Endlich handfeste Informationen: Ein offizielles Patent von Rockstar Games verrät uns mehr über die Pläne der Open-World-Könige, um die KI ihrer Auto-Fahrer, Polizei und Rettungseinheiten in GTA 6 auf ein neues Level zu heben.

Hollywood Drive, 10 Uhr: Michael biegt gerade in seinem roten Ferrari auf der Einfahrt seiner Villa auf die Straße ab, schneidet Cindy in ihrem Super Diamond. Die muss scharf bremsen, Trucker Joe crasht voll in sie rein, sein 9,5-Tonner räumt auch noch zwei andere Fahrzeuge ab. Großes Chaos in GTA City, Krankenwagen des Eclipse Medical Tower rasen heran, Sanitäter springen heraus, kümmern sich um die vielen Verwundeten. Oh Shit, ein Feuer bricht in einem der Fahrzeuge aus, Feuerwehreinheiten der Rockford Hills Fire Station rücken aus – Feuerwehrmänner klettern auf Leiterwagen und löschen von oben, weitere Einheiten löschen von den Seiten, während sich mehr Krankenwagen nähern und die Polizei die Straße absperrt. Unterdessen taucht am Himmel bereits der erste TV-Hubschrauber der CNT Studios auf, CNT berichtet live vom Unfallort.

All das will natürlich geskriptet und über KI-Routinen eingeleitet werden – etwa wie die Krankenwagen schnellstmöglich zum Unfallort kommen, welche Einheiten alarmiert werden und dass die Feuerwehr-KI den Befehl bekommt: Es brennt, bitte ausrücken mit allem, was Ihr habt. Um diese NPC-Technologie, also die KI, die benutzt wird, um unterschiedliche NPC-Einheiten wie Feuerwehr, Sanitäter, Polizei, SWAT oder Militär besser zu koordinieren, hat Take-Two, der Mutterkonzern von GTA, dort wo die GTA Online-Millionen mit großen Lastern jeden Morgen in New York abgeladen werden, sich eine neue Technologie patentieren lassen mit dem Titel “System And Method For Virtual Navigation In A Gaming Environment“. Auf deutsch übersetzt heißt das „Systeme und Methoden zur virtuellen Navigation in Spiele-Umgebungen“. Entwickelt wurde es von Simon Parr, Lead AI Programer bei Rockstar Games und David Hynd, Associate Director of Technology, die im Dokument namentlich genannt werden. 

Das Patent von Rockstar Games dreht sich zum einen um die Wegfindung von zivilen Fahrzeugen, spricht aber auch im Detail über Verfolgungsjagden, bei denen sich Polizei und SWAT besser koordinieren und versuchen sollen, uns den Weg abzuschneiden.

Es handelt sich also mit sehr, sehr hoher Wahrscheinlichkeit um Technologie für GTA 6. Take-Two Interactive arbeitet zwar parallel auch an Mafia 4, das befindet sich allerdings bei Hangar 13 in Entwicklung und soll wohl in Las Vegas spielen – rund um einen schmutzigen Cop. Es soll sich wohl aktuell unter dem Codenamen Sam Boyd 4 in Entwicklung befinden und noch etwas weiter gehen bei der spielerischen Freiheit als Mafia 3. So können wir laut ersten Informationen entweder gegen die Mafia antreten, weil wir eigentlich Polizist sind oder sie bei ihren Geschäften unterstützen und mitverdienen. Da besagtes Patent jedoch von KI-Spezialisten direkt bei Rockstar Games entwickelt wurde, scheint eine Anwendung in GTA 6 deutlich wahrscheinlicher, als in Mafia. 

