Microsoft kauft Bethesda und damit einige der größten Marken der Spielegeschichte. Doch was bedeutet das für uns uns Gamer? Ein Report.

Wir leben in der goldenen Ära des Gamings. Spiele waren noch nie so günstig wie heute und so einfach zugänglich für jedermann. Für zehn bis zwölf Euro gibt es den Xbox Game Pass für Xbox One, X, die Series X und kleinere S sowie den PC und das ist der Hammer: Statt 70 oder auf der Playstation 5 bis zu 80 Euro für einige Spiele auf den Tisch zu legen, zahlen wir bei Microsoft den Preis eines Kinotickets pro Monat und erhalten damit fast alles, was das Herz begehrt: Forza Motorsport 8, Forza Horizon 4 und 5, Gears 5, Gears Tactics, das großartige The Outer Worlds von Obsidian und mehr Indie-Perlen, als die Menschheit Spielzeit hat, etwa Grounded. Und jetzt eben auch Doom Eternal, The Elder Scrolls 6, Starfield und alles was sonst so kommen wird aus dem Hause Bethesda. All diese Spiele werden keine weiteren Kosten nach sich ziehen für Game-Pass-Besitzer, was schon eine kleine Revolution für die Branche ist. 

Xbox hat die Power, aber es fehlen die großen Spiele gegen die Titanen von Sony Playstation

Schon mit der Xbox One X setzte Microsoft ein klares Statement - als die stärkste Konsole der Welt. Ein enorm wichtiges Statement, weil man bei der Xbox One 2013 einen großen Fehler gemacht hatte: Während die Grafik-Performance exzellent war, konnte die CPU - das Gehirn des Systems - im direkten Vergleich nicht mithalten und der Arbeitsspeicher war zu gering. Das rächte sich schnell, weil die Installationszeiten extrem lang waren - während die meisten Titel auf der PS3 binnen weniger Minuten installiert waren, dauerte es auf der Xbox One gerne mal 10 Minuten, sogar eine halbe Stunde war nicht selten. Auch deshalb setzt man im Marketing für die Series X so stark auf seine ultraschnelle NVME-SSD, die etwa ein Red Dead Redemption 2 in 35 Sekunden lädt - auf der Xbox One X dauert das Ganze eine Minute länger.

Microsoft hat schon längere spannende Hardware - auch die Xbox One X hatte schon brutal viel Power, es fehlte einfach nur an großen Exklusiv-Blockbustern. Deshalb ist der Bethesda-Kauf so smart.

© Microsoft

Microsoft hat also schon lange die Technologie, aber es mangelt seit Jahren an Exklusiv-Blockbustern. Und genau darin ist Konkurrent Sony Weltklasse: Sony hat in den letzten Jahren quasi jedes Jahr das Spiel des Jahres veröffentlicht - Titel auch, die sich enorm gut verkauften: 

Uncharted 4 verkaufte 15 Millionen Einheiten, Spider-Man 13 Mio, God of War 10 Millionen und selbst komplett neue Marken wie Horizon: Zero Dawn setzten aus dem Stand 10 Millionen Spiele ab, brachten also rund 700 Millionen US-Dollar Umsatz ins Haus, das erfolgreiche Add-On The Frozen Wilds noch nicht mit eingerechnet. Microsoft auf der anderen Seite tat sich enorm schwer, neue Marken ins Rennen zu schicken. Zum einen, weil man zu wenige Triple-A-Studios in der eigenen Familie hatte. 

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Und zum anderen, weil teure Hoffnungsträger wie Quantum Break (Entwicklungsbudget rund 75 Millionen US-Dollar) vom Max-Payne-Team Remedy nicht so zündeten, wie erhofft. Meist mangelte es vor allem auch an Marketing-Etats - wo Sony richtig Geld für jeden Launch in die Hand nimmt, TV-Kampagnen bucht, Städte mit Werbeplakaten zupflastert und in die Welt hinausschreit „Das neue God of War ist da. Schwärmet aus und kauft es“, war Microsoft häufig viel zu leise - selbst ein wirklich spektakulärer Shooter wie Gears 5 erschien letztes Jahr im September ohne substantielle Marketing-Kampagne. Es ist nicht so, dass Xbox keine Exklusivtitel hat, sie reden darüber nur nur viel zu wenig. Einen Fehler, den man mit dem Flight Simulator 2020 übrigens nicht machte - hier war Microsoft sehr viel lauter in seinem Marketing, die Spielerzahlen geben ihnen recht. Oft wurden wir in den letzten Monaten in den Kommentaren gefragt, warum auf Xbox keine großen neuen Marken an den Start gehen und die Antwort ist komplex, weil Spieleentwicklung ein sehr zeitaufwändiger Prozess ist. So hat man bereits vor einigen Jahren begonnen, Triple-A-Studios wie Ninja Theory zu kaufen, die mit dem Psycho-Drama Hellblade bereits richtig abgeliefert haben und jetzt Hellblade 2: Senua’s Saga exklusiv für Xbox Series X und Xbox Series X entwickeln. 

Während Sony die besten Studios der Welt besitzt, mangelte es Microsoft immer an Triple-A-Exklusiviteln - durch den Kauf von Bethesda erhöht man seine Studiofamilie von 15 auf 23.

© Microsoft

Allerdings brauchen neue Spiele in der Regel drei, bei frischen Marken sogar bis zu fünf Jahre. Will heißen: Als Phil Spencer von Don Mattrick die Leitung von Xbox übernahm, reagierte er konsequent und relativ schnell, allerdings hatte sich Mattrick völlig mit seinem TV-Fokus und Kinect bereits verrannt. Diese Früchte werden wir aber erst in den nächsten Jahren sehen, weil gute Spiele eben wirklich lange reifen müssen. Warum also macht der Kauf von Bethesda Gamer glücklich? Weil er zeigt, dass der Spielemarkt Microsofts am Herzen liegt und ihre Game-Pass-Strategie gerade zu 100 Prozent aufgeht: Satte 15 Millionen Abonnenten hat man bereits, die 2019 vier Milliarden US-Dollar Umsatz brachten. Der Game Pass ist also nicht für uns klasse, sondern auch ein gutes Geschäft für Microsoft. Der Gesamtumsatz der Xbox-Division ist auf 11,6 Milliarden US-Dollar gewachsen im laufenden Fiskaljahr 2020. 

Hat Microsoft Bethesda gekauft, weil sie Tiktok nicht bekommen haben? - Nein, das ist Quatsch 

Es gab vor etwa fünf Jahren, als Xbox gerade seine schwächste Phase durchlief Gerüchte, man wolle die Xbox-Sparte für 50 Milliarden US-Dollar verkaufen. Diese Gerüchte haben sich jedoch Gott sei Dank nicht bewahrheitet, stattdessen bereitet man bereits seit langer Zeit diese Mega-Deals vor, die jetzt offiziell finalisiert werden. Wie wir von einem Insider wissen, gab es bereits vor einigen Jahren Verhandlungen mit Bethesda, die sich aber über einen langen Zeitraum zogen. Sie können sich in etwa vorstellen, wie viele Anwaltskanzleien die unterschiedlichen Management-Ebenen bei Microsoft und Bethesda vertreten und das so ein Deal über 7,5 Milliarden US-Dollar nicht mal eben in ein paar Wochen über die Bühne geht. 

Es gab kürzlich die Spekulation, dass Microsofts CEO Satya Nadella für TikTok geboten hat und nicht den Zuschlag bekam, weshalb man dann stattdessen Bethesda kaufte. Das ist Quatsch – zum einen wäre Tiktok in eine ganz andere Sparte innerhalb Microsofts gewandert und zum anderen halten wir es für unmöglich, dass der Bethesda-Kauf in nur zwei Wochen zum Abschluss gebracht wurde. Tiktok-Besitzer Bytedance hatte nämlich keinerlei Interesse am Verkauf seiner US-Operation, wurde dazu aber per offiziellem Dekret von Präsident Trump gezwungen. 

The Elder Scrolls 6 und Starfield - Warum Bethesda perfekt in die Xbox-Familie passt

Mit dem Bethesda-Kauf erwirbt man auch zahlreiche kleine, kreative Marken, die enorm viel Potenzial haben im Game Pass - so wie Prey von den Arkane Studios.

© Bethesda

Überraschend an diesem Deal ist vor allem der Preis, denn für Microsoft ist Bethesda fast so viel Wert wie Ubisoft - deren Börsenwert liegt bei 8,8 Milliarden US-Dollar. Warum man sich trotzdem für Bethesda entschied - dafür gibt es gleich mehrere gute Gründe: 

1.) Microsoft mangelt es an Exklusiv-Blockbustern, die Bethesda hat

Die Xbox-Studiofamilie war bislang signifikant schwächer als die von Playstation, man musste hier für den Launch der Series X gleichziehen und genau das bewirkt der Bethesda-Deal: The Elder Scrolls ist eine der profitabelsten Spielereien aller Zeiten – Skyrim hatte, so unsere Informationen denn korrekt sind, ein Entwicklungsbudget von 85 Millionen US-Dollar plus 50 Mio. Marketing-Budget und hat bis heute zwei Milliarden US-Dollar verdient. Was für Microsoft aber viel wichtiger ist: Es wird noch immer von der Community geliebt. Nicht nur wurde es bis heute von 30 Millionen Menschen auf den vielen unterschiedlichen Plattformen gekauft, schließlich erschien Skyrim ursprünglich für Xbox 360 und PS3, wurde aber auch als Remaster für PS4 und Xbox One aufgelegt, kam auf ebenfalls für Switch. Es wird auch satte neun Jahre nach seinem Release am 11. November 2011 noch von seiner Modding-Community geliebt und gepflegt. Darüber hinaus kauft man damit auch die Marken Doom, Rage, Quake, The Evil Within, Wolfenstein, Fallout, Dishonored, Prey und weitere.

Die Wahrscheinlichkeit, dass von diesen 30 Millionen Spielern ein großer Prozentsatz sich den Game Pass abonnieren wird, um The Elder Scrolls 6 genießen zu dürfen, ist sehr hoch.

2.) Bethesda ist die Storytelling-Schmiede und genau das fehlt Microsoft

All die großen Spiele dieser Generation, ein Uncharted 4, ein God of War, ein The Last of Us Part 2 brillierten vor allem auch durch ihre großartigen Geschichten. Sonys Studios sind durch die Bank Experten im Storytelling, während die Microsoft Game Studios ihre Stärken eher in Racing (Forza Motorsport & Forza Horizon) haben sowie experimentellen Multiplayer-Spielen wie Sea of Thieves von Rare. Wenn wir uns die Historie von Xbox-One-Exklusivtiteln anschauen, fällt vor allem auf das es Xbox an großen Singleplayer-Blockbustern mangelte: Das Rom-Epos Ryse war technisch brillant, konnte aber nicht die Massen anziehen, wie ursprünglich geplant. Quantum Break hatte seine Momente, war aber in seinen Physik-Mechaniken längst nicht so stark wie ein Control. Hinzu kommt, dass Microsofts Studios dazu neigen, sehr langsam zu arbeiten: 343 Industries etwa hat diese Generation mit Halo 5: Guardians nur ein Halo abgeliefert, was zu wenig ist, wenn man mit den jährlichen Blockbustern von Sony konkurrieren möchte. Woran das liegt, darüber lässt sich nur spekulieren, aber die Xbox One ist 2013 gestartet – ein Halo in sieben Jahren reicht nicht. Genau hier kann Bethesda aushelfen, denn man hat ja nicht nur Bethesda Softworks, die etwa Fallout und The Elder Scrolls verantworten, sondern auch etwa Tango Gameworks, jenes Studio von Shinji Mikami, welches zuletzt mit The Evil Within für neue Akzente im Horror-Segment sorgte.

Das erste Doom mit 120 FPS auf der Xbox Series X? Könnte man schon machen

3.) Bethesda ist ein Shooter- & Action-Powerhouse

Man könnte jetzt lange darüber debattieren, was für ein Software-Unfall Fallout 76 war, was man so nie auf den Markt hätte werfen dürfen, aber eines lässt sich konstatieren: Bethesdas Action-Adventure und Shooter sind durch die Bank exzellent: Egal, ob wir hier über Wolfenstein: The New Order & The New Colossus reden oder Doom Eternal, das sind großartige Shooter. Und Dishonored ist eine richtig starke Action-Adventure-Reihe, die perfekt in den Game Pass passt. Auch Prey hatte seine Momente – es verkaufte sich nicht sonderlich gut, ist aber eigentlich ein sehr kreatives Spiel, was so leichte Anleihen an ein Half-Life 2 hat, wenn man sich seine verspielte Physik anschaut. Denn der Game Pass ist wie Netflix, man holt dort alles nach, was man in den letzten Jahren verpasst hat. Dishonored 2 sah schon auf der Xbox One stark aus, in nativem 4K und 120 FPS werden wir das auf jeden Fall auf der unserer Xbox Series X im Rahmen unserer geplanten Test-Reihe ausprobieren.