Mit Todd Howard arbeitet Elon Musk gerade an Starfield, aber eigentlich möchte er, dass wir den Weltraum nicht nur an der Xbox Series X erleben. In Vancouver erzählte er uns, wie die erste Mars-Basis von SpaceX funktionieren wird.

„Ich war schon immer vom Weltraum fasziniert. Ich würde ganz gerne auf dem Mars sterben, also nicht direkt – nicht bei der Landung, weil wir noch ein bisschen was zu tun haben“, erzählt uns ein gut gelaunter Elon Musk auf der Konferenz TED im kanadischen Vancouver mit einem dicken Grinsen. Schon als Kind bringt er sich selbst das Programmieren bei und entwickelt als Teenager ein Spiel mit Sci-Fi-Setting auf dem Mars namens Loadstar: The Legend of Tully Bodine. Viele Jahre später hilft er Bethesda und Todd Howard mit Starfield, schließlich verbringt der passionierte Gamer bei seiner eigenen Firma SpaceX viel mit dem Experimentieren an Antriebstechnologien: „Ich hätte gerne einen Warp-Drive in die Raumschiffe eingebaut, nicht nur Antimaterie. Weil mit Antimaterie erreichen wir ja nur ein Sternensystem, das ist etwas öde. Todd ist aber eher ein Freund von bodenständigen Technologien für Starfield – wir haben uns dann für Helium 3 entschieden, weil wir da wissen, wie es funktioniert“.

Mit Tesla hat er elektrische Autos salonfähig gemacht, mit SpaceX will er den Mars für Touristen öffnen. 2024 schickt er die ersten vier Raumschiffe hoch, bis 2050 sollen eine Million Menschen auf dem Mars leben können.

© Space X

Mit SpaceX hat er etwas größere Pläne: Das 120 Meter hohe Raumschiff Starship soll zunächst Weltraumtouristen zum Kurzurlaub einladen, später möchte er damit die erste Mondkolonie besiedeln – deshalb ist Starship so groß, es sollen zumindest mal 100 Menschen auf dem Mars leben, also in Kürze, 2024 sollen die ersten vier Starships auf dem Mars landen. Bis 2050 würde er gerne die erste große Kolonie auf dem Mars finalisieren für eine Million Menschen. Ambitioniert, ihm bleiben nur noch 28 Jahre und in einem ersten Schritt muss SpaceX eine Tankstelle im Orbit installieren. „Ist alles machbar: Wir bräuchten dafür 5000 Trips mit Starship, jeweils mit 200 Tonnen an Produktionsmitteln. Eine Quadratmeile (2,5 Quadratkilometer, Anm. d. Red.) an Pflanzenproduktion können 5000 Menschen ernähren. Sollten aber Vegetarier sein, ich denke nicht, dass wir Tiere hochbringen können – sie sind ziemlich groß und bislang ist noch keine Kuh ins All geflogen, weiß nicht, ob sie sich dort wohlfühlen würden“, so Elon auf der TED Conference. Natürlich hat er sich das alles bereits genau ausgerechnet.

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„Die erste Kolonie wird noch sehr klein werden, weil sie sich selbst ernähren müssen. Daran müssen wir noch arbeiten, weil 100 Menschen ungefähr 2 Quadratkilometer an Agrar-Produktion auf vier Leveln brauchen.“ Seine ersten sechs Starships (zwei in 2022, vier weitere in 2024) sollen sich vor allem um den Bau der ersten Mars-Basis kümmern, also Nahrungsproduktion und Wasseraufbereitung „Das sind so Dinge, an die ich nachts denke, wenn die Arbeit vorbei ist: Wir brauchen dafür sehr große Solar-Arrays. Wir ziehen das CO2 aus der Atmosphäre und spalten es in „deep cryogenic CH4 und O2“. Für alle, die ihren Physikunterricht vergessen haben: Er meint damit auf -150 Grad gekühltes Methangas und Wasser. Das Gas wird zur Treibstoffproduktion auf dem Mars gebraucht und für die „Tank-Station“ im Orbit, denn Starship muss für den Mars-Flug mindestens einmal vollbetankt werden, im Weltall. 

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Overwatch und Starfield zu spielen, brachte Elon Musk auf die Idee, stärker über unsere Zukunft als interplanetare Spezies nachzudenken 

Mit Todd Howard philosophierte Elon Musk über Antriebssysteme für die Raumschiffe in Starfield. Und Overwatch ließ ihn an alternativen Energie-Quellen tüfteln.

