rolle als eSports-Journalist und Redakteur bei MLG, Major League Gaming – einer der größten eSports-Turnierorganisationen in den USA. „Das war die Zeit vor dem großen eSports-Boom und bevor die größten Marken der Welt mit Millionen ins Gaming wollten. Ich hatte einen Buddy bei MLG gewonnen. Er schrieb mir auf Twitter, meinte „Hey, ich hätte hier einen Praktikantenplatz zu vergeben. Ist nicht gut bezahlt, aber wenn du Lust auf eSports hast, hier ist deine Chance.“ Und CouRage hat richtig Lust auf eSports.

Ariana und CouRage sind gute Freunde geworden: 

Wenn sich eine Chance auftut, sag ja, ich kann das. Und rock das Ding“

An einem Tag erwischt es Star-Moderator Chris Pucket: Er hat Fieber, fühlt sich unwohl, muss die Show absagen und Jack springt im Meeting auf und sagt „Ich glaube, ich kann das. Lasst es mich versuchen“ Er hatte schon ein paar Videos für Youtube produziert, erste Erfahrungen im Privaten vor der Kamera gesammelt. „Mein Boss schaute skeptisch, so nach dem Motto: „Äh, wirklich? Du bist der Video-Praktikant.“ Er gibt Jack eine Chance, der liefert bei seinen Probe-Aufnahmen ab – CouRage darf seine erste TV-Show für Major League Gaming moderieren. Pucket, der noch letztes Jahr die Overwatch League im amerikanischen TV für Activision moderierte, war damals so beeindruckt von Jacks Performance, er macht ihn zu seinem Co-Host. „Wir haben einfach gut harmoniert, und ich denke, MLG hat damals schon erkannt, wie wichtig dieser Entertainment-Faktor im eSports ist. Dass es nicht nur darum geht, Fakten und knallharte Analysen zu präsentieren, sondern auch mal mit einem Joke etwas Dampf abzulassen.“ 45 Mal moderiert CouRage für MLG, bevor er seinen Eltern zu Liebe aufs College geht. 

CouRage arbeitet sich vom Video-Praktikanten zum Host und Moderator der Call of Duty World League hoch.

© Call of Duty World League

An einem Wochenende klingelt sein Handy, sein Buddy Pucket ist dran:

Hey, wir drehen in Ohio, das erste Turnier für Call of Duty: Advanced Warfare. Hast du schon mal Advanced Warfare gehostet?

Äh, nein. Hunderte Stunden gespielt, aber noch nicht gehostet .

Traust du es dir zu?

Jup, läuft

Ein guter Deal, um CouRage als Moderatoren-Marke auszubauen. Und auch, weil der College-Absolvent die Tagesgage gut gebrauchen konnte: „Ich hatte nicht groß Cash, die 500 US-Dollar konnte ich gut gebrauchen.“ Heute trägt er eine Rolex und lebt in einer Villa in Los Angeles. „Das war eine große Herausforderung, weil ich nicht nur moderierte, sondern casten musste. Ein Moderator fasst das Match zusammen, ein Caster muss live aus der Situation heraus jede Szene kommentieren, was enormes Wissen über Call of Duty erfordert. Ich habe in diesem Moment alles adaptiert, was ich von meinen Lieblings-Castern gefeiert habe.“ Es zahlt sich aus, dass CouRage bereits viel CoD: Advanced Warfare gespielt und auch Matches konsumiert hat.

Wenn das Internet zickt, dann entsteht der erste eSports-Podcast der Welt

CouRage springt im Studio rum, schreit, zeigt Persönlichkeit – genau das, was junge Zuschauer wollen. So wird er zum Gesicht von Call of Duty in den USA.

© Activision

Dann passiert das, was der Albtraum jedes TV-Hosts ist: Die Studioleitung von MLG wird aufgrund eines Netzwerkfehlers vom Server geworfen, MLG hat plötzlich keinen Zugriff mehr auf ihr eigenes Match, nur Jack ist noch im Spiel – weil er von zu Hause aus castet, nicht aus dem Studio. Ergo zieht sich MLG nur seine Audiospur und sendet den ersten eSports-Podcast der Welt – völlig ungeplant, was allerdings eine riesige Hypewelle nach sich zieht. Dieser Podcast verbreitet sich wie ein Lauffeuer auf allen eSports-Seiten und plötzlich kennt jeder den Typ, der das erste MLG-Match in Call of Duty: Advanced Warfare gerettet hat. CouRage wird zur nächsten Hype-Maschine von MLG, der vor allem berühmt wird, weil er im Studio schreit, fast vom Stuhl fällt bei starken Spielzügen oder auch einfach mal im Studio kniet, wenn ihn ein Match umhaut: „Das wars, wir schalten ab. Das war der beste Spielzug, den Call of Duty je gesehen hat. Alle nach Hause gehen, mehr geht nicht.“ CouRage versteht, wie die Hype-Maschine eSports funktioniert, und er ist der geborene Entertainer. Denn das ist genau das, was Twitch will: Gamer, die ihre Emotionen rauslassen und komplett durchgeknallt sind – so wie Ninja oder PewDiePie.

