Während Microsoft bereits 75 Milliarden US-Dollar in Bethesda und Activision investiert hat, bleibt sich Sony seiner Strategie treu, lediglich Studios wie Polyphony Digital, Insomniac und jetzt Bungie zu kaufen. Könnte sich das 2022 ändern?

Nachdem Microsoft Bethesda und Activision für insgesamt 75 Milliarden US-Dollar gekauft hat, dachte die Welt: Jetzt geht Sony auf große Shopping-Tour, bislang kaufen sie allerdings nur klein und strategisch ein – Bungie etwa für 3,6 Milliarden US-Dollar. Und das passt tatsächlich perfekt in Sonys Strategie, denn eines darf man nicht vergessen: Sony ist kein reiner Spiele-Konzern, sondern ein Entertainment-Gigant: Spider-Man: No Way Home mit Tom Holland hat gerade 1,8 Milliarden US-Dollar in die Kassen gespült, das Kinogeschäft ist strategisch enorm wichtig für Sony. Und was bietet sich fürs Kino an? Genau, Destiny – schließlich reden wir hier über ein sehr großes Sci-Fi-Universum mit 38 Millionen Fans. Zudem arbeitet Sony Playstation bereits seit einigen Jahren an einer Cross-Media-Vermarktungsstrategie, um mehr Geld mit ihren Mega-Marken zu verdienen. HBOs Serie zu The Last of Us hat ein Budget von 100 Millionen US-Dollar, 10 Mio. pro Episode. Und sicherlich wird auch Sony hier einen hübschen Scheck erhalten.

Sony fängt gerade an, seine Playstation-Marken in Serien zu verwandeln: The Last of Us mit Netflix-Star Pedro Pascal (Narcos) ist gerade mit HBO in Produktion, Ghosts of Tsushima für Netflix und auch Bungies Destiny bietet sich an.

© HBO und Sony Playstation; Komposition: PC WELT

Wie erfolgreich Tom Hollands Uncharted-Film wird, ist noch zu früh zu sagen, er hat aber bereits 350 Millionen US-Dollar eingespielt. Bei Kosten von 120 Millionen, hat Sony also zumindest das dreifache reingeholt, was zwar nicht auf Spider-Man-Niveau liegt, aber durchaus gut ist. 300 Prozent muss man erstmal auf sein Investment machen. Und natürlich ist Uncharted eine Film-Marke, die man wunderbar an Streaming-Anbieter wie Amazon Prime, HBO oder Netflix verkaufen kann. Netflix produziert zum Beispiel gerade eine Serie zu Ghosts of Tsushima und kauft links und recht Gaming-Lizenzen ein (League of Legends, Splinter Cell, Assassin’s Creed, Beyond Good & Evil, The Witcher 4, Castlevania, Resident Evil). Wir würden uns nicht wundern, wenn bereits Verhandlungen für eine erste Destiny-Serie laufen würden. Denn was Streamer brauchen, sind neue Abonnenten, und wer eine Marke zu bieten hat mit fast 40 Millionen Fans, der ist in der Regel ein gern gesehener Gast. Netflix sitzt zudem auf gigantischen Produktionsbudgets – 17 Milliarden US-Dollar wollen ausgeben werden im Jahr 2022. Im Krieg der Streaming-Anbieter steckt so viel Geld, die Executives können die Budgets gar nicht so schnell raushauen, wie neue reinkommen und natürlich will jeder aus der Gamesbranche an diesen unendlichen Geldfluss aus Hollywood.

Ach, und Bungie hat vier weitere Marken auf Basis von Unreal Engine 5 in Entwicklung, die natürlich Potenzial für die Zukunft bieten und sicherlich einer der Gründe sind, warum Sony so viel Geld bezahlt hat. Denn eigentlich würde man nicht glauben, dass Bungie ein Drittel von Bethesda wert ist, die für 7,5 Milliarden US-Dollar über die Theke gegangen sind. Bethesda gehören mit The Elder Scrolls 6, Fallout 5 und Starfield drei der größten RPGs der nächsten Jahre und mit Doom eine der größten Shooter-Marken. Plus ein ganzer Straus an weiteren Marken: Deathloop, Dishonored, Prey, Wolfenstein, The Evil Within, Rage. Quake. Bungie hat aktuell nur Destiny und Destiny 2 im Porfolio, aber eben wie gesagt vier weitere Titel in Entwicklung, die wohl Sony überzeugt haben. Also ja, mit hoher Wahrscheinlichkeit war das ein sinnvolles Investment, wenn es Sony gelingt, die fünf Bungie-Marken der Zukunft erfolgreich in den Universen Playstation 5, Mobile, Kino und Streaming zu etablieren. Sony Playstation hat die besten Marketing-Teams der gesamten Branche, sie wissen, wie man Hypes kreiert. Die Chancen stehen also gut.

