Linux: Schneller arbeiten mit Hotkeys

Hermann Apfelböck |
Schlaue Tastenkombinationen können verblüffende Vereinfachungen für den Benutzeralltag erzielen. Dieser Beitrag bringt coole Beispiele für Desktop-Hotkeys, Bash-Hotkeys und Autokey-Makros, die zu individuellen Lösungen anregen sollen.
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Zum Abfragen von xprop-Infos genügt eine Tastenkombination. Das notwendige Terminal zur xprop-Ausgabe startet gleich mit.

IDG

Nichts ist schneller als ein vertrauter Hotkey und Tastenkombinationen können weitaus mehr, als nur ein favorisiertes Programm laden. Das einzige Problem von Hotkeys ist es, dass sie sich nicht beliebig vermehren lassen. Konzentrieren Sie sich auf Wichtiges und auf eine Anzahl, die Sie sich mühelos merken können.

Desktop-Hotkeys anpassen und erstellen

Einen Überblick mit allen Eingriffsmöglichkeiten erhalten Sie in Ubuntu und Linux Mint unter „Systemeinstellungen –› (Geräte) –› Tastatur“. Hier werden Sie viele aktivierte Standard-Hotkeys antreffen, die Sie kaum nutzen. Hotkeys, die Sie definitiv nicht interessieren, können Sie abschalten. Das ist insbesondere sinnvoll, wenn Sie Kollisionen mit eigenen Hotkeys vermeiden wollen. Um einen Hotkey zu deaktivieren, müssen Sie im Dialog „Tastenkombination festlegen“ die Rücktaste drücken.

Linux-Grundlagen: Tipps zur besten Konfiguration

Beispiel 1: Wenn Sie die insgesamt sechs Hotkeys für Bildschirmfotos von Ubuntu (Gnome) verwirrend finden, deaktivieren Sie allesamt mit der Rücktaste. Danach gehen Sie ganz nach unten und legen mit der „+“-Schaltfläche zwei eigene Hotkeys an: Der erste könnte als „Name“ „Screenshot (Vollbild)“ und diesen „Befehl“ erhalten:

gnome-screenshot -i  

Dies startet das Tool mit voller Kontrolle über die Optionen. Bei der Tastenkombination gehen Sie auf die Druck-Taste. Für einen zweiten Hotkey – etwa „Screenshot (Fenster“) – verwenden Sie den Befehl

gnome-screenshot -i -w  

und vergeben mit „Tastenkombination festlegen“ den Hotkey Alt-Druck.

Beispiel 2: Das kleine Tool xkill zum zwangsweisen Beenden von Programmfenstern ist geradezu prädestiniert für einen Hotkey. Nach Klick auf die „+“-Schaltfläche im Tastaturdialog geben Sie als Name und Befehl jeweils „xkill“ ein und drücken bei „Tastenkombination festlegen“ etwa auf Strg-Super-Alt-K. Künftig genügt dieser Hotkey, um den Mauszeiger in das weiße Kill-Kreuz zu verwandeln und per Klick auf das gewünschte Fenster dieses zu beenden. Verwenden Sie die rechte Maustaste für den Fall, dass Sie xkill ohne Aktion beenden möchten.

Beispiel 3: xprop gehört wie xkill zum Desktopstandard und liefert wichtige Infos über das angeklickte Programmfenster. Folgender hübsche Befehl für eine Tastenkombination vereinfacht den Einsatz von xprop erheblich:

gnome-terminal -e 'sh -c "xprop; sleep 25"'  

Der Hotkey startet das Terminal, dieses wiederum xprop. Das Terminal wartet dann die angegebene Zeit, damit Sie die Infos in Ruhe lesen können. Danach schließt das Terminal automatisch. Wer die großzügig bemessene Wartezeit nicht benötigt, kann das Terminal jederzeit manuell schließen.

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Die Bash-Tastenkombinationen sind frei belegbar.

Beispiel 4: Die schon im Beispiel 1 angedeutete Möglichkeit, bei Hotkey-Befehlen mit Parametern zu arbeiten, macht Tastenkombinationen sehr variabel. So können diverse wichtige Verzeichnisse über Dateimanager-Hotkeys direkt gestartet werden:

nautilus --new-window smb://server/transfer  

Auch der Browser kann mehrere Hotkeys erhalten, um die wichtigsten Adressen direkt zu starten:

firefox www.google.de
firefox http://192.168/178/10/wiki  

Beispiel 5: Unter Ubuntu und Mint lassen sich praktisch alle Desktopelemente durch Kommandos steuern. Dies ist ein weites Feld und kann hier nur gestreift werden. Wer etwa unter Mint mit Cinnamon gelegentlich Abwechslung oder andere Farbkontraste wünscht, kann mit zwei (oder mehr) Hotkeys das Desktopthema umstellen. Passende Befehle für selbst definierte Tastenkombinationen sehen dann so aus:

gsettings set org.cinnamon.theme name "Mint-X-Aqua"
gsettings set org.cinnamon.theme name "Mint-Y"  

Selbstverständlich kann ein Hotkey auch einen Wechsel des aktuellen Hintergrundbildes auslösen:

gsettings set org.cinnamon.desktop.background picture-uri "file:///home/ha/Bilder/xyz.jpg" 

Der Befehl für Ubuntu mit Gnome ist praktisch identisch, nur muss der Konfigurationspfad hier „org.gnome.desktop.background“ lauten.

