Bioware hat viel Arbeit investiert, um die Texturschärfe jedes Charakters auf 4K hochzurendern, was mitunter erstaunlich gut aussieht. Reicht das für 70 Euro?

Hach, Mass Effect kehrt zurück in 4K-HDR mit 60 FPS auf Konsolen und unbegrenzter Framerate auf dem PC sowie Next-Gen. Mass Effect 1, das heute technisch ganz schön angestaubt aussieht, wurde einem massiven Technologie-Upgrade unterzogen. 

Die Ergebnisse auf Planeten wie Eden Prime, Ilos und Feros sehen auf den ersten Blick fast schon wie bei einem richtigen Remake aus, auch wenn Bioware selbst nur von einem Remaster spricht. Intern gab es durchaus mal Überlegungen, die komplette Trilogie auf Unreal Engine 4 zu portieren, allerdings hatte man Angst, den Charme des Originals damit zu stark zu verändern. Neue Engines nutzen andere Lichtsysteme, Farben würden anders wirken, Outfits und Gesichter wären tendenziell nicht mehr erkennbar. Stattdessen hat man vor allem die Texturschärfe erhöht und lässt Planeten, deren Städte und Oberflächen plastischer wirken. 

Bioware beauftragte Derek Watts, Art Director des Original-Mass-Effect damit, die Szenarien so zu überarbeiten, dass sie zwar schärfer und lebendiger wirken, ohne den Charme des Originals zu sehr zu verändern. Das Layout sei mitunter ein integraler Part des Erlebnisses, entsprechend entschied man sich dagegen Basen, Städte oder Raumschiffe in ihrer Struktur zu verändern, stattdessen arbeitet Bioware eher mit neuen Details und Effekten. Eden Prime zum Beispiel verfügt jetzt über eine neue Beleuchtung, die seine vollere Skybox zum Glänzen bringen und hochskalierte Texturen. Sowie zusätzliche Effekte wie Rauch, Bodennebel, brennende Asche und verstreute Trümmer, die die Atmosphäre unterstreichen.

Das zeigen auch die Screenshots auf diesen Seiten ganz schön, allerdings ist der Preis mit 70 Euro durchaus hoch. Die Chancen stehen aber recht gut, dass früher oder später Xbox-Game-Pass-Abonnenten kostenfrei im Rahmen der Flatrate die Trilogie erleben werden. Laut Bioware wurden zehntausende Texturen, Shader und visuelle Effekte eingefügt, u.a. eine neue Schärfentiefe im Bokeh-Stil. Falten und Poren in der Haut kommen jetzt dank 4K-HDR stärker zur Geltung und unterstreichen die Persönlichkeit, dennoch fühlt sich das alles an wie nach Hause zu kommen. 

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Natürlich wurden einige Dinge geändert, die sich heute nach Old School anfühlen würden: Das HUD ist modernisiert, die KI für Squad und Gegner optimiert, gerade was die Wegfindung angeht, die in Mass Effect 1 durchaus ihre Probleme hatte. Der Mako steuert sich jetzt nicht mehr wie ein Flummy, wobei Nostalgiker lustigerweise auf die alte Steuerung umschalten dürfen. Es gibt kleinere Änderungen am Kampfsystem, etwa was das Zielen beim Rennen angeht. Der Citadel-Fahrstuhl ist nicht mehr so langsam, weil man keine Ladezeiten mehr kaschieren muss. Bugs wurden gefixed, neue, sanftere Bewegungsanimationen eingebaut, aber leider kein neuer Story-Inhalt. Bioware musste zwar bei der Entwicklung Inhalte rausschneiden, entschied sich jedoch dafür diese nicht wieder zu integrieren, weil man dadurch die komplette Geschichte hätte umschreiben müssen und einige Situationen keinen Sinn mehr ergeben hätten.

Visuell sind deutliche Unterschiede zu sehen, gerade in der Schärfe der Texturen, der Detailtiefe und wie etwa Lens-Flare-Effekte dem Ganzen einen cineastischen Look geben.

© Bioware

Will heißen, die Geschichte wird in Mass Effect 3 so abgeschlossen wie in der Extended Cut-Edition, die das Outro deutlich elaborierter inszeniert. Bioware spendiert allerdings keine alternativen Enden, nach denen Fans nach dem Release von Mass Effect 3 lautstark schrien, weil sie das Gefühl hatten, das Ende würde der Trilogie nicht gerecht. Project Director Mark Walters erklärt das so:

„Wir wollten so viel von den DLC-Inhalten wie möglich einbauen, und es so in die Spielerfahrung einflechten, dass es sich anfühlt, als hätten die Spieler diesen Inhalt heruntergeladen. Für die Leute, die den Extended Cut gespielt haben, wurde das die Erfahrung für sie, und deshalb wird das auch die Erfahrung für alle sein, die die Legendary Edition spielen. Letztlich [...] beendet man ein Spiel und dann gibt es Dinge, die man gerne gemacht hätte, Dinge, die man gerne hinzufügen würde [...]. Für mich war der Extended Cut wirklich die Möglichkeit, ein bisschen mehr Liebe einfließen zu lassen, dem Ende ein bisschen mehr Kontext zu geben. Deshalb ist das für mich auch Teil des Kanons."


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Bioware nutzt HDR recht stark, um dem Ganzen einen Hollywood-Look zu geben. Auch kann man hier sehr gut sehen, wie die schärferen Details und Vegetation die Atmosphäre unterstreichen.