Das Technologiepatent lässt sich Online einsehen und wurde von David Hynd, Associate Director of Technology bei Rockstar Games sowie Simon Parr, Lead AI Programer entworfen und spricht im Detail über Verkehrführung durch KI sowie Polizei-Verfolgungsjagden

© United States Patent and Trademark Office

Auch Red Dead Redemption 3 könnten wir ausschließen, da das Dokument von Autos spricht, nicht von Pferden und viel Verkehr gab’s ja im Wilden Westen nicht. In der Tat verrät uns das Patent einiges über die Ideen und KI-Konzepte, an denen Rockstar Games gerade arbeitet: Speziell spricht es von Booten, Autos, Flugzeugen und Helikoptern. Das skizzierte System würde zu einer realistischeren und immersiveren, daher deutlich dichteren, realistischeren Verkehrssimulation führen. Besonders hervorzuheben ist, dass das System bedeutet, dass "jeder NPC seine eigenen spezifischen Eigenschaften für das Durchqueren der Straßenknoten definieren kann." Sprich, die KI versteht, wie viele andere Fahrer sich auf der Straße befinden, in welchem Abstand, ob Staus vor ihnen sind oder Passanten auf die Straße laufen. 

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GTA 6 soll deutlich realistischeren Verkehr bieten mit mehr Autos und Fahrern, die menschlich reagieren 

Simon Parr und David Lynd, Chefentwickler für KI bei Rockstar Games schreiben, dass sich Spieler in der heutigen Zeit in einem GTA eine möglichst realistische Nachbildung der realen Welt wünschen. GTA 6 könnte also deutlich mehr fließenden Verkehr bekomme

Das Patent beschreibt auch, wie NPCs durch diese Technologie ein besseres Verständnis von Beschleunigung, Bremszeit, Höchstgeschwindigkeit und auch das Abschätzen von Kurven erhalten. In GTA 5 fahren die Anwohner von Los Santos ja mitunter wie in The Fast & Furious – da wird gerempelt, gecrasht und wenn ein Polizist auf der Straße steht, wird er auch gerne mal überfahren, weil abruptes Abbremsen bei der GTA-5-KI noch nicht vorgesehen ist. Die von GTA 6 kann das eben schon. Ob das dann zu weniger abstrusen Momenten führt, wird sich zeigen, scheint aber, als würde die KI insgesamt vorausschauender fahren. Wer etwa Bremszeiten abschätzen kann, der sieht einen Stau 100 Meter vor sich und bremst einfach mal, statt einen Meter vorher wie ein Lama beim Zahnarzt zu gucken und volle Kanone in den Stau zu crashen. Was zugegebenermaßen lustig ist in GTA 5, aber eben weniger realistisch. Rockstars KI-Spezialisten Simon Parr und David Hynd beschreiben im Detail, wie die aktuelle Simulation funktioniert und wie es in Zukunft sein soll. Sie schreiben: „Ein Fahrzeug, welches sich basierend auf Straßenknotenpunkten bewegt, kann in herkömmlichen Videospielen bestimmte Faktoren, wie die Dichte des Verkehrs bei der Navigation nicht berücksichtigen.“  

Laut Rockstar Games KI-Experten möchte man in Zukunft Tricks vermeiden, etwa indem man den Verkehr stark reduziert oder Autos verschwinden lässt, sobald sie aus unserem Blickfeld fahren.

Sie führen fort: „Einige Systeme verlassen sich beispielsweise auf die Fahrzeugvermeidung, so dass NPCs nur Fahrzeuge und Objekte in ihrer unmittelbaren Umgebung meiden. Dies kann den Spurwechsel beim Einparken von Autos, die Vorwegnahme einer Straßenausfahrt, Wetterbedingungen und Ähnliches nicht berücksichtigen. Außerdem bieten herkömmliche Systeme nur begrenzte Ressourcen für die Automatisierung von NPCs. Zum Beispiel erlauben Rechenleistung, Speicher und Effizienz nur eine bestimmte Anzahl von NPC-gesteuerten Autos in einer einzelnen Instanz eines konventionellen Systems.“ Die Spieler moderner Videospiele würden jedoch erwarten, mehr als eine bestimmte Anzahl von NPC-gesteuerten Fahrzeugen in einem zu sehen, um ein realistisches Erlebnis zu haben. „In konventionellen Systemen sind NPCs oft nach bestimmten Merkmalen gruppiert und führen dieselben Bewegungen aus. Tatsächlich verschwinden einige NPCs konventioneller Systeme, sobald sich der Spieler weiter von ihnen wegbewegt.“ Das ist korrekt: Fährt ein Auto an uns vorbei und verlässt unseren Sichtradius, ist es in GTA 5 meist verschwunden - es wird ausgeblendet, um Rechenleistung zu sparen. Das gilt zumindest für zivile Fahrzeuge, Krankenwagen fahren auch wirklich ins Krankenhaus. 

