Mit Ninja, Pokimane und Shroud hat Valorant bereits drei größten Streamer auf Youtube, Twitch und Mixer voll abgeholt. Doch wie entstand Riots erster Shooter? Das Making-of.

Wussten Sie eigentlich, dass einer der wichtigsten Chefdesigner von CS:GO an Riot Games Shooter Valorant arbeitet? Salvatore Garozzo. Er hat die Original-Version von Cache für Counter-Strike 1.6 designt, was damals noch eine kostenfreie Mod für Half-Life war. Valve hat ihn dann für die CS:GO-Variante engagiert. Auch de_Nuke stammt aus seiner Feder. Zwei der ikonischsten Karten der CS-Ära. Das erklärt auf anschauliche Weise, wie viel Respekt Riot Games vor Counter-Strike hat: Man kopiert das Spiel nicht einfach, sondern hat die richtigen Leute engagiert, die die weltberühmte CS-DNA auf Valorant übertragen. 

Riots Map-Design-Team besteht aus Counter-Strike-Profis

Dass Valorant sich nach CS anfühlt, obwohl es ein Hero-Shooter ist, kommt nicht von ungefähr. Valves Chefdesigner arbeitet jetzt für Riot Games.

Counter-Strike lässt sich als erfolgreichstes Spiel aller Zeiten bezeichnen, wenn wir ausschließlich die Spielerzahlen betrachten – es gibt kein anderes Werk, welches konsistent über 20 Jahre gespielt wurde und auch genauso erfolgreich war im eSports. Es wäre nicht falsch zu behaupten, der eSports wurde geboren aus der Liebe für zwei Spiele: Starcraft und CS 1.6. Laut einer großartigen Coverstory der Kollegen von Polygon war Valorant bereits vor fünf Jahren schon spielbar, was bemerkenswert ist. 

Als mich Riot Games einlud, war ich etwas skeptisch. Natürlich mochte ich League of Legends, wusste aber als Karten-Designer von Valve nicht so wirklich, wie ich sie bereichern kann. Mein Fokus lag immer auf Shootern, nicht MOBAs. Als ich dann Valorant in dieser sehr frühen Form gespielt habe, dachte ich sofort: Okay, wow, da möchte ich dabei sein!“
- Salvatore “Volcano“ Garozzo, Senior Game Designer Valorant -

Was sagen die Stars zu Valorant? 

Ninja spielt aktuell deutlich mehr Call of Duty Warzone und Valorant als Fortnite.

© RED BULL

Ninja: „Das ist das Spiel. Es passiert endlich wieder – NinjasHyper ist zurück. 

Nein, im Ernst – Valorant ist fantastisch. Ich hatte schon so viele Matches mit irgendwelchen Leuten, die ich nicht kannte, und wir hatten einfach Spaß. Ich bekomme super viele Freundesanfragen, und es wäre cool, wenn Riot eine zweite Liste anbieten würde – eine für meine Buddies und eine für Leute, mit denen ich hier und da mal eine Runde zocken möchte. Bin auch super happy, dass wir aktuell in Covid-19-Zeiten viel streamen, um Geld zu sammeln für Menschen in Not und Organisationen, die kostenfrei Essen verteilen.“

Shroud: „Das Gunplay ist sehr solide, die Bewegungsrhythmen haben einen guten Vibe und mir gefällt, wie klar das Design der Karten ist. Alles hat eine klar definierte Linie, nicht zu viel CGI-Effekte, einen eher reduzierten Look, was den Titel für eSports prädestiniert. Und nein, ich werde nicht wieder in die Pro-Szene wechseln, das war nur ein Joke, während eines Streams. Als eSports-Pro kannst du nicht streamen, weil dann alle deine Moves und die Strategie deines Teams studieren können. Es geht nur eines, und ich liebe nun mal das Streamen.“ 

Pokimane geht einen Schritt weiter: „Valorant könnte der Overwatch-Killer werden.“

