Schnäppchen oder DOA: Gebrauchte Mining-Grafikkarten

Risiko gering: Die offensichtliche Sorge beim Kauf einer Mining-Grafikkarte besteht darin, dass die Leistung erheblich beeinträchtigt ist und die GPU früher als erwartet ausfällt. Dies ist jedoch in der Regel nicht der Fall. Unserer Erfahrung nach scheinen Mining-GPUs keine große Leistungsminderung zu zeigen. Dafür gibt es logische Gründe:

Erfahrene GPU-Miner reduzieren normalerweise die Leistungsaufnahme und untertakten ihre GPU, um die Grafikkarte effizienter zu machen. Und Miner betreiben ihre Grafikkarten zwar rund um die Uhr, aber dies kann auch dazu beitragen, den Aufheiz- und Abkühlzyklus zu minimieren, der für Halbleiter sehr stressig ist.

Es gibt aber auch potenzielle Nachteile von Mining-Grafikkarten: Das Übertakten des Videospeichers (viele Miner erhöhen damit die Effizienz) und eine unzureichende Kühlung des Mining-Rigs: Wenn die Mining-Grafikkarte in einer extrem heißen Umgebung ohne ausreichende Kühlung verwendet wurde, reduziert das die Lebensdauer.

Die zweite Gefahr lauert bei Grafikkarten mit GDDR6X-Speicher, also den Modellen GeForce RTX 3070 Ti, 3080, 3080 Ti und 3090. GDDR6X-Speicher wird normalerweise sehr heiß. Wenn eine GDDR6X-Grafikkarte nicht richtig gekühlt wird, verringert das die Leistung und kann das VRAM beschädigen. Die Founders-Edition-Modelle der RTX 3080 und 3090 sind mit ihrem Wärmeleitpad besonders problematisch, da sie ab Werk bereits mit höhere VRAM-Temperaturen laufen.

Ein unerfahrener Miner kann so seine Grafikkarten bis an ihre thermische Grenze fahren und die Lebensdauer stark senken. Alle anderen Grafikprozessoren mit GDDR5- oder GDDR6-Videospeicher haben hier ein deutlich geringeres Risiko.

Das sollten Sie beim Kauf von gebrauchten Mining-Grafikkarten beachten

Stellen Sie zunächst dem Verkäufer Fragen zur Grafikkarte. Hat er die Grafikkarte fürs Mining benutzt - und wenn ja, wie lange? Hat er untertaktet und bei welchen Temperaturen lief das Mining-Rig? Mit diesen Fragen können Sie einschätzen, ob Sie es mit einem erfahrenen oder unerfahrenen Miner zu tun haben.

Überprüfen Sie vor dem Kauf den physischen Zustand der Grafikkarte genau - idealerweise persönlich. Gibt es irgendwelche Schäden oder Beweise, dass die Karte auf engstem Raum zusammengepfercht wurde? Kratzer auf der Rückplatte oder der Abdeckung können darauf hinweisen. Die Lüfter können bei Mining-Karten aufgrund ihres ständigen Betriebs mit der Zeit ausfallen oder beschädigt werden, also stellen Sie sicher, dass sie richtig laufen.

Und schließlich noch: Wie sauber ist die Grafikkarte? Gibt es visuelle Anomalien oder übermäßige Staubablagerungen? Diese können Ihnen helfen, den Pflegegrad zu bestimmen, den die Grafikkarte von ihrem aktuellen Besitzer erhalten hat. Und verlangen Sie abschließend, das der Verkäufer Ihnen die Grafikkarte einmal in Betrieb vorführt - und machen Sie vor Ort einen Stresstest: Der zeigt potenzielle Bildschirmartefakte. Abstürze weisen auf eine fehlerhafte GPU hin. 

Hinweis: Der Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwesterpublikation PCWorld