Tipp: Die 10 wichtigsten Linux-Befehle für Einsteiger

Hotkeys im Terminal

Alle Tasten und Tastenkombinationen der Bash-Shell sind frei einstellbar – typisch etwa Strg-L zum Löschen des Bildschirms oder Strg-D zum Beenden der Shell. Mit dem bind-Befehl definieren Sie beliebige andere Terminal-Hotkeys. Wer sich das Terminal häuslich eingerichtet hat, wird darauf verweisen, dass Aliaskürzel für genügend Komfort sorgen. Aber ein Hotkey noch kürzer als ein kurzes Alias (plus notwendiger Eingabetaste), ferner bieten Keybindings manches zusätzliche Bonbon. Wichtig: Bind-Befehle können Sie zwar interaktiv im Terminal ausprobieren, für dauerhafte Nutzung müssen Sie sie aber in die Datei „~/.bashrc“ eintragen:

bind '"\ef":"ls -lA --groupdirectories- first\n"'  

Dieser Befehl definiert für den Hotkey Alt-F („\e“ steht für Alt) einen ls-Befehl, der durch abschließendes „\n“ (Code für die Eingabetaste) direkt ausgeführt wird. Ähnlich startet hier

bind '"\e8":"ssh -p 1234 root@192.168.0.8\n"'  

der Hotkey Alt-8 eine SSH-Sitzung auf dem angegebenen Server.

Keybindings können aber auf einen Hotkey hin auch ein Teilkommando auf den Prompt schreiben (hier nach Alt-I):

bind '"\ei":"sudo apt install "  

Das ist praktisch, um bei oft genutzten Befehlen nur noch einen Bruchteil ergänzen zu müssen.

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Autokey kann Textbausteine über Textkürzel („Abbreviations“) und über Tastenkombinationen einfügen.

Neben solchen Terminalkommandos gibt es zahlreiche interne Funktionen der Bash-Befehlszeile, die Sie mit bind -l abfragen können. Unser Favorit ist „kill-whole-line“, der etwa nach

bind '"\ek":kill-whole-line'  

nach Alt-K die komplette Zeile vom Prompt löscht und damit die Hotkeys Strg-K und Strg-U ergänzt, die nur Text vor oder nach der aktuellen Cursorposition löschen.

Wenn Sie Terminal-Hotkeys mit der Strg-Taste verwenden wollen, müssen Sie diese mit „\C-“ codieren. Das letzte Beispiel mit Hotkey Strg-K statt Alt-K würde daher so definiert:

bind '"\C-L":kill-whole-line'  

Theoretisch können Terminal-Hotkeys nach „bind -x …“ auch grafische Programme auslösen. Dafür ist aber der Desktop die deutlich bequemere Zentrale.

Textbausteine per Hotkey  

Das Tool Autokey kann Textbausteine nach einem definierten Hotkey systemweit in Editor, Mailprogramm, Browser, Terminal etc. einfügen. Autokey ist mit

sudo apt install autokey-gtk 

aus den Paketquellen schnell nachinstalliert und erfordert danach eine Neuanmeldung. Nach dem Start von Autokey über das Menü sorgen Sie zunächst dafür, dass Autokey automatisch startet („Edit –› Preferences –› General –› Automatically start AutoKey at login“).

Im Konfigurationsfenster finden Sie unter „My Phrases“ einige vordefinierte Textbausteine. Um eigene Textbausteine anzulegen, verwenden Sie „New –› Phrase“. Vergeben Sie einen Namen wie etwa „Adresse“ und bestätigen Sie mit „OK“. Im Editorfenster steht „Enter phrase contents“, was Sie nun durch den tatsächlichen Text ersetzen. In der Regel werden Sie Textbausteine beim Schreiben durch ein knappes Tastenkürzel auslösen wollen – etwa „adr“ für die komplette Adresse (siehe „Abbreviations“). Aber für allerwichtigste Signaturen oder Adressen können Sie auch einen Hotkey verwenden. Gehen Sie dazu unten neben „Hotkey“ auf „Set“. Hier klicken Sie auf „Press to Set“, drücken einfach die gewünschte Tastenkombination und bestätigen mit „OK“. Sobald Sie im Hauptdialog mit „Save“ speichern, ist der Hotkey mit Textbaustein aktiv.