Wie schnell ist Ihr WLAN? So finden Sie es heraus.

Sie haben ihren Desktop-PC per Ethernetkabel an einen Router oder Switch angeschlossen und kopieren unter Windows 11 zum Beispiel ihre Foto- oder Videosammlung auf einen Netzwerkspeicher oder eine Freigabe auf einem anderen Rechner. Von der nominellen Geschwindigkeit sind Sie aber weit entfernt. Statt der möglichen rund 100 MB pro Sekunde in Ihrem Gigabit-Netzwerk zeigt der Dateimanager weit weniger Tempo an. Nun gilt es, der Ursache für die Drosselung auf die Schliche zu kommen und sie dauerhaft zu beseitigen.

Windows-Informationen zum Netzwerktempo anzeigen

Der erste Weg bei der Ursachenforschung führt über die Einstellungen-App von Windows 11, die Sie am schnellsten mit der Tastenkombination Windows-I öffnen. Klicken Sie links im Fenster auf „Netzwerk & Internet“. Im rechten Fensterbereich sehen Sie fünf Bereiche und ganz oben rechts neben dem großen Symbol „Ethernet – Verbunden“. Die jetzt relevanten Informationen öffnen Sie mit einem Klick auf „Erweiterte Netzwerkeinstellungen“. Oben im Fenster sehen Sie dann unter „Ethernet“ die im PC verbaute Netzwerkkarte – in unserem Beispiel „Netzwerk | Intel (R) PRO/1000 MT Desktop Adapter“. Die Bezeichnung lässt darauf schließen, dass die Netzwerkkarte Gigabit-Geschwindigkeit beherrscht. Ein Klick auf die Pfeilspitze rechts neben „Deaktivieren“ zeigt weitere Details. Wichtig ist hier die Verbindungsgeschwindigkeit: Passend zur Karte wird hier „1000 (Mbps)“ angezeigt. Bei einer 2,5GBase- T-Karte steht hier „2500 (Mbps)“. Weitere Informationen zur Verbindungsgeschwindigkeit „Empfang und Übertragung“ erhalten Sie nach einem Klick auf „Anzeigen zusätzlicher Eigenschaften“.

Sie können jetzt davon ausgehen, dass der PC zumindest in der Theorie die erwartete Netzwerkgeschwindigkeit beherrscht. Da er es in der Praxis aber reproduzierbar nicht kann, sollten Sie weiter auf Ursachenforschung gehen.

Reale Geschwindigkeit mit Windows-Bordmitteln messen

Den ersten Aufschluss über die Geschwindigkeit Ihres Netzwerks haben Sie ja bereits beim Kopieren von Dateien im Explorer von Windows 11 beziehungsweise einem Dateimanager wie Speedcommander und Total Commander oder einem Kopiertool wie Teracopy erhalten. Ermitteln Sie jetzt die Geschwindigkeit in verschiedenen Szenarien: In unserem Beispiel gibt es im Netzwerk ein NAS von Synology, ein NAS von Qnap, einen Netzwerkspeicher von Western Digital sowie eine Netzwerkfreigabe auf einem Notebook. Übertragen Sie nun nacheinander die gleiche gemischte Auswahl mit kleinen und großen Dateien auf die vorhandenen Geräte. Messen Sie mit einer Stoppuhr die Zeit, bis der Explorer die Dateien von der Quelle zum Ziel übertragen hat. Idealerweise wiederholen Sie diesen Vorgang drei Mal und ermitteln danach den Durchschnittswert.

Anschließend führen Sie Messungen mit 50 kleinen Dateien (jeweils < 5 MB) und danach mit einer großen Datei (> 4 GB) durch. Das sorgt für ein realistisches Ergebnis. 

Beachten Sie dabei: Bei der Datenübertragung per TCP/IP werden die Dateien nicht in einem Block im Netzwerk von der Quelle zum Ziel übertragen, sondern in viele kleine Pakete aufgeteilt. Dabei wird jedes Paket unter anderem mit dem Namen der Datei und ihrem Pfad im Dateisystem abgelegt. Das geht naturgemäß bei einer großen Datei schneller als bei vielen kleinen Dateien. Nach all den Messungen können Sie die Geschwindigkeit Ihres Netzwerks unter praxisgerechten Bedingungen beurteilen. Bei Gigabit-Ethernet etwa liegt die theoretische Datenübertragungsrate bei 1 GBit pro Sekunde und der Datendurchsatz bei 940 MBit pro Sekunde. Das entspricht umgerechnet etwa 117 MB pro Sekunde. Liegen die Werte deutlich unter den durchschnittlichen Werten eines schnellen Netzwerks, geht es weiter mit der Suche nach den Ursachen für die Tempobremsen.

Ob Ihr PC überhaupt Gigabit-Geschwindigkeit beherrscht, zeigt Windows 11 in der Einstellungen-App an.

Spezielle Tools messen die Netzwerkgeschwindigkeit

Die Freeware Iperf  ist das Standardtool für das Messen der Netzwerkgeschwindigkeit. Neben dem Kommandozeilenprogramm gibt es unter dem Namen Jperf  auch eine Version mit grafischer Oberfläche. Entpacken Sie die ZIP-Datei und klicken Sie doppelt auf die Datei „jperf.bat“, um das Setup zu starten.

Wiederholen Sie diesen Vorgang auf einem zweiten Rechner in Ihrem Netzwerk. Einen dieser beiden PCs ernennen Sie zum Jperf-Server und markieren im oberen Teil des Programmfensters die entsprechende Option. Öffnen Sie auf diesem PC die „Eingabeaufforderung“ und ermitteln Sie mit dem Befehl ipconfig die IP-Adresse des Netzwerkadapters. Wechseln Sie wieder zu Jperf und klicken Sie auf „Run Iperf!“, um den Server zu starten. Auf dem anderen PC stellen Sie sicher, dass Jperf dort als „Client“ konfiguriert ist. Tippen Sie neben „Server address“ die IP-Adresse des Servers ein. Stellen Sie im Bereich „Application layer options“ neben „Transmit“ eine Zeit von 30 Sekunden ein und markieren Sie im Dropdown-Menü „Output Format“ die Option „MBits“ als Einheit. Danach starten Sie den Test mit einem Klick auf „Run IPerf!“.

Netzwerkhardware überprüfen

Für die maximale Geschwindigkeit im Netzwerk muss die Hardware zueinander passen – also Router, Switch, Netzwerkkarte im PC und natürlich auch die Kabel zwischen den einzelnen Geräten. Hängt beispielsweise ein alter 100-MB-Switch im Netz, bremst er das Tempo auf ein Zehntel des Möglichen in einem Gigabit-Netzwerk herunter. Kontrollieren Sie also zuerst die einzelnen Netzwerkgeräte. Sie sollten durchgängig mindestens 1000 MBit pro Sekunde (1 GBit) unterstützen.

Achten Sie dann auf die Beschriftung der Netzwerkkabel. Grundsätzlich ermöglichen Cat-5-Kabel eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 1000 MBit pro Sekunde. Eine wesentlich bessere Abschirmung gegen Störeinflüsse und somit gegen einen spürbaren Abfall der Geschwindigkeit bieten jedoch Netzwerkkabel der teureren Kategorien Cat 6 und Cat 7.

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