Wie wird man zum Mega-Star auf Twitch? Personality schlägt Skill 

… und es schadet auch nicht, wenn man mit den Leuten Fortnite spielt, die mal die Nummer 1 der Welt werden sollten. . CouRage und Ninja werden beide von Red Bull gesponsort.

© Activision

CouRage ist ohne Frage ein Marketing-Genie und aus seinen Ideen können alle angehenden Streamer viel lernen. Denn er avanciert ungefähr zur selben Zeit zum Fortnite-Star, in der Ninja, Dr. Disrespect und andere Channels förmlich explodieren. „Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich mit Youtube und Twitch angefangen, weil ich auch andere Spiele ausprobieren wollte. Ich liebe noch heute Call of Duty, aber irgendwann wird ein Spiel zum Job, und es fühlte sich gut an, mal etwas anderes zu zocken. Fortnite war trendy, ich hatte großen Spaß an dem Titel und hab’s einfach mal probiert. Ich hatte anfangs nicht viele Zuschauer, so um die 170. Aber ich habe jeden als Gewinn gefeiert und persönlich in der Community willkommen geheißen. Das war eine tolle Zeit, weil man eine Beziehung zu seinen Zuschauern aufbaut. Sie sollten einfach eine gute Zeit haben, ich mach’ ja auch viel Quatsch. Anders als Shroud zum Beispiel war ich nie der beste Shooter-Spieler des Planeten, aber der witzigste.“ Er vergleicht YouTube mit TV-Shows: „Die Leute schalten bei mir ein, weil sie unterhalten werden wollen. Früher kam man nach Hause, schmiss den Fernseher an, guckte irgendeine Show. Heute wirft man YT, an, weil die Jungs und Mädels wissen: CouRage wird mir ein Grinsen auf die Lippen zaubern, auch wenn ich gerade einen miesen Tag hatte.“

Mittlerweile ist CouRage exklusiv auf Youtube:

Das ist im Grunde sein Erfolgsgeheimnis und eines, was er auch anderen angehenden Streamern empfiehlt: „Es braucht Jahre an Training, um auf dem Niveau eines eSports-Profis zu spielen. Aber jeder von euch da draußen hat Personality, damit müsst ihr spielen.“ Er arbeitet allerdings auch hart: Jeden Tag ein neues Video auf Youtube, acht bis zehn Stunden Streamen. „Ich habe meine Einnahmen reinvestiert in einen Videoproduzenten, der alles geschnitten und auf Youtube hochgeladen hat. Zudem habe ich Vollgas auf allen Social-Media-Channels gegeben.“ Er nutzt im Grunde dieselbe Strategie, die ihm schon den Einstieg bei MLG ermöglichte: Er schreibt ständig die Großen an, wie Dr. Disrespect. Der schaut mal in seinen Kanal rein, ihm gefällt die Energie des Kollegen, er empfiehlt ihn. „Wichtig ist immer, dass du auch zurückgibst und glaubt mir, auch die großen Streamer merken das. Ich habe unter jedes Video immer drunter geschrieben: Folgt jetzt auch Ninja, Dr. Disrespect etc.“ Auch Ninja mag CouRages Channel, nach einigem Hin- und Her spielen sie zusammen Fortnite. Zudem kann man auf Twitch andere Channels hosten, wenn man selbst gerade nicht spielt – Ninja macht das. Und als Ninjas Wachstum explodiert, wächst CouRage mit. Heute pusht er selbst Einsteiger und versucht zurückzugeben:

Ich werde nie vergessen, wie sehr mir die Szene geholfen hat, als ich angefangen habe. Heute habe ich 1,2 Millionen Twitter-Follower, aber ich versuche, immer noch so viel zurückzuschreiben, wie irgend möglich ist. Vergiss nie, wo du herkommst.“

Gibt es einen Youtube/Twitch-Star oder eSports-Athleten, den wir mal für ein Portrait treffen sollten? Sagt es uns auf Facebook: https://www.facebook.com/pcwelt

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