© Pokimane

Pokimane: „Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: Valorant wird einen Großteil der Overwatch-Community für sich gewinnen. Ich möchte nicht zu früh urteilen, wir spielen ja alle erst seit ein paar Wochen. Aber Valorant dürfte der Overwatch-Killer werden. Riot ist einfach verdammt gut, was Live-Services angeht, und die Basis ist schon jetzt stark, während Overwatch enorme Probleme hat auf Twitch und mit ihrer eSports-Liga, wo die Teams 30 Mio. zahlen, nur um mitspielen zu dürfen.“

Wir entwickeln kein Spiel, an dem jeder Spaß haben wird. Und das ist okay.“

Interessantes Detail: Als Riot Games anfing an Valorant zu arbeiten, bemerkten sie, wie viel Core-Kompetenz aus dem Shooter-Segment sie bereits im Unternehmen hatten. Etwa Anna Donlon, die als Senior Producer an Call of Duty: Modern Warfare gearbeitet hat, was 2009 rauskam. Außerdem Call of Duty: Black Ops 1,2 und 3. Als Executive Producer ist sie jetzt dafür verantwortlich, dass alle Elemente zusammenfließen, Zeitpläne eingehalten werden und Valorant im Sommer veröffentlicht werden kann. Ihr Job besteht darin, Spiele aus der Entwicklung in den Live-Modus zu hieven und dort den besten Support für die Fanbase anzubieten – Call of Duty ist im Multiplayer ein Titel, der in der Regel viele Patches und vor allem eine straffe Content-Pipeline für neue Karten braucht.

Valorant ist mit ganz klarem Fokus auf kompetitive Spieler entstanden. Sie müssen die einzelnen Mechaniken meistern, um erfolgreich zu sein. Das mag nicht jedem gefallen, und das ist völlig okay. Ich denke, wir haben recht früh entschieden, dass wir hier kein Spiel für jeden entwickeln, sondern eine spezifische Zielgruppe. Auf der anderen Seite lassen wir uns jetzt einfach mal davon überraschen, wie viele Spieler daran Spaß finden.“

- Anna Donlon, Executive Producer Valorant

Valorants Executive Producer hat vorher Call of Duty: Black Ops 3 verantwortet. Das beliebteste CoD in der Youtuber-Community.

Die aktuelle Closed Beta zeigt: Riot muss sich tendenziell keine allzu großen Sorgen machen, der Hype rum um Valorant ist gigantisch und viele Leute schauen Stunden um Stunden Twitch, um zum einen den Content zu genießen und zum anderen für die Valorant-Beta freigeschaltet zu werden. Der Fakt, dass Menschen bereit waren, bis zu 150 Euro für einen Valorant-Beta-Key auf Ebay zu zahlen, spricht Bände, wie heiß die Leute auf den Riot-Shooter sind. „Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn das Team intern jede freie Minute mit dem Game verbringt. Wir mussten sogar diverse Regeln einführen, wie viel Gameplay-Zeit jedes Team investieren darf pro Tag, weil wir mit unserer Arbeit nicht mehr hinterherkamen“, erzählt ein grundentspannter Joe Ziegler, der als Creative Director alle Zügel in der Hand hält.

Valorant Hands-On-Test: 10 Gründe, warum Valorant Twitch dominiert

Was macht einen guten Taktik-Shooter aus? 

Valorant ist eher auf langsames, sehr taktisches, methodisches Gameplay ausgelegt.