Könnte sich Sony Square Enix leisten? Ja, aber nur mit Bauchschmerzen

Tomb Raider könnte man zu einer großen PS5-Marke ausbauen und Lara Croft hätte auch viel Potenzial für eine TV-Serie. Gleiches gilt für Final Fantasy, dessen Zwischensequenzen so gut aussehen, man könnte sie fast 1:1 auf Netflix bringen.

© Square Enix

Square Enix ist aktuell 5,6 Milliarden US-Dollar an der Börse wert, im aktuellen Markt würden sie vielleicht für 8 Milliarden oder mehr verkaufen. Sony hat laut aktuellem Finanzbericht Cash-Reserven von 30 Milliarden US-Dollar. Insofern ist immer die Frage, ob ein Konzern, der nicht nur Playstation als Firmengruppe verantwortet, sondern seine Investments auf Sony-TVs, Digitalkameras, Smartphones und andere Elektronikprodukte aufteilen muss, fast ein Drittel seines Bar-Vermögens investieren würde. Square Enix würde ohne Frage perfekt zu Playstation passen, weil sie sehr starke Singleplayer-Marken wie Final Fantasy, Tomb Raider oder Life is Strange oder auch Shooter wie Outriders besitzen, die man sicherlich ausbauen kann – nicht nur als Spiel, sondern auch für Kino und Serien. Zudem könnte Sony mit Square Enix seine Marvel-Strategie festigen und deutlich mehr Marvel-Spiele herausbringen. Square Enix verfügt durch Final Fantasy XIV auch über erhebliche MMO-Erfahrung, was für Sony interessant sein dürfte. Bungie wurde vor allem auch deshalb gekauft, weil Playstation für seine Zukunfts-Strategie die technische Expertise für Multiplayer-Titel braucht, da passen 1200 Online-Experten gut rein.

Final Fantasy 15 hatte Zwischensequenzen in einer Qualität, die man 1:1 auf Netflix bringen könnte:

Sony will sein Portfolio stark erhöhen – zehn neue Spiele bis 2026. Gerade um mehr PS5-Exklusivtitel zu produzieren, wäre Square Enix der perfekte Partner. Sonys Management kauft in der Regel sehr strategisch ein: Polyphony Digital entwickelte für sie Gran Turismo und machte es zu einem riesigen Erfolg, entsprechend wurde das Studio von Kazunori Yamauchi eingekauft. Gleiches Spiel mit Guerrilla Games, die sich mit Killzone bewiesen haben. Wer einen guten Job macht, bekommt meist ein Angebot von Sony: Insomniac Games (Resistance, Ratchet & Clank, Spider-Man) wurde 2019 für 229 Millionen US-Dollar übernommen. Und Square Enix entwickelt gerade Forspoken als PS5-Exklusivititel, dem wir gerade erst eine große Preview gewidmet haben:

Preview: Forspoken - Skyrim meets Final Fantasy

Wenn Sony Playstation im großen Stil einkaufen will, dann wird es sicherlich Square Enix. Andere Übernahmekandidaten im mittleren Preissegment wären Capcom (4,9 Milliarden US-Dollar Marktwert) oder Sega (3,6 Milliarden US-Dollar). Sega hat mit Sonic zwar eine starke Kino-Marke etabliert, aber ansonsten kaum etwas zu bieten, was für Sony spannend wäre. Sega bringt kaum noch Konsolenspiele raus, sondern investiert vor allem erfolgreich in den PC, wenn wir uns das aktuelle Line-Up anschauen mit Total War: Warhammer 3, Company of Heroes 3, Humankind und Two Point Campus. Bleiben zwei spannende Übernahmekandidaten übrig: Bandai Namco und Electronic Arts.

Könnte sich Sony Playstation Bandai Namco leisten? Wird finanziell eng

Dark Souls 4, The Witcher 4 und ein ganzer Straus anderer Marken: Bandai Namco würde zu Sony passen, wäre aber wahrscheinlich bei einem Börsenwert von 17 Milliarden US-Dollar zu teuer.

© CD Projekt RED

Bandai Namco ist sicherlich ein weiterer heißer Übernahmekandidat, der auch sehr gut in die Playstation-Strategie passen würde, wenn wir an Elden Ring und weitere From-Software-Spiele denken. Oder auch an The Witcher 4, was ja CD Projekt RED gerade angekündigt hat. Und durch Marken, die immer Geld verdienen werden wie Dragon Ball Z, Jump Force oder One Piece. Spiele, die günstig in der Entwicklung sind, aber immer substantiell durchverkaufen, sprich hochprofitabel operieren. Bandai Namco ist allerdings sehr groß, hat unglaublich viele kleine asiatische Marken, die für Sony Playstations auf Europa und die USA zentrierte Strategie kaum relevant sind und wäre sehr teuer: 17 Milliarden US-Dollar Börsenwert und im aktuell sehr heißen Markt ist ein dickes Premium drin – wenn überhaupt würde das Management sicherlich nicht unter 20 Milliarden verkaufen, vielleicht sogar mehr. Sony hat 30 Milliarden Cash-on-Hand in sogenannten Marketable Securities, also Sicherheiten auf der Bank. Wir können uns nicht vorstellen, dass Sony über 60 Prozent seines Barvermögens in eine Company investiert, das Risiko wäre gigantisch. Gerade als Börsen-geführtes Unternehmen muss man sogar gesetzlich eine gewisse Sicherheit auf der Bank haben, sprich das Management kann nicht beliebig über alle Barreserven verfügen.

Könnte sich Sony Playstation EA leisten? Nein, sehr unwahrscheinlich.

EA druckt zwar Geld durch FIFA und Apex Legends, würde aber von der Firmenkultur her kaum zu Sony passen. Und sie wären viel, viel zu teuer – 35 Milliarden US-Dollar Börsenwert sind mehr als Sony an Barvermögen auf der Bank hat.

© Electronic Arts

Könnten Sie sich Electronic Arts leisten? Nein, glauben wir nicht, das könnte sich Sony nicht mal in einer Kombination aus Cash und Aktien leisten. Denn EA ist an der Börse aktuell 35 Milliarden wert und kerngesund. Sie haben zum einen keinen Grund zu verkaufen und würden das im aktuellen Marktumfeld sicherlich nur für ein sehr hohes Premium tun. Vielleicht 50 Milliarden? Das ist weit über dem, was sich Sony finanziell leisten könnte, die laut letztem Finanzbericht 30 Milliarden auf der Bank haben. Natürlich können Konzerne Kredite aufnehmen, aber es wäre sehr unwahrscheinlich, dass ein japanischer Konzern, die als sehr viel sicherheitsbewusster gelten als amerikanische, einen Kredit beantragen würden, der ihre eigenen Cash-Reserven um fast 80 Prozent übertrifft. Entweder müssten sie sehr viele Aktien abgeben oder einen riesigen Kredit aufnehmen. EA ist für Sony Playstation auch schlicht zu groß: Electronic Arts hat weltweit 28.000 Mitarbeiter, Playstation nur 9.400.

EA würde viele Probleme in den erfolgsverwöhnten und sehr beliebten Playstation-Konzern bringen. Schließlich ist man als EA-Manager Shitstorms erst um Battlefield 5, dann Battlefield 2042 gewöhnt.

Man darf eines bei solchen Übernahmen nie vergessen: Im Moment des Kaufs muss der Käufer die Gehälter der Angestellten bezahlen und niemand wird seine Payroll verdreifachen wollen. Natürlich ist Sony an sich ein gewaltiger Konzern, die Playstation-Gruppe aber sehr viel kleiner als EA. Electronic Arts würde auch rein strategisch und von der Kultur her überhaupt nicht zu Playstation passen. Playstation setzt traditionell auf hochqualitative Spiele, die in der Regel die Ambitionen haben Game-of-the-Year-Awards zu gewinnen. EA interessiert sich vor allem für IPs, die maximal Cash generieren, Qualität scheint für die Amerikaner nicht mehr an erster Stelle zu stehen, wenn wir uns etwa ein Battlefield 2042 anschauen oder auch die vielen Bugs in FIFA 22. EA ist zwar hochprofitabel, würde aber enorm viele Probleme in den erfolgsverwöhnten Playstation-Konzern bringen, der in erster Linie von Spielern geliebt wird. EA steht eher für Gewinn um jeden Preis, Sony Playstation für die Liebe zur virtuellen Kunst.

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