Was für ein spannendes Trio: Shawn Levy (Nachts im Museum, Real Steel, Stranger Things), Ryan Reynolds (Deadpool 3) und Jodie Comer (Killing Eve) erzählen, wie wichtig es ihnen ist, mit Free Guy die Gaming-Kultur zu zelebrieren und wie sie sich in GTA, Fortnite & Co. eingearbeitet haben.

„Ich spiele einen NPC in einem Videogame, der im Grunde einen sehr langweiligen Alltag hat. Er trinkt jeden Tag den gleichen Kaffee und witzelt nur darüber, heute mal einen anderen zu nehmen. Er wird jeden Tag überfahren, weil das die Spieler witzig finden“, erzählt Ryan Reynolds. Gin-Mogul, Hollywood-Star, Deadpool. „Seine Bank wird jeden Tag fünf bis sieben Mal überfallen, weil wer zählt da schon mit? Aber immer wieder trifft er diese coole, attraktive Lady, Molotov Girl und wir hatten die Idee, dann immer Fantasy von Mariah Carrey zu spielen, weil Guy die Fantasie hat, sie anzusprechen. Aber sich natürlich nicht traut. Kennt man ja, als Mann.“ Er lacht. Free Guy war von der Produktion für Reynolds eine „Love Affair“, wie er selbst so schön sagt. „Levy und ich wollten schon seit Jahren einen Film machen.“

Lesetipp : Ryan Reynolds über Deadpool 3, Hollywood und Free Guy

„Wir haben ein paar Skripte geschrieben, an Projekten gearbeitet, wie Hollywood eben so ist, sind diese Filme unter die Räder gekommen. Und dann hatten wir Free Guy: Wir saßen jeden Tag zusammen, haben zusammen mit Matt und Zak jede Zeile rund gemacht, jede Punchline“, erzählt Ryan Reynolds, der in Free Guy einen NPC spielt, der in einer stark von GTA inspirierten Welt lebt.

„Levy ist eher der Gaming-Experte, er hat diese ganze Expertise aus GTA, Fortnite und vielen anderen Spielen eingebracht. Ich war vorher kein großer Gamer, ehrlich gesagt. Aber mein Gott, wie viel Spaß macht das bitte? Es gab durchaus Morgen, da musste mich Blake, meine großartige Frau daran erinnern, dass wir ja drei kleine Kinder haben. Weil ich Fortnite gespielt habe, natürlich rein aus Recherche-Gründen. RECHERCHE, möchte hier nochmal betonen. Wir machen so etwas ja nicht aus Spaß.“ Wäre sein eigenes Leben ein Videospiel, es würde „My Little Pony - The Video Game“ heißen, weil das bei seinen Kids gerade voll angesagt ist und sie sein Leben komplett dominieren.

Witzige Idee: Ryan Reynolds spielt einen NPC in einer stark von GTA inspirierten Stadt, der es satt hat, ständig überfahren, erschossen und überfallen zu werden.

© 20th Century Studios

Zudem hat Gossip-Girl-Star Blake Lively auch intensiv am Skript mitgearbeitet, so wie an all seinen Filmen: „Sie ist so verdammt gut, ich liebe diese Frau. Also nicht nur für ihre Schönheit, für ihren Witz, ihren Charme, weil sie die beste Mama und Ehefrau der Welt ist. Weil sie mich immer zum Lachen bringt, sondern weil sie die besten Monologe von Deadpool entweder geschrieben oder viel besser gemacht hat.“ Blake Lively gilt generell als hochtalentierte Drehbuchautorin, schon für Gossip Girl hat sie komplette Episoden geschrieben. Über acht Monate hat er zudem mit Shawn Levy am Drehbuch gefeilt, der schon bei Real Steel und Nachts im Museum aus einem High-Concept-Pitch wirklich gute, man könnte gar sagen einzigartige Filme rausgeholt hat. Real Steal ist ja eigentlich ein Sci-Fi-Sportfilm, aber eben auch ein Drama mit erstaunlich tiefgreifender Message. Die wollte Levy auch für Free Guy herausarbeiten, ohne den Spaß am Material zu verlieren – die Liebe zum Videospiel.

Was für ein Ehrenmann: Ryan Reynolds betont in Interviews, dass seine Ehefrau Blake Lively (Gossip Girl, Für immer Adaline) viele der besten Gags in Deadpool und Free Guy geschrieben hat.