Das Wichtigste überhaupt für ein Spiel sind seine Gameplay-Loops. Also die relevantesten Mechaniken, die immer wieder abgespult werden und sich auch nach dem hundertsten Match noch gut anfühlen müssen: schießen, springen, sprinten, Granaten werfen, die einzelnen Agentenfähigkeiten einsetzen. Um diese Gameplay-Loops kümmert sich schwerpunktmäßig Counter-Strike-Experte Salvatore Garozzo mit seinem Team: 

Valorant ist klar auf Taktik und vorsichtiges Vorgehen ausgelegt. Es gibt viele sehr gute Shooter da draußen, die sind auf Sprinten, Wall-Running & Co. ausgelegt. Wir hingegen haben uns für einen langsameren, methodischeren Ansatz entschieden. Sie laufen mehr, als dass Sie sprinten. Für uns ist es enorm wichtig, dass Sie sich super akkurat bewegen und schießen können. Das ist kritisch zur Positionierung, und wie Sie in ein Duell reingehen. Auf der anderen Seite sind uns diese “Valorant Moments“ enorm wichtig, wo jemand ein 1-gegen-4 für sich entscheiden kann, einfach weil er präziser schießt und die taktischen Elemente unserer Agents smarter in diesem Moment einsetzt.“

Mechanischer Skill trifft hier auf diese einzigartigen Fähigkeiten, die das Gameplay komplementieren – Sie ersetzen nicht den Skill, weshalb wir diese nicht übermächtig gestaltet haben. Das ist natürlich eine große Herausforderung, weil wir auf der einen Seite nichts vom Gunplay wegnehmen wollen, aber die Agents auch ihren Platz haben und ihre Rolle spielen sollen. Sie müssen sich gut anfühlen. Wir wollen, dass Sie diese Agents gerne im Team haben und diese nicht einfach nur ein Add-on oder Gadget sind.“

- Salvatore “Volcano“ Garozzo, Senior Game Designer Valorant - 

Keiner ist besser im Live-as-a-Service-Game als Riot Games 

Riot Games hat einen sehr guten Track-Rekord was seinen Support angeht: League of Legends erhält mitunter mehrere kleine Patches pro Monat.

Zu Beginn haben wir uns die Frage gestellt, was für ein Spiel zu Riot passen k ö nnte. Welches Genre k ö nnen wir bereichern, indem wir die Update-Loops so regelmäßig halten wie in League of Legends. Taktik-Shooter kamen uns da direkt in den Sinn, weil ein Counter-Strike zum Beispiel sehr selten neue Inhalte bekommt.“ 

- Joe Ziegler, Game Director Valorant -

Riot Games ist mit weitem Abstand das größte Entwicklerteam der Spielebranche. Über 4000 Angestellte finden wir auf Linkedin. Das ist beachtlich, schließlich hatte Riot über sehr lange Zeit nur ein Spiel: League of Legends. Mittlerweile sind weitere Projekte wie Legends of Runeterra, eine TV-Serie etc., etc. hinzugekommen und natürlich arbeitet ein großes eSports-Team an der LCS sowie den Worlds, dennoch ist diese Armee an Entwicklern Riots größte Stärke. Nur mal zum Vergleich: Activision als finanzstärkster Publisher hat nur 2000 Mitarbeiter, so viele arbeiten aktuell alleine an League of Legends. Diese enorme Größe erlaubt es Riot, den schnellsten Update-Service für seine Spiele anzubieten, den wir je für ein Spiel gesehen haben.

LoL ist mittlerweile eine Dekade alt, es kommen aber immer noch alle zwei Wochen ein Update, häufig neue Helden – 148 Champions hat mittlerweile LoL, und diesen Update-Zyklus plant man mit Valorant beizubehalten. Spannend klingt dieses Modell, weil Riot bekannt dafür ist, sehr aktiv an seinen Spielen zu arbeiten. Vor sechs Jahren unterwarf man League of Legends einer kompletten Design-Überarbeitung und neuen Engine. Es wäre also durchaus möglich, dass man jetzt Valorant im Sommer veröffentlicht und später mal einem Grafik-Update unterzieht. Auf jeden Fall wird es oft neue Agents, neue Waffen, Karten etc. geben, um das Spiel frisch zu halten. Riot lädt übrigens ab diesem Monat deutlich mehr Spieler für die Closed Beta ein, also einfach mal den E-Mail-Account im Blick halten…