„Ich schätze, ich bin da nicht anders, als die meisten: Du spielst Overwatch, siehst all diese spannenden Systeme und wie diese mit unterschiedlichen Energieformen geladen werden und denkst dir: Hmm, wie würde man das denn in der Realität machen? Man denkt nach, recherchiert ein bisschen, spricht mit Leuten und erkennt, dass es eigentlich keinen Grund gibt, warum wir immer nur alle auf der Erde bleiben sollten, wo es doch so viel unentdeckte Ressourcen und Materialien auf anderen Planeten gibt.“ Generell rät Elon zu Optimismus: „Viele Menschen schauen traurig, wenn sie an die Zukunft denken. Sie sind pessimistisch, weil wir ein paar Probleme haben, die wir lösen müssen: Klimawandel, Hunger, Obdachlosigkeit. Ich denke, es ist wichtig, sich auf die Zukunft zu freuen und an einer besseren zu bauen, denn wir können die Zeit nicht zurückdrehen. Es gibt ein paar physische Gründe, warum das mit dem Zeitreisen durch schwarze Löcher schwieriger ist, als sich das die meisten vorstellen. Wenn, dann würden das nur ein paar Leute können, nicht unsere ganze Gesellschaft – ein paar Leute können aber nicht ändern, was um die sieben Milliarden Menschen getan haben.“ 

Persönlich würde er gerne ein paar Jahre zurückreisen, weil sie bei SpaceX viel Zeit gebraucht haben, um ihre Raketentechnologie zu erforschen – diese Jahre hätte er gerne zurück. Dennoch hält er Zeitreise-Technologie für nur bedingt effizient, weil, selbst wenn einige Astronauten etliche Jahre zurückreisen könnten, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass die breite Masse auf sie hören würde. „Es ist nicht so, als hätten wir vor 20 oder 30 Jahren nicht gewusst, dass wir uns schaden, wenn wir die Regenwälder abholzen, schließlich filtern diese CO2 aus der Luft. Haben wir trotzdem gemacht.“ Deshalb widmet er seine Energie eher Technologie, die uns hilft, den Klimawandel einzugrenzen: „Wir brauchen Ressourcen, die nicht endlich sind, sondern unendlich und diese sollten keine Emissionen produzieren – Wind und Solar, wir müssen aber bessere Möglichkeiten finden, diese zu speichern. An diesen Batterie-Packs arbeiten wir gerade, sollten bald fertig sein für die nächste Tesla-Generation.“  

„Ich möchte, dass wir morgens aufstehen und uns auf die Zukunft freuen. Wir sind gerade auf einem sehr guten Weg als Spezies. Uns stehen noch ein paar Herausforderungen bevor, aber diese werden wir mit technischem Know-How lösen, wenn wir zusammenarbeiten

Elon Musk sagt, dass er keiner dieser „Doomsday-People“ ist, die glauben, dass die Welt untergehe, sondern lieber an einer besseren arbeiten möchte: „Wir befinden uns gerade auf einem guten Weg, den wir aber weitergehen müssen. Wir brauchen vollelektrische Schiffe, weil die Schifffahrt sehr viel CO2 produziert und volleklektische Flugzeuge.“ Dafür hat er auch einen Wert mit seinem Team errechnet: „Wir brauchen ungefähr 300 Terra-Wattstunden an Batterie-Kapazitäten, um Transport und auch das Heizen, also Wärme voll elektrisch zu gestalten und zwar weltweit.“ Ein Terra-Watt sind eine Billion Wattstunden respektive einer Milliarde Kilowattstunden. „Ich hoffe, aber bitte nagelt mich nicht darauf fest, dass Tesla zehn Prozent des weltweiten Verbrauchs liefern kann.“ Da die Erde groß genug ist, glaubt Musk, dass sich genug Firmen finden werden, die diese Batterien produzieren, sobald die Technologie da ist, Solar und Wind effizient zu speichern. „Ich habe nie ganz verstanden, warum Firmen Technologie entwickeln und diese dann nicht mit allen teilen, schließlich wollen wir als Menschheit vorankommen, nicht einfach nur Geld verdienen.“ 

Wie Elon Musk mit KI auf Silizium-Basis selbstfahrende Autos voranbringen will und warum er Chip-Tuning fürs Gehirn ganz anders sieht als die meisten von uns 

Level-5-Driving, also vollautomatisches Fahren, bei dem wir hinten entspannen können, erfordert Echtwelt-KI – eine Herausforderung, die hartnäckiger ist als Musk gedacht hat. Mittlerweile sitzt ihm zudem Mercedes im Nacken, die Tesla schlagen wollen.

© Tesla

Fast jedes Concept-Auto der IAA letztes Jahr in München basierte auf dieser einen Idee: Level-5-Driving. Die KI fährt, wir loungen hinten, schauen Kinofilme oder genießen den Himmel in liegender Position. Für Tesla ist es natürlich die Herausforderung, die Elon Musk am dringendsten lösen muss, und er befindet sich im Wettkampf mit Audi, Mercedes-Benz oder BMW, also Konzernen mit nahezu unbegrenzten finanziellen Ressourcen, die über sehr viel mehr Ingenieure verfügen als er selbst: „Es ist schwieriger als ich dachte: Self-Driving produziert so viele Probleme, die wieder in Problemen enden und es ist ein langer Loop an Herausforderungen“, erklärt der Visionär. „Wir kommen nicht darum, echte KI zu entwickeln. Das eigentliche Problem ist, dass Autos auf biologischen Systemen basieren – unsere Augen sind sehr gut darin, Objekte zu erfassen, wir haben ein Geschwindigkeitsgefühl etc. Was wir brauchen, sind neuronale Netzwerke auf Silikonbasis, die den Menschen ersetzen können.“ 

Teslas erster Roboter Optimus soll uns lästige Arbeiten wie Rasenmähen oder das Ausräumen der Geschirrspülmaschine abnehmen. Günstig wird er nicht, aber nicht teurer als der günstigste Tesla, laut Elon. 2023 geht er in die Produktion.

© Tesla

„Das ist etwas, was man leider nicht mit besseren Sensoren und mehr Prozessor-Power lösen können, wir brauchen Echtwelt-KI. Wir synchronisieren jetzt alle acht Kameras und die Software wertet dieses Surround-Video in Echtzeit aus. Unsere Software ist gut, aber sie braucht in Echtzeit die Daten ihrer kompletten 3D-Umwelt und muss dann binnen Nano-Sekunden berechnen, was die Wahrscheinlichkeit ist, basierend auf historischen Daten, dass hier jetzt z. B. ein Passant über die Straße rennt.“ Viel gehe mit Objective-based Data: Da ist ein Truck in einer Straße, die Wahrscheinlichkeit, dass dahinter eine Person kommt, die die Straße nicht optimal einsehen kann, ist hoch – das Auto wird also langsamer. Um diese KI zu beschleunigen, hat Tesla andere Programme entwickelt. „Um Self-Driving zu lösen, brauchen wir Echtwelt-KI, insofern ergab es Sinn, einen Tesla-Roboter zu entwickeln.“ 

Elon spielt auch deshalb so gerne Overwatch, weil er fasziniert ist von den unterschiedlichen Energieformen, die Blizzard nutzt und tüftelt, welche davon in Zukunft unser Leben leichter machen könnten.

© Blizzard

„Und da ein Auto ein Roboter auf vier Reifen ist, ergab es Sinn, auch an einem Roboter auf zwei Beinen zu arbeiten – er heißt Optimus, netter Kerl.“ Elon Musk denkt immer gleich eine Generation weiter: Die Self-Driving-KI soll etwa helfen, Roboter zu bauen, die auch in der Küche kochen, den Rasen mähen oder die Geschirrspülmaschine ausräumen können, weil es die gleiche Objekt-basierte Echtzeit-Erkennung ist. Mit Optimus wird Tesla viel Geld verdienen, was Elon Musk braucht, um seine ambitionierteren Projekte zu finanzieren: Chip-Tuning fürs Gehirn etwa, genannt Neuralink. Zunächst möchte das Musk vor allem für Patienten anbieten, die etwa gelähmt sind. Mit diesem Gehirn-Interface müssen sie nur daran denken, was sie in ihr iPhone eintippen wollen, das Interface übermittelt dieses Kommando dann direkt via Chip ans Smartphone oder den Laptop. Das ist der erste Schritt, eigentlich würde Elon Musk aber gerne Alzheimer-Patienten helfen. 

Mit einem Gehirn-Backup könnte man den Wissenstand bei Erkrankung auf den Zeitpunkt zurücksetzen, bevor das Alzheimer ausgebrochen ist, etwa damit wir persönliche Erinnerungen nicht vergessen. Daran arbeiten viele reiche Menschen, Jeff Bezos möchte etwa in einem Klon ewig leben: „Das ist ein schwierigeres Problem. Selbst wenn wir die meisten Krankheiten heilen können, würden wir unsere Lebenserwartung vielleicht um 10, 20 Jahre erhöhen können“, schätzt Musk. „Wollen wir länger leben, müssen wir unsere genetische Programmierung ändern – unser Körper ist für eine Betriebsdauer von um die 90 bis 100 Jahre ausgelegt, für mehr ist er nicht optimiert. Wir müssten also so viel austauschen, dass man die Frage stellen würde, ob wir noch Mensch oder schon Mensch-Maschine sind, und ich weiß nicht, ob wir das wollen.“ 

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