Jetzt schon ein Mega-Erfolg: 247 Millionen Zuschauer sahen am Wochenende Red Notice, den neuen Action-Comedy-Hit von Ryan Reynolds, Gal Gadot und Dwayne „The Rock“ Johnson.

„Also eigentlich soll man ja von Filmsets nichts mitnehmen, aber als ich Batman vs. Superman gedreht habe, wollte so ein kleiner Batarang in meine Handtasche. Damit öffne ich jetzt Amazon-Boxen, aber verratet es nicht Ben (Affleck) oder Zack (Snyder)“, erzählt eine blendend aufgelegte Gal Gadot im Rahmen der Weltpremiere zu ihrem neuen Netflix-Film Red Notice, indem sie im Wettstreit mit Ryan Reynolds ein wertvolles Kunstwerk stehlen will – die Eier der Kleopatra aus purem Gold, was man sich eben so in die Vitrine stellt. Und Dwayne „The Rock“ Johnson muss sie als FBI-Agent stoppen. Im Grunde spielen die drei Mega-Stars von Hollywood Ocean’s Eleven, nur mit viel höherem Fokus auf Gags als Planung. Heists und zwei, drei große Einbrüche gibt’s zwar auch, aber Ryan Reynolds feuert Gags raus, man liegt vor Lachen auf dem Boden. Der Mann ist ja auch im echten Leben eine Gag-Maschine und diese Rolle passt einfach zu ihm. Netflix hat es beim letzten Mal in 6 Underground mit einem ernsten Ryan versucht, der als Milliardär zwar die Schwachen schützen will, sich aber zu seinem Team wie ein Arschloch verhält und das funktionierte überhaupt nicht. 

Ryan Reynolds ist ein witziger Typ und das lebt er hier aus – für ihn guckt man den Film eigentlich. „Also es waren schon viele Gags im Skript, aber in der Regel denke ich mir für jeden Witz drei, vier Alternativen aus, die drehen wir dann und das Produktionsteam kann sich im Schnitt aussuchen, was besser passt. Das scheint mir eine gute Herangehensweise zu sein. Manchmal sage ich auch einfach komische Dinge und keiner merkt’s“, merkt Ryan Reynolds zur Gag-Dichte an. „Oder renne von einem Kampf weg und die Leute sagen: Okay, das hätte Nolan Booth auch gemacht, wenn Gals Charakter gerade einen Typen umgehauen hat, der geschätzt fünf Meter groß ist.“ Er meinte natürlich The Rock, ein Mann wie ein Schrank mit den weißesten Zähnen und lautestem Lachen Hollywoods. Er und Dwayne Johnson funktionieren erstaunlich gut als Buddy-Pärchen wider Willen und es geht im Mission-Impossible-Style einmal um die ganze Welt, während ihn Ryan Reynolds permanent auf den Arm nimmt: „Er ist eine Maschine, du wirfst ihm ein Wort hin oder eine Szene und er macht daraus Situationskomik. Ryan braucht eigentlich kein Skript, er ist das Skript.“ 

Sie sind selten geworden: Filme, die einfach nur Spaß machen von Anfang bis Ende. Hollywood neigte in den letzten Jahren sehr zu Filmen, die eine eher triste, traurige Note tragen, sogar bei Blockbustern wie James Bond: Keine Zeit zu Sterben.

© Netflix

Weshalb übrigens immer wieder Drehpausen eingelegt werden mussten, weil Gal Gadot sehr dazu neigt, am Set zu lachen – Chris Pine nannte sie mal Giggles Gadot, weil sie so albern drauf ist und gerne mal Lach-Flashs hat. Machen wir uns nicht vor: Red Notice ist keine hohe Filmkunst, mitunter ist die Action etwas zerschnitten und der Greenscreen zeigt sich etwas zu sehr. Ob Corona musste man viel in einer Soundstage drehen und konnte weniger an exotischen Locations shooten, sprich, die Villa am Strand und der Dschungel sind Fake, was schade ist, aber wir hatten lange nicht mehr so viel Spaß mit einem Film, der sich eigentlich in keiner Szene erst nimmt. Ein weiteres Highlight ist Gal Gadot, die hier als sexy-lasziv-verführerische Meisterdiebin die Jungs ständig an der Nase herumführt und häufig an Anne Hatheway aus Batman: The Dark Knight Rises erinnert, die Tanz-Szene ist etwa eine klare Hommage an den Film von Christopher Nolan. Besonders gut gefällt uns, dass das hier endlich mal kein traurig-düsterer Film ist, von denen wir in den letzten Jahren gefühlt viel zu viele hatten. 

Die Gag-Maschine: Ryan Reynolds schreibt für sich selbst meist drei, vier Alternativ-Gags, die er anbietet plus solche, die sich aus der Situation ergeben. Und ja, Red Notice ist ein Gag-Feuerwerk wie Deadpool.

© Netflix

Ständig muss ja irgendwer irgendwelche Traumata verarbeiten und die Stimmung kippt, selbst James Bond ist ja nur noch ein Häufchen Elend. Red Notice will von Minute Eins bis zum Ende einfach nur Spaß machen – diese Szene, in der Gal einen armen Datenanalysten des FBI für eine Art Therapiesitzung nutzt – zum Kugeln. Das hier ist recht klassische Popcorn-Action, gewürzt mit guten Gags, einigen irren Situationen (für die man auch mal zwei Augen zudrücken muss, weil na ja – wenn eine Rakete eine Leiter zerfetzt, wäre auch ein The Rock hinterher zumindest schwer verwundet, trägt aber ganz wie Pierce Brosnan als James Bond einer besseren Zeit nur einen Cut davon) und einer Reise durch die Welt des Films – von Eyes Wide Shut über Jurassic Park bis Titanic und Indiana Jones wird quasi alles referenziert, was nicht bei Drei auf dem Baum ist – mal ein bisschen plumper, mal ganz subtil, es lohnt sich etwa, zweimal auf den Namen der Yacht am Ende zu schauen. 

„Ich mag diese Kleinigkeiten in einem Film, die den Figuren Persönlichkeit geben. Es gibt eine Szene, in der ich eine Backshow schaue und man denkt so – oh, okay, sie ist so komplett Bad-Ass in der einen Szene, aber sie möchte auch dieses Gefühl eines zu Hause kreieren. So ein bisschen Normalität, schließlich ist ihr Alltag als Diebin, sagen wir mal, aufregend.“ 

- Gal Gadot, spielt Meisterdiebin “The Bishop“ 

Gal Gadot: Von der isrealischen Spezialeinheit zu Miss Israel. Und vom Bond-Girl zur Meisterdiebin 

Gal Gadot ist so die perfekte Mischung aus smart, süß, sexy und schlagfertig. Bevor sie Miss Israel wurde, hat man sie im israelischen Militär im Häuserkampf, Terror-Bekämpfung sowie Kampfkünsten wie Krav Maga unterrichtet.

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Was viele nicht wissen: Gadot ist selbst ziemlich Bad-Ass, wenn wir diesen Ausdruck verwenden dürfen: Sie diente in der israelischen Armee, wurden an Sturmgewehren und im Nahkampf in der Kampfkunst Krav Maga ausgebildet und kann ihre Stunts entsprechend etwas leichter selbst machen, als die meisten Hollywood-Stars, die nicht in einer Spezialeinheit gedient haben. Eigentlich wollte sie Jura studieren nach ihrer Zeit in der Armee, doch eine Freundin meldete sie bei der Wahl zur Miss Israel an – sie gewann, Hollywood wurde aufmerksam und sie bekam erste Einladungen zu Castings: Sie sollte das Bond-Girl in James Bond: Ein Quantum Trost spielen, die Macher entschieden sich aber für Olga Kurylenko an der Seite von Daniel Craig. Wenn wir diesen Film anschauen, wirkt das wie ein Fehler, denn Kurylenko und Craig hatten ja eher weniger Chemie – das wäre bei Gadot wohl anders gelaufen. Dafür wurde sie aber einem anderen Produzenten empfohlen, der in Hollywood in Zukunft für die großen Box-Office-Hits sorgen sollte – Vin Diesel, der sie für Fast & Furious als Gisele an Bord holte. Wie gesagt, es ist nicht alltäglich eine Schauspielerin kriegen zu können, der man nicht erst lernen muss, wie man eine Glock hält oder mit einem Sturmgewehr einen Raum sichert.

Ihre erste Hauptrolle spielte sie als CIA-Agentin in Die Jones: Spione von Nebenan und nur ein Jahr später in Wonder Woman, was ein gigantischer Erfolg war – 822 Millionen US-Dollar holte der Blockbuster von Patty Jenkins global. „Durch Wonder Woman musste ich in den letzten Jahren sehr viel kämpfen, insofern fühlt sich das immer natürlicher an. Aber es ist jedes Mal ein anderer Style, insofern glaube ich das Tanzen hilft mir eher, weil es geht ja immer darum eine Choreografie auswendig zu lernen, damit sich eine Szene so geschmeidig wie möglich anfühlt. Mit Krav Maga würde ich den Jungs ganz schön weh tun und sie sind ja so nett“, sie lacht. Fürs Protokoll: Sie versohlt den Jungs ganz schön den Hintern, übrigens auf eine recht selbstreferenzielle Art, was ungemein sympathisch ist. Wer den Film gesehen hat, wird sich an einige Elemente und Waffen aus Wonder Woman erinnern. Tanzen tut sie übrigens auch – Tango, mit Dwayne “The Rock“ Johnson. 

Gal Gadot: „An Dwayne ist eine Ballerina verloren gegangen“ 

Gal hatte etwas Angst um ihre Zehen, „weil DJ ein großer Mann mit großen Füßen ist.“ War aber alles halb so wild, „denn er ist auch ein fantastischer Tänzer, an Dwayne ist eine Ballerina verloren gegangen.“

© Netflix

„Sie hatte ein bisschen Angst, dass ich ihr auf den Zeh trete. Weil ich ziemlich große Füße habe, bin aber Gott sei Dank ein passabler Tänzer“, witzelt der Mann, der ja mittlerweile eigentlich in jedem Action-Film mitspielt und Arme hat, wie ein Baumstamm – Dwayne “The Rock“ Johnson. Der Mann isst 8000 Kalorien am Tag, darunter zwei Pfund Kabeljau. Urgs, was man nicht alles tut für die Karriere. Gal war beeindruckt, wie gut er sich bewegt „An DJ ist eine Ballerina verloren gegangen, er hat ein tolles Taktgefühl und weiß genau, wie man seinen Körper einsetzt, der Lady den richtigen Schwung gibt. Das ist nämlich nicht so einfach, die meisten Männer geben zu viel.“ Dwayne spielt einen FBI-Agenten, der Gals Charakter namens The Bishop verhaften soll. „Gal spielt diesen charmanten Typus eines Kunst-Diebs – kultiviert verführerisch, könnte man sagen, aber sie kann auch richtig zuhauen, wenn die Jungs nicht aufpassen.“ Ryan Reynolds ist der zweit-meistgesuchte Kunstdieb der Welt, „weil ich immer erst an zweiter Stelle stehe, sogar beim Klauen von Kunst, ähem“, sagt Ryan mit seiner Deadpool-Stimme, weil Ryan Reynolds immer auch ein bisschen sich selbst spielt. Er sagt zu The Rock „Du siehst von hinten aus wie ein riesiger Penis. Hat dir das schon mal einer gesagt?“ Das kam ihm beim Dreh einfach so spontan, der Regisseur fand es so lustig, es blieb im Film.

Ob Covid musste man die eigentlich in Bali geplanten Drehs in eine Soundstage in Atlanta verlegen, inklusive Fake-Palmen.

© Gal Gadot auf Instagram

Und kämpft verdammt gewitzt in Red Notice – wir hatten mitunter echte Jackie-Chan-Vibes, wenn er so akrobatisch auf einem Gerüst in einem Museum in Rom rumturnt und mit dem Reflex eines Affen so schnell Schrauben aus diesem Gerüst löst, dass die Security ganz schön alt aussieht. Haben wir lange nicht mehr gesehen. 

Witzig:  Laut Gal ist Dwayne der perfekte FBI-Agent, weil er ein extrem gutes Gedächtnis hat: „An so einem Netflix-Set laufen wirklich viele Leute rum - Beleuchter, Kameraleute, Setdesigner, Security. Dwayne weiß nach einem Tag jeden einzelnen Namen und vergisst die auch nicht.“ Das freut laut ihr alle am Set, weil natürlich ist es schön, wenn der Beleuchter von einem der Stars des Films mit Name gelobt wird. 

Auch Dwayne selbst hat einige lustige Geschichten zu erzählen: „Es gibt diese eine Szene, wo ich Ryan in einem Porsche Taican verfolgen soll. Also ein Porsche, aber in winzig - und ich passte einfach nicht in dieses Auto rein. Das war komisch“ - Dwayne lacht. Letztlich kommt er doch irgendwie rein, aber der Porsche überlebt keine drei Meter - wohl eine Hommage an James Bond. 

Die Action macht Spaß, ist aber Hollywood-typisch mitunter etwas zu schnell geschnitten. Während Regisseur Rawson Marshall Thurber, der vor allem für Comedy bekannt ist (Einfach zu haben mit Emma Stone, Wir sind die Millers mit Jason Sudeikis und Jennifer Anniston) Dialoge sehr lange auskostet, wird in Action-Szenen öfter mal hart hin- und her geschnitten. Und auch wenn Netflix mehr Geld als Jeff Bezos hat und dieses Jahr ein irres Budget von 11 Milliarden US-Dollar ausgeben wollte, sollten sie für ihre 200 Millionen, die der Film gekostet hat, bessere CGI erwarten können.

Dwayne „The Rock“ Johnson zeigt durchaus Comedy-Talent hier, vor allem auch, weil die meisten Gags auf seine Kosten gehen.

© Gal Gadot auf Instagram

Das geht im Jahr 2021 einfach viel besser, etwa der Stier in der Arena oder wenn eine Rakete eine Brücke zerfetzt. Klar, ein Film von zu Hause zu machen ist auch für Visual-Effects-Artists unter Umständen eine größere Herausforderung, denn man musste sehr viele Drehs im Ausland, auf Bali und in Spanien, wegen Covid in eine Soundstage in Atlanta verlegen und bei diesem künstlich angelegten Dschungel merkt man eben, dass er fake ist. Das sollte man beim zweiten Teil ändern, Red Notice ist als Franchise ausgelegt, da dürfte in Zukunft noch sehr viel mehr kommen. Und ganz ehrlich: Wenn Netflix neben all seinen mittlerweile wirklich exzellenten Serien, die ja häufig sehr tief gehen und mitunter eine eher traurige Note haben, auch ein paar Mal im Jahr einfach Comedy-Action-Popcorn-Kino mit diesem sympathischen Trio abliefert, dann soll uns das Recht sein. 

Auf YouTube ist eine große Debatte darüber ausgebrochen, ob The Rock, Ryan Reynolds und Gal Gadot jeweils 20 Millionen US-Dollar wert sind. Schwer zu sagen, 247 Millionen Zuschauer am ersten Wochenende sprechen aber tendenziell für ein gutes Investment.

© Netflix

Fazit

Filme sind sehr düster geworden, gefühlt geht es ständig um Schicksalsschläge, da tut es gut, hier einfach mal Popcorn abgeliefert zu bekommen, gewürzt mit wirklich vielen, vielen Gags. Immer wenn Ryan Reynolds sich selbst spielt, macht das einfach Laune. The Rock harmoniert wundervoll mit ihm im Buddy-Stil wider Willen. Richtig Freude macht auch Gal Gadot, die ihre Rolle als verführerische Meisterdiebin mit viel Charme, aber auch dem richtigen Schuss Genialität spielt. Schön mal wieder, so eine Rolle zu sehen, nachdem Frauen in Hollywood in den letzten Jahren gefühlt immer Männer gespielt haben – muskelbepackt und je brutaler der Nahkampf desto besser, wenn wir da an Black Widow & Co. denken. Ärgerlich ist allerdings, dass Red Notice nicht wie 200 Millionen US-Dollar aussieht. Klar, Netflix kann sich das ob eines Jahresbudgets von 11 Milliarden US-Dollar locker leisten und wenn jeweils Dwayne, Gal und Ryan 20 Millionen bekommen sind nur noch 140 übrig, aber CGI geht einfach viel besser in der heutigen Zeit. Wir würden das mal mit Corona entschuldigen, weil viele Drehs kurzfristig wegen der Reiseeinschränkungen nach Atlanta verschoben werden mussten, aber den Greenscreen könnte man deutlich wertiger kaschieren. Ändert aber nichts daran, dass wir viel Spaß hatten mit Red Notice. Die Drei könnten zum neuen Traum-Trio Hollywoods avancieren, Chemie haben sie jedenfalls. 

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