Die GTA-Szene hat einige der besten Modder überhaupt hervorgebracht. Legendär etwa die LFPSD-Mod, welche uns Polizisten oder SWAT-Officer auf möglichst realistische Weise spielen lässt.

„Ein weiterer Nachteil ist, dass sich herkömmliche Systeme fast ausschließlich auf die lokale Verkehrsvermeidung für NPCs verlassen, um Kollisionen zu vermeiden. Dies beinhaltet, dass in jedem Frame die lokale Umgebung auf potenzielle Hindernisse (Fahrzeuge, Fußgänger, Objekte) überprüft wird, eine Ansicht dieses Hindernisses vom lokalen Fahrzeug aus erstellt wird (Erstellung eines "frontalen" Polygons, das eine Liste von Punkten/Linien enthält, die das Fahrzeug vermeiden muss, um nicht gegen das Hindernis zu fahren. Informationen über die Straße, auf der sich das Fahrzeug befindet, generiert werden, damit es nicht von der Straße abkommt und in Gebäude fährt, und schließlich der beste Lenkwinkel zur Vermeidung aller Hindernisse generiert und ermittelt wird. Dies geschieht in jedem Einzelbild für jede Einheit, und es werden keine Kenntnisse über das vorherige Einzelbild verwendet. Dies kann dazu führen, dass potenzielle Probleme erst sehr spät erkannt werden und dass das System nicht weiß: ‚Diese Straße ist blockiert‘, sondern nur anzeigt, dass etwas im Weg ist, das vermieden werden muss. Die Fahrzeuge können nicht entsprechend planen, wenn zum Beispiel irgendeine Art von Straßensperre vorhanden ist.“ 

Das Patent ist recht technisch gehalten , Grundkenntnisse von Programmierumgebungen sind von Vorteil.

Spielt GTA 6 in der nahen Zukunft? Rockstars Patent deutet selbstfahrende Autos an

In GTA 5 wurden Facebook, Apple, Twitter und Tinder auf den Arm genommen. In GTA 6 wäre ja eigentlich Elon Musk dran – der versteht nicht nur viel Spaß, sondern ihm gehören mit Tesla und SpaceX auch zwei der wichtigsten Firmen der Welt.

NPCs und KI-Systeme könnten diese Eigenschaften nutzen, um lebensechtere Fahrer in GTA 6 zu teleportieren. Rockstar Games sind schon jetzt die Könige der Open-World, sie sind unglaublich gut darin, NPCs zu simulieren. Wir alle erinnern uns sicherlich an Situationen, in denen wir versuchen wollten, ein Auto zu mopsen und der Fahrer oder die Fahrerin gibt einfach Gas und rauscht davon. Oder wir fahren nicht direkt los, sie ziehen uns aus dem Fahrzeug raus, hauen uns um und hauen ab. Wer sich das Patent durchlesen möchte, sollte über technisches Fachwissen verfügen, ein paar spezielle Feinheiten konnten wir aber durchaus rauslesen. So sprechen Simon Parr, Lead AI Programer bei Rockstar Games und David Hynd, Associate Director of Technology etwa von „NPCs, die eine längere Strecke zurücklegen (z.B. ein autonomes Fahrzeug, das durch die Stadt fährt.“ Wer Rockstar kennt, der kann sich sicherlich vorstellen, dass sie in GTA 6 auf jeden Fall Tesla und Space X thematisieren werden, nachdem in GTA 5 vor allem Facebook, Tinder und Apple auf den Arm genommen wurden. Elon Musk ist ja bekannt dafür viel Humor zu haben, wenn er über GTA 6 twittert, schießen nicht nur die Verkaufszahlen des Spiels, sondern auch Take-Twos Aktienkurs in den Himmel. 

Außerdem wird beschrieben, dass das System über ein Cloud-Netzwerk funktioniert, welches mit unseren Systemen, also PC oder Konsolen, kommuniziert. Weil die Berechnung von KI-Fahrern in der offenen Welt sehr Ressourcen-hungrig ist, gibt es entweder nicht so viele davon oder man lässt sie quasi als Geister erscheinen und auch wieder verschwinden, sie befinden sich also nicht permanent auf der Straße. Hierfür will Rockstar Games die Cloud nutzen, um KI-Berechnung auszulagern. Das Patent geht dabei speziell auch auf Polizeieinheiten ein, die bei einer Verfolgung einen schnellen U-Turn einschlagen könnten, statt umständlich zu drehen. Es ist etwa die Rede von „High-Speed Chases“, also Hochgeschwindigkeits-Verfolgungsjagden. Genauer gesagt: „In einer weiteren Ausführungsform können die NPCs auch besondere Umstände berücksichtigen, wie z. B. eine Verfolgungsjagd mit hoher Geschwindigkeit. Fahrzeuge in der virtuellen Welt, die sich an die Verkehrsregeln halten, werden verwendet, um Routen durch/um sie herum zu generieren.“ Die Polizei in GTA 5 ist nicht besonders gut darin sich den Weg durch den Verkehr zu bahnen, sie crashen eigentlich ständig. 

Weniger gesichert und aktuell noch als Gerücht zu bewerten: GTA 6 soll in Florida spielen, genauer gesagt in Miami – der Stadt des Glücksspiels, der Millionäre und des Drogenhandels, denn Lateinamerika liegt ja quasi vor der Haustür.

Das Patent beschreibt auch, wie das technisch gelöst wird: „Es kann eine Liste des Umgebungsverkehrs in dem Gebiet erstellt werden, und für jedes Fahrzeug werden Informationen in Bezug auf den betreffenden NPC aufgezeichnet. Zum Beispiel der Abstand zwischen zwei Fahrzeugen, die relative Fahrtrichtung, Geschwindigkeitsunterschiede usw. Auf der Grundlage dieser Informationen kann eine Route zum endgültigen Zielort erstellt werden.“ Übersetzt heißt das so viel wie: Rockstar Games arbeitet an einer smarteren Polizei-KI, die ihre erheblichen Ressourcen taktisch effizienter einsetzt. Wenn etwa ein Polizeihubschrauber sieht, dass wir gerade einen Schrottplatz anpeilen oder eine andere besondere Location, kann die KI dort Streifenwagen hin entsenden, bevor wir eintreffen. Beispielsweise um Straßensperren zu ziehen, SWAT-Einheiten in Position zu bringen und mit gepanzerten Fahrzeugen die Straße zu versperren. Zivile Fahrzeuge würden darauf authentisch reagieren, etwa indem sie eine Rettungsgasse bilden oder gar den Bereich der Verfolgungsjagd tendenziell eher meiden respektive von der Polizei umgeleitet werden. So wie in der echten Welt. Wir sind jedenfalls super gespannt, denn Rockstar Games muss die perfekte Linie zwischen Spielspaß und Realismus finden. Die Verfolgungsjagden in GTA 5 machen ja gerade deshalb so viel Spaß, weil die Cops völlige Chaoten sind. 

In GTA 5 fehlten agile, schnelle und wendige Polizei-Motorräder, die würden wir uns in GTA 6 ja durchaus wünschen. Generell würde Rockstar Games gut daran tun ein paar seiner unglaublich talentierten Modder einzustellen, die einen tollen Job machen.