© Bioware

In einem sehr lesenswerten Report der Kollegen des GameInformer erzählt Kevin Meek, Chief Environment & Character Designer, dass man bei der Überarbeitung jedes einzelnen Charakters recht vorsichtig vorgegangen ist: „Rein technisch hätten wie Liara aus Mass Effect 3 in Mass Effect 1 transportieren und die Texturen schärfen können. Aber das fühlte sich nicht richtig an, weil Liara eine spannende Geschichte durchlebt hat – sie wirkt im ersten Teil noch etwas naiver und schüchterner, was man auch an ihren Augen, Mimik und Gestik sieht. Erst später wird sie zu dieser selbstbewussten Heldin im Shadow-Broker-DLC.“ Entsprechend hat man zwar ihrer Haut mit Sub-Surface-Scattering mehr Textur verliehen, schließlich wirkten Modelle in der Unreal Engine 3 in der Regel sehr flach und glänzend, also wenig realistisch. Ihre Augen, Mimik und Gestik aber beibehalten, was wir für den richtigen Ansatz halten. Stark verbessert hingegen wurde die Schussmechanik – in Mass Effect 1 landeten Schüsse aus der Sniper gerne mal nicht, weil das alles etwas ungenau war. An dieser Präzision hat man mächtig geschraubt. Auch wurde das HUD frischer und moderner gestaltet und ein paar Fan-Wünsche eingebaut: Etwa ein eigener Button für Nahkampf-Attacken und die Klassen-basierten Waffen-Einschränkungen wurden entfernt.

Physical-Based-Rendering wird genutzt, um etwa Spiegeleffekte auf Rüstungen stärker herauszuarbeiten. Mass Effect 1 basierte noch auf statischen Spiegelungen, jetzt ist das alles dynamischer.

© Bioware

Die Kamera wurde runderneuert, da sie im ersten Teil gerne mal an uns festhing und nicht immer den optimalen Winkel bot. Auch war die KI noch recht dumm in ME1, was man ändert: Sie können Ihren Squad-Mates weiterhin Befehle erteilen, und Bioware verbessert diese Steuerelemente in ME1, um mehr dem Gefühl in ME2 zu entsprechen. Die KI des Trupps wird verbessert. Schicken wir unsere Einheiten in Deckung, nutzen sie diese auch. Und die Feind-KI lernt Flankenmanöver und rusht uns nicht direkt, wenn sie uns sieht, sondern soll taktischer ihre Kräfte einsetzen.

40 DLCs an Bord, nur einer fehlt und das ist eine traurige Geschichte

Die Mass Effect Legendary Edition verdient wirklich ihren Namen, denn Bioware hat alles reingepackt, was es an DLCs gibt:

DLCs

  • Genesis

  • Bring Down the Sky

  • Zaeed: The Price of Revenge

  • Kasumi: Stolen Memory

  • Lair of the Shadow Broker

  • Firewalker Pack

  • Overlord

  • Normandy Crash Site

  • Arrival

  • Genesis 2

  • From Ashes

  • Mass Effect 3: Extended Cut 

  • Leviathan

  • Omega

  • Citadel

Es sind wirklich alle DLCs, Waffen & Armor-Packs sowie Promo-Rüstungen enthalten. Nur die Pinnacle Station leider nicht, weil der Code verloren gegangen ist.

© Bioware

Waffen- & Armor-Packs

  • Equalizer Pack

  • Aegis Pack

  • Firepower Pack

  • Cerberus Weapon and Armor

  • Arc Projector

  • ME2 Alternate Appearance Pack 1

  • ME2 Alternate Appearance Pack 2

  • Firefight Pack

  • Groundside Resistance Pack

Promos :

  • Recon Operations Pack

  • Collectors’ Weapon and Armor

  • Terminus Weapon and Armor

  • M-29 Incisor

  • Blood Dragon Armor

  • Inferno Armor

  • Recon Hood

  • Sentry Interface

  • Umbra Visor

  • N7 Warfare Gear

  • AT-12 Raider

  • Chakram Launcher

  • M-55 Argus

  • M-90 Indra

  • Reckoner Knight Armor

Den Illusive Man, der so fantastisch von Martin Sheen gespielt wurde, treffen wir am 14. Mai 2021 wieder.

© Bioware

Nur einer fehlt und das ist eine traurige Geschichte: The Pinnacle Station DLC. Der Pinnacle-Station-DLC in Mass Effect wurde von Demiurge Studios entwickelt und ermöglichte es den Spielern, ihre Kampffertigkeiten auf aufregende Weise auf einer streng geheimen Raumstation der Allianz zu verbessern. Mit 13 wettbewerbsorientierten Kampfszenarien und einem neuen Ort, den es zu entdecken gilt, war Pinnacle eine unterhaltsame Ergänzung für Fans des Sci-Fi-Epos. Bioware versuchte, alle und jeden zu kontaktieren, der eine Verbindung zu diesem DLC hatte. Als sie sich an Demiurge, das für diesen DLC verantwortliche Studio, wandten, stieg die Hoffnung – es gab einen Backup-USB-Stick. Beim Überprüfen stellten sich die Daten jedoch als beschädigt heraus. So musste Bioware seinen Wunsch, wirklich alle Inhalte, die es je zu Mass Effect gab, in diese legendäre Edition zu packen, begraben. Großartig für Fans dürfte sie trotzdem werden.

Mass Effect Legendary erscheint am 14. Mai 2021 für Xbox Series X, PS5, PC, Xbox One und PS4 für 70 Euro.

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