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Siehe auch: Free Guy in der Film-Kritik: GTA 6, The Movie

Warum der Uncharted-Film nicht zustande kam und Shawn Levy lieber einen Film machen wollte, der unterschiedliche Games in einer Open-World-City verheiratet

Shawn Levy ist bekannt für viele Comedy-Filme wie Nachts im Museum, Dr. Dolittle oder Date Night, sollte ursprünglich aber eigentlich den Uncharted-Film drehen, den jetzt Ruben Fleischer (Gangster Squad, Venom) übernimmt.

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„Ich habe unglaublich viel GTA gespielt, was für ein Game“, verrät Regisseur Shawn Levy. „Ich mochte GTA und Fortnite schon immer, aber natürlich war es unglaublich wichtig, das Material im kleinsten Detail zu verstehen. Ich habe meiner Frau gesagt: Darling, ich muss jetzt spielen für den Film, den wir machen. Und das waren eben GTA, Fortnite, Portal, Halo und so weiter. Mir ist wichtig, dass wenn wir ein Cameo haben oder eine ikonische Szene aufgreifen, wir dieser wirklich gerecht werden. Das können nur ein paar Sekunden im Film sein, für einige Spiele. Aber ich möchte das Gamer aus dem Kinosaal kommen und sagen: Wow, die haben mein Lieblingsspiel verstanden und nicht einfach nur für einen Gag “benutzt.“ Deshalb wollte er auch mit vielen großen Streamern zusammenarbeiten, wie Ninja, Pokimane und anderen, die diese Welt sehr viel besser verstehen als er und bei denen er nachfragen konnte. Ninja hat seit 2017 jeden Tag in Fortnite verbracht, kaum ein anderer versteht diese Welt und Community so gut wie er.

Fungierte als Gaming-Experte und spielt sich selbst im Film: Tyler “Ninja“ Blevins. Ihm ist vor allem wichtig, dass es ein guter Film geworden ist, der die Liebe zum Videospiel zelebriert.

© Ninja auf Twitter

„Für mich ist es eine riesige Ehre, mit diesem Cast zu arbeiten, gar keine Frage. Es wird die Art verändern, wie Hollywood Spiele sieht. Es gibt einige Filme, die eher „cringy“ sind, die eher Stereotype bedienen, der hier ist ganz anders, er zelebriert die Liebe zu Gaming. Das war mir wichtig. Ich habe mich kürzlich noch mit Poki unterhalten und wir dachten so: In 20 Jahren, werden wir unseren Kids stolz von Free Guy erzählen? Yes Man.“

- Tyler “Ninja“ Blevins (spielt sich selbst in Free Guy)

Shawn Levy: „Ich wollte lieber unser eigenes Spieleuniversum entwerfen, statt eine große Gaming-Marke zu verfilmen “

Free Guy spielt in Free City, die recht stark an GTA erinnert. Durch die auch mal ein Scorpion Tank aus Halo fliegt, ein Black Hawk aus Call of Duty oder eine Portal-Gun vorkommt.

© 20th Century Studios

Shawn hat viel filmische Erfahrung mit großen Gaming-Marken: „Ich habe ein Jahr an dem Uncharted-Film gearbeitet, weil ich die Spiele liebe. Aber es ist sehr, sehr schwer, weil du dich immer wie in Ketten fühlst. Du musst dich an die Geschichte, die Charaktere, die ganzen Erwartungen, die die Spiele mitbringen halten, und es ist super schwierig, das in einen Film zu gießen. Viele Elemente, die Gaming so großartig machen, funktionieren nicht im Kino. Deshalb haben wir in Free Guy zwar viele Spiele integriert als Cameos, Easter-Eggs, für wirklich coole Szenen. Aber etwas Eigenständiges produziert, bei dem wir die Regeln des Spiels an sich selbst festlegen können.“ Das erklärt wohl auch, warum man sich nicht mit Rockstar Games zusammengesetzt und zusammen einen offiziellen GTA-Film gemacht hat. „Sagen wir es so: kreative Freiheit ist enorm wichtig für so einen Film. Wir haben mit vielen Spiele-Studios gesprochen und mit ihnen gearbeitet, aber es wäre schwierig gewesen, die Adaption einer Videospiel-Marke zu verfilmen, und andere reinzumixen.“

Free Guy nimmt im Grunde eine Open-World im Stil eines GTA 6, lässt aber auch mal einen Scorpion Tank aus Halo durchfahren, baut die Portal-Gun ein, nutzt Mechaniken aus Super Mario und Mirror’s Edge, macht sich über die Skins in Fortnite lustig und, und, und. Microsoft fungiert übrigens als offizieller Partner, Ryan Reynolds hat mit ihnen gar die Non-Player-Character-Awards für Youtube inszeniert und ein Warthog stand bei der Weltpremiere in New York auf dem Roten Teppich. Und rollt eben auch durch Free City, so wie diverse andere Vehikel, die wir mal lieber nicht spoilern wollen, weil sie überraschend smart in das große Ganze einer Szene passen.

„Ich liebe Games, sie sind so ein tolles kreatives Medium. Und ich glaube, ich konnte hier so ein bisschen den Traum jedes Gamers leben, eine eigene Spielewelt mit Free City zu entwerfen. Eine Stadt ohne Regeln, die inspiriert ist von großen Open-Worlds wie GTA, in der wir aber einer Figur folgen, die wir in einem klassischen Spiel eher ignorieren würden.“ Für die vielen Andeutungen, Easter Eggs und Gaming-Integrationen haben Levy und Reynolds intensiv mit Youtubern zusammengearbeitet. So wie beispielsweise Pokimane, die ja von Fortnite über Call of Duty bis Animal Crossing und League of Legends wirklich alles spielt und streamt.“

Ich denke, es ist eine große Sache für die ganze Gaming-Community. Dass Hollywood uns so einen Film widmet, der so viele Fans unterschiedlicher Spiele zusammenbringt. Und dann mit sicherlich einem der coolsten Schauspieler aktuell, Ryan und einem großartigen Regisseur. Gamer werden merken, wie viel Liebe hier in jede Szene geflossen ist“

- Imane “Pokimane“ Anys - spielt sich selbst in Free Guy

Wie kam Jodie Comer in Free Guy? “Sie kann 68 Akzente, wir mussten sie nehmen“

Jodie Comer ist der Newcomer-Star des Jahres: Bekannt geworden durch Killing Eve, spielt sie in Free Guy ihre erste Kino-Rolle überhaupt und hat eine tolle Chemie mit Ryan Reynolds, der ja jede Situation in einen Gag verwandeln kann.

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„Ich sah sie in Killing Eve und dachte nur: Wir müssen sie zum Casting einladen. Diese Lady kann gefühlt 68 Akzente und spricht mit russischem Akzent, als wäre es ihre Muttersprache. Wow“, merkt Ryan Reynolds an. Das war wichtig für ihre Rolle, denn Molotov Girl spricht im Spiel mit ganz anderem Akzent, als Mollie, die Spieleentwicklerin, was quasi ihre zweite Rolle ist. Free Guy schwenkt ja immer zwischen Spiel und Realität hin und her. Für Comer war es die größte Herausforderung das Spielen in einer Greenbox: „Ich bin umfangreiche Sets gewohnt, hier muss man sich sehr viel vorstellen - es ist im Grunde eine Studiobox, wo man mit Greenscreens umzingelt ist. Es ist pure Magie, was das Special-Effects-Team aus diesen Szenen gemacht hat.“ In der Tat wurde viel on set gedreht, u.a. in einer noblen Bibliothek mit echten Supercars, aber große Teile von Free City, also der Stadt selbst entstanden digital. Dem Team war es wichtig, dass sich alles nach Gaming anfühlt, auch die skurrilen Momente. Jodie zieht als Molotov Girl etwa einen Raketenwerfer aus einem nicht vorhandenen Rucksack an ihrem Rücken.

Völlig verblüfft war sie von Ryan Reynolds Improvisationstalent: "Ich denke, dass Ryan ein wahres Genie ist, ein Super-Brain. Für jeden Gag hat er fünf weitere im Kopf, die genauso funktionieren könnten, und er ist unglaublich gut darin, alles was am Set schief geht, in eine weitere Szene zu verwandeln. Super viele Ideen sind letztlich am Set entstanden und das ist genauso sein Ding.“ Auch Shawn Levy bestätigt, dass er Storyboards nur für Action-Szenen benutzt, die komplizierte Stunts erfordern. Diese wurden sehr umfangreich geplant, alles andere sollte sich aus dem Moment entwickeln. Was Gamer sich vermutlich kaum vorstellen können, Non-Gamer aber durchaus - für Jodie war das Spielen an sich eine Herausforderung: „Ich spiele ja nicht nur Molotov Girl in der Gaming-Welt, sondern auch Millie, die Programmiererin des eigentlichen Spiels, also habe ich viel GTA gespielt. Und ganz ehrlich: Es ist schon spannend, wie sie diese ganze Welt gebaut haben und alles ineinander greift. Die vielen Passanten, die Simulation einer Großstadt. Aber man muss auf so viel achten, das war schon relativ stressig für mich, weil ich erstmal lernen musste, wie ein Controller funktioniert und dann 100 Dinge auf einmal machen sollte. Mein Bruder hat mir hier viel geholfen, er ist ein echter Gamer.“ Privat ist Jodie eher in Animal Crossing und Spider-Man zu Hause: „Das eine ist eine sehr malerische Welt mit entspannten Atmosphäre, was ich mag. Und das Schwingen durch New York empfand ich als sehr cool, quasi virtuell Urlaub machen während des Lockdowns.“

Shawn Levy: „Es geht um die Frage, wer wir sind, was von uns erwartet wird und ob wir nicht mehr können“

Ob Corona mussten die drei verdammt lange warten, haben jetzt aber einen der größten Hits des Jahres gelandet - Shawn Levy, Jodie Comer und Ryan Reynolds.

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"Ich sage immer: Ein guter Film braucht eine große Idee, danach suche ich in einem Skript. Als Matt das Drehbuch anlieferte, liebten Ryan und ich die große Idee dahinter. Die Vision, die Welt. Uns fehlten einige Dinge, die emotionale Ebene, die Figuren waren noch nicht da, wo sie hin mussten, Guy war etwa eher ein zynischer Charakter, wir wollten jemanden, der Optimismus ausstrahlt – das war ein Prozess von acht Monaten konstantem Umschreiben von Dialogen, weil Filme machen, ist nun mal schwierig. Aber ich glaube, es ist uns gelungen, einen Stoff zu drehen, der die Liebe zum Gaming ausdrückt und diese Kultur zelebriert, aber auch in seinem Plot Fragen aufwirft und nach Antworten dafür sucht, die wir uns alle schon gestellt haben – ob Gamer oder Nicht-Spieler: Wer sind wir, was wird von uns erwartet und warum? Können wir nicht eigentlich mehr sein? Was wartet da draußen auf uns, wenn wir einfach mal aus unserer Komfortzone ausbrechen, die sich oft Alltag nennt? Ich liebe einfach Underdog-Stories.“

Für ihn geht es um diesen Lebensentwurf, dass uns die Welt offen steht, wir müssen nur die Tür aufmachen und rausgehen. „Wir hatten diese spannenden Gespräche, wie unsere Karriere verlaufen ist“, erinnert sich Ryan Reynolds. „Hollywood lässt dich auf die harte Tour spüren, dass du einen langen Weg vor dir hast. Dir wird permanent die Tür vor der Nase zugehauen, Filme gecancelt, in die du viel Herzblut investiert hast. Ich habe zehn Jahre an die Türen der Filmstudios gehauen, um das Budget für Deadpool zu bekommen und es ihnen dann zig-fach zurückgezahlt. Du brauchst diesen kommerziellen Erfolg, dann wirst du vielleicht ein bisschen mehr beachtet, ein bisschen weniger ignoriert. So wie Guy, in Free Guy. Ich muss gleich heulen, hast du ein Taschentuch?“

Das ist es auch, was Ryan Reynolds am meisten an dem Film mag: „Was ich am meisten an Free Guy liebe? Dass es ein Big-Budget-Sommer-Blockbuster ist, der einfach als Original funktioniert. Es ist einer der wenigen Filme da draußen, die nicht auf einer Mega-Marke basieren, einem Comic oder einfach ein Sequel ist. Wir hatten eine Idee, haben die umgesetzt und sie macht hoffentlich den Leuten viel Spaß. Okay, vielleicht hätte ich das gerade nicht sagen sollen, weil Disney, 20th Century Fox gekauft hat. Und oh, äh. Ich muss weg. Sorry Mama Disney